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Abwege

Hinter Der Kamera (Ff Oc X Emil Jakobsen) — www.fanfiktion.de · All chapters

Abwege

Der Club, in dem die Feier stattfand, war deutlich in der obersten Gehaltsklasse. Dazu hatte Per noch einige illustre Gäste eingeladen, die man auch aus der Regenbogenpresse kannte. Das Filmteam blieb am Anfang noch zusammen, doch spätestens als Jacob einen bekannten Schauspieler erkannte, mit dem er immer schon einmal hatte arbeiten wollen, löste sich die Gruppe auf. Emil und Astrid blieben allerdings zusammen. „Verdammt, wie schaffe ich es nur, diese Räumlichkeiten zu fotografieren“ fragte Astrid verschwörerisch: „Hast Du die Decken gesehen, das ist fabelhaft. Ich hätte so gerne Bilder davon. Doch wahrscheinlich werde ich umgebracht, wenn ich hier Aufnahmen mache. Es könnten sich einige Promis auf den Schlips getreten fühlen“ führte sie aus. Emil dachte kurz nach, dann holte er sein Handy raus: „Selfie!!!!“ Er nahm Astrid in den Arm und machte Bilder. Die ersten Aufnahmen zeigten beide Seite an Seite, dann rutschten sie aus Versehen aus dem Bild und er fotografierte mehr von den Räumlichkeiten.

Er schlug zwei Fliegen mit einer Klappe: er konnte Astrid im Arm halten und er tat ihr einen Gefallen. Er lobte sich innerlich für seine gute Idee. Astrid blieb auch anschließend sehr nahe bei ihm stehen. Sie fühlte sich wohl mit dem Handballer. Ihre kleinen Nachrichten hatten ihr gut gefallen. Das Einzige, was sie noch etwas verunsicherte, war sein Beziehungsstatus. Sie erinnerte sich zwar an seine Aussage, als sie sich bei Lykkes Konzert gesehen hatten, doch ihre Recherchen über ihn und seine Helena hatte nichts Greifbares gebracht. Wenn es nach dem allwissenden Internet ging, dann waren die beiden immer noch ein Paar. Die letzten gemeinsamen Fotos waren allerdings schon älter. Sie traute sich allerdings auch nicht, ihn einfach danach zu fragen.

„Soll ich uns noch was zu trinken besorgen“ fragte Emil. „Oh ja, gerne. Ich nehme gerne eine Erdbeer-Margherita“ orderte Astrid ihren Lieblingsdrink. “Dein Wunsch ist mir Befehl“ grinste Emil, der sich einfach nur gut fühlte, wenn sie in seiner Nähe war. Beide ahnten nicht, dass sie einen aufmerksamen Beobachter hatten. Als Tore sah, dass Emil Getränke holte, wurde es Zeit für seinen Plan und er sprach die junge Frau an, die er schon vorher gründlich instruiert hatte. Er musste den Handballer loswerden und es war nun genau die richtige Gelegenheit.

Emil kam mit zwei Gläsern wieder und überreichte Astrid ihren Drink. Sie sahen sich in die Augen, stießen an – dann wurde Astrid das Glas aus der Hand geschlagen. Eine junge Frau erklärte ihr: „Trink das nicht! Er hat Dir was reingetan.“ Astrid fragte fassungslos: „Was?“ Auf Emil zeigend sagte die Frau: „Ich habe gesehen, wie der da Dir was in den Drink getan hat. Du solltest ihn schleunigst loswerden!“ Emil war mindestens genauso geschockt wie Astrid, er war blass geworden und sagte nur: „Ich habe nichts gemacht.“ „Ich habe es genau gesehen“ behauptete die Frau wieder. „Nein, ganz bestimmt nicht. Ich würde nie…“ versuchte Emil zu beteuern. „Was ist hier los?“ fragte Tore, der wie aus dem Nichts auftauchte. Die ihnen unbekannte Frau erklärte noch einmal: „Der Typ hat versucht, ihr einen gepanschten Drink anzudrehen.“ Wieder erklärte Emil, lauter werdend: „Ich habe nichts gemacht.“ Astrid stand zunächst nur schockstarr da. Ihr schoss die Geschichte von Svenja wieder in den Kopf: ‚er hat mich betrunken gemacht‘. Dann sank sie förmlich in sich zusammen, sah zu Emil und schüttelte den Kopf. Mit tränenerstickter Stimme erklärte sie ihm ganz leise: „Du hättest nur zu fragen brauchen…“, dann verließ sie fluchtartig den Club.

