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Hinter Der Kamera (Ff Oc X Emil Jakobsen) — www.fanfiktion.de · All chapters

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Astrid entschied sich dafür, beim Frühstück nochmal zu prüfen, ob alle ihre Ablaufpläne für den heutigen Tag bekommen hatten. So betrat sie heute schon zum zweiten Mal den Speisesaal. Sie selbst hatte schon vor einer Stunde gefrühstückt. Zu ihrer Erleichterung sah sie die beiden Künstlerinnen bereits am Tisch sitzen. Für den Vormittag waren zwei Drehtermine vorgesehen, die Sportler waren erst am Nachmittag wieder auf dem Plan. Bis dahin war noch Zeit und sie würde Emil und Per schon noch erwischen.

„Guten Morgen“ begrüßte sie die Frauen freundlich. „Ich wollte nur sichergehen, dass Ihr Eure Ablaufpläne bekommen habt.“ Freja teilte ihr mit einem Lächeln mit: „Ja, um 10:00 Uhr an der Hafenpromenade, richtig?“ „Ja, genau. Das Wetter sieht für heute Vormittag gut aus, wir möchten das nutzen. Für Nachmittag ist Regen angesagt, da wollten wir dann im Sportzentrum drehen. Jacob hat doch mit Euch gesprochen, was er machen möchte, oder?“ Lykke verkniff sich ein amüsiertes Lachen: „Gerade genug, dass wir immer ein bisschen spontan reagieren müssen.“ „Das macht es normalerweise authentischer“ erklärte Astrid. „Na, am helllichten Tag in Gala herumzulaufen ist nicht gerade authentisch“ war Freja skeptisch. „Du wirst sehen, Jacob weiß schon, was er macht“ war Astrid zuversichtlicher, als sie sich fühlte. „Brauchst Du Hilfe beim Make-Up?“ „Nein, wenn wir draußen drehen und nicht gerade Nahaufnahmen machen, kann ich das gut allein“ erklärte Freja. „Und wie ist es mit Dir, Lykke?“ „Ich mache ja nicht auf Gala. Ich komme klar. Bis nachher“ war die Sängerin kurz angebunden.

Astrid machte sich wieder auf den Weg und ging vor zur Promenade. Sie fing an, die Absperrungsbänder zu spannen. Der ein oder andere Tourist fragte, was es zu bedeuten hatte. „Filmaufnahmen“ erklärte sie und als Freja dann auftauchte, hatte sich schon eine Traube an Menschen versammelt. Während Jacob mit der Schauspielerin drehte, sammelte Astrid Unterschriften der Personen, die zufällig auf den Aufnahmen zu sehen waren. Sie verscheuchte den ein oder anderen, der die Absperrungen missachtete und erklärte dem Ortspolizisten mit Hilfe der Drehgenehmigungen, dass alles mit rechten Dingen vonstattenging. Sie holte für Lykke andere Schuhe aus dem Hotel, besorgte Getränke für die Damen und war froh, als endlich Mittagspause war. Ein rascher Hot-Dog auf die Hand, dabei checkte sie die Belegung der Sporthalle nochmal und prüfte die Buchung für den Schiffsausflug. Sie traf die Sportler bei dem Mittagessen im Hotel und konnte die Abfahrtzeit mit den Beiden nochmal gegenchecken.

