LNCrawler

Rund um Flensburg

Hinter Der Kamera (Ff Oc X Emil Jakobsen) — www.fanfiktion.de · All chapters

Rund um Flensburg

Astrid erledigte alles im Hotel, ehe sie ihre Tasche in das Auto räumte. Dann ging sie in das Café, in dem sie mit Emil zum Frühstück verabredet war. Emil hatte nicht komplett frei, doch nach der kleinen Regenerationseinheit am Morgen war er für den Rest des Tages beschäftigungslos. Als er ankam, sah er Astrid schon am Tisch sitzen, ein Laptop vor sich. „Guten Morgen, Astrid“ Sie sah auf, freute sich sichtlich ihn zu sehen: „Guten Morgen, Emil.“ „Hast Du schon gefrühstückt?“ „Nein, ich habe auf Dich gewartet. Ich hatte nur einen Kaffee.“ „Dann lass uns bestellen. Ich habe jetzt Hunger“ sagte er ihr, bevor er sich ihr gegenübersetzte. Sie legte den Kopf schief: „Komm doch rüber“ und deutete neben sich: „Ich möchte Dir was zeigen.“ Ohne zu zögern, wechselte er den Platz, sah dann schon, was sie ihm zeigen wollte. „Ich habe schon einen Zusammenschnitt von gestern vorbereitet. Sieh ihn Dir an und sag mir, was Du davon hältst.“

Zunächst bestellten sie noch Frühstück, dann rutschte Emil noch ein Stück näher zu Astrid, um besser zu sehen. Als sie sich beide gleichzeitig vorbeugten, stießen sie prompt mit den Köpfen zusammen. „Autsch… Mist, tut mir leid, Emil“ rieb sich Astrid die Schläfe. „Mein Schädel ist härter… hat gar nicht wehgetan“ behauptete er: „Lass mal sehen…“

Als sie seinen Atem auf ihrer Wange spürte, bekam sie direkt eine Gänsehaut. Als er vorsichtig pustete „Meine Mama hat das immer bei mir gemacht“ spürte sie direkt in ihren tieferen Regionen etwas, das nicht hierhergehörte. Sie war froh, dass er es nicht bemerkte und rang erfolgreich mit sich selbst um Beherrschung. „Ist nicht so schlimm“ murmelte sie und rückte ein wenig von ihm ab.

Emil war dankbar, dass sie nicht mehr so dicht neben ihm saß. Er hatte instinktiv gehandelt, wollte sie sofort trösten, hatte allerdings unterschätzt, was eine solche unbeabsichtigte Intimität in ihm auslösen konnte. Das war doch nur Astrid. Warum spürte er sofort den Wunsch, sie in den Arm nehmen zu wollen? Wahrscheinlich war es eine rein körperliche Reaktion, denn seine ungewollte Enthaltsamkeit dauerte nun schon einige Monate.

Er konzentrierte sich auf die Bilder, die er jetzt auf dem kleinen Bildschirm sehen konnte. Eine scheinbar willkürliche Abfolge von Übungen aus dem Training, doch als er es das zweite Mal ansah, konnte er den roten Faden darin finden. Man konnte deutlich erkennen, dass er trotz hoher Konzentration Freude an dem hatte, was er da machte. Sah er wirklich so aus, wenn er im Training war?

„Wie findest Du es?“ fragte Astrid neugierig. Sie hatte ihren kurzen unsicheren Moment überwunden. „Ich habe mich gefragt, ob ich das wirklich bin“ erklärte er ihr. „Willst Du jetzt wieder darüber diskutieren?“ neckte sie ihn. „Ich wusste einfach nicht, was Ihr von mir wolltet. Ob das gut war oder nicht“ gab er zu. „Deine Aufnahmen… die sind richtig gut. Also ich finde sie richtig gut. Da ist nichts von Schauspielerei. Da ist so viel Ehrlichkeit. Ich finde von Euch allen, bist Du derjenige, der am authentischsten ist. Direkt vor Lykke. Sie hat auch eine solche Authentizität. Freja merkt man oft an, dass sie eine tolle Schauspielerin ist und Per… seine Ausschnitte sind schwierig. Er wirkt viel zu oft aufgesetzt. Doch ich denke, wir haben genug Material, um ihn auch gut rüberzubringen“ gab Astrid ihre Meinung zum Besten. „Danke… wirklich: Danke. Ich mag mich gar nicht selbst beurteilen, doch ich bin bereit Dir zu glauben“ lächelte Emil. „Ich sage Dir die Wahrheit. Ich habe keinen Grund, es nicht zu tun. Warte nur ab, wenn Du das ganze Ergebnis siehst. Es wird richtig gut“ lächelte Astrid zurück. Das war genau der Moment, in dem Emil sich eingestand, dass er sie wahnsinnig gerne küssen würde.