Emil wollte ihr hinterher eilen, doch Tore hielt ihn auf. „Einen Moment mal, wir haben noch was zu klären, Bürschchen. Wir gehen erstmal ins Büro.“ „Ich habe verdammt noch mal nichts getan“ schrie Emil nun schon fast. „Das können wir mit der Polizei klären“ meinte Tore und zog ihn mit in die hinteren Räume des Clubs. Doch als sie schließlich dort ankamen, war die junge Frau auf einmal weg. „Da hast Du noch mal Glück gehabt. Wenn sie keine Aussage macht, dann kann man Dir nichts beweisen. Sieh zu, dass Du hier verschwindest.“ Emil stand immer noch komplett neben sich. Er ließ sich von Tore zum Hinterausgang bringen, nahm ein Taxi und fuhr in sein Hotel.

Astrid war wie vor den Kopf geschlagen. Das konnte doch nicht wahr sein. Sie hätte es nicht glauben wollen, nicht glauben können, doch es war eindeutig. Emil war doch der größte Schauspieler von allen. Sie hatte ihm seine nette sympathische Art jederzeit abgenommen. Sie hatte insgeheim gehofft, ihm bei einem Besuch in Flensburg noch näher zu kommen. Irgendwie hätte sie herausbekommen, was mit ihm und Helena wirklich noch am Laufen war, ja, sie hatte gedacht, er wäre etwas Besonderes. Doch er hatte ja wohl ein Muster. Erst die Frau willig machen, sich nehmen was man wollte, dann abschießen. Sie war mehr als enttäuscht, sie war unendlich traurig. Die Tränen, die sich in ihren Augen sammelten, wollten jedoch nicht fließen.

Als Per von Tore das verabredete Signal bekommen hatte, begab er sich zum Hauptausgang und da stand sie tatsächlich. Sichtlich verstört und auf ein Taxi wartend. „Astrid? Willst Du schon gehen?“ fragte er freundlich. „Ja, es… ich habe keine Lust mehr…“ rang sie sich ab. „Ich kann Dich ins Hotel bringen.“ „Nein, lass es gut sein. Ich warte auf ein Taxi.“ „Du, das ist kein Problem. Ich habe meinen Wagen gleich um die Ecke geparkt. Privatparkplatz…“ erklärte Per großspurig. Astrid fühlte sich schlecht, verloren und einfach nur zerstört, so dass sie schließlich nickte. Sie sah zu Boden und konnte deshalb sein triumphierendes Grinsen nicht sehen.

