Kapitel 68 / Ein anderes Kaliber
Kapitel 68 / Ein anderes Kaliber
Ein anderes Kaliber
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Es ist ein fast wie immer, ein ganz normaler Schulalltag bei Haru.
Haru fühlt sich gut. Vielleicht auch zu gut.
Sein Körper reagiert zwar schneller, seine Schritte sind sicherer, sein Blick klarer. Sein Training zeigt sich immer stärker nach außen. Jeder Atemzug fühlt sich kontrolliert an.
Hab ich mich verändert? Es fühlt sich an, als hätte sich etwas verschoben. Vielleicht ist das schon der Punkt an dem ich einfach... ich sein kann.
Mit diesem Gedanken im Kopf steigt er die Treppe zur oberen Etage.
Ich muss zur Direktorin. Seit Schulbeginn hab ich sie nicht einmal gesehen. Was macht die den ganzen Tag.
Er klopft.
Keine Antwort.
Dann die Klinke runter.
Verschlossen.
„Natürlich...", murmelt er.
Er bleibt neben der Tür stehen. Lehnt sich an und wartet. Die Vierzehner laufen an ihm vorbei, grüßen ihn höflich. Der Unterricht beginnt gleich, der Flur leert sich.
„Boah...", seufzt er. „Was macht die denn bitte?"
Lässt sich nicht blicken als würde sie hier der böse sein.
Eine Minute vergeht. Zwei Minuten.
Meine Fresse ich hau ab. Kein Bock mehr zu warten.
Er steckt die Hände in die Hosentasche in die Taschen als er wegläuft. Die Wut die in ihm langsam hochkam muss er gleich irgendwie rauslassen können. Er überlegt schon wie er das im Unterricht machen soll.
Aber als er sich ein paar Meter von der Tür abwendet, öffnet sich es—
Jemand läuft mit ruhigen, selbstsicheren Schritten hinaus. Ein Mädchen mit gepflegter, edlen Frisur tritt hinaus.
Haru bemerkt direkt das er angeschaut wird.
Muss wohl heute mein Glückstag sein, was?
Er dreht sich um. Ihre Blicke treffen sich direkt. Es fühlt sich an, als würde er unbewusst in einen Sturm reingelaufen sein.
„Was willst du denn?", reagiert sie äußerst allergisch auf ihn. Dabei mustert sie ihn noch von unten bis oben an.
Er bemerkt zwar das sie keine Lust auf das Gespräch hat, jedoch versucht er trotz dessen eine Art Smalltalk zu versuchen. Und Sein Blick wird von Tag zu Tag auch nur noch verwirrter. Zwar fliegen in seinem Kopf immer die selben vielen Gedanken rum, aber diesmal:
„Ähm— sorry", sagt Haru dennoch ruhig. „Ist die Direktorin da?"
Er versucht trotz der etwas angespannten Situation nicht aufdringlich oder unbewusst desinteressiert zu wirken, um so schnell wie möglich die Antwort aus ihr rauszubekommen.
„Nein.", sagt sie in einem herablassenden Ton. Und geht ohne Interesse in die entgegengesetzte Richtung, ohne auch nur ein Hauch von Interesse zu zeigen.
Haru runzelt die Stirn.
Ich hab's nett versucht... aber du lässt mir keine andere Wahl.
„Hey", sagt er, fester. „Bleib stehen!"
Sie stoppt. Dreht nur halb den Kopf zu ihm. Ihr Blick wirkt durchdringed, obwohl Haru ihr näher tritt.
Keine Uniform. Und auch keine Lehrerin. Hübsche Menschen mögen's wohl andere Leute Grundlos schlecht zu behandeln. Ich denke...
Trotz der Wut die langsam in ihm hochkommt versucht er noch irgendwie es zu unterdrücken. „Ich wollte mich nur erkundigen", sagt er gelassen. Dann schärfer und etwas lauter: „Also? Weißt du was über die, oder nicht?!"
Obwohl man Mädchen nicht anschreien sollte, juckt es mich nicht! Ich lass mich nicht so behandeln.
Sie lächelt hingegen. Ganz leicht.
„Hab ich dir schon gesagt." Direkt dreht sie sich weg und tut ihre Hände in ihre hautenge Jeans. „Verschwende nicht meine Zeit."
Während sich ihre Schritte in seinem Kopf etwas nachhallen, beugt er sein Kopf und knirscht die Zähne zusammen.
