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Aufnahmen in Flensburg

Hinter Der Kamera (Ff Oc X Emil Jakobsen) — www.fanfiktion.de · All chapters

Aufnahmen in Flensburg

Arbeit, das Mittel der Wahl für Astrid, wenn es ihr nicht gut ging. Sie stürzte sich auf das Drehbuch für die Fantasy-Serie und reiste an den Küsten herum. Sie hatte Emils Nachricht erhalten, war sich aber nicht sicher, wie sie darauf reagieren sollte. Sie fand es gut, dass er ihr ein Gespräch anbot, bei dem sie den Zeitpunkt wählen konnte, wusste allerdings nicht, was sie mit ihm noch reden sollte. Irgendetwas spukte in ihrem Kopf herum, hatte sie gehört, aber wieder vergessen. Es machte sie fast wahnsinnig. Ihr Verstand sagte ihr, dass sie Emil am besten vergessen sollte, ihrem Herz wollte es nicht so richtig gelingen.

Warum sie also anfing, nachzuforschen, was Svenja eigentlich heutzutage machte, konnte sie sich nicht erklären. Sie wusste, dass ihre ehemalige Freundin im Ausland verheiratet war, doch trotzdem versuchte sie es mit einer Nachricht bei Facebook. Nach einigen Tagen bekam sie doch tatsächlich eine Antwort. Sie schrieben ein wenig hin und her, ehe sie dann einen Telefontermin verabredeten.

„Hi Svenja“ „Wow, Astrid, wie schön, dass wir mal wieder voneinander hören. Ich finde es toll, dass Du den Kontakt wieder hast aufleben lassen. Gibt es einen Grund dafür?“ „Wenn Du mich so direkt fragst… ja, es gibt einen Grund.“ „Na dann erzähl mal.“ „Kannst Du Dich noch an Emil Jakobsen erinnern?“ „Wen?“ „Emil, Emil Jakobsen. Kurz bevor Du nach England gegangen bist, warst Du in den Handballer verknallt.“ „Ich kann mich nicht an ihn erinnern.“ „Du warst am Boden zerstört, als er Dir nach einer Nacht den Laufpass gegeben hat“ versuchte Astrid das Gedächtnis von Svenja zu aktivieren. „Oh… den…“ meinte Svenja zögerlich. „Du erinnerst Dich jetzt an ihn?“ „Hhmmm… warum?“ „Ich habe ihn vor ein paar Wochen kennengelernt.“ „Okaaaaaay und was hat das mit mir zu tun?“ fragte Svenja vorsichtig. „Was ist damals eigentlich wirklich passiert?“ „Nichts…“ meinte Svenja nun kläglich. „Was? Was meinst Du damit: nichts.“ „Ich hatte mich auf diese Party gemogelt und versucht, an ihn ranzukommen. Er hat mich abblitzen lassen.“ „Aber Du hast doch gesagt…“ „Ich wollte einfach nicht als Versagerin dastehen. Tut mir leid. Ich war wirklich ziemlich zerstört, weil er mich abgewiesen hat. Ich habe mich nicht getraut, zu sagen, dass er mir einen Korb gegeben hat.“ „Dann hast Du mich angelogen?“ „Tut mir leid, Astrid. Doch das war damals… einfacher, als zuzugeben, dass er nichts von mir wollte.“

Sie telefonierten noch eine Weile und verabredeten sich in Zukunft wieder mehr umeinander zu kümmern. Danach musste Astrid über die neue Situation nachdenken. Wenn es diesen Vorfall nicht gegeben hatte, waren alle ihre Vorbehalte gegen Emil obsolet. Dann blieb ein sehr netter, sympathischer Mensch, der sich nicht ohne Grund in ihr Herz gemogelt hatte. Doch wie passte das alles in die Geschichte mit dem gepanschten Getränk? Vielleicht sollte sie zumindest sein Angebot auf ein Gespräch annehmen. Zumindest würde sie sich keine Gedanken mehr machen, wie sie ihrem Vater begreiflich machen müsste, nicht mit nach Flensburg zu fahren. Stattdessen schrieb sie eine Nachricht an Emil: „Lass uns reden. Wir drehen mit Dir am Donnerstag, ich kann bis Freitag bleiben. Ist das OK für Dich?“ „Ja, das ist in Ordnung. Freitag ist gut. Bis dann.“

Emil blieb ein mulmiges Gefühl im Bauch. Er war nicht sicher, was ihm dieses Gespräch bringen könnte. Er hatte keinen Beweis dafür, dass er unschuldig war. Außerdem hatte es ihn schon verletzt, dass sie ihm nicht vertraut hatte. Andererseits kannten sie sich kaum. Ja, sie hatten einige Tage bei den Dreharbeiten verbracht, doch richtig mal miteinander geredet hatten sie nicht. Er hatte keine Ahnung, wie er dieses Gespräch gestalten sollte. Er musste es einfach auf sich zukommen lassen.