Unterwegs fragte Per erneut: „Ist alles in Ordnung mit Dir? Du bist so still.“ „Ich bin nur müde“ würgte sie ein weiteres Gespräch ab. Erst als sie in eine Einfahrt zu einer Tiefgarage einbogen und Per wartete, dass das Garagentor hochfuhr, fragte sie: „Wo sind wir?“ „Ich dachte, ich zeige Dir noch meine Wohnung.“ „Nein, das will ich nicht. Ich will in mein Hotel.“ „Ach, komm schon Astrid. Ich habe ein tolles Haus, Du kannst es Dir doch mal ansehen“ versuchte Per sie zu überreden. „Entweder Du bringst mich jetzt zu meinem Hotel oder ich nehme mir ein Taxi. Ich werde Deine Wohnung bestimmt nicht betreten“ fauchte sie ihn an. Das fehlte ihr gerade noch, jetzt seinen Avancen ausweichen zu müssen. „Ist ja gut. Du tust ja gerade so, als wollte ich Dich entführen. Andere Frauen würden sich geehrt fühlen, wenn ich sie mit zu mir mitnehmen würde“ maulte Per. „Dann such‘ Dir doch eine von denen. Ich will jetzt nur in mein Hotel.“ „Was stimmt eigentlich mit Dir nicht, Astrid? Wir könnten echt eine Menge Spaß miteinander haben. Sag mir einfach, was Du willst, ich gebe es Dir“ schlug Per nun vor. Er konnte immer noch nicht glauben, dass diese kleine Produktionsassistentin ihm einen Korb gab. „Mit mir stimmt alles, nur Du hast ein Problem. Ich bin nicht käuflich, Per und ich habe kein Interesse an Dir“ sagte Astrid es ihm nun ganz deutlich. „Es ist dieser Jakobsen, richtig? Du stehst auf diesen dämlichen Handballer. Als ob ausgerechnet Du bei dem eine Chance hättest. Der will doch auch nur mal mit Dir ins Bett“ höhnte Per. Astrid schwieg, doch Per war jetzt richtig in Fahrt: „Suchst Du die große Liebe, Astrid? Willst Du Dich dafür aufsparen? Dann solltest Du vielleicht besser bei Deinesgleichen suchen. Für uns bist Du nichts weiter als ein bisschen Spaß, eine Ablenkung vom Alltag. Einmal drüberrutschen und fertig. Du kannst doch nicht wirklich so naiv sein und erwarten, dass Du in unserer Welt einen Platz hättest.“

Astrid war bei seinen Worten immer blasser geworden, jedes Wort traf genau in ihr Herz. Ja, genau das hatte sie gedacht. Sie hatte gehofft, Emil wäre anders, hätte nicht dieses Star-Gehabe und Denken. Doch das war wohl ein riesengroßer Irrtum gewesen. Mit Todesverachtung sah sie Per an und sagte ironisch: „Wenigstens gibst Du einfach zu, dass Du nur ein bisschen Spaß suchst. Oder musst Du Deine Frauen auch erst betrunken machen, damit sie Dich begleiten?“ Per lachte hämisch: „Du verkennst die Situation. Niemand von uns muss Euch betäuben, Ihr steht darauf, mit einem Namen die Nacht zu verbringen. Wer nutzt hier eigentlich wen aus, Süße?“ Astrid enthielt sich jeden weiteren Kommentar und stieg einfach aus dem Auto. Entschlossen ging sie los, suchte nach einem Orientierungspunkt oder einem Taxi, um endlich in ihr Hotel zu kommen.

Per war total sauer. Der Plan von Tore hatte nicht so funktioniert, wie er hätte sollen. Sein Kumpel hatte gedacht, wenn Per sie ‚retten‘ würde, wäre Astrid williger. Zumal er so auch elegant Emil aus dem Weg geräumt hatte. Doch die Frau war stur wie ein Maulesel. Er rief Tore an und beschwerte sich ausgiebig. Der erklärte ihm ungerührt, dass zumindest der Handballer nun auch keinen Stich mehr bei Astrid machen würde. Also würde sie keiner bekommen, das wäre doch auch schon ein Erfolg.

Emil war in seinem Hotel und konnte die Situation immer noch nicht begreifen. Eben noch hatte er Astrid im Arm gehalten, dann war ein Sturm über ihn hereingebrochen. Wie kam diese wildfremde Frau nur auf die Idee, ihn für etwas zu beschuldigen, das er niemals machen würde? Er verstand die Welt nicht mehr. Doch er war auch ein wenig enttäuscht von Astrid. Sie hatte der Frau einfach geglaubt, nicht mal ansatzweise gezweifelt. Er hätte erwartet, dass sie ihm zumindest eine Möglichkeit einräumen würde, sich zu verteidigen. Nicht, dass er eine Idee gehabt hätte, wie er seine Unschuld hätte beweisen können. Doch sie war sofort gegangen. Dann schoss ihm nochmal ihr leise geflüsterter Satz ins Gedächtnis: ‚Du hättest nur fragen müssen‘. Also hätte er tatsächlich eine Chance bei ihr gehabt. Das tat so verflucht weh. Seine Gedanken drehten sich im Kreis und er fand kaum Schlaf. Er wollte auch zu dieser späten Stunde nicht mehr bei seinem Freund anrufen, doch mit Mathias reden musste er auf jeden Fall. Doch er verschob es auf den nächsten Abend.

