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Kapitel 62 / 15 Schüler, eine Prüfung

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Kapitel 62 / 15 Schüler, eine Prüfung

15 Schüler, eine Prüfung

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Während Haru an der Wand lehnt versucht, seine Ruhe zu genießen, hört er die Mädchen, die er zuvor begrüßt hatte, leise über ihn flüstern. Und zwar nicht positiv. Ihr Ton verrät klar, dass sie in gerade verachten.

...Wann kommt unsere Lehrerin, boah. Ich will das ganze mal hinter mir haben. Und das Gestern Abend beim Serien gucken meine Schwester mich wieder bombardiert hat war auch nicht der knaller.

Ich komme später wieder... aber erst, wenn ich das hier durchgezogen habe.

Das hatte er seiner Schwester gestern geschrieben. Seitdem und davor auch schon will sie dauernd mit ihm telefonieren.

Komisch.

Sein schwarzes Outfit spiegelt seine Laune gerade perfekt wieder. Als würde eine Gewitter Wolke über ihn gerade schweben.

Trotz des Lärms nickt er kurz ein. Er merkt, wie er im Halbschlaf abdriftet. Plötzlich... Stille. Oder zumindest ist es viel Leiser geworden.

Er öffnet seine Augen.

Vor ihm steht seine Klassenlehrerin. Mit einem Ausdruck, der sagt: Ich warte.

Er zuckt heftig zusammen, ein kleiner Schrei rutscht aus ihm raus.

„Ich dachte, du wärst schon eingeschlafen. ...Also komm. Ich warte." Sie dreht sich um und geht ins Klassenzimmer.

...Sie ist ja noch hübscher als sonst. Daraufhin schüttelt er seinen Kopf. ...Warum denk ich sowas??

Als Haru den Raum betritt und die Blicke wie Dolche auf ihn einstechen, fällt ihm etwas auf. Seine Schürfwunden und Narben an den Unterarmen sind fast vollständig verheilt. Er kann seine Ärmel endlich wieder ohne Sorgen hochkrempeln.

Freya, Jeanne und Natsu sind erst morgen und übermorgen dran. Heute: Seine Gruppe. 15 Leute. Dritte Etage. Eine Prüfung.

Er setzt sich an irgendeinen Stuhl im Kreis.

Seine Klassenlehrerin begrüßt die Gruppe und erklärt die Basics. Obwohl es schon 8:10 Uhr ist und die anderen Etagen längst angefangen haben, wirkt hier jeder erstaunlich entspannt.

Ich bin gespannt...

„Nur damit ihr es wisst", beginnt Frau Siwzcyk, „die Prüfungen wechseln täglich. Jede Aufgabe ist anders."

Während die Zweitklässler Prüfungen haben, sind die Erst- und Drittklässler auf Stufenfahrt, und die Viertklässler haben die Woche Online-Unterricht. Anders konnte die Schule es nicht organisieren.

Alle atmeten enttäuscht aus und lassen sich danach ein klein wenig in deren Sitze fallen.

Schade. Ich hätte den dreien gerne erzählt, auf was sie sich einstellen können.

„So. Die Prüfung dauert insgesamt drei Stunden. Und wie ihr hoffentlich gesehen habt, sind die Tore verschlossen. Sie werden im Laufe des Tages geöffnet— aber nicht damit ihr rus könnt. Es ist Teil der Prüfung.

Lauter Fragezeichen zeigen sich im Raum. Und ein Mädchen mit blauen Augen und einem selbstbewussten auftreten zeigt auf.

Haru findet ihren Namen... speziell

„Ja bitte.", reagiert Frau Siwzcyk dadrauf.

Das Mädchen heißt Kalindra. Dies hatte Haru in Erfahrung gebracht. Sein erster Eindruck von ihrem Namen ist naja... etwas zwiegespalten.

Als würden ihre Eltern damals zu viel Fantasy Bücher gelesen haben und ihr dann den Namen gegeben haben.

Frau Sizwcyk verschränkt die Arme. „Gut. Bevor wir anfangen— gibt es Fragen?"

Nur das leise Geräusch einer Stuhlkante ertönt, bevor Kalindra ihre Hand hebt.

„Also... äh... das mit den Absperrungen eben. Bedeutet das, dass wir später mit anderen Gruppen tauschen? Oder... bleiben wir die ganze Zeit zusammen?"

