Kapitel 86 / Zu dritt
Kapitel 86 / Zu dritt
Zu dritt
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Haru steht vor seinem Kleiderschrank. Blaue Shirts. Grüne Hoodies. Helle Jeans. Sein Blick bleibt— wie so oft, bei Schwarz hängen. Fast beunruhigend, wie sehr es ihn inzwischen anzieht. Er greift nach dem Hemd, krempelt die Ärmel hoch, lässt die oberen Knöpfe offen. Sein neues Ritual.
Meine Eltern haben ihren Urlaub hinter sich, leider... aber letztes Jahr saß ich noch hier fest. Diesen Sommer fahre ich.
Die Tasche ist gepackt, sauber vorbereitet, fast schon übertrieben ordentlich. er hebt sie an, prüft das Gewicht, geht hinaus zum Geländewagen seines Vaters. Die Abendluft ist warm, trägt den Geruch von Asphalt und Sommer in sich. Ein kurzer Druck gegen die Reifen. In den Bergen darf man sich keine Fehler leisten. Zufrieden steigt er dann ein.
„Wir holen sie jetzt ab."
Haruka dreht den Kopf langsam zu ihm. „Wen denn?"
Er fängt aufeinmal an zu lächeln. Ganz unbewusst. Eher zu seinen Gedanken als zu ihr.
Ich habe es ihr noch nicht erzählt, und wollte es auch erst einmal garnicht. Damit sie nicht wegen misstrauen nicht kommt. Deswegen musste ich ein bisschen tricksen damit sie mitkommt.
Obwohl Haruka ein bisschen misstrauisch geworden ist und ihre Miene ein bisschen ernster geworden war, steigen sie in den SUV.
Seitenspiegel und Rückspiegel richten und Sitzbelüfung anschalten. Das ist immer sein Ritual. Egal ob es das Auto von seinem Vater ist, oder bei seinen Freunden.
Das Tacho zeigt 23 Grad um 21:55 Uhr. Ein perfekter Zeitpunkt um zu ihr zu fahren, denkt Haru.
„Wenn du willst kannst du dir deine Songs abspielen lassen."
Ohne auch nur zögern holt sie ihr Handy raus ohne zu antworten. Er schaut seitlich zu ihr ein bisschen überrascht zu und fährt aus der Einfahrt raus.
10 Minuten zu ihr. Ach jaja.
„Viel Spaß noch euch! Ich hoffe ihre werdet euch dort amüsieren!", winkt ihre Mutter den beiden zu. Haru streckt seinen Kopf aus dem Fenster und blickt nach oben.
Yuriko hat das Fenster komplett geöffnet von der Wohnung und blickt nach oben.
Kurz darauf öffnet sich das zweite Fenster direkt neben Yuriko, wo sein Vater rausguckt. Jedoch ohne was zu sagen winkt er zu den beiden runter.
Er hat es nicht für nötig gehalten etwas zu sagen, weil schon Yuriko alles gesagt hatte.
Mit einem lächeln fährt er aus der Straße raus und lässt sein Haus für die nächsten sechs Wochen mit seinen Eltern alleine.
„Und", beginnt Haruka langsam. „Wie ist dieses Mädchen so?"
Er überlegt kurz, welche Eigenschaften sie nochmal hatte. Obwohl er sie schon seit fast einem Jahr kennt und seit ein paar Monaten mit ihr zusammenlebt.
„Sie ist, ein besonderes Mädchen—"
„Was meinst du?"
„—Ein äußerst süßes Mädchen, was dazu gehören will. Manchmal etwas ängstlich, aber dafür eine ehrliche Seele."
Sie bleiben an einer Ampel stehen und öffnen die Fenster. Die perfekte kühle Luft einer Sommernacht weht ins Auto herein.
„Das ich mit dir in den Urlaub fahre, ist schon gewöhnungsbedürftig.", murmelt sie.
„Was soll schon daran sein? Ich will mit dir eben ein bisschen Zeit verbringen. Du weißt doch selber, dass ich fast ein Jahr garnicht mehr Zuhause war.", reagiert Haru auf ihr ganz ehrlich.
Und was ich dir nicht sagen kann ist, das wir mal ohne unsere Eltern auch vielleicht einen schönen Urlaub haben können. Dieses mal will ich von Anfang an eine schöne und erholsame Zeit mit dir haben.
Freya und Jeanne sind in Spanien. Und Natsu hat wie wir beiden nichts zu tun.
