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Kapitel 67 / Trainieren, Reden, Fühlen

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Kapitel 67 / Trainieren, Reden, Fühlen

Trainieren, Reden, Fühlen

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Seit der Prüfung sind zwei Wochen vergangen.

Das Wetter ist fast zu gut um wahr zu sein. Füngundzwanzig Grad, leichter Frühlingswind, die Sonne steht schon tief am dem Park, während Haru an den Dip-Stangen trainiert.

Der Schweiß glänzt auf seiner Stirn. Das schwarze Tanktop klebt an seinem Rücken, seine arme zittern leicht, als er den letzten Dip des siebten Satzes beendet. Seine Brust brennt— aber es ist das gute Brennen.

Ich liebe dieses Gefühl!!

Er lässt sich kurz hängen, atmet tief aus und greift nach seiner Wasserflasche. Zwei große Schlucke. Das kaltes Wasser läuft seine Kehle hinunter. Genau in diesem vibriert sein Handy.

Er zieht es aus seiner Jogginghose.

[Mama]

Ein kurzer Stich in seiner Brust. Er zögert kurz. Er weiß nicht, warum sein Herz plötzlich noch schneller schlägt, obwohl es nur seine eigene Mutter ist.

[„Hallo?"]

„Hi."

Seine Stimme ist leicht außer Atem, aber versucht normal zu wirken.

[„Ich wollte mal wieder fragen, wie es dir geht", sagt sie. „Du bist ja kaum noch zu Hause. Entweder in deinem Zimmer zuhause oder ganz weg. Ich hoffe, du hast dort wenigstens Spaß... aber eigentlich wollte ich dir etwas Wichtiges sagen."]

Haru nimmt einen weiteren Schluck. Als würde er Angst haben das sein Körper in den folge Sätzen übersäuern würde.

„Ja?", fragt er ganz vorsichtig.

[„Dein Papa und ich fliegen für eine Zeit nach Japan."]

Er runzelt die Stirn. „Nach Japan? Warum?"

[„Deine Schwester ist gerade auf Klassenfahrt, und dein Vater muss dort etwas Wichtiges regeln. Geschäftlich."]

Haru sagt nichts.

Er merkt erst jetzt, dass er nicht einmal wusste, dass Haruka auf Klassenfahrt isst. Die Akademie, das Training, alles— er war so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ihm sein Umfeld komplett entgangen ist.

Ein unangenehmes Gefühl kriecht in ihm hoch.

„...Sorry."

[„Wofür?"] Ihre Stimme ist weich. Kein Vorwurf. [„Dafür, dass du kaum noch da bist? Du hast bestimmt deine Grüde, Haru. Ich weiß, dass du nicht einfach vor uns wegläufst."]

Sein Hals schnürt sich zu.

Ach Mama... du verstehst mich einfach.

Seine Augen werden feucht. Hastig wischt er sich mit dem Handrücken über die Wange und hofft, dass niemand im Park es bemerkt.

Ich bin weg... und trotzdem warten sie noch auf mich.

Er spürt den Wind auf der Haut, hört das Lachen der Kinder beiläufig, riecht die Frische Luft— alles wirkt plötzlich lebendiger, intensiver. Jeder Sinn scheint wach geworden zu sein. Als würde er geheilt worden sein.

[„Ich möchte, dass du zu ihrem Elternsprechtag gehst"] sagt sie plötzlich.

„Was? Ich?

[„Ja. Sie soll dich sehen." Ein leises Schmunzeln liegt in ihrer Stimme. [„Ich bin wirklich neugierig, wie sie reagiert. Und ich glaube, die Lehrer auch."]

Haru nickt fast automatisch. „Wann ist der?"

„Donnerstag vor den Ferien. Also nächste Woche."

„Okay." Keine Sekunde Zögern. „Ich geh hin.

[„Du weißt ja das wir Geld im Haus gelassen haben, falls ihr was braucht. Aber ehrlich glaube ich nicht, dass du es nötig hast."] Sie lacht leise. [„In deinem Luxus Zimmer hast du bestimmt inzwischen sogar kochen gelernt."]