Du lässt mir keine andere Wahl.
Er spürt, wie sich seine Fäuste schließen Die Knöchel werden weiß. Das Pochen in seinen Händen macht sich stark bemerkbar.
Ich lass mich nicht mehr einfach rumkommandieren.
Er sprintet los. Obwohl er grad den nächsten Unterricht hat, sind seine Augen und die Gedanken nur auf sie fixiert.
Wenn du's mir nicht freiwillig sagen willst... dann muss ich dich dazu zwingen!!
Wie ein Tier das seine Beute gefunden hat, schlägt Haru wie ein Rammbock los. Vielleicht ist der gerade angebrochene Unterricht zu seinem Vorteil. Niemand ist auf den Fluren.
Doch sie ist weg. Ein Schritt zur Seite. Elegant. Mühelos.
Dann—
SCHLAG.
Ihr Bein fährt hoch und tritt ihn mit voller Wucht an die Leber.
Haru wird von den Füßen gerissen und knallt gegen die Wand.
„G—!"
Die Luft entweicht ihm explosionsartig. Ein kurzer Schrei stößt sich aus ihm.
Sie setzt sich seelenruhig die Sonnenbrille von ihrem Kragen auf und krempelt langsam die Ärmel hoch.
„Mh."
Haru rutscht die Wand hinunter, zwingt sich aber hoch. Sie hebt etwas ihren Kopf und grinst schief.
Das er den Schlag ausgehalten hat... ist bemerkenswert.
Die Größe der beiden ist ausgeglichen. Niemand ist wegen seiner Spannweite oder anderen Nachteilen überrannt. Denn ein Handicap bei seiner Gegnerin würde ihm zugute kommen, sowie er gerade auf sie Blickt.
Er hebt wieder die Fäuste. Sein Atem ist schwer, aber immer noch stabil.
Sie hingegen locker. Die Hand an der Hüfte gelegt.
„Du hast Mut", sagt sie. „Oder Dummheit."
Er greift wieder an.
Ein schneller Jab.
Abgewehrt.
Lowkick—
Sie blockt, kontert sofort.
Ellbogen. Knie. Schlagfolge.
Doch sie... tanzt.
Jede Bewegung von ihr fließt. Kein Kraftverlust. Kein Zögern. Wie eine Ballerina im Kampf.
Haru bricht ab, er keucht auf.
Das ist falsch. Nicht ihr Tempo— sondern meins. Ich komme nicht hinterher. ...Als würde sie schon wissen, was ich tue, bevor ich es selbst weiß.
Sie steht mit dem Rücken zu ihm, das Gewicht lässig auf einem Bein.
„Schon Müde?"
Haru kann's nicht glauben was er gerade spürt. Er verliert haushoch durch jemanden, den er unterschätzt hat..
Aber... was ist los mit mir?! Ich hab doch nicht fast ein ganzes Jahr umsonst trainiert?? ...Oder hab ich nur geglaubt, bereit zu sein?
Beide schauen sich über die Schulter.
„Hast du genug, du möchte gern Held?"
Er knurrt und stürmt los.
Ein Push-Kick—
Sie dreht sich tänzerisch zur Seite. Er gleitet vorbei. Sie dreht sich. Haru springt nach, getrecktes Bein—
SPAGAT.
Sie beugt sich nach hinten, fast schon einstudiert. Sein Fuß schneidet durch die Luft.
Er fliegt an ihr vorbei und schlägt hart auf dem Boden auf.
„..."
Als er seinen Stand etwas festigt schlägt er mit seinem Bein einen halbkreis direkt zu ihr. Sie springt.
Was ist los?!!
Sie lächelt schon die ganze Zeit. Sie amüsiert sich und das gefällt ihm nicht.
„Du bist immer noch nicht bereit. Du brauchst noch Lichtjahre um mich zu treffen."
Er greift erneut an— schnell, präzise.
Doch sie bewegt sich wie ein Blitz, asuweichend, konternd. Und dann— in einem Wimpernschlag.
Ihre Hand schießt vor, blitzschnell, wie eine unsichtbare Waffe. Harus Magen trifft der Schlag. Sein Atem stockt, die Welt verschwimmt.
Er fällt sofort auf die Knie. Seine Arme fallen und Haru fängt an ununterbrochen zu husten.