Natürlich machte er das nicht. Stattdessen frühstückten sie in Ruhe und unterhielten sich über Astrids nächstes Projekt. Emil war sofort noch mehr interessiert, als er erfuhr, dass es sich um eine Fantasy-Serie handeln würde. Wenn er sich mal die Zeit nahm zu lesen, dann griff er gerne zu Fantasy. Astrid durfte natürlich nicht über den Inhalt im Detail sprechen, doch sie ließ ihn an Kleinigkeiten teilhaben. „Wasser spielt eine große Rolle. Daher habe ich mir viele Küsten angesehen. Ich hatte auch schon den perfekten Strand gefunden, doch ich bekomme keine Drehgenehmigung dafür. Es ist ein Vogelschutzgebiet. Daher muss ich nochmal los und weitersuchen. Das werde ich in den nächsten Wochen machen. Es beschäftigt mich wahrscheinlich, bis wir unseren Abschlußtermin haben.“ „Na, wer weiß, vielleicht ist ja heute noch was dabei. Ich habe vor, Dir zwei Küstenabschnitte zu zeigen“ meinte Emil. „Ich lasse mich überraschen.“ „Magst Du eigentlich zu unserem nächsten Heimspiel kommen?“ fragte er willkürlich dazwischen. Sie sah ihn überrascht an: „Möchtest Du das?“ „Du hast kein besonders gutes Spiel gesehen. Wir werden… wir müssen besser werden. Wenn Du Lust hast, kannst Du Montag in einer Woche kommen. Ich sorge für die Eintrittskarte“ bot er ihr an. „Dann komme ich gern“ sagte Astrid spontan zu.

Sie fuhren mit Emils Auto etwa eine halbe Stunde, ehe er parkte. „Wir müssen nur ein kleines Stückchen laufen.“ „Kein Problem“ sie zeigte auf ihre Wanderschuhe. „Du bist gut vorbereitet.“ „Wenn ich nicht einfach so nachts loslaufe… dann ja.“ Der Habernisser Huk war zwar schön, doch er fand in Astrids Augen keine Gnade. „Hier ist es zu überlaufen. Ich suche etwas… ursprünglicheres. Keine Ahnung, ich kann es nicht gut erklären. Wenn ich es sehe, dann weiß ich es“ ließ sie ihn wissen. „Komm, dann fahren wir noch ein Stück weiter“ bot er ihr an.

Der nächste Stop war Geltinger Birk und Astrid war sofort hingerissen von der Mühle Charlotte. Hier machte sie einige Aufnahmen. „Das ist schön. Nicht für mein jetziges Projekt, aber diese Mühle ist toll. Sie kommt auf jeden Fall in meine Sammlung.“ Emil freute sich, dass er tatsächlich etwas gefunden hatte, dass ihr gefiel. Sie liefen ein wenig durch die Gegend und Emil fühlte sich wohl. Er stellte fest, dass er genauso gut mit Astrid schweigen, wie auch reden konnte. Ihm gefiel der Nachmittag, den sie im Café Steinberghaff ausklingen ließen.

Dann brachte er sie zu ihrem Auto und sie verabschiedeten sich. „Danke Emil, es war ein schöner Nachmittag.“ „Mir hat er auch gut gefallen. Wir sollten das wiederholen.“ Sie seufzte: „Wenn unsere Termine es zulassen.“ „Das bekommen wir schon hin“ war Emil zuversichtlich: „Es sind doch nur anderthalb Stunden Fahrt.“ Ehe sie in ihr Auto stieg, umarmte sie ihn nochmal. Mit klopfendem Herzen gestand sie sich ein, dass sie allein für eine weitere Umarmung den Weg jederzeit auf sich nehmen würde. Emil war von ihrer Umarmung überrascht, doch noch mehr wunderte er sich über seine Gedanken. Sie fühlte sich unglaublich gut an und wenn sie ihn nicht so rasch wieder losgelassen hätte, wäre ihr wohl möglich aufgefallen, dass er - zumindest körperlich – deutlich auf sie flog. Er fühlte das Bedauern in ihm, als er ihrem Auto hinterher sah. Er fragte sich ernsthaft, ob sie es war oder nur seine unfreiwillige Enthaltsamkeit. Denn so war er eigentlich gar nicht. Er hatte kein Problem damit, längere Zeit mal keinen Sex zu haben. Manchmal hatten er und Helena sich lange nicht gesehen, doch sie waren auch nie übereinander hergefallen, wenn sie sich dann trafen. Er würde seine Libido als eher mäßig beschreiben. Natürlich hatte er gerne Sex – wenn die Umstände stimmten. Seine eigenen Gefühle und Gedanken verwirrten ihn und er hätte sich gerne darüber ausgetauscht, doch es wurde ihm klar, dass er nicht wusste, mit wem er darüber reden könnte.