Astrid war die erste, die in Flensburg vor der Trainingshalle stand. Die letzte Trainingseinheit vor dem abendlichen Punktspiel stand an. Ihr Vater hatte sie beauftragt, die Lichtverhältnisse zu prüfen, sich umzusehen, was an Equipment benötigt wurde. Natürlich war die Halle noch verschlossen, doch Kay, der Zeugwart, kam und nahm sie wie verabredet mit hinein. „Ihr dreht mit Emil, richtig?“ „Ja, genau. Wir wollen ihn nur ein bisschen im Training begleiten und dann heute Abend beim Spiel.“ „Warum sind wir so früh schon hier?“ fragte Kay neugierig. „Ich muss sehen, wie das Licht ist, was wir an Ausrüstung brauchen. Dann wollte ich schon sehen, wie die Umkleiden aussehen und wie die Räumlichkeiten sind. Wir möchten Euren Ablauf so wenig wie möglich stören. Das ist mit dem Trainer so abgesprochen. Mein Team wird auch bald eintreffen.“ „Na, dann sieh Dich in Ruhe um, ich denke die ersten werden erst so in einer halben Stunde kommen.“

Sie streifte durch die Halle und sah sich gründlich um, zog sich ihre Hallenturnschuhe an und schrieb dann die Nachricht an das Drehteam. Während sie auf die Ankunft wartete, setzte sie sich zu Kay und half ihm, die Bälle aufzupumpen. „Spielst Du auch Handball?“ fragte er. „Nein, ich habe nach dem Studium aufgehört. Ich hatte keine Zeit mehr, zu viel zu tun. Außerdem habe ich das nur als Hobby gemacht.“ „Das hört sich aber schon so an, als hast Du ein bisschen Ahnung.“ „Regeln und so, ja. Profihandball… nur das, was ich im Vorfeld recherchiert habe. Also in erster Linie habe ich natürlich über Emil recherchiert.“ „Ah, Emil… das ist schon ein Guter.“ „Wie ist er denn so?“ „Superspieler, ich dachte ja, nach all den guten Leuten, die wir schon hier hatten, wird es schwierig für ihn. Doch er hat sich reingebissen und ich würde mal sagen, er ist jetzt schon Geschichte hier in Flensburg.“ „Wie würdest Du ihn als Mensch beschreiben?“ „Ist das hier ein Interview?“ „Nein, nein ich frage nur, weil… ich… ich beschäftige mich immer gerne mit allem, was zu einem Dreh gehört“ redete Astrid sich raus. „Ist ein feiner Kerl, der Jakobsen. Sehr fleißig, macht oft noch ein bisschen was Extra. Fast nie schlecht gelaunt, aber kein Clown. Er ist eher so der ruhige Typ, kein Wortführer, aber extrem wichtig für das Teamgefüge.“ „Also ein Teamplayer?“ „Absolut, ich mag ihn.“ Astrid lag es auf der Zunge zu sagen: ich auch. Doch sie verkniff es sich, schnappte sich stattdessen einen Ball und warf ihn aufs Tor. Das ging ein wenig schief, weil ihr der Ball zu groß war. Kay lachte: „Kein Supertalent.“ Astrid lachte mit ihm: „Nein, meine Talente liegen auf anderen Gebieten.“

Dann klingelte schon ihr Telefon und das Team kündigte sich an. Sie half die Ausrüstung ausladen, wurde auch noch mit einer zweiten Handkamera ausgestattet. Jacob sagte ihr: „Mach bitte ein paar Aufnahmen von den Dreharbeiten. Wenn Du Emil dabei im Auge behältst, bekommen wir noch ein paar andere Einsichten. Das Licht hier ist prima, da brauchen wir nichts extra.“ Als dann der Trainer eintraf unterhielt sich Jacob noch mit ihm, um weitere Details zu klären. Astrid wurde immer unruhiger, denn jeden Augenblick konnte Emil eintreffen und sie hatte keine Idee, wie sie sich begegnen würden.

Er betrat die Halle und war noch in einem Gespräch mit einem Teamkollegen, Lasse Möller. Als sein Blick auf Astrid fiel, lächelte er. Er freute sich tatsächlich darüber, sie zu sehen. Doch Jacob begrüßte ihn: „Hallo Emil, nur als kleines Briefing. Wir greifen nirgendwo in Eurem Training ein. Wir drehen einfach nur ein wenig mit. Also mach doch bitte alles so wie Du es immer tust.“ Am Anfang war er noch irgendwie nervös, doch spätestens nach dem gewohnten Warmmachprogramm hatte Emil das Filmteam schon vergessen und arbeitete konzentriert mit seiner Mannschaft.

