LNCrawler

P.3 - Aufbruch

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P.3 - Aufbruch

Ceptus stand an Bord der San Bernardo, seines Flaggschiffs: eine Galeone von 350 Tonnen, bewaffnet mit zwanzig Kanonen und Raum für 80 Mann Besatzung sowie 150 Soldaten. Gemeinsam mit dem Kapitän und Salivar stand er auf dem Achterdeck und musterte die Besatzung und die Soldaten, die an Bord kamen.

Zwei Wochen lang hatten sie Männer rekrutiert. Die meisten waren Freiwillige, die mit dem Versprechen großer Eroberungen und Reichtümer geködert worden waren, einige waren abkommandiert, nur wenige hatten sie in den Hafenkneipen mit Schnaps in die Besinnungslosigkeit getrieben und dann für den Dienst verpflichtet. Eine gängige Methode, um die Reihen der Truppen aufzufüllen.

Vier Schiffe hatte der König ihnen zur Verfügung gestellt, mit Platz für über 300 Mann Besatzung und knapp 600 Soldaten. Ceptus hatte die Schiffe gemeinsam mit den anderen Offizieren besichtigt: die Galeonen waren alt, hatten bessere Zeiten gesehen, waren aber seetauglich. Die Chancen, die neue Welt zu erreichen, standen gut. Ceptus leitete die Expedition, die anderen Offiziere standen unter seinem Befehl und berichteten ihm persönlich.

Einige von ihnen hatten Sorgen geäußert, als sie beim Wein beisammengesessen hatten, um die Mission zu besprechen. Man erzählte sich, dass die Wilden der neuen Welt eine eigene Sprache sprachen, die zivilisierte Menschen nicht verstehen konnten. Wie sollte man ihnen entgegentreten? Wie sollte man sich mit ihnen verständigen?

“Das Schwert des Königs ist eine deutliche Sprache”, hatte Ceptus lachend erwidert.

Aber er hatte auch andere Dinge gehört: man erzählte sich von Händlern, die Kontakt zu den Wilden aufgenommen hatte. Sie hatten sie die Sprache der Zivilisation gelehrt.

“Wilde Tiere, die unsere Sprache sprechen?“, hatte einer der Offiziere ungläubig gefragt. “Wie soll das möglich sein?”

Die anderen hatten zustimmend gemurmelt, aber Ceptus hatte das abgetan. Entweder sie konnten mit den Wilden sprechen oder nicht. Es war gleichgültig. Sie zogen nicht in die Fremde, um Freunde zu finden; sie wollten sich das Land aneignen und Reichtümer anhäufen. Wen störte es, wenn dabei ein paar Tiere zugrunde gingen?

Während die letzten Soldaten an Bord kamen, lösten die Matrosen bereits die Leinen. Ceptus spürte die kalte Luft in seinem Gesicht, die Gischt auf seiner Haut, hörte das Knarren des Rumpfes und den Wind, der in den Segeln knatterte. Er warf einen Blick hinüber zur Santa Cristina, der Galeone an Steuerbord. Alonso, ihr Offizier, erwiderte seinen Blick und salutierte. Ceptus nickte zufrieden.

Am 31. Januar stachen sie in See; vier oder fünf Wochen später sollten sie ihr Ziel erreichen. Das Abenteuer begann.