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Kapitel 85 / Tschüss Zwölfte und hallo Sonnenschein! (Part 2 Finale)

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Kapitel 85 / Tschüss Zwölfte und hallo Sonnenschein! (Part 2 Finale)

Tschüss Zwölfte und hallo Sonnenschein!

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Freya und Jeanne sind schon nach Hause gegangen. Nur Natsumi und Haru bleiben im Zimmer zurück.

Haru steht im Badezimmer. Das Licht draußen an, die Tür offen. Er betrachet sich im Spiegel, Oberkörper frei, das Waschbecken leicht überlaufend. Das Licht aus dem Zimmer fällt schräg auf ihn. Seine Iris glüht blau, seine Haare zerzaust vom Training.

Ich fühle mich immer noch schwach. Obwohl ich etwas Wichtiges gefunden habe, soüre ich, dass die nächste Bedrohung nicht mehr weit ist. Mein Körper ist schärfer, mein Geist wacher... aber ich muss immer ein Level höher steigen. Man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke lauert.

Draußen auf dem Balkon sitzt Natsumi mit ihrem Tee. Sie beobachtet die Sterne und genießt die Ruhe draußen. Haru tritt leise zu ihr, als sie komplett in Entspannung war.

„Grauer Jogger und oberkörperfrei? Du bist verrückt, so rauszukommen."

Er lehnt sich ans Geländer. „Und du solltest deinen Kopf nicht immer hängen lassen."

Ohne auch nur ein Einwand zu erhalten hebt er sanft ihr Kinn mit zwei Fingern. Ihre Wangen färben sich leicht rot, doch sie weicht nicht zurück.

„Du hast schöne Augen. Verschwende sie nicht für den Boden."

Sie antwortet nicht. Als er schon zurückgehen will, spricht sie jedoch leise. Mehr zu sich als zu ihm. „Du muss mich ja nicht so behandeln."

Ein schiefes Grinsen huscht über sein Gesicht und schließt dabei das eine Auge ganz kurz. Kurz danach fasst er sie am Kopf.

„Wie soll ich dich denn sonst behandeln?", sagt er ironisch.

Sie schubst seine Hand weg, Harus Hand hängt kurz in der Luft. Er wartet, ob sie etwas sagen will. Schließlich spricht er ruhig.

„Na, wenn du allein sein willst, dann sag's doch. Ich gehe dann Duschen und entspanne mich danach in der Wanne."

Sie errötet und fasst sich ans Gesicht. Nicht aus Scham, sondern vor Freude. Und Nachdem Haru einen Schritt ins Zimmer gesetzt hat, will er ihr noch etwas sagen: „Ach—"

Er spricht dann rein, als würde er nicht gehört haben, dass sie etwas ihm noch sagen wollte.„Wenn ich's sagen darf: Du könntest deine Haare auch mal länger wachsen lassen, oder allgemein etwas neues probieren. Das gleiche darfst du auch natürlich zu mir sagen. Denn schließlich sind wir ja ein Trupp." Er beendet es mit einem zwinkern und schließt die Balkontür und schließt die Gardinen noch hinterher.

Als er die Balkontür schließt und den Vorhang zuzieht, denkt er sich: Hätten wir Fliegen Gitter wäre es um einiges entspannter hier. Vor allem im Sommer. Aber das würden die vier nicht in Betracht ziehen, nach dem sie schon so viele Sachen für das Zimmer eingekauft hatten.

Haru geht daraufhin duschen und Natsu entspannt sich weiterhin im Balkon. Denn sie haben erst letztens einen Liegestuhl geholt und sie hat sich direkt verliebt darin.

Ich meinte nicht das ich alleine sein will... Ich wollte mehr deine Nähe haben, jetzt wo wir allein sind. Freya und Jeanne sind weg und du bist mit mir hier...

Sie zieht die Decke etwas höher über sich, als würde sie sich darin verstecken wollen. Die etwas kühlen Temperaturen zwingen sie fast schon dazu, was sie aber im Moment nicht einmal bemerkt.