Mit Emil und Per ging es am Nachmittag in das Sportzentrum. Sie zogen den Dreh um Per vor, da es nach Regen aussah. Den Fußballer auf dem Platz in Aktion zu erleben, war auch für Astrid ein Highlight. Er spielte ein wenig mit den ausgewählten Jugendspielern, die ihn anhimmelten. Er ging richtig toll mit den Jugendlichen um, redete mit ihnen, bestärkte sie, weiterhin Fußball zu spielen. Selbst als er ein wenig angeschwitzt war, sah er noch umwerfend aus. In einer kleinen Pause rief er Astrid zu sich: „Schätzchen, kannst Du mir mal was zu trinken besorgen.“ Als sie ihm das gewünschte Getränk brachte, hielt er einmal mehr ihre Hand fest. „Du könntest etwas aufmerksamer sein“ sagte er leise an ihrem Ohr. Sofort entschuldigte sie sich: „Tut mir leid, ich werde zusehen, dass ich immer etwas zu trinken für Dich dabeihabe.“ Er strich fast beiläufig über ihre Wange: „Aufmerksamer… Schätzchen, ich sehe Dich heute Abend.“ Astrid erstarrte, hielt mal wieder die Luft an, ehe sie sich mit klopfendem Herzen entfernte. Sie musste ihm dringend mal sagen, dass er sich etwas übergriffig verhielt. Vielleicht gäbe es am Abend eine passende Gelegenheit.

Emil sah genau in diesem Moment zu den beiden. Obwohl der Fußballer gestern Abend mit seinem Charme versucht hatte, Lykke einzuwickeln, schien sich auch die Assistentin seiner Aufmerksamkeit zu erfreuen. Natürlich könnte sie es nicht mit einer so umwerfenden Frau wie Lykke aufnehmen, doch sie schien keine Skrupel zu haben, es weiterhin zu versuchen. Allerdings kam er auch nicht umhin, festzustellen, wie leicht dem Fußballer es fiel, sich auf die Jugendlichen einzulassen. Er wirkte entspannt und locker, immer mit diesem Strahlen im Gesicht, dass er scheinbar auf Knopfdruck einschalten konnte. Das sah für die Aufnahmen schon sehr souverän aus. Unbewusst fragte sich Emil, ob seine Aufnahmen auch nur ansatzweise so gut sein würden wie die von Per.

Der Dreh mit Emil in der Sporthalle hatte leider nichts mit Handballspielen zu tun. Jacob scheuchte ihn durch die Umkleidekabine, durch den Gang, in die leere Halle. Er fragte ihn über seine Gefühle aus, wie es sich anfühlt vor einem Spiel die Routine zu finden. In dieser Halle hatte Emil gelernt zu spielen und mit ein bisschen Wehmut erzählte er von seinen ersten Spielversuchen. Wieder assistierte Astrid beim Ton und fand es unglaublich spannend, wie emotional und offen der Handballer vor der Kamera agierte. Bitter dachte sie daran, dass er mit dieser Ehrlichkeit sicherlich auch das Herz von Svenja hätte schützen können. Doch daran hatte er wohl vor acht Jahren noch nicht gedacht.

Sie fuhr das Team wieder ins Hotel zurück. Dann machte sie sich im mittlerweile eingesetzten leichten Regen auf den Weg zum Hafen. Sie traf dort noch den Fischer, der für den morgigen Tag sein Boot zur Verfügung stellen wollte. „Meinst Du, wir können morgen rausfahren?“ „Ja, bis morgen ist es wieder besser… zumindest kein Regen. Ein bisschen Seegang werden wir wohl haben. Ich hoffe, Ihr seid seetüchtig“ grinste der alte Mann. Astrid erschrak und konnte nur hoffen, dass Jacob daran gedacht hatte, alle genau danach zu fragen. Sie fand noch den Weg in eine Nachtapotheke und besorgte Mittel gegen Seekrankheit, ehe sie sich ein bisschen Freizeit gönnte. Ein kleiner Ausflug in die Natur würde ihr guttun.

Astrid hatte keine Angst allein zu später Stunde in einem Wald zu sein. Sie machte ihre Streifzüge immer zu unmöglichen Zeiten. In ihrem Rucksack hatte sie ihre Kamera, eine leichte Jacke und etwas zu trinken. Sie musste sich oft mit dem Job arrangieren, Pausen kamen überraschend, meistens jedoch, wenn der eigentliche Produktionstag für alle anderen bereits lange vorbei war. Sie hatte bei dem Gespräch mit dem Fischer von einem kleinen See erfahren, den sie nun suchte. Die Wegbeschreibung war nicht sehr genau, doch nach einer halben Stunde auf einem kleinen Trampelpfad lag er plötzlich vor ihr.