Die Ampel springt auf Grün. Haru legt lässig den arm aus dem Fenster, während sie nach vorne blickt und die angenehm leeren Straßen bewundert. Es ist fast schon gruselig, wie ausgestorben die Stadt um diese Uhrzeit ist. Haru überlegt kurz, ob in den Ferien irgendein Feiertag ansteht, schlägt den Gedanken aber direkt wieder aus dem Kopf.
Währenddessen betrachtet Haruki ihren Bruder von der Seite.
Er trägt seit neuerdings immer Hemde und Anzugshosen in seiner Freizeit. Genau wie jetzt. Ein all-black großer Bruder. Ich frage mich, ob ich mich durch einen Schulwechsel auch so krass verändern würde wie er.
Plötzlich lächelt sie ganz selbstbewusst und blickt auf ihn.
„Und?"
„Was ist?"
„Du hast mir immer noch nichts darüber erzählt, ist mir gerade eingefallen."
„Meinst du über die Schule?"
„Yes!"
„Ich habe in der Schule gerade was laufen.", sagt er zu ihr, fixiert aber den Straßenverkehr, um zu zeigen, dass er sich mehr auf das Fahren als auf sie konzentriert.
Sie will mehr wissen und fragt weiter. „Was denn??? Erzähl's mir, bitte."
Ihre Neugier hat sie definitiv von unserer Mutter. Sie ist auch immer so eine gewesen.
„Wie soll ich's dir erklären... hmm, ich fang so an: Man hat so etwas wie ein Spiel. Und man spielt das Spiel, über das man nix weiß. Also keine Infos über die Steuerung, keine Minimap, und keine Item Beschreibungen und sonstiges. Ganz einfach, man fängt bei Null an und muss sich alles selbst erarbeiten. Dazu noch hast du ohne das du was gemacht hast, dass Gefühl das jeder dich angreifen könnte."
Haruka hört zu, hoch ihre Miene verzieht sich mti jedem Wort. Nach jedem Satz bilden sich mehr Fragezeichen in ihrem Gesicht, gemischt mit einer dezenten Portion Angewidertheit.
Was laberst du da? Was ist das für 'ne Schule??
„Ich weiß wirklich nicht, ob du auf den Kopf gefallen bist, aber what the fuck erzählst du mir da?!"
Er presst die Lippen leicht aufeinander als er kurz den Blick an den Innenspiegel hält.
Natürlich wirst du das nicht direkt checken, schwesterchen. Das war auch nicht mein Ziel. Du wolltest es wissen, und ich habe es dir auf ein Silbertablett serviert.
Haru atmet aus. „Wie wär's, wenn wir einfach das Thema wechseln, nach dem sie hier ist. Okay?"
In der selben Sekunde kommen sie an Natsus Viertel an. Oben an der Straßeneinmündung befindet sich eine Pizzeria von der die beiden in ihre Straße hereinfahren. Bei jeder Seite ist eine Autoschlange die sich bis zum anderen Ende Straße führt.
„Kranker Scheiß."
Doch zum Glück gibt es da diese eine Lücke zwischen zwei Gebäuden, wo Natsu wohnt eine Einfahrt, die Gott sei Dank immer frei bleibt. Er holt sein Handy aus und ruft sie sofort an. Nach dem Auflegen steckt er es zurück in die Tasche und wartet. Haruka sitzt immer noch mit einem Gesicht voller Fragezeichen da, völlig überfordert von dem vorherigen Gespräch.
„Kannst du nicht einmal davon ablassen? ich habe dir doch schon damals gesagt, dass du als 15 Jährige nicht verstehen wirst."
Ihre Augenbrauen ziehen sich wütend zusammen. „Was hat das bitteschön mit meinem Alter zu tun?!"
Er seufzt und fährt vor, weil das Auto hinter ihm bereits ungeduldig die Lichthupe betätigt. Schnell hintereinander.
Ich will dich nicht beleidigen, aber lass das du...
Haru rollt an die Kreuzung, wo sich neben dem letzten Gebäude die Garagen befinden. Dort hält er, mit freuem Blick auf die gesamte Straße, um sofort zu sehen, wenn Natsumi aus dem Haus kommt. Er wirft dnen Arm nach hinten über die Beifahrersitzlehne und blickt nach hinten, um den Platz zu checken.
Unsere beiden Taschen mit den Kleidungen sind auf links und rechts. Unser essen ist in der Mitte. Haben wir überhaupt noch Platz?
„Denkst du, wir haben noch Platz?", fragt er ihr lauter. Denn sie scheint in eine Art Starre grade zu sein.
Sie zeigt mit der freien Hand nach hinten. „Wir haben noch den Kofferraum hinten, das weißt du schon.", entgegnet sie ihn mit monotoner Stimme.
Achja...
