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Kapitel 79 / Yukis Konfrontation

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Kapitel 79 / Yukis Konfrontation

Yukis Konfrontation

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Die Tage vergehen schnell. Lena und Cleo besprechen sich weiter unter sich. Doch während sich manche auf etwas bestimmtes konzentrieren, brodelt an anderer Stelle ein Sturm, den niemand erwartet hat.

„Es kann so nicht weitergehen, Yuki!"

„Aha. Mit was denn?" Yuki lehnt sich lässig zurück, dreht sich langsam auf dem Stuhl zu den beiden. „Ihr steht hier, klagt über die Welt, und ich? Ich wurde wiedergeboren. Mein altes Ich war sowieso nicht bereit euch zu führen."

Sie lässt den Blick über ihre rot lackierten Fingernägel gleiten. „Das Leben ist eh nur für Gewinner. Wer verliert, fliegt raus. So simpel ist das."

Marys Augen füllen sich mit Tränen. „Wir hatten doch so eine schöne Zeit... vor sechs Monaten haben wir doch noch Pläne geschmiedet!"

Leyla tritt vor, ihre Stimme bricht. „Und jetzt? Du nimmst uns beide— vor allem Nyra, überhaupt nicht mehr ernst."

Yuki zuckt mit den Schultern, ihre Stimme kühl: „Dann ist das eben so. Was soll ich sagen? Wenn man sich im Klaren ist, ist es schön für euch.

Leyla ballt die Fäuste, beißt sich auf die Lippe. „Warum bist du so geworden...? Was haben sie mit dir gemacht?"

Tränen rinnen über ihr Gesicht, sie fällt auf die Knie. „Ich... ich hatte dir unzählige male gesagt... das wir wollten dich da rausholen... aber wir hatten keine Chance..."

„Bedauerlich." Yuki spricht langsam, jeder Ton scharf wie Messer.

„Eigentlich galt, ein ‚Einer für alle, alle für einen'. Bei uns?" Kurz atmet sie ein. „Nichts." Sie dreht sich zum Tisch, die beiden starren auf ihren Hinterkopf, auf die Klammer, die ihren Zopf hält.

„Warum lässt dich alles kalt...? Was haben wir dir angetan...? Seit fast sechs Monaten behandelst du uns so"

Sie dreht sich langsam um, die Beine übereinander geschlagen. Yuki blickt die beiden gleichgültig an, dabei denkt sie: Weil Gefühle einen nur Schwächen. Vertrauen ist ein Luxus, den man sich in dieser Welt nicht leisten kann.

„Jeden Tag passieren Gräueltaten, die fast keiner bemerkt."

Mary, die ander Wand lehnt, kocht innerlich über. Ihre Hände dann ballt sich eine Faust. Ihre Zähne knirschen.

„Und du, Mary...", Yuki Blick verharrt auf ihr. „Du warst einmal nützlich. Jetzt?"

Ein schiefes Lächeln. „Nur noch Temperament ohne Substanz. Leyla denkt wenigstens nach. Du nicht."

„Jetzt reicht's!!"

Mary stürmt vor, die Faust schon in der Luft. Ihr Körper brennt.

„HALT!!!" Leyla schreit, doch Mary trifft Yuki schon. Blut spritzt. Yukis Kopf schlägt hart gegen die Tischkante.

Mary atmet schwer. „ich kann nicht glauben, dass ich mal mit so 'ner Schlampe befreundet war." Sie spuckt vor Yukis Kopf.

Leyla packt Mary am Kragen. Fest. Fast wie ein würgen.

„Beruhig dich! Sie ist noch unser Boss!"

„Am Arsch!" Mary kreischt und löst sich von ihrem Griff. Nachdem richtet sie ihren Kragen vom Tshirt.

Yuki richtet sich langsam auf, stützt sich auf den Tisch. Blut tropft auf ihr weißes Tshirt. Doch ein Schadensfrohes Lächeln entweicht ihr. „Glaubt ihr wirklich, das bringt mich aus der Fassung?"

Leylas Stimme zittert. „Was...ist mit dir passiert...?"