Der Regen hatte aufgehört, es war warm und ein wenig schwül. Der See war nicht besonders groß, doch im Mondlicht sah er aufregend romantisch aus. Sie ging ein paar Meter am Ufer entlang und entdeckte dann einige große Steine, wie zufällig von Geisterhand in die Landschaft gesetzt. Eine Feuerstelle ließ sie wissen, dass diese Stelle nicht ganz unbekannt war. Sie setzte sich auf einen der großen Steine und atmete einfach nur. Die Stille um sich herum, nur unterbrochen von manchem Rascheln, verriet ihr, dass keine Menschenseele in der Nähe war. Sie genoss den Frieden, den sie gerade fand und beobachtete den Himmel. Ab und zu zog eine Wolke durch den Himmel, verdeckte immer mal wieder die Mondsichel, doch es gab genug Licht, um weitere Einzelheiten zu erkennen. Direkt hinter der Feuerstelle gab es einen winzigen Abschnitt, der wie ein Strand hätte wirken können, wäre er nicht so klein gewesen. Doch es schien eine Einstiegsstelle für den See zu sein.

Nachdem sie einige Bilder gemacht hatte, dachte sie nicht weiter nach, sondern begann ihre Kleidung abzulegen. Die Eroberung des Sees geschah rasch und zügig. Das Wasser war nicht warm, doch da Astrid sofort anfing zu schwimmen, störte es sie nicht weiter. Schließlich ließ sie sich ein wenig treiben, löste das Haargummi und genoss einfach die Minuten der Stille und Entspannung, bis sie plötzlich aufmerksam wurde. Sie hatte dieses Gefühl: Du wirst beobachtet. Sie hatte niemanden kommen gehört, als sie die Ufer absuchte, sah sie keine Menschenseele. Vielleicht hätte sie besser ihre Brille aufbehalten sollen. Denn das Gefühl wollte nicht weichen, so dass sie zurück zu den Steinen schwamm. Ruhig, nicht hektisch, strich sie sich das Wasser von ihrem Körper, ehe sie ihr T-Shirt nutzte, um sich noch abzutrocknen. Anstelle des nun nassen Shirts zog sie ihre leichte Jacke an, vorsichtshalber steckte sie das Pfefferspray direkt in die Jackentasche. Noch einmal suchten ihre Augen die Umgebung ab, doch sie sah niemanden. Auf ihrem Weg zurück in das Hotel begegnete ihr auch niemand. Wahrscheinlich hatte sie sich das nur eingebildet.

Erst als die Frau sich wieder auf dem Trampelpfad befand, atmete Emil wieder aus. Er hatte nach dem Abendessen, das sich durch die netten Unterhaltungen in die Länge gezogen hatte, noch das Bedürfnis gehabt, sich zu bewegen. Er kannte den kleinen See nur zu gut. Als er noch ein Teenager gewesen war, hatte es hier einige Partys gegeben. Manche waren laut und sehr bunt gewesen, manche allerdings auch sehr romantisch. Die meisten Besucher blieben direkt an den ersten Steinen, ohne jemals herauszufinden, dass es ein kleines Stück weiter noch ein paar dieser großen Findlinge gab. Der Regen war nicht so stark gewesen, dass er die Steine hätte abkühlen lassen, so war die Oberfläche noch schön warm, als Emil sich darauflegte und einfach zum Mond sah. Er hatte noch über den vergangenen Drehtag nachgedacht, als ihn ein Geräusch darauf aufmerksam machte, dass sich noch ein anderer Mensch an diesen verwunschenen Ort verirrt hatte.