Eigentlich um stärker zu werden, um in diesem Fiebertraum zu überleben, muss ich bereit sein alles zu geben ...Aber wenn ich daran denke wie Freya und Haru immer an bestimmten Wochentagen nach der Schule hier trainieren, dann... scheint es, ganz unmöglich. Das ist eine andere Dimension in der sie sich beweisen wollen.

„...Ich weiß nicht... ob ich es schaffen kann..."

„Was nicht schaffen?"

Sie schreckt auf, zieht die Decke über ihren gesamten Kopf. Sie dreht sich fast wie in einer Schockstarre millimeterweise hinter sich.

„Erschreck mich doch nicht so!"

Er kichert kurz. „Sorry mein Fehler. Aber über was hast du gedacht?"

„Nichts..." Ihr Blick bleibt gesenkt.

Er merkt das er die Antwort nicht aus ihr rausbekommt. Und er will auch nicht aus einem Menschen eine Antwort zwanghaft rausbekommen.

„Hör mir mal zu. Ich wollte es schon lange sagen, weil du mir die Vibes davon gibst. Egal wie unwichtig du dich in meiner Truppe fühlst, du bist bei mir immer willkommen.—", teilt er ihr mit einem lächeln zu.

„—Selbst wenn du mir nur ein Klotz am Bein wärst, würde ich dich immer noch willkommen heißen. ...Aber du bist kein Klotz am Bein. Also mach dir keine Sorge." Er schließt seine Rede mit einem Zwinkern ab.

Als Natsumi denkt sie kann kurz durchatmen kommt die nächste Sache. Sie zieht die Decke noch ein Stück höher und blickt auf ihre Hände. Ein leiser Gedanke schleicht sich in ihren Kopf: Haru hat bestimmt längst vergessen, warum ich damals bei... Sie senkt sofort den Blick. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Freya hab ich es schon gesagt, aber ich weiß nicht, wie ich das Haru erzählen soll.

Haru legt sich in die heiße Wanne, lässt sich zurückfallen reflexartig. Die Hitze erreicht jedes Gefäß in seinem Körper in einem Augenblick. Seit kurzem tut er dies regelmäßig— und es wirkt Wunder. Selbst nach einem harten Tag fühlt er sich wie neugeboren.

Seitdem ihr da seid, ist etwas anders hier.

Er sinkt tiefer in das heiße Wasser der Badewanne. Der Dampf stiegt auf und hültl den ganzen Raum im Nebel ein. Das Warme Wasser umhüllt seinen Körper.

Plötzlich ist Leben in unserer Wohnung. Ich fühle mich nie einsam. Es gibt immer jemanden, auf den ich mich freuen kann.

Er schließt kurz die Augen und lässt seinen Kopf gegen den Wannenrand sinken. Ein kleines Geräusch entweicht ihm reflexartig.

Wegen euch drei, fühlt sich dieser Ort an, wie ein richtiges zu Hause. Darum will ich immer in dem Zimmer übernachten. Allein eure Anwesenheit hat aus meinem sonst so grauen Leben ein richtiges Paradies gemacht.

Am nächsten Morgen wirkt die Schule ungewohnt ruhig. Die letzten Schülerinnen verlassen langsam den Hof. Stimmen verklingen, Türen fallen ins Schloss. Vor wenigen Minuten noch ein Menschensturm— jetzt eine beängstigende Stille über dem Gelände. Nur das zwitschern der Vögel ist zu hören.

Das es auch mal so ruhig sein kann.

Auch die Aula ist fast leer. Vor Kurzem wurden hier noch die Zeugnisse verteilt, Stühle gerückt, Namen aufgerufen. Jetzt stehen nur noch vereinzelte Reihen zurück, als hätte der Raum selbst noch nicht ganz verstanden, dass alles vorbei.

Nur Haru bleibt noch einen Moment stehen. Seine Gedanken hängen noch bei den letzten Wochen.

Es ist auf ernst verrückt, dass mal ein Schuljahr so crazy sein kann. Sowas hatte ich seit der sechsten Klasse nicht mehr gespürt.

Er blickt zum Ausgang der riesigen Aula. Fast schon ein Majestäten Palast. Er denkt dazu: Ich weiß eh: Dieses Gefühl wird mich noch lange hier begleiten.

