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11.3 - Einverständnis

In Der Stille Der Götter — www.fanfiktion.de · All chapters

11.3 - Einverständnis

Hektor wurde von Callidus geweckt, der ihn an der Schulter packte und schüttelte. Er schlug die Augen auf und sah seinen Kameraden auf sich herabblicken. Müde folgte er dessen Nicken und sah Rotax’em, der ihn vorsichtig beobachtete. Als der Wilde erkannte, dass er Hektors Aufmerksamkeit hatte, redete er hektisch auf ihn ein, aber als Hektor die Hand hob, verstummte er wieder und blickte unsicher zu Boden.

“Ich verstehe dich nicht, Rotax’em”, sagte er sanft. Dann wandte er sich an Callidus. “Was hat er gesagt?”

Callidus schnaubte. “Das fragst du mich? Der Wilde ist vor wenigen Augenblicken hier hereingeschlichen.”

“Weck die anderen”, bat Hektor ihn, bevor er sich wieder an Rotax’em wandte. “Was willst du mir sagen, Freund Rotax’em?”

Der Wilde hob vorsichtig den Blick, begann wieder zu sprechen. Langsamer diesmal, aber immer noch unverständlich.

“Willst du uns den Weg in die Stadt weisen? Willst du uns zu deinem Gott und König führen? Zu X’er?”

“X’er!“, rief Rotax’em aus und strahlte und nickte. Er wies auf Hektor und Callidus und dann auf sich selbst, danach machte er eine Geste der Umarmung, als wolle er sie alle zusammenhalten. Schließlich tat er so, als marschiere er voraus. “X’er”, wiederholte er dabei.

“Du führst uns zu X’er?“, wiederholte Hektor erleichtert.

“X’er”, antwortete Rotax’em und begann erneut, hektisch auf Hektor einzureden. Der hob die Hand.

“Wo ist dein Freund?“, fragte er. “Wo ist Xit’xi? Er kann übersetzen.”

Rotax’em nickte, seine Augen leuchteten. Dann wandte er sich um und lief aus der Hütte hinaus auf den Dorfplatz.

“Glaubst du, der Wilde hat begriffen?“, fragte Sectator. Callidus hatte ihn und die anderen in der Zwischenzeit geweckt, und sie hatten das Ende der kurzen Unterhaltung verfolgt.

Hektor nickte. “Ich glaube, ja.”

“Wir werden sehen”, knurrte Callidus missmutig, aber wenige Augenblicke später kehrte Rotax’em in die Hütte zurück und zerrte Xit’xi am Arm hinter sich her. Xit’xi wirkte verschlafen.

“Xit’xi”, sagte Rotax’em und schob den jungen Mann nach vorn.

“Guten Morgen, Freund Xit’xi”, begrüßte Hektor den Neuankömmling. Callidus schnaubte ein kurzes, höhnisches Lachen, und auch die anderen kicherten leise.

“Du kennst dich gut aus, mit diesen Tieren”, murmelte Otio Hektor ins Ohr. Der beachtete ihn nicht.

Xit’xi begrüßte ihn mit schnellen, hektischen Worten. In seinen Augen sah Hektor Unsicherheit, als habe er ihre gestrige Unterhaltung vergessen, aber er nickte ihm beruhigend zu und der junge Mann sprach langsamer und hörte schließlich ganz auf.

“Rotax’em hat zu uns gesprochen”, erklärte Hektor dem jungen Mann. “Frag ihn, ob er sich entschieden hat. Frag ihn, ob er uns zu X’er führt, in die Stadt voller funkelnder Steine.”

Xit’xi betrachtete ihn einen Augenblick verständnislos, dann dämmerte etwas in seinem Gesicht, er nickte, wandte sich an Rotax’em und sprach auf den ein. Der antwortete ihm mit drängenden Worten. Xit’xi wich einen Schritt zurück, warf einen schnellen Blick auf Hektor und seine Kameraden, dann schaute er wieder zu Rotax’em. Wieder redete er auf ihn ein, diesmal schnell und nervös. Rotax’em nickte und Xit’xi nickte ebenfalls.

“Rotax’em geht zu X’er, bringt Getreide”, erklärte er. “Rotax’em führt Fremde zu X’er. Fremde geben X’er Respekt. Fremde begrüßen Bruder X’er.”

Hektor warf seinen Kameraden einen triumphierenden Blick zu.

“Wann brechen wir auf?“, fragte Callidus.

Xit’xi schien nach den richtigen Worten zu suchen; seine Stirn war in angestrengte Falten gelegt. “Rotax’em muss vorbereiten. Morgen. Rotax’em zu X’er morgen. Fremde ruhen aus. Fremde sammeln Kraft. Weg schwer. Weg lang. Morgen.”

“Und Rotax’em führt uns?“, fragte Hektor noch einmal.

Xit’xi nickte. “Rotax’em führt Fremde zu X’er. Fremde begrüßen Bruder X’er. Xit’xi begleitet. Rotax’em fragt Xit’xi. Xit’xi stimmt zu.”

Hektor nickte erleichtert; auf diese Weise konnten sie sich zumindest mit ihrem Führer verständigen. Auch seine Kameraden atmeten erleichtert aus.

Dann hörten sie laute Rufe auf dem Dorfplatz und Rotax’em und Xit’xi warfen sich einen kurzen Blick zu, bevor sie aus der Hütte liefen. Hektor und die anderