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Kapitel 73 / Werd ich‘s schaffen?

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Kapitel 73 / Werd ich‘s schaffen?

Kapitel 73 / Werd ich‘s schaffen?

Es läuft nicht so, wie ich‘s mir vorgestellt habe!

Langsam stemmt sie sich hoch. Eine Hand liegt an ihrem unteren Rücken, als würde sie chronische Rückenprobleme haben.

Spoiler: Hat sie nicht

Doch ihre Beine geben nach. Der Druck, der eben noch kontrollierbar war, bricht plötzlich ein. Sie fällt kurz auf die Knie, presst die Zähne zusammen.

Ich muss zurück. Der Kampf war nicht einmal intensiv… und trotzdem fühlt es sich an, als hätte er mich zerlegt.

Mit der freien Hand greift sie nach dem Türrahmen. Richtet sich auf. Schaut hinaus. Nach links.

Und da steht er.

„Hat ja lange genug gedauert, Mäuschen.“

Haru lehnt sich lässig am Geländer, als wäre nichts weiteres gewesen. Als hätte sie nicht eben etwas an ihm versucht.

Seine Haltung ist locker. Fast spöttisch. Doch in seinen Augen liegt ein Feuer.

Wenn ich wieder so rangehe wie vorhin, habe ich schon verloren. Ich brauche etwas anderes. Eine neue Taktik. Keine Tricks mehr.

Sie knirscht mit den Zähnen, beißt sich auf die Unterlippe. Blut tritt aus dem Mundwinkel, färbt ihre violetten Lippen dunkler.

„Dass du wieder da bist, überrascht mich nicht.“ Ihre Stimme ist trotzdessen ruhig.

„Ich hätte erwartet, dass ein Junge wie du abhaust. Wie ein Feigling.“ Ein kurzes Lächeln.

„Aber da habe ich mich wohl geirrt.“

Haru hebt leicht die Augenbraue.

„Ich dachte, du würdest es nie sagen, meine Liebe.“

Blitzschnell gehen sie beide in Kampfposition.

So locker seine Worten klingen, reagiert sein Körper anders. Er schluckt. Denn er weiß nicht, ob er schon all ihre Asse gesehen hat.

Akrobatik. Verführung. Kontrolle. Sonst… sind wir auf Augenhöhe. …Naja, zumindest hoff ich das.

In wenigen Sekunden ist sie vor ihm, während er in seinen Gedanken vertieft ist. Ein seitlicher Tritt, präzise aus ihrem halbmuskulösem Bein.

Er blockt mit der Hand. Ihr Atem beschleunigt sich. Minimal, aber spürbar.

Sie federt kurz auf der Stelle, dreht sich und setzt mit dem anderen Bein nach.

Haru lächelt noch. Zu spät. Der Tritt streift haarscharf an seinem Gesicht vorbei.

Sein Herz beschleunigt sich.

Sein Blick verengt sich nun. Er blendet seine Umgebung aus.

Wohingegen sie auch angespannter wird. Dass er den Angriff geblockt hat, überrascht sie mehr, als sie zeigen will.

Ich muss meine Taktik ändern. Ich wurde ausgewählt. Meine beste Freundin liegt bewusstlos am Boden— und ich soll Ergebnisse liefern.

Beide sprinten aufeinander zu. Kurz vor dem Kontakt springt sie ab, reißt das Bein hoch.

Haru blickt nach oben. Sein Blick kalkuliert.

Fake… oder echter Treffer?

Doch ohne Zeit darüber nachzudenken kreuzt er seine Arme reflexartig. Und wie er erwartet hat setzt sie auf einen Kopftreffer den Haru sauber abblockt.

Er verzieht sein Gesicht von der Wucht des Schlages.

Sie täuscht einen Fauststoß an. Er duckt sich reflexartig, aber sie nutzt es um ihren Oberschenkel über seine Schulter zu schwingen.

Haru verliert das Gleichgewicht für einen Moment. Aber anstatt alleine runterzufallen, zieht er an ihrem Gürtel und zieht sie mit.

Beide prallen auf den Boden. Sie zuerst. Er landet halb auf ihr. Ihre Gesichter nur wenige Zentimeter entfernt.

„Willst du‘s noch mal mit verführen versuchen?“ Haru grinst schief.