Ihre Stimme verwandelt sich in ein bedrohliches Kichern: „Manchmal muss man zerbrechen, um unzerbrechlich zu werden."

Sie tritt einen Schritt nach vorne. Ein kalter Windstoß fegt durch den Raum, reißt an Marys und Leylas Haaren. Selbst die Tür vibriert unter dem Druck der Energie.

„Aber, dass du die Faust gegen mich erhebst, hat mich ehrlicherweise überrascht."

Ich bin..."

Sie kommt näher.

„...schon immer—"

Abrupt greift sie nach dem Stuhl.

„Der Stuhl", sagt sie grinsend, „könnte eine Ehefrau vertragen."

Ein schiefer Blick..

„Nehmt ihr sein Geständnis an? Sagt einfach ja—"

Die beiden springen reflexartig zur Seite. Der Stuhl kracht durch den Raum. Die Hände nah am Kopf gewesen.

„Ich habe mich noch nie so gut gefühlt", sagt Yuki leise, geparrt mit einem düsteren Lächeln.

Leyla keicht, denkt dabei unbewusst: Was ist los mir ihr...?! Ihr Herz bohrt sich durch ihren Brustkorb.

„Ene, mene, miste...", summt Yuki und macht einen weiteren Schritt auf sie zu.

Nur das leise Summen im Raum bleibt als sie im Raum stehen bleibt. Der Wind, den sie eben noch entfesselt hatte, verzieht sich langsam, als hätte es seine Aufgabe erfüllt. Die Haare legen sich wieder. Mary und Leyla über alle Berge hinweg. Ihre Körperangespannt, die Gedanken leer. Zu viel zu schnell passiert.

Nachdem der Sturm vorbei ist, tritt eine neue Präsenz an die Tür. SIE steht dort, als hätte sie die ganze Zeit gewartet. Das Licht hinter ihr wirft lange, gespenstische Schatten in den Raum.

„Tsk, tsk, tsk..."

Ihre Stimme schneidet wie eine Rasierklinge durch die Stille. Fesarina lächelt arrogant, die Hände locker vor der Brust verschränkt.

„Ich wollte dir gratulieren."

Yuki knurrt, die Zähne gefletscht, die Fäuste angespannt.

„Glückwunsch? Von dir?! Du bist sicher nicht ernsthaft hier, um mir zu gratulieren!"

Sie stürmt nach vorn, voller Wut, voller Trotz.

Doch Sie reagiert mit der Gelassenheit eines Raubtieres. Mit einer einzigen fließenden Bewegung greift Fesarina nach Yukis Hand. Dreht sie. Ein scharfer, brutaler Druck lässt Yuki aufschreien. Fesarinas Lächeln wird breiter, fast verspielt.

Fesarinas Lächeln wird breiter. Fast verspielt.

„Immer noch impulsiv, Yuki. Genau das macht dich reizvoll."

Yuki keucht, versucht sich loszureißen —erfolglos. Fesarina erhöht den Druck, dreht das Handgelenk weiter, zwingt Yuki auf ein Knie. Schweiß rinnt über Yukis Schläfen. Ihr Atem wird schwer. Der Schmerz hallt durch die Schule.

„Nur über meine Leiche, du Hexe!!" Yukis Stimme bricht.

Fesarina neigt den Kopf leicht. Fast zärtlich.. „Weißt du... ich habe eine kleine Überraschung für dich vorbereitet."

„...Was ist es?" Yukis Worte tropfen vor Hass.

Sie beugt sich hinunter, ihre Lippen nah an Yukis Ohr. „Ein Treffen. Nur wir beide."

Ein leiser Atemzug. „Unter vier Augen. Ich habe einen Ort reserviert.", sie lächelt.

„Für dich. Und für mich."

Yukis Stirn verzieht sich, als könnte sie nicht glauben, was sie hört. „Ein Date? Ernsthaft?"

„Ganz genau." Fesarina nickt gelassen, als spräche sie über etwas Selbstverständliches. „Aber keine Sorge... wir machen es spannend."

Yuki spuckt auf den Boden. Ihr Blut mischt sich mit Speichel. „Du willst mich provozieren? Dann nur zu! Ich lass mir von dir nicht den Kopf verdrehen!"