Nachdem er die ganze Geschichte zum Besten gegeben hatte, meinte Mathias: „Du kanntest diese fremde Frau wirklich nicht?“ „Nein, die hatte ich noch nie gesehen.“ „Warum macht sie das denn? Ich meine, wo ist der Grund des Ganzen? Hat sie Dich vielleicht mit jemandem verwechselt“ grübelte auch Mathias mit. „Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich mich beschissen fühle… obwohl ich doch eigentlich gar nichts verkehrt gemacht habe.“ „Emil… ich sage das jetzt nur ungern, doch meinst Du nicht auch, dass Du Astrid einfach vergessen solltest? Sie hat ja wohl auch kein großes Vertrauen in Dich. Jeder, der Dich ein bisschen besser kennt, weiß ganz genau, dass Du so was niemals machen würdest.“ „Vermutlich hast Du recht, Mathias. Sie mochte mich von Anfang an nicht leiden. Wahrscheinlich habe ich mir da nur was eingebildet.“ „Sag mal… warum mochte sie Dich denn eigentlich nicht?“ „Ach, wir haben da nicht drüber gesprochen, ich denke mal… sie hatte eine Menge Stress, war müde, weil sie so viel gearbeitet hat.“ „Ja, schon, doch sie ist doch auch mit den anderen ausgekommen.“ „Mit Lykke hatte sie auch ein Problem, wobei… das war wohl eher so eine Kinderfeindschaft. Irgendwie sind die beiden dann ausgekommen. Freja mochte Astrid sehr, die haben sich sogar später nochmal getroffen. Naja… mit Per… ich dachte ja zunächst, sie würde ihn anbaggern. Das war allerdings gar nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, sie hat versucht, ihn sich vom Hals zu halten und ihn auch mindestens einmal abblitzen lassen.“ Mathias schwieg einen Moment, ehe er zusammenfasste: „Sie mochte Dich zunächst nicht, Du weißt allerdings nicht, warum. Dann habt Ihr so eine Art Waffenstillstand geschlossen. Daraus ist dann ein bisschen mehr geworden. Ihr wart auf einer Party von Per, richtig?“ „Ja, so passt das ungefähr.“ „Was, wenn Per Euch auseinanderbringen wollte?“ „Das glaube ich nicht. Für den wäre Astrid ja nur eine Nummer gewesen. Da macht er sich doch nicht so viel Mühe. Der kann sich jederzeit eine aussuchen.“ „Aber nicht Astrid!“ „Nein, ganz sicher nicht… verflixt… ja, das könnte es sein. Es war ja auch sein Buddy, Tore, der mich dann aus dem Club geworfen hat.“ „Du solltest versuchen mit ihr zu reden, Emil.“ „Meinst Du wirklich, Mathias? Ich denke, sie hätte mir glauben sollen, dass ich sowas nicht mache.“ „Ihr kennt Euch doch noch gar nicht richtig. Außerdem wäre es vielleicht interessant zu wissen, warum sie Dich am Anfang abgelehnt hat.“

Nach dem Gespräch ging es Emil etwas besser. Er war nur nicht sicher, ob er versuchen sollte, Astrid zu kontaktieren. Doch dieses ‚Du hättest nur fragen brauchen‘ ging ihm nicht aus dem Kopf. Er versuchte sie anzurufen, doch sie ging nicht ans Telefon. So schrieb er ihr eine Nachricht: „Es tut mir sehr leid, was da im Club gelaufen ist. Doch ich würde gerne mit Dir darüber reden, wenn Du mir die Möglichkeit dazu geben magst. Ich habe nichts Verkehrtes gemacht, auch wenn es vielleicht für Dich so aussah. Bitte melde Dich, wenn Du auch denkst, dass wir miteinander reden können.“ Dazu schickte er ihr noch die Bilder, die er im Club aufgenommen hatte.