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Kapitel 71 / Die Tanzstunde

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Kapitel 71 / Die Tanzstunde

Die Tanzstunde

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Die beiden Mädchen durchsuchen den Gang. Schritt für Schritt. Sie schauen durch die Fenster. Jeden Schritt wählen sie mit Bedacht. Als würde er in irgendeiner Ecke lauern. Jedoch scheint es, als wäre er vom Erdboden verschluckt worden.

„Nichts."

Kurz bei der Treppe von der Haru ganz am Anfang her kam, befindet sich ebenfalls ein Klassenraum. Durch die großen fällt fahles Licht herein. Normalerweise wären die Türen verschlossen— heute stehen sie offen. Alle.

„Das gefällt mir nicht."

Und genau das macht es schlimmer.

Haru ist kein Typ, der einfach abhaut. Nicht vor einer Action Situation wie dieser. Sein eigener Stolz lässt das nicht zu. Wenn hier jemand verschwindet, dann nicht aus Angst.

Die beiden spähen wie beim gesamten Gang durch die Fenster. Der Raum ist leer. Dunkel. Keine Gardinen. Genau wie die anderen Klassenzimmer in diesem Gang. Etwas zu leer.

Die andere Dreiergruppe steht noch immer regungslos am Gangende. Die fünf Bewusstlosen liegen unverändert am Boden. Aber die beiden Maskierten interessiert nur eines:

Wo ist er?

„Er spielt mit uns."

„Oder er wartet."

Sie nähern sich dem Klassenzimmer. Lautlos. Jeder Schritt kontrolliert. Wie bei einem geplanten Zugriff. Als würden sie ein Überraschungsangriff planen.

Die beiden stehen rechts und links von der Tür. Zu ihrem Pech öffnen sich wie die anderen Türen der Schule nach innen. Die Gefahr ist also groß das jemand hinter der Tür sich bereithalten könnte.

Kurze Handzeichen folgen direkt.

Die Linke geht rein.

Die Andere sichert.

Ihre Hände umklammern die Holzstäbe so fest, dass man ein leichtes knarzen hört. Leichtes Zittern. Das Adrenalin hoch.

Langsam, aber vorsichtig öffnen sie die Tür. Millimeter für millimeter beobachtet sie den Raum, ob dort jemand in Wirklichkeit dort ist.

Als sie sieht, dass dort wirklich keiner ist rammt sie die Tür etwas fester gegen die Wand. Laut genug, um kurz jemanden zucken zu lassen, aber leise genug, um die anderen zu alarmieren.

Sie betreten den Raum.

Dort ist keiner.

Wo bist du...?

Eigentlich wollen sie den Klassenraum in Grund und Boden verwüsten, jedoch müsse es dann jemand in Ordnung bringen. Deswegen müssen sie mühevoll das Klassenzimmer in jeder Ecke untersuchen. Das der Raum so dunkel ist, macht es die Suche um so schwerer. Deshalb müssen die beiden in völliger Konzentration sein.

Sie schalten ihre Taschenlampen an. Durch einen Klick wird ein Teil der Dunkelheit sofort eliminiert. Haru ist immer noch nicht zu sehen. Vielleicht ist er auch nicht in dem Raum drin.

Selbst hinter der Tür ist er nicht zu finden gewesen. Daraufhin teilen sich die beiden auf. Die eine sucht vorne im Raum nach. Die andere bleibt hinten und sucht jede noch so kleine Lücke nach.

Während die eine jetzt vorne ist sucht sie alles ab. Jeden Tisch, jeden Stuhl. Und guckt daraufhin vorne beim Pult nach.

PATSCH!

„?!"

Ein Arm schlingt sich blitzschnell um ihren Hals. Die Taschenlampe fällt auf den Boden. Doch da ist es schon zu spät. Ihre Beine knicken ein, Ihr Bewusstsein direkt hinterher.

Ihre Taschenlampe lässt sie fallen als Alarm. Jedoch ist es zu spät für sie.

Die Maskierte im hinteren Teil des Zimmers hört sofort die auf den Boden gefallene Taschenlampe. Ruckartig dreht sie sich zu ihm um. Und sieht in der selben Sekunde das seine Kameradin auf den Boden fällt.

„Ich habe gehofft, dass ich einen von euch beiden mal aus dem Weg räume. Und Voilá. Hier ist sie."

Es ist kein geringerer als Haru. Wie erwartet ist er nicht abgehauen.

Direkt lässt sie ihre Taschenlampe fallen, die selbst auf dem Boden auf Haru gerichtet ist.

„Komm her", sagt er leise. „Unsere Tanzstunde ist noch nicht zu Ende."

Überheblichkeit hat Haru durchgespielt. Wird er aber dieses Mal sie besiegen?