„Ich will dich brechen.“

Ohne ein weiteres Wort stoßen sie sich voneinander ab. Sie springen zurück. Die Distanz wächts, die Intensität zeitgleich.

Ich muss zeigen, was aus mir geworden ist. Für Freya. Für Jeanne. Für Natsu.

Währenddessen…

Freya und Natsu stolpern die Tür zum sicheren Hafen hinein. Keuchend. Erschöpft.

Jeanne springt sofort auf. „Was ist denn mit euch passiert?“

Keine Antwort. Nur schweres Atmen.

Freya liegt halb unter Natsu, atmet tief, gepresst.

„Ich hoffe ihr habt nicht zugenommen.“ Sie zieht beide mehr in den Raum hinein. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ihr beiden mal so schwer wart.“

„…..“ Die beiden antworten nicht und konzentrieren sich mit voller Kraft aufs Atmen.

Direkt danach schließt sie die Tür. Weil sie alle vier immer noch den Verdacht haben das mehr Leute auf den Gängen lauern und sie auffinden wollen. Dazu noch könnten sie wie ein Raubtier ganz einfach in die Sicherheitszone der Truppe gelangen.

Jeanne sitzt sich vor sie. Im Schneidersitz.

„War das wirklich so anstrengend?“

Ich kann nicht glauben das unsere Mission so wird. Ich hätte gedacht das es ein anderes Ergebnis sein wird.

Natsu steht auch ohne nur die Frage zu beantworten langsam auf. Jeanne verfolgt sie mit den Augen als sie Freya noch leicht zerdrückt beim Versuch.

„JUNGE NATSU!“, schreit Freya.

Natsumi schreckt hoch.

„Oh— sorry. Kommt nicht wieder vor.“ Ihre Stimme ist leise. Unsicher.

Sie läuft direkt zu ihrem Laptop rüber. Sofort zieht sie ihren Umhang ab und setzt sich hin.

„Ach, meine Güte.“ Freya wischt sich den Staub und Dreck von dem Gewand ab. Jeanne sitzt immer noch dort, ohne auch nur den Hauch einer Antwort bekommen zu haben.

Schlafwandeln die beiden??? Ich habe denen doch eine Frage gerade gestellt.

Seydo steht ebenfalls auf und geht zu Natsu rüber. Freya ebenfalls.

Die beiden beugen sich etwas und blicken auf den Punkt auf dem Monitor. Obwohl sie keine Live Übertragung sehen unterhält es sie dennoch. Weil sie sehen wie der Punkt sich bewegt.

Sie sehen ein 2D Modell von der Schule und darauf einen Punkt.

Nicht die klügste Entscheidung, aber ich habe mein bestes gegeben für unsere erste Mission als Strategin. Fürs nächste mal werde ich noch ein bisschen an den Schrauben drehen.

Jeanne stützt ihren Unterarm leicht auf Natsus Kopf und Freya lässt ihre Hand an Natsus Schulter ruhen.

„Mal gucken was unser Meister machen wird.“

„Wir sind gespannt.“

„Ja!“

Natsu greift das Mikrofon und will ihn anfeuern wie die anderen beiden an. „LOS! GO HARU, GO!!!“

Am anderen Ende der Leitung kommt gelächter raus. Auch wenn sie wissen das er in einem Kampf steckt, dank dem verrückt spielenden Pfeil haben sie vollstes Vertrauen in ihm.

Freyas Augen sind wie die Augen bei einem Dartspieler vollständig auf den einen Punkt fixiert.

Ich werde jetzt nicht mehr eingreifen. Ich will sehen wie du es jetzt alleine schaffst, Partner.

Zurück zu Haru.

„Ich bin bereit wenn du es bist. Aber eine Sache fehlt noch—“

Ihr Schlag geht ins Leere. Haru steckt ihn locker weg.

„—Ich will deinen Namen wissen.“

„Einen Dreck kriegst du!“

Mit der gleichen Hand schlägt sie mit dem Handrücken gegen seinen Kopf. Den er locker abwehrt.

Man sieht wie er schon schwitzt beim bloßen festhalten ihrer Faust.

Diese Mädchen sind nicht ohne. Ich hoffe niemand sieht hier das ich gegen Mädchen hier fast verliere.

Haru hebt sein Bein und schlägt sie sofort aus der Balance. Sofort zieht sie am Kragen des Umhangs und fällt mit ihr runter.