Kurz war er versucht, sich bemerkbar zu machen, doch dann siegte seine Neugierde. Er wusste, dass man ihn nicht sofort sehen würde, weder vom Weg noch vom See. Da er keine Stimmen hörte, ging er außerdem davon aus, dass auch die andere Person Ruhe suchte. Es gab genug Platz für beide. Er konnte die Frau nicht genau erkennen, dafür war es zu weit und dann auch doch zu dunkel, doch als sie ins Wasser stieg, konnte er ihre Umrisse gut erkennen. Sie war schlank mit einer deutlichen Taille, der Busen nicht zu groß, allerdings auch nicht zu klein. Ohne zu zögern, ging sie ins Wasser, kein Juchzen, kein von der Kälte überraschtes Keuchen, einfach nur zielstrebig. Das Eintauchen hinterließ kaum Wellen. Das leise, rhythmische Plätschern ihrer Schwimmzüge hatte etwas Hypnotisches. Er war gebannt von dem Anblick, ohne sofort zu wissen, woher das stammte. Er kam sich ein wenig vor wie ein Spanner, wusste allerdings auch, wenn er sich erst jetzt bemerkbar machen würde, gäbe es auf jeden Fall mindestens eine Diskussion. Das schlechte Gewissen mischte sich mit purer Ästhetik. Er fühlte sich ertappt, obwohl ihn niemand sah. Die Faszination lag in ihrer absoluten Selbstverständlichkeit: sie war unschuldig und frei, weil sie sich unbeobachtet fühlte. Dieses ungestörte Bild wirkte auf ihn wie Kunst. So blieb er einfach, wo er war, sah ihr beim Schwimmen zu. Als sie wieder aus dem Wasser ging, hätte er vielleicht anstandshalber nicht hinsehen sollen, doch er mochte den Anblick der Frau.

Ihre ruhigen Bewegungen, ihre sparsamen Handgriffe, als sie sich abtrocknete, verursachten bei ihm ein wohliges Gefühl, das er lange nicht mehr gespürt hatte. Es war kein Voyeurismus, sondern Sehnsucht. Nach Monaten, die nur aus Hallenluft, Schweiß, Leistungsdruck und Taktiktafeln bestanden hatten, traf ihn diese rohe, friedliche Weiblichkeit völlig unvorbereitet. Wahrscheinlich lag es an der etwas unwirklichen Umgebung, dem Wissen etwas zu beobachten, was man eigentlich nicht sehen sollte. Es hatte etwas… Erotisches. Vielleicht sollte er jetzt einfach mal zur Abkühlung in den See springen. Doch er verzichtete darauf und lachte sich selbst aus. Wenn er in dieser Art auf eine solche Begegnung reagierte, sollte er definitiv mal wieder darüber nachdenken, sich eine Freundin zuzulegen. Dieser Gedanke war allerdings nicht nur körperlicher Natur – es war die plötzliche Erkenntnis, wie einsam er abseits des Handballfeldes eigentlich war.

Als Astrid das Hotel erreichte, war es kurz vor Mitternacht. Doch die Rezeption war noch besetzt und die Frau händigte ihr noch ein Schreiben aus. Jacob ließ sie wissen, dass er sie morgen noch vor dem Frühstück sehen wollte. Rasch checkte sie auch nochmal ihr Handy, das sie während ihres Ausflugs einfach ausgeschaltet hatte. Ja, auch dort war eine Nachricht von ihm. Schlagartig war ihre gute Laune verschwunden, die ihr das kurze Nachtschwimmen beschert hatte. Doch wenn sie Glück hatte, dann ginge es nur um die Produktion. Sie huschte leise in ihr Zimmer und hörte noch ein wenig Musik von Lykke. Auch wenn die Sängerin vielleicht nicht gut auf sie zu sprechen war, Astrid gefielen die ruhigen Stücke sehr gut. Ihre Stimme war außergewöhnlich und entspannend und halfen ihr beim Einschlafen.