Fesarinas Augen funkeln. Sie verdreht Yukis Arm noch weiter. Yuki schreit. Ein roher Laut. Ungezähmt. Aus den Tiefen ihres Körpers.

„Zieh dir was Schönes an."

Ihre Stimme ist kalt wie Eis. Sie dreht noch ein Stück weiter, gerade so, dass Yuki an der Grenze bricht.

„Und..." ihre Lippen formen ein höhnisches Lächeln.

„Sei. pünktlich!"

Erst dann, als würde sie Yuki einen Gnadenstoß geben, lässt sie die Hand los.

Yuki sackt schwer atmend zu Boden. Als würden es ihre letzten sein. Die Hand geschwollen. Die Augen voller brennendem Hass. Doch tief darin ein Funke von etwas anderes. Angst. Und etwas, das sie niemals zugeben würde.

Fesarina dreht sich seelenruhig um. Die Tür knarrt.

„Bis bald, Yuki."

***

„...Ach du... Scheiße, scheiße, scheiße."

Das Mädchen bleibt wie angewurzelt stehen. Yuki liegt halb im Türrahmen, der Oberkörper verdreht, der linke Arm unnatürlich angewinkelt. Ein dünner Blutstreifen zieht sich von ihrer Stirn über die Wange und tropft langsam auf den Boden.

„Yuki...?" Doch es kommt keine Reaktion. „Hey— hörst du mich?!"

Sie kneit sich neben sie, zögert kurz, dann legt sie vorsichtig zwei Finger an Yukis Hals. Ein schwacher, aber vorhandener Puls.

„Scheiße..." Mit zittrigen Händen zückt sie ihr Handy.

[„Hier 112 Notrufzentrale, wie können wir sie helfen?"]

„H-Hallo... meine Freundin liegt hier bewusstlos im Schulgebäude. Ihr linker Arm ist stark geschwollen, sie blutet am Kopf..."

[„Bleiben sie ruhig. Nennen Sie mir bitte den Namen der Schule."]

„... auf Straße ..."

[„Der Rettungsdienst ist unterwegs. Bleiben Sie bei der Person und bewegen Sie sie nur, wenn es unbedingt nötig ist."]

„Ja...ja, okay."

Sie legt das Handy weg, schluckt hart. Yukis Atem geht flach. Ihr Gesicht wirkt ungewohnt leer. Nicht wütend. Nicht arrogant. Einfach... still.

„Komm schon... halt durch..."

Mit Mühe zieht sie Yuki an sich heran. Der Arm schmerzt schon beim kleinsten Kontakt, doch sie hat keine Wahl. Langsam hebt sie sie an, stemmt sie auf ihren Rücken.

„Es tut mir leid..."

Schritt für Schritt trägt sie Yuki Richtung Eingang. Jeder Meter fühlt sich falsch an. Schwer. Währenddessen bleibt Fesarina abrupt stehen. Das entfernte Heulen einer Sirene schneidet durch die Luft.

Krankenwagen? So nah?

Sie runzelt die Stirn.

Das ist ungewöhnlich.

Ein kurzer Blick geht über die Schulter. Jedoch schüttelt sie leicht den Kopf.

„Ich habe Wichtigeres zu tun."

Ihre Schritte werden schneller, kontrollierter. Wie immer achtet sie darauf, nicht gesehen zu werden, nicht jetzt. Nicht heute.

Das Treffen muss perfekt sein.

Als sie ihren Raum betritt, gleitet ihr Blick prüfend über jedes Detail. Die Tische sind gedeckt. Gläser, Flaschen, Kerzenleuchter angebracht.

Sie haben sauber gearbeitet. ...Fehlt nur noch... die Akte.

Der Krankenwagen fährt vor. Blaulicht taucht den Schulhof in flackerndes Blau. Schüler bleiben stehen. Flüstern. Raunen.

„Was ist passiert...?"

„Ist das nicht— Yuki?!"