Obwohl er sich eigentlich für schlau hält, ist er manchmal noch ein bisschen verplant. Oder es liegt einfach an der Vorfreude auf den Urlaub. Andererseits kann es bei ihm aktuell alles sein.
Er öffnet die hintere Tür, schnappt sich seine Tasche, um Platz zu machen, öffnet den Kofferraum und verstaut sie dort.
Als er den Kofferraum des Autos schließt hört er die Stimme von Haruka. „Hey hey, ist das nicht die, die du suchst?"
Willst du dich wie eine Königin fühlen?
Haru sieht durch die etwas dunklen Fenster Natsumi, die wie suchen durch die Straßen blickt, ihre Reisetasche fest in der Hand. Kurz fällt ihm ein Stein vom Herzen. In einem flüchtigen Moment vor der Reise dachte er, dass sie womöglich einen Hartschalen Koffer mitschleppen würde.
Wie du dich schwer tut mit deiner Tasche, ist echt süß anzusehen. Ich mag dich einfach Natsu.
Er winkt ihr zu. Sie kommt mit schweren, langsamen Schritten rüber, als würde sie zehnt Tonnen mit sich herumschleppen. Haru zögert nicht und rennt ihr sofort entgegen. Nicht einmal bewusst, eher als würde er schon oft so gehandelt haben. Im selben Augenblick wo Haru zu ihr rennt erscheint ihr Vater um der Ecke.
„Ich nehm schon deine Tasche Natsu. Geh schon zum Auto."
Der Vater blickt Haru direkt an. „Du bist also der Junge, von dem sie so schwärmt."
Haru zuckt kurz erschrocken zusammen und blickt halb nach hinten zu ihm. Die Straßenlaterne über ihnen leuchtet grell auf sie herab, während ihre langen Schatten das restliche Licht schlucken.
Was hast du deinem Vater bloß über mich erzählt Natsu?
„Ich bin ihr Vater, [Platzhalter]." Ihr Vater streckt seine Hand raus.
„Und ich bin Evonar... Haruki.", antwortet er ganz vorsichtig. Haru erwidert den Händedruck. Doch selbst sein Gegenüber spürt das leichte zittern von Harus Fingern.
Ich merke sofort, dass sie eine liebende Familie hat. ...Aber warum wird mir so warm auf einmal...?
Als die beiden die Hände loslassen, erfasst kurz eine Stille die Haru unbewussterweise die anbahnende Hitze in seinem Körper noch mehr in den Vordergrund rücken lässt. Fast schon, als könne er an nichts anderes mehr denken.
„Eigentlich hatten ihre Mutter und ich es ihr verboten, allein mit einem Jungen loszuziehen." Kurz dann senkt er seinen Blick und guckt im oberen Augenwiinkel Haru an. Als würde er ihn einschüchtern wollen, aber Haru es falsch in dem Moment aufnimmt.
„Aber sie hat absolut darauf bestanden mit dir mitzugehen.", fügt ihr Vater noch hinzu. Währenddessen mustert er Haru auch an. Fast schon automatisch während er den Satz sagt.
Er wirkt wie ein anständiger Mann. Ob vielleicht Natsumi, mein kleiner Engel durch ihm offener geworden ist...?
„Ja, ich verstehe sie vollkommen.", antwortet er mit einem leicht zuckenden Mundwinkel. „Meine Eltern waren da ganz ähnlich. Sie hatten mir auch eigentlich es verboten mit Mädchen auszugehen... aus offensichtlichen Gründen."
Ihr Vater lacht kurz über seine Antwort. An seinem Blick sieht man kein Misstrauen gegenüber Haru und auch sein kurzer Gedankengang steht fast schon in der Situation auf seinem Gesicht geschrieben.
„Na dann." Der Vater klopft ihm kurz auf die rechte Schulter drauf. „Habt viel Spaß und erholt euch gut."
„Ehh, ja. Danke."
Bevor ihr Vater aber endgültig ins Haus zurückgeht, tritt er kurz noch einen Schritt zurück. Als würde er noch Haru etwas mitgeben wollen oder zumindest etwas sagen. Aus seiner Jackentasche zieht er einen kleinen gefalteten Zettel und schiebt ihn in Harus Hand, sodass dann die Handfläche das Papier komplett verdeckt.
Er beugt sich leicht vor. Seine Stimme ist kaum mehr als ein Hauch für jeden außenstehenden der vorbeilaufen würde. Unverständlich für jeden, aber trotz der kurzen leisen Worte werden Harus Augen für einen Moment groß.
Bis der Vater sich wieder aufrichtet, als wäre nichts gewesen, und legt ein wissendes Lächeln auf.