Sofort steht sie über ihn und sie kickt ihn mit voller Kraft gegen Gang.

Sie sammelt sich und steht schwer atmend auf. Dabei wischt sie sich die Wange.

Das war komplett Instinktiv, aber dafür war es Wert. Ich brauche meine Asse nicht zu nutzen bei dem.

Haru liegt am Boden. Hustend. Aber erwacht schnell. Wie aus einem Albtraum.

[LOS! GO HARU, GO!!!“]

Er kann nicht anders als seinen Blick zu senken und zu Grinsen. Die Mädchen amüsieren ihn und er findet gefallen daran.

Ihr bringt mich immer zum Grinsen, Mädels. Selbst in so Situationen wie dieser wisst ihr wie man mich motivieren kann weiter zu machen. Ich hoffe ihr werdet es immer so machen.

Er fasst sich an seine Brust und bemerkt das es kontrollierter schnell schlägt. Als wäre jede Bewegung, jeder Muskel und jeder Atemzug nach dem Ruf der Mädels ruhiger geworden.

Ich hoffe ich habe dir keinen Powerboost jetzt ermöglicht junge.

„Nein hast du nicht.“

Ihr Kiefer steht weit offen. Als hätte er ihren Spruch im Vorraus gesehen.

Sein Blick erhebt sich und ein selbstbewusstes Lächeln tritt hervor. Ein Lächeln was seine Überheblichkeit zeigt.

Ihre Stöße werden wilder. Jeder Schlag peitscht durch die Luft, begleitet von dem Knall ihrer Absätze auf dem Boden. Haru weicht zurück, seine Brust hebt und senkt sich gleichzeitig. Schweiß tropft über seine Stirn, aber in seinen Augen liegt etwas, das vorher gefehlt hatte: Ruhe.

Sie ist schneller. Aber sie wird ungeduldig.

„Komm schon!“ ruft sie, ihre Stimme voller Wut und Ehrgeiz, als wolle sie ihn zerreißen.

Ein linker Haken rauscht an seinem Gesicht vorbei, er duckt sich. Ein Tritt gegen seine Rippen, er fängt sie mit beiden Armen ab, spürt den Schmerz, aber hält stand.

Trotzdessen das sie keucht, springt sie hoch.

Du kannst nicht ewig ausweichen!

Sie dreht sich in der Luft, ein wilder, perfekter Sprungkick, gezielt auf seinen Kopf. Das ist ihr Finisher. Jeder andere wäre gefallen von der Wucht des Aufschlages.

Er bleibt ruhig.

Er macht keinen Schritt zurück. Stattdesssen kommter ein Schritt näher.

Wenn ich jetzt ausweiche… bleibe ich immer der alte.

Trotz des hohen Risikos schafft er‘s sie zu greifen. Sein Arm hakt ihr Bein ein und der Schwung der eigenen Attacke zieht sie aus dem Gleichgewicht.

Er schleudert sie ohne zu zögern auf den Boden. Staub wirbelt auf und der Schrei der aus ihr rauskommt ist jenseits von gut und böse.

Sie ringt nach Luft und versucht ihn noch irgendwie zu treffen. Aber Haru kniet bereits über ihr, fixiert sie mit einem Griff, den er sich bei den Kämpfern aus dem Training abgeschaut hatte. Sein Blick ist kühl und fast erschreckend ernst.

„Das wars.“

Nur ihr schweres Atmen und das Pochen ihres Herzens hört sie in dem leeren Raum.

„Um stärker zu werden muss man bereit sein alles zu opfern. Aber du meine liebe, bist kein auserwählter… aber keine Sorge, ich auch nicht.“

[„Ich wusste doch das du gewinnen wirst.“]

[„Was laberst du denn junge.“] Jeannes Stimme folgt sofort, scharf wie immer. [„Du hattest selber Zweifel und wolltest die ganze Zeit zu ihn nach unten und ihm helfen!“]

…Kann ich nicht einmal eine coole Szene haben, ohne das ich dabei gestört werde? …Man.

[„Komm jetzt nach oben.“] Natsumis Stimme ist leiser. Wärmer. [„Bevor dich noch irgendwelche Leute noch überfallen“]

Im Hintergrund hört man wie Freya und Seydo durcheinander reden. Kein echtes Streiten, sondern eher diese typische Spannung, wenn niemand etwas zugeben will.

Er rennt hoch und öffnet blitzschnell die entriegelte Tür.

Ich habe mir die Erkundungstour etwas anders vorgestellt. Nicht mit viel Action, sondern mehr Mystery und Adventure Feeling.

„Und wie geht‘s?“ Jeanne klingt freundlich, aber die unterschwellige Wut hört man trotzdessen aus ihr raus. „Alles noch dran?“

„Kommt drauf an, was du als wichtig zählst“, antwortet Haru locker.

Freya steht mit verschränkten Armen daneben. Ein Lächeln liegt auf ihre Lippen… doch ihre Augen sagen etwas anderes.

Natsumi ist die einzige die lächelt und froh ist das er wieder da ist.

Ich würde nicht wie Freya und Jeanne reagieren, aber, das du eigenwillig zurückgegangen bist, ist, naja…

„Hattest du Spaß da unten?“ Freyas Augenbrauen zucken. Deren beiden lächeln und das sie näher kommen verängstigt ihn ein wenig.

Und das sie dazu noch ihre Fäuste knacken ebenfalls.

„Ja… kann man so sagen, he-he-he.“, antwortet er ihnen mit einem nervösen lächeln.

„Gut.“, reagiert Seydo freundlich.

Aber ohne eine Sekunde vergangen zu sein schlägt sie auf ihn ein. Reflexartig tritt er einen Schritt nach rechts.

„HEY—!“

Seine Augen fliegen fast raus von der Wucht des Trittes neben sich.

Denn Freya landet einen sauberen Tritt in sein Magen. Aber ohne ihn loszulassen, dreht sie ihren Fuß in seiner Magengrube.

„Ich habe dir gesagt“, sagt Freya ruhig, fast schon freundlich, „Dass du NICHT eigenmächtig handelt sollst.“

Jeanne packt ihn an der Wange und zieht sein Gesicht wie Kaugummi zu sich hin.

„Das hier war keine Solo Aktion.“

„Au— au— Das war doch nicht extra.“ Die Worte kommen verzerrt heraus.

Freya zieht ihre Faust zurück und verschränkt wieder die Arme. „Lass gut sein. Ich glaub, er hat‘s verstanden.“

„Noch nicht.“

Jeanne wendet sich zu Natsumi. „Wenn ich dir bei deiner ersten Mission sage, du sollst vorsichtig sein— bist du es dann? Antworte.“

„Ja.“, sagt sie nickend.

Danach lässt Jeanne Harus Wange los und er kommt wieder frei.

Er richtet sein Kopf auf und reibt sich die Wange. „Hätte nicht gedacht, dass du so stark bist.“

Jeanne zuckt mit den Schultern. „Man lernt halt immer dazu.“

Und als wäre alles geklärt ist sie wieder nett.

„Ich muss heute noch nachhause.“, sagt er dann ruhig. „Ich habe morgen einen wichtigen Termin, den ich nicht vergessen darf.“

„Warum denn?“ fragt Natsumi neugierig. Ihre Stimme noch leicht aufgeregt.

Freya schiebt sich die Haare hinter die Ohren, während sie das Zimmer etwas aufräumt- „Du hättest dich echt nicht so abhetzen müssen…“

„Ach, ich genieße das Chaos ein bisschen“, antwortet Haru locker, lässt sich auf den Küchenstuhl fallen und beobachtet die beiden.

Ein paar Stunden vergehen ruhig. Die Atmosphäre wird immer ruhiger, je mehr sie reflektieren, kommentieren und was sie beim nächsten Mal alles besser machen können. Haru sitzt dabei, still, aber aufmerksam, mit einem leichten Grinsen auf den Lippen.

Schließlich, als Natsu sich ins Bett kuschelt und Freya das Licht dimmt, erhebt er sich.

„Na gut… Ich glaube, ich geh jetzt.“

Er wirft einen letzten Blick auf die Gruppe. Natsumi schlägt schon, Freya und Jeanne sind halbwegs fertig fürs Bett.

„Bis morgen dann“, murmelt er leise, fast nur für sich selbst. Langsam verlässt er den Raum.

Als er aus dem Gebäude raustritt, empfängt ihn, und ein ruhiges Gefühl von Zufriedenheit breitet sich aus.