Er geht sofort in Kampfposition. Er stellt sich Schulterbreit hin und hält seine geballte Faust hinter dem Rücken. Die andere Hand ist vor dem Körper und zeigt mit der offenen Handfläche auf sie.

„..."

Ich müsste erstmal nach hinten zu ihr. Ich will ungern zwischen unzähligen Tischen und Stühlen kämpfen wollen.

Er signalisiert es zu ihr und stellt sich gegenüber von ihr. Hinter ihr verschließt sie die Tür, damit sie niemand mehr stören kann.

[„Ist bei dir alles in Ordnung?"]

„Alles Paletti", sagt er ruhig. „Muss aber auflegen. Ich tanze gleich."

[„Was—"]

Direkt danach steckt er den Ohrstöpsel in seine Hosentasche. In Folgedessen geht er zu seiner eigenen Pose über. Die offene Handfläche zeigt zu ihr und der andere Arm hinter dem Rücken gebeugt.

Man merkt das die Mädels ein bisschen martial arts können. Doch ich kann es auch.

An seinem Gesicht sieht man, dass er den Kampf als Spaß sieht. Dazu ist noch selbstbewusst das er es gewinnen wird. Wohingegen die Lippen seiner Gegnerinnen schnurgerade sind. Als würde sie nicht aus Spaß kämpfen, sondern laut Befehl.

Sie steht etwas seitlich. Ihr vorderes Bein trägt die gesamte Last ihres Körpers. Der rechte Arm hängt in der Luft. Die andere eng am Bauch.

Den Stand könnte ich mir mal von der abschauen. Aber erst beim nächsten mal.

Haru greift zuerst an. Ein Frontkick direkt auf die Brust. Schnell. Präzise.

Doch sie sieht in kommen. Blockt gekonnt mit überkreuzten Armen. Der Aufprall lässt sie kaum wanken.

Er wechselt sofort. Fauststoß von unten. Keine Ausholbewegung. Nur pure Muskelkraft.

Sie duckt sich. Kontert.

Ein Schlag von der Seite. Ihre Faust trifft Harus Flanke.

Beide springen zurück in die Ausgangssituation. Er fällt kurz auf die Knie und atmet schwer. Seine Gegnerin bleibt dort stehen. Als würde sie das Ehrenhafte kämpfen immer noch beibehalten.

Die Mission ist zwar anders gelaufen, als ich anfangs erwartet habe. Ich bin nicht mehr der, der ich vor einem halben Jahr war. Zeig mir, wie weit ich gekommen bin!

Ein Kick von ihr. Haru weicht knapp aus. Kontert mit einem Fauststoß, der sie leicht streift.

Dann ein Low to High Kick. Schnell. Ziel: Sein Kopf.

Scheiße—!

Er lehnt sich zurück. Um Haaresbreite davon gekommen. Doch sie setzt sofort nach. Ein weiterer Kick, diesmal diagonal. Mit voller Kraft.

Treffer.

Die Luft wird ihm aus den Lungen geprügelt. Er fliegt rückwärts und prallt gegen die Wand. Man sieht regelrecht wie kurzzeitig seine Pupillen verschwinden.

Sein Rücken. Vorallem der Bereich unter dem Nacken wird stark getroffen. Die höllischen Schmerzen werden ihn jetzt wohl oder übel begleiten.

Sie steht mit verschränkten Armen dar. Ihr schmunzeln ist nicht zu übersehen. Doch sie wartet bis er auf die Beine kommt.

„Aufstehen."

Ich scheiß auf eure Ehrenhaftigkeit!

Er versucht aufzustehen. Doch beim ersten Versuch fällt er wieder auf die Knie. Er keucht. Beim zweiten mal schafft er es gerade so noch auf die Beine.

Der ist aber schwach, denkt seine Gegnerinnen. Ich dachte er würde gegen mindestens eine von uns gerade noch so wegkommen. Aber gegen mich schafft er es sogar nicht.

Harus Mimik wird ernster. Seine Grimasse ändert sich. Selbst bei seinem Kopf schauen die ersten Adern schon raus. Obwohl seine Schultern anfangen schwerer zu werden.

Direkt nach dem aufstehen zieht er sein Mantel aus und hält ihn oben.

„Den brauche ich nicht mehr."

Und wirft ihn danach ab. In der Sekunde wo er ihn abwirft blitzen seine Augen blau auf.

Wieder das selbe Gefühl wie vorhin...

Beide beine Breit. Die Hüfte locker. Dann die Hände zu Fäuste ballen. Und sie nah am Gesicht halten.

Sie fängt an zu lächeln. Nicht aus Arroganz, sondern das ein echter Kampf jetzt beginnen wird.

Ich sehe wie du lächelst. Ich bin jetzt bereit!