Haru lächelt schwach. „Du weißt wirklich alles."

[„Sonst hättest du dich nicht so verändert, als du in den Weihnachtsferien da warst."]

„J-ja... Mama." Seine Stimme bricht beinahe. Er kämpft, die Tränen zurückzuhalten. Doch sie laufen trotzdem.

[„Und ich hoffe, du bringst wieder ein ordentliches Zeugnis mit nach Hause."]

Er lacht leise und kratzt sich am Hinterkopf. „Natürlich. Versprochen."

Die Sonne taucht schon den Park in ein warmes Abendlich. Goldene Strahlen spiegeln sich auf seiner verschwitzten Haut.

„Tschüss, Mama. Wir sehen uns."

[„Tschüss, mein Sohn."]

Das Gespräch endet. Ein paar vorbeigehende Leute werfen ihm irritierte Blicke zu. Ein Junge mit tränennassen Augen an einem Trainingsgerüst. Haru ist es aber egal.

Er stellt die Flasche ab, atmet tief durch. Der Wind weht kühl durch sein Tanktop.

Noch ein Satz.

Noch einmal reißt er sich zusammen und stemmt die letzten Dips. Mit jedem Zug spürt er das Ziehen in den Muskeln, und das Rauschen im Kopf. Am Ende lässt er sich fallen, lehnt sich sogar gegen die Stange, und verschränkt die Beine.

...Wie kann mich ein Gespräch mit meiner Mutter so emotional machen...?

Die Tränen laufen noch, obwohl das Gespräch schon vorbei ist. Das Gefühl der Familie lässt seinen Körper zittern, stärker als jede Anstrengung im Training.

Sein Blick fällt aufs Handy, als er wieder ununterbrochen seine Tränen wegwischt. Keine neuen Nachrichten. Niemand hat ihn Privat geschrieben. Nur Nachrichten aus der alten Stufengruppe, Jungsgruppe, und der neuen Stufe.

Hab irgendwie erwartet, dass mir niemand schreibt. Und bei Haruka wusste ich nicht mal, was bei ihr eigentlich los ist.

Er wirft sich das Handtuch über die Schultern und packt seinen Beutel. Bevor er geht, winkt er den Kindern auf dem Spielplatz nebenan zu.

Ein kleiner Junge starrt ihn mit großen Augen an.

„Mama, ich will auch so werde wie der!"

Haru hebt ruhig die Hand und lächelt, bevor er nachhause läuft. Er hat eine neue Motivation bekommen. Eine Überraschung für ihren Geburtstag.

„Eine Woche", murmelt er.

Eine Woche reicht. Für meine erste Erkundung. Und danach in die schön chilligen Ferien gehen.

Seine Faust ballt sich. Seine Adern ziehen sich über seinen gesamten Unterarm, der Bizeps spannt sich deutlich ab. Früher hätte er sich geschämt, rot angelaufen zu sein.. Heute zeigt er es mit Stolz.

Sein Handy vibriert erneut, als er den Park verlässt.

Mikail

| Lange nichts gehört

| Wie läufts?

Ein weiteres Lächeln bildet sich auf seinem Gesicht. Er hatte Mika lange nicht geantwortet. Sich auch, ohne es zu merken zurückgezogen und trotz all dem schreibt sein bester Freund ihm immer noch.

Ich hoffe dir geht's gut, sowie auch deiner geheimen. Hehe.

Er schickt ihm anstatt einhändig eine Nachricht zu schreiben, direkt eine Sprachnachricht. „Bro... das Ding ist, ich hab irgendwie so ein Traumleben. Alles fühlt sich surreal an, seit dem Wechsel. Als würde ich in einem Traum stecken, aber einem, der bis jetzt unnormal viel Spaß macht."

Er steckt das Handy weg und läuft über die Fußgängerampel rüber in sein Viertel.

Ich fühle mich seit langer Zeit endlich gut in meinem eigenen Körper.