Er ist am Ende seiner Kräfte.
„Scheinst wohl dringend 'ne Umarmung zu brauchen, tja, aber nicht von mir.", sagt sie, während sie vor ihm steht.
Auch nur ohne ein Wort weiter zu sagen läuft sie in die Richtung aus der Haru vorhin kam. Ohne auch nur weiter auf ihn herab zu sehen.
„3", zählt sie mit den Fingern ab.
Sein Kopf dreht sich, sein Herz springt fast aus seiner Brust raus. Jeder Atmzug lässt ihn fühlen als würde die Zeit langsamer laufen. Die Flure verschwimmen, Geräusche werden dumpf. Nur sein Atem ist das einzig hörbare.
Wenn das das Level ist, mit dem ich es zu tun habe... dann bin ich noch lange nicht bereit...
„2"
Seine Beine Zittern, die Welt kiptt leicht. Jeder Atemzug brennt in seiner Lunge, das Pochen seines Herzens hallt in seinen Ohren. Alles um ihn herum wirkt verzerrt, als würde er durch Wasser sehen.
Ich habe heute wohl—
Seine Augen blitzen kurz auf, bevor der Sauerstoff ihm endgültig ausgeht.
„1"
Er fällt, das Bewusstsein schwindet. Die Wucht seines Aufpralls ist wie ein Schlag ins Herz. Die Flure drehen sich, die Sinne taumeln, nur noch ihre Präsenz ist klar wie nie.
„Boom.", flüstert sie, als er auf den Boden knallt. „Schach-matt."
Sie läuft den Gang mit verschränkten Armen entlang. Niemand der ihren Sieg bezeugen kann, aber es stört sie nicht wirklich.
Obwohl du einen auf stark tust, bist du immer noch schwach. Ich dachte selbst mit dem bisschen Training kannst du mir etwas, dass Wasser reichen.
Aber Einbildung ist ja bekanntlich auch eine Bildung.
„..."
Ihre Augen weiten sich und bleibt sofort stehen. Sie setzt ihre Sonnenbrille auf ihrem Kopf ab und blickt langsam über ihre Schulter.
Man hört ihn keuchen. Sieht Ihn zittern. Die Arme die mit dem wenigen Wind wehen und die Beine die drohen jeden Moment ineinander zu fallen.
„Du stehst ja immer noch?!!"
„...Ich bin" Durch die wenige Luft in seinem Körper bekommt er fast kein Wort raus. „noch lange nicht..." Es klingt so als würde er flüstern. „am ende...!"
Sein Blick ist so selbstsicher wie es nie der Fall war. Obwohl seine Knie gefährlich stark zittern.
„Ja, ja, ja", sagt sie als ihr Gesicht in ihre Hand fällt. „Ich habe keine Zeit für dich."
Sie dreht sich um und geht den Weg weiter entlang.
Zur gleichen Zeit sind ein paar Schüler aus den Klassen gegangen, weil sie die beiden gehört hatten.
In der gleichen Zeit wo sie sich umdreht fällt er um mit dem Gesicht auf den Boden. „Tze. Doch nur heiße Luft."
Die Mädchen die vermeintlich zur Toilette gehen wollten bringen ihn sofort zur Krankenstation in der ersten Etage.
„Aber... das seine Augen während des ganzen Kampfes in einem hellblau geleuchtet haben, ist interessant. Fast genau wie bei mir." Sofort kichert sie das sie noch über einen Schwächling wie ihn redet. „Wenn mach ich mir aber was vor. Der ist's eh nicht."
Haru ist auf dem Boden und es fühlt sich an als würde er nur noch einen Hauch an Leben in ihm verbleiben.
Sie bewegt sich anders als Freya... Nicht nur elegant... präzise, überlegt noch dazu. Jede Bewegung scheint so... als würde sie ihre Kontrolle zeigen wollen.
Er merkt das sie kein Gegner ist wie in einer sonst so schönen Heldengeschichte die man am Ende umhaut. Sie ist... ein anderes Kaliber.
„Du brauchst mehr Glauben", hört Haru noch kurz bevor er komplett in Ohnmacht fällt.
Kurz bevor er komplett das Bewusstsein verliert, blitzen ihm seine Gedanken auf. Als würde sein Kopf in einer nahtod Situation stehen und ihm schon seine Errungenschaften zeigen
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Frohe Weihnachten an alle