Kapitel 78 / Lena und Cleo
Kapitel 78 / Lena und Cleo
Lena und Cleo
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Das Luce Verde also. Hier hab ich mein rendevous mit Cleo. Hoffentlich ohne Paparazzi.
Das „Luce Verde" ist ein kleiner, aber geschmackvoll eingerichtetes Café am Rand der Innenstadt. Die großen Fenster lassen die warm beleuchtete Nacht ins Café hineinscheinen. Und da es ein beliebter Hotspot der Stadt ist, könnten hier durchaus neugierige Blicke von Passanten oder Paparazzi lauern.
Lena betritt den Raum und spürt es sofort. Blicke. Viele davon. Ihre silbernen Haare ziehen sie magisch an. Gäste, Kellner, selbst ein Paar am Fenster verstummt kurz. Sie hat sich daran gewöhnt. Irgendwann lernt man, die Aufmerksamkeit wie Wind zu behandeln.
Die Frau am Nebentisch kneift die Augen zusammen, als hätte sie plötzlich das Gefühl, eine Berühmtheit zu sehen. Lena streicht sich beiläufig eine Strähne hinter das Ohr. So, als sei die Aufmerksamkeit zufällig, fast wie ein Windstoß.
Von Ecke zu Ecke huschen ihre Augen auf der Suche nach Cleo. In dem Moment schließt sich die Tür hinter ihr. Sie entdeckt Cleo an der Fensterseite des Cafés, genau dort, wo sie vorhin hergekommen war.
Wie habe ich sie übersehen...?
„Lena", sagt Cleo leise. Sie geht auf Cleo zu, zieht im Gehen ihre Jacke mit hochgestelltem Kragen aus und setzt sich.
„Du bist pünktlich", sagt Lena, während sie spürt, dass noch immer Blicke auf sie gerichtet sind.
Lena zieht ihre Cap leicht nach unten. Cleo antwortet ruhig:
„Pünktlichkeit zeigt, dass man das Gegenüber respektiert. Und du weiß, dass ich so etwas ernst nehme."
Für einen kurzen Moment bleibt es still zwischen ihnen. Sie reden über Belangloses. Über den tag. Über nichts, das wichtig klingt.
Cleo tippt mit zwei Fingern auf einen Umschlag an der Tischkante und schiebt ihn zu Lena rüber. Dann nimmt sie langsam ein Schluck Wasser, sodass Lena sich fast schon gezwungen fühlt, den Umschlag sofort zu öffnen.
Mit skeptischem Blick öffnet Lena den Umschlag.
Die Notizen sehen aus, als hätte jemand mitten im Fiebertraum versucht, Weltgeschichte zu schreiben.
„Da stehen unsere Pläne drauf—und ein bisschen allgemeine Situation in der Schule.", fügt Cleo noch hinzu. Als würde sie extra gewartet haben, bis sie spürt das Lena immer mehr ihren Mund verzieht.
Lena blättert durch die paar Seiten, die Augen gleiten von Abschnitt zu Abschnitt. Dabei runzelt sie die Stirn immer mehr. Kritzeleien, halbe Sätze, Pfeile die ins Leere führen. Sie hebt den Blick, drückt die Lippen schmal zusammen.
„Ganz ehrlich, das sieht aus wie das Notizbuch von jemanden, der beim Schreiben eingeschlafen ist. Bist du dir sicher, dass das wichtig ist?", fragt sie mit erhobener Augenbraue.
Cleo reagiert nicht sofort. Nur ein leicht schräg gelegter Kopf, ein Fingernagel, der gegen das Glas tippt. Ein Zeichen des Abwägens. Dann sagt sie ruhig: „Dann reden wir eben mündlich darüber."
Sie nimmt einen weiteren Schluck von ihrem Wasser, langsam, als wolle sie jede Bewegung zelebrieren. „Und wie man—"
Gerade als Cleo zu ihrer Erklärung weiter ansetzen möchte, schiebt sich die Stimme einer jungen Kellnerin zwischen sie: „Guten Abend. Was hätten sie gerne?"
Die Kellnerin, vermutlich ein Minijob, hält ihr Handy bereit, um die Bestellung aufzunehmen. Die beiden entscheiden sich schließlich für einen Eiskaffee und einen Milkshake.