„Also dann" Dreht er sich um und geht winkend zurück. „Erholt euch gut." Daraufhin verschwindet er um der Ecke.
Haru winkt ihm hinterher. Aber ohne weiterzugehen, lässt er sich kurz das Gespräch Revue passieren. Er bleibt auf der Stelle stehen und blickt zum Auto zurück. Als würde er noch kurz etwas überdenken was wichtig sein könne.
Ein Vater der fit aussieht trotz seines Alters. Hm...
„Haru, Haru! Komm schon!", rufen die beiden Mädchen ungeduldig aus dem Wagen.
Er fasst sich an seinen Nacken und läuft zum Auto lächeln rüber. Ich glaube, ich bin nicht der einzige der hier eine kleine Bindung aufgebaut hat.
Dann fasst er um den Griff der Tasche und läuft mit langsamen, schweren Schritten zum Auto rüber. Seinen Oberkörper hält Haru leicht in die entgegengesetzte Richtung ohne es zu bemerken. In dem gleichen Moment, ertönt ein Benachrichtigung auf seinem Handy.
Hab echt grad keine Zeit dafür.
Die beiden Mädchen beobachten seine ganzen Bewegungen im Fenster bis er nah genug ans Auto kommt. Als würde Haru in dem Moment etwas falsch machen, was er selber nicht einmal bemerkt.
Demzufolge verstaut er das Gepäck im Koffferraum, steigt ein und fährt zügig aus der Straße.
„Und? Wie war dein Gespräch mit meinem Vater?", fragt Natsumi von der Rückbank und blickt durch den Rückspiegel durch.
Er erwidert ihren Blick im Spiegel. „Er scheint gelassen zu sein. Ich mag ihn jetzt schon."
Als Reaktion dazu antwortet sie nicht, aber sie lächelt glücklich auf mit dem Blick zum Boden.
Nach ach und krach hatte ich es geschafft meine Eltern, vor allem meinen Vater zu überzeugen mit ihm auf eine Reise zu gehen.
Ich hoffe es wird alles gut sein. Ich vertraue dir, Meister.
„Kannst du mal das Navi von meinem Handy anmachen Haruka? Ich hatte den Ort schon reingeschrieben."
Er rutscht etwas tiefer in den Sitz, die Augen zwar staar auf die Straße gerichtet, aber der Kopf eher daran gelenkt irgendwie sein Handy aus der Hosentasche rauszuholen. Er übergibt es ihr und das erste was seine Schwester erblickt springt sofort die Benachrichtigung ins Auge.
[Gruppe] Freya
| Seit ihr schon angekommen ihr beiden?
„Wer ist denn Freya?", fragt sie misstrauisch.
Ist etwa... mein BRUDER, ganz heimlich zu einem Mädchenmagneten geworden?!
„Eine andere...", setzt Haru an.
„Man kann sagen, eine andere Freundin von ihm.", vervollständigt Natsumi prompt den Satz.
„Eine andere?! Hast du mehrere?!", schießt es aus Haruka heraus, die ihn mit riesigen Augen anstarrt.
„Freundinnen nicht in dem Sinne. Eher Helferinnen... oder Schulkameradinnen. So in der Art.", versucht Haru schnell das Thema abzuschließen.
[Nach 300 Metern bitte links abbiegen]
„Und? Wie wird dieses Ferienhaus sein? Gut eingerichtet? Schöner Ausblick?", fragen die beiden aufgeregt.
Obwohl Haruka eigentlich einen Sommerurlaub am Strand bevorzugt hätte, hat Haru eine handfeste Überraschung vor allem für sie vorbereitet. Und Natsumi ist es im Grunde völlig egal, solange sie die gesamten Ferien nicht wieder in ihrem Zimmer verbringen muss.
„Ich kann euch nur so viel sagen: Das wird Bombe. Ich habe ewig recherchiert, um den perfekten Ort zu finden. Ein bisschen abgelegen, aber immer noch der perfekte Ort, um die Ferien zu genießen."
„Und was ist mit Essen?", hakt seine Schwester nach, als würde sie bereits am ersten Tag verhungern. Wenn man sie so ansieht, würde man denken das sie
„Und was ist mit essen?", fragt seine Schwester ihm. Sie klingt so als würde sie schon am ersten Tag verhungern. Dabei sieht sie in Klamotten so aus wie ein ganz normaler, schlanker Teenie, die noch nie eine Mahlzeit verpasst hat.
„Ich habe essen für zwei Wochen eingepackt. Und wenn wir mal qualitativ essen wollt, dann hol ich uns einfach was von außen."
Ach ich liebe dich Papa dafür, dass wir es so billig bekommen haben.