In seiner Hand hält er sein Zeugnis in einer eingerollten Klarsichthülle. Er überfliegt kurz die Noten noch einmal.

„Deutsch— naja. Naturwissenschaften— hätte besser sein können."

Doch als Harus Blick weiter nach unten wandert, bleibt er kurz hängen.

Sport — 14 Punkte.

Ein breites Lächeln bildet sich auf sein Gesicht.

Eigentlich bin ich zufrieden. Ich habe nicht mal mehr gelernt, als ich mir am Anfang des Jahres vorgenommen hatte...

Trotzdem liegt ein Gefühl von Beschämtheit auf seinem Gesicht.

Plötzlich aber spürt er ein Klopfen auf seinem Rücken. Ein paar Mitschüler seiner Klasse und Parallelklasse treten vorsichtig auf ihn zu. Nicht alle, nur einige, die bisher eher im Hintergrund waren.

„Haruki... äh, danke... seit sechs Monaten."

Die Stimme zittert ein wenig, aber in den Augen liegt tiefster Respekt.

„Ja... du hast echt... echt uns vor den paar Mobbern immer beschützt."

Eine andere nickt, diesmal klarer. „Wir hätten wahrscheinlich ohne dich, die Schule wechseln müssen. Ich hoffe wir haben nicht dein Image in der Schule ruiniert."

Haru runzelt leicht die Stirn, verlegen. „Ach, das war doch nichts Besonderes..."

Diesmal lächeln sie nicht unsicher oder schüchtern, sondern echt.

Kein Spott, kein Necken, einfach Anerkennung.

„Du bist... anders, als wir gedacht haben. Wenn du dabei bist, kann man sich auf dich verlassen."

Haru nickt kurz, ein kleiner, fast unbemerkter Ausdruck von Stolz in seinen Augen. Kein großes Wortgefecht, keine Übertreibung. Nur das stille Gefühl, dass er nicht mehr übersehen wird.

Als die Schüler sich wieder entfernen, schaut Haru ihnen nach. Die Sonne fällt auf sein Gesicht und sein Mundwinkel zieht sich nach oben zu einem sanften, warmen Lächeln.

Wenn Menschen lächeln, dann kann ich nicht anders als auch zu lächeln.

Er bleibt einen Moment im Türrahmen stehen und lässt seinen Blick durch den Raum schweifen. Als würde er sich von etwas verabschieden, das nur ihm gehören würde.

Wir sehen uns nächstes Jahr. Bleib staubfrei. Und Gesund natürlich. Hehe.

Hinter der Tür nimmt er noch seine beigene Weste und zieht es über sein Hemd.

Nächstes Jahr soll es wohl wieder anders sein. Ein neues Software Update. Mal schauen was wird.

Langsam setzt er einen Fuß nach dem anderen auf den Flur, als er den Schlüssel auffängt. Jeder Schritt fühlt fast wie eine Verabschiedung von den letzten Tagen, und Monaten, die ihn geprägt haben.

Ich dachte immer, man verändert sich langsam. Aber manchmal ist es nur ein Schritt. Eine Entscheidung. Ein Moment, der alles verändert.

Als Haru das Gebäude verlässt, trifft ihn draußen sofort die wohltuend warme Sonne auf seine freien Unterarme. Er lockert sein Kragen infolgedessen.

Die Tür öffnet sich automatisch vor ihm. Er spürt die wohltuend warme Sonne auf seinen Armen, den Wind, der sanft über das Schulgelände streicht. Die Wärme dringt durch die Ärmel, die Welt wirkt auf einmal größer und leichter, aber gleichzeitig vertraut.

Und dann, während er den ersten Schritt auf den Hof setzt, spricht er nur diesen einen Satz:

„...Na, was wird wohl meine Beute sein?"

Entschlossenheit in der Stimme, ein leichter Schimmer vor Vorfreude auf das, was noch kommt. Ein Schritt nach dem anderen, das Schuljahr hinter sich lassend, bereit für alles, was vor ihm liegt.

—

Part 2 Ende