Die Lösung flog ihm in Form eines überraschenden Anrufs zu. „Hey Emil“ „Hey Helena, schön, dass Du Dich mal meldest.“ „Was ist denn bei Euch los? Zwei Unentschieden hintereinander? Wie geht es Dir?“ „Es läuft noch nicht so ganz rund. Du weißt schon, Saisonanfang. Wir sind noch nicht im Flow.“ Die Beiden fachsimpelten noch eine ganze Weile, ehe Helena mit dem eigentlichen Grund ihres Anrufs herausrückte: „Emil, ich wollte einfach, dass Du es von mir hörst. Ich habe da jemanden kennengelernt.“  „Das ist doch schön. Ich freue mich für Dich.“ „Wir sind jetzt schon über einen Monat zusammen und ich glaube, das ist was richtig Gutes.“ „Ein Mann fürs Leben?“ scherzte Emil. „Du… vielleicht… es ist mit ihm so anders. Verstehe das bitte nicht falsch. Mit Dir war es toll, nur… er ist anders.“ „Mach Dir mal keine Gedanken, Hel. Ich freue mich wirklich für Dich.“ „Was macht denn Dein Liebesleben, Emil?“

Er schwieg wohl einen Moment zu lange. „Emil? Gibt es vielleicht auch was, was Du mir sagen willst?“ fragte sie direkt nach. Er atmete tief durch, ehe er damit rausrückte: „Ich weiß es nicht. Ich habe da jemanden kennengelernt, doch ich denke, wir sind nur Freunde.“ Helena kicherte: „Emil – zwischen Männern und Frauen gibt es keine Freundschaft. Es kommt immer Sex dazwischen.“ „Hörst Du Dir manchmal eigentlich auch selbst zu?“ fragte Emil ironisch. „Das gilt natürlich nicht für Ex-Beziehungen. Da kann man sowieso nicht befreundet sein“ alberte Helena weiter. Emil schnaubte nur deutlich hörbar. „Was ist das Problem? Steht sie nicht auf Dich?“ fragte Helena jetzt ernsthafter. „Ich bin nicht sicher. Wir verstehen uns, mittlerweile, ganz gut. Wahrscheinlich mag sie mich auch, nur…“ „Erzähl mir mehr, los raus mit der Sprache!“ So schilderte Emil seine Geschichte mit Astrid und dem Unglück mit dem Drink. Natürlich erzählte er auch von der „Versöhnung“ und dem heutigen schönen Tag.

„Helena, ich weiß nicht genau, was ich wirklich von ihr will.“ „Hast Du sie schon geküsst?“ „Nein, natürlich nicht.“ „Das könnte bei der Entscheidungsfindung helfen.“ „Ach komm schon. Wenn ich das versuche und sie fasst das falsch auf, wäre das nicht schön. Ich könnte mir wirklich vorstellen, mit ihr befreundet zu sein. Also so richtig.“ „Emil, sei mir jetzt nicht böse, wenn ich das sage. Was ist, wenn sie nur darauf wartet, dass Du Dich ein wenig mehr öffnest?“ „Ich bin Dir bestimmt nicht böse, Hel. Nur ist mir nicht ganz klar, was Du damit meinst.“ „Emil, Du brauchst manchmal unanständig lange, um mal richtig aus Dir rauszukommen.“ „Was meinst Du damit?“ Er hörte Helena am anderen Ende tief durchatmen: „Ich hätte mir manchmal schon ein bisschen mehr… Initiative von Dir gewünscht.“ Emil schluckte: „Kannst Du mir mal sagen, wie Du das meinst?“ „Ach zum Teufel… ein bisschen mehr Leidenschaft und Sex hätte unserer Beziehung nicht geschadet.“ „Warum hast Du nie etwas gesagt?“ „Weil ich mich nicht getraut habe.“ „Ich dachte, wir hätten ein richtig gutes Verhältnis zueinander.“ „Ja, schon… nur ist das eben so ein Thema. Da traut man… frau sich nicht so richtig ran. Ich sage auch nicht, dass es Dein Fehler war, eher vielleicht sogar meiner. Vielleicht hätte ich Dir auch mal sagen sollen, dass ich mir ein wenig mehr gewünscht hätte. Schließlich war es ja immer schön, wenn wir miteinander geschlafen haben. Doch ehrlich: mir war es fast ein bisschen wenig. Ich hatte nur immer das Gefühl, für Dich war es absolut ausreichend. Ich wollte da einfach keinen Stress machen.“ „Warum haben wir nie darüber geredet?“ „Weil es ja durchaus ok war, wie es war.“ „Eben hast Du noch gesagt, es wäre Dir zu wenig gewesen.“ „Du vergisst vielleicht, wie gut ich Dich kenne, Emil. Für Dich war es unglaublich wichtig, dass wir Zeit hatten. Zeit für ein tolles Vorspiel und auch schönes Kuscheln anschließend. Sonst hast Du Dich nicht wohl gefühlt und wenn Du Dich nicht wohl fühlst… naja… lassen wir das. Ich hätte mir vielleicht manchmal gewünscht, dass wir einfach nur übereinander hergefallen wären. Wusstest Du eigentlich, dass man nicht nur im Bett Sex haben kann“ versuchte Helena ihrem Gespräch eine leichtere Note zu geben.

Nach dem sehr langen Telefonat mit Helena war sich Emil nur noch über eines sicher: Er hatte keine Ahnung darüber, was Frauen wirklich wollen. In erster Linie galt das für Astrid. Was wollte sie denn nun wirklich von ihm?