Die Sanitäter übernehmen sie schnell. Routiniert. Wortlos. Yuki wird auf die Trage gehoben. Ihr Kopf kippt leicht zur Seite. Die Augen bleiben geschlossen. Haru steht zwischen allen anderen.

Was zur... Hölle?

Sag mir nicht Yuki hat gegen jemanden gekämpft oder so.

Ich denke, sie hat einfach nur Lampenfieber gehabt.

Wer könnte unserem Idol sowas nur antun??!

Haru hingegen macht sich keine Oberflächlichen Gedanken darüber. Seine Augen verengen sich und er hebt seine Hand ans Kinn.

Das kann niemals nur ein Zufall gewesen sein. Da muss was dahinter stecken. Sie würde nie im Leben einfach so umfallen. Jemand muss ihr etwas angetan haben. Ich kenne sie, und so schwach ist sie nun auch wieder nicht.

Haru schaut sich um und fragt fast jedem Mädchen in der großen Runde durch. Von den jüngsten bis zu den ältesten.

Kleine tuscheleien entstehen wegen seiner Fragerei und auch die meisten schauen sich gegenseitig verdächtig in die Augen.

Als sich die Menge langsam auflöst draußen kehrt Haru um. Zum Raum. Der Türrahmen steht noch offen. Die Stille in den Gängen ist zu verdächtig für den Vorfall.

Er tritt ein. Der erste Blick fällt auf den umgekippten Stuhl. Nihct einfach gefallen. Zu weit vom Tisch entfernt. Zu schräg. Haru geht langsam darum herum, bleibt stehen, beugt sich leicht vor.

Der ist geworfen worden.

Nicht panisch. Nicht zufällig. Sondern gezielt. Sein Blick wandert weiter. Die Wand links. Reißzwecken. Papierfetzen am Boden. Einige noch halb befestigt, andere zerrissen. Er hebt einen davon auf. Die Kanten sind ausgefranst. Nicht sauber gerissen. Als hätte jemand mit zu viel Kraft zugepackt.

Kein Streitgespräch. Dafür war zu viel Kraft im Spiel.

Er richtet sich auf. Jetzt merkt er es. Die Luft bewegt sich minimal. Nicht spürbar, eher sichtbar. Lose Zettel, die sich ganz leicht gegeneinander schieben. Er runzelt die Stirn.

Hier zieht es nicht.

Der Raum ist komplett isoliert. Der einzige Ort, wo Luft herkommen könnte ist die Tür. Keine Ventilatoren, oder andere Belüftungsanlagen. Er geht weiter zum Tisch. Die Oberfläche leer. Daneben die Schublade zieht er die kleine Schublade auf. Und friert ein. Ein Foto. Er braucht einen halben Herzschlag, um zu begreifen, was er sieht.

...?!

Er selbst. Schlafend. Der Winkel ist nah. Zu nah. Aufgenommen von jemandem, der wusste, dass er nicht aufwachen würde. Seine Finger ziehen sich unbewusst zusammen.

Anfang des Jahres wurde es gemacht.

Ein trockenes Lächeln entweicht ihm. Kurz, reflexhaft. Doch es hält nicht. Seine Augen bleiben ernst.

„Yuki...", murmelt er leise. Nicht wütend. Allerdings verunsichert. Er legt das Foto zurück, schließt die Schublade. Langsam dreht er sich um. Sein Blick bleibt hinter der Tür stehen. Er geht näher dran. Untersucht den Boden. Die Wand. Nichts. Aber das beruhigt ihn nicht. Im Gegenteil.

Zu sauber. Als hätte jemand genau gewusst, was er hinterlassen darf.

Seine Hand wandert an sein Kinn. Der andere Arm an sein Bauch. Jetzt ergibt es ein Bild. Der Stuhl. Die Wand. Der Wind, der keiner sein dürfte. Yuki bewusstlos, dazu schwer verletzt. Sein Blick verengt sich.

„Das war kein Unfall", sagt er leise. Nicht zu sich. Sondern als Feststellung. Der Raum wirkt auch kleiner, nachdem er ihn verlassen hat.

Jemand wollte etwas beginnen. ...Aber war Yuki nur der Köder, oder ein Zeichen...?