Ihre Stimme verrät, dass sie sich alle mögliche Szenarien ausmalt.

Frau Siwzcyk hebt eine Augenbraue. „Interessante Frage."

Doch anstatt zu antworten, lächelt sie nur. Ein kontrolliertes, bewusst gesetztes Lächeln.

„Ihr werde es herausfinden."

Einige Schüler seufzen frustriert auf. Kalindra senkt die Hand wieder, leicht beschämt.

Haru beobachtet sie. Er kennt diesen Blick. Die Mischung aus Wut, Neugier und Selbstzweifel.

Er hebt die Hand.

„Ja, Haruki?"

„Ich... glaube, was sie eigentlich wissen wollte, war nicht wann wir es herausfinden, sondern ob wir die Gruppe überhaupt wechseln." Er zeigt höflich zu Kalindra. „So hab ich's verstanden."

Ein paar Köpfe drehen sich zu Kalindra. Sie wirkt ertappt, aber auch bisschen dankbar.

„Äh, ja... genau." Sie zieht ihre Schultern ein. „So meinte ich das."

Haru atmet leise aus.

Ich glaube ich habe mir einen Feind noch dazu gemacht. Weil alle Mädchen neben ihr mir schon die Blicke zuwerfen.

Und... Kalindra ist eh ein Mädchen die ein auf hart tut, aber vor den Lehrern zum ängstlichen, kleinen Kätzchen wird. Ich wette meine Ehre dafür das sie Online ein auf though macht und in real life... ja, wie ich halt gesagt hab.

Kalindra wirft ihm einen schnellen Blick zu, der schwer deutbar wirkt. Eine Mischung aus ‚Danke' und ‚ich hasse dich trotzdem'.

Er schaut in die Runde. 14 fremde Teenager. Unterschiedlichste Haarfarben: Lila, Blond, Weiß, dunkelgrüne Spitzen. Wie eine wandelnde Farbpalette.

In meiner alten Schule war es ähnlich... aber nicht so viele auf einem Fleck.

„Wenn ihr keine Fragen mehr habt, dann fangt jetzt an." Und direkt danach flüstert die Prüferin für sich selbst: „Bestimmt haben die anderen Prüfer schon mit ihren Prüflingen halbwegs die erste Prüfung fertig."

Obwohl unsere Lehrerin sich als so autoritär und emotionslos sich uns vorgibt hat sie bestimmt eine weiche Seite die sie uns verschweigt.

Kalindras Haare sind aufgestellt und spitz wie ihre Meinung gegen Haru. Ihr Verhalten wie sie ihn nun anschaut beunruhigt ihn ein bisschen. Dennoch behält er einen kühlen Kopf und schaut nur nach vorne zu Frau Siwzcyk.

Die Gruppe klappt die integrierten Tische am Stuhl runter. Wie in einer Podiumsdiskussion sind sie zueinander gestellt.

‚Wir werden ihn nun alle zum Feind nehmen', denkt seine gesamte Gruppe. Obwohl Haru es weiß ist er zugleich beunruhigt und gleichzeitig auch neugierig wie es ausgehen wird. Als würde er keine Sorgen davon haben, dass er ein paar Punkte in seiner App verlieren könnte.

Sie setzen sich daraufhin an die Tische. 15 Leute in einer Prüfung, als eine Art Ersatz für eine normale Klausur.

Frau Siwzcyk nähert sich dem Kreis und teilt der Gruppe noch etwas mit, bevor sie sich endgültig an ihren Tisch setzt. „Obwohl ihr nun die Sonderregelung habt, werdet ihr trotzdem eure LKs wie jede andere Schule wählen müssen im Juni. Weil im dritten Jahr wird fast der gesamte Schulalltag für euch anders sein." Sie klingt wirklich emotionslos, als würde sie es für's Geld tun, anstatt für die Liebe der Schüler.

Ich denke ich habe es ihnen zu früh mitgeteilt, aber ich musste es jemanden gesagt haben.

Folglich setzt sie sich hin und beantwortet noch kurz eine Nachricht, bevor sie endgültig ihre volle Aufmerksamkeit ihnen schenkt.

Kalindra sitzt angespannt, wütend, aber gleichzeitig neugierig. Ihre beste Freundin Linz, optisch fast ihr Ebenbild, wirkt dagegen fast fröhlich.

Haru beobachtet sie und lehnt sich leicht zurück.

In was für eine Punk-Gruppe bin ich hier geraten...