„Hast du ein Stift, Lena?" Ihre Bestellung wurde zum Empfang weitergeleitet und Cleo führt es fort.
Sie sieht sofort, dass Cleo aufgeregt ist— und das sie offenbar viel weiß. Ihr Blick scheint zu vermuten das sie auf etwas größeres hinarbeiten will.
„Klar."
Lena holt ihren Lieblingsstift raus. Bemalt mit pinken und blauen Ponys. Kurz darauf beginnt sie zu zeichnen. Sie wechselt den Blick ständig zwischen Cleo und dem Blatt, als würde Lena versuchen, ein unsichtbares Spiel zu verstehen.
Ich versteh immer noch nichts. Fühlt sich an wie in einer Serie, in der ich den Main Plot nicht gecheckt habe, aber trotzdem dranbleibe.
„So."
Lena stützt den Kopf auf die Faust und versucht, sich mit dem Spiel vertraut zu machen. Cleo lässt ihr einen Moment, bevor sie weiterspricht.
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I I
V V
Er ————> Yuki ————> Kult Anführerin
„Wenn du ein bisschen vertraut mit dem bist, können wir weitermachen. Die Sache ist die: Es gibt drei Gruppen sag ich mal. Bei ihm, bei den jungen, kann man das easy ermitteln. Das ist kein Geheimnis mehr."
Lena hört aufmerksam zu, als höre sie einer Militärplanung zu. Denn gerade als Lena ein bisschen anfängt irgendwas in dem ganzen Chaos zu verstehen, kommt die Bestellung der beiden an. Blitzschnell und unauffällig legt Cleo das Blatt auf den Servierspender.
„Ihre Bestellung: ein Milkshake und ein Eiskaffee.", serviert es den beiden. Mit ihrem vollen Tablett läuft sie zu den anderen Kunden rüber. Beide bedanken sich und fokussieren sich sofort wieder dem Plan.
Lenas Kopf dreht sich fast, von Ablenkung und Konzentration zugleich.
Doch Cleo fährt unbeirrt fort:
„Bei Yuki weiß ich nicht viel. Man munkelt das sie wohl erniedrigt wurde. Gewiss ist nur, dass sie vor kurzem anders geworden."
Lena nickt und rollt die Augen, obwohl sie nur die Hälfte aufnehmen kann.
„Und sie hat Nyra an ihrer Seite. Früher immer Draufgängerin und stark. Seitdem sie mit Yuki abhängt, ist sie auch anders."
„Okay, aber willst du mir jetzt eine Reportage von der Schule mir halten? Wenn ja, gehe ich lieber nach Hause."
Cleo lächelt ruhig, ohne beleidigt zu sein. „Nein nein, stell dir vor, es gibt drei Gruppen, drei unterschiedliche Ideologien. Ich skizziere nochmal:"
Harukis Gruppe:
Der Anführer und der Junge, der zu uns gewechselt hat. Bis jetzt nichts gemacht, aber sicher verändert. Freya, seine wahrscheinliche Wegweiserin, dazu vermutlich engste Person zu ihm. Andere aus seiner Gruppe? Kaum Infos. Ab und zu Jeanne und Natsumi gesehen, ob sie dazugehören? Keine Ahnung.
Yukis Truppe: kaum Infos. Zu viert, keine versteckten Bewegungen.
„Also stellen wir es uns jetzt so vor.—"
Lena richtet sich auf und zieht das Blatt an sich und dreht es auf die Seite. Sie schreibt die Sachen auf die sie jetzt mitgenommen hat aus dem Gespräch.
[Harukis Truppe] [Yukis Truppe] [Der Kult]
Haruki Yuki ...
Freya ??? ???
??? ??? ???
Cleo schaut überrascht und gleichzeitig erfreut auf's Blatt.
Ich wusste das es die richtige Idee war dich aufzunehmen. Ich hoffe wir machen eine schöne Freundschaft Lena.
„Das ist schon gut.—" Blitzschnell nimmt Cleo Lenas Zettel und kritzelt selber darauf etwas.
Lena nimmt einen Schluck aus ihrem Milkshake und hebt ihren Finger an ihr Kinn.