Astrid beobachtete alles durch die Kamera. Sie wusste, was Jacob von ihr erwartete, sie machte das nicht zum ersten Mal. Sie fing ein, wie Lund immer wieder versuchte, die Perspektive auf Jacobs Anweisungen hin zu wechseln. Sie suchte immer die gegenüberliegende Seite für ihre eigenen Aufnahmen. Sehr schnell konnte sie feststellen, dass es gar nicht so einfach war, Emil zu folgen. Das Training hatte ein Wahnsinnstempo, das sie nicht erwartet hatte. Überhaupt war sie fasziniert von dem schnellen Sport. Sie hatte zwar schon oft im Fernsehen Spiele verfolgt, doch so nah daran, war es nochmal eine neue Erfahrung. Die Zeit verging wie im Flug, dann beendet der Trainer den offiziellen Teil.

Emil blieb noch mit Kevin Möller, die meisten Spieler verschwanden schon in der Spielerkabine. Jacob nutzte die Gelegenheit: „Was machst Du jetzt noch?“ „Ich werfe noch ein paar Siebenmeter. Das mache ich eigentlich fast immer nach dem Training.“ Auch hier filmten sie noch mit, ehe es ans Einpacken ging. Astrid hatte noch kein Wort mit Emil gewechselt. Sie wusste auch nicht, was sie hätte sagen sollen.

Auch Emil wusste nicht, wie er mit der Situation jetzt umgehen sollte, doch er entschied sich wieder einmal dafür, beim Tragen der Ausrüstung zu helfen. Diesmal war es nicht viel, was zu packen war, doch er traf dafür Astrid direkt am Auto: „Hallo Astrid“ „Emil…“ „Alles in Ordnung bei Dir?“ „Ja, alles gut. Das war toll zuzusehen“ war sie eher unverbindlich. „Warte ab bis heute Abend. Die Stimmung in der Halle ist unglaublich. Wir sind ausverkauft und es wird bestimmt richtig laut.“ „Ich bin schon sehr gespannt, wo die Unterschiede zu einem Fußballspiel liegen.“ Emil grinste: „Bei uns ist es viel besser, Du wirst schon sehen.“ „Ich wünsche Euch viel Glück… ich muss los. Ich habe noch…“ „… viel zu tun“ beendet er ihren Satz. Sie nickte nachdrücklich und er konnte nicht anders, als ihren Arm kurz zu berühren: „Würdest Du nach dem Spiel noch auf mich warten?“ Sie sah ihn an, war sehr ernst, doch sie sagte: „Ja, ich werde warten.“

Das ganze Event um das Spiel fing Astrid total ein. Auch wenn sie Jerry wieder assistieren musste, viel gab es nicht mehr zu tun. Sie würden sich auch Szenen aus der offiziellen Übertragung besorgen, wenn ihre eigenen Aufnahmen nicht ausreichen würden. Es wurde nicht Emils Spiel. Er war vielleicht ein wenig abgelenkt, doch es war auch kein Spiel, in dem die Außenspieler viel einbezogen wurden. Das allseits gefürchtete Flensburger Tempospiel scheiterte daran, dass Stuttgart sehr gut spielte und kaum etwas anbot. Die Stimmung in der Halle war überragend, daran konnte auch das Unentschieden am Ende nichts ändern.

Emil hatte nicht die beste Laune, doch Profi, der er nun mal war, gab er trotzdem noch viele Autogramme, machte Selfies mit einigen jugendlichen Fans. Astrid bat Jerry darum, auch davon noch Aufnahmen zu machen. Erst als alle in die Umkleiden verschwunden waren und die Halle sich nun schnell leerte, machte auch das Filmteam Feierabend. „Noch ein Bierchen?“ fragte Jacob in die Runde. Jerry und Nina sagten sofort zu, Astrid schüttelte den Kopf: „Ich komme später nach.“ Jacob enthielt sich eines Kommentars, er verabschiedete sich: „Du kümmerst Dich morgen früh um die Hotelrechnung? Denke außerdem daran, mir die ersten Schnitte bis übermorgen zu schicken. Gute Nacht.“ „Natürlich Jacob, ich kümmere darum. Wir sehen uns nicht mehr, ich bleibe morgen noch ein wenig hier. Es gibt da ein paar Orte, die ich mir ansehen möchte.“ Sie sagte ihm nicht, dass Emil Jakobsens Wohnung dazu gehören würde.