Ich habe ja schon einmal darüber gelesen das in Serien oder Filmen immer es solche Szenen gibt wo man sich im Café oder Restaurant sich unterhaltet und in den „Krieg" sich einmischen will. Aber ich habe wirklich keine Lust mehr nur eine Besprechung zu haben.
„Ok wir haben den Info kram jetzt fertig.—" Man spürt die immer aufbauende Ungeduld in Lena. Und das ihre Haare von der Kappe runter in ihrem Gesicht hängen verstärken dieses Gefühl nur noch.
Aber bevor Cleo ihr antworten kann spricht Lena in einem ruhigen Ton weiter. „Ich hab mich dir angeschlossen nicht weil ich Lust auf ein Kaffeekränzchen habe, sondern mit dir etwas erreichen will. Verstehst du?"
Demnach nimmt sie einen Schluck von ihrem Schokoladenen Milkshake.
„Ich verstehe was du meinst. Und ich will es mit dir machen, weil... naja, für eine guten Freundin hatte ich ein Versprechen gegeben."
Für einen Moment klingt ihre Stimme leiser. Als hätte sie selbst viele Gedanken zu der guten Freundin.
Lena blickt mit halbem Kopf nach hinten und zur Seite. Sie wird immer noch beobachtet, nicht mehr soviele wie vorhin, aber immer noch zu viele, als das sie es ignorieren könnte.
„Wir haben ja bis jetzt keinen Namen für unseren Trupp, nicht wahr?"
„Ja? Was willst du damit andeuten?"
Hat sie etwa schon einen Namen für unsere Gruppe?
„Wir wärs mit—"
Nach dem Gespräch verlassen sie das Café und fahren zurück. Es ist spät geworden. Viel zu spät. Ein Blick auf die Uhr sagt ihr, dass es bereits ein Uhr nachts ist.
Eigentlich müsste ich tanken. ...Aber welche Tanke hat um diese Uhrzeit überhaupt noch offen? Gibt es so etwas wie 24/7 hier überhaupt...?
Die Straßen sind leer, nur vereinzelnte Laternen schneiden gelbe Kreise in die Dunkelheit. Lenas kleinwagen gleitet ruhig hindurch.
„Was gedenkst du nun zu tun?", fragt Lena, den Blick fest auf die Straße gerichtet.
Cleo schreibt kurz etwas auf, bevor sie antwortet. „Zuhause erst einmal alles sammeln, was wir besprochen haben. Und dann kommt es an meine weiße Tafel."
„Mach das", sagt LEna. Dann, nach kurzem Zögern: „Aber... gibt es nicht in der Schule einen Raum? So wie Haru einen hat? Wäre das nicht sinnvoller? Alles direkt dort festzuhalten?"
Cleo blättert bereits in ihrem Notizheft, schreibt Stichpunkte, hört nur halb zu.
„Ich erklär's dir später nochmal. Kurzfassung: Wir haben keinen Raum. Der Junge hat einen. Yuki hat einen gefunden. Wir haben keinen, weil wir entweder kein Sonderfall sind oder keinen gefunden haben. Klar?"
Lena nickt, auch wenn Cleo es nicht sehen kann.
Um diese Uhrzeit achtet sie übertrieben darauf, dass niemand plötzlich aus dem Nichts vor den Wagen läuft. Ihr Fuß bleibt angespannt auf dem Pedal, bereit, im Notfall sofort zu reagieren.
Daraufhin zieht sie ihre Cap ab und legt es auf die Schaltknauf drauf. Das Radio was sie normalerweise an hat, ist nun aus. Die Stille die im Auto und draußen herrscht ist lauter als es den beiden lieb ist.
„Na dann", sagt Lena schließlich. „Viel Glück uns bei der Planung, findest du nicht?"
Cleo schnaubt leise. „Das sagt sich so leicht. Ich spüre, das war nur die Aufwärmung."
„Warum bekomme ich einen kalten Schauer in den Rücken, wenn du so langsam sprichst?"
Cleo lächelt. „Keine Ahnung. Schätze, weil wir uns gut verstehen."
„...Ich glaube, es liegt daran."
Ihr lächeln ist viel zu breit als üblich. Und ihr Auge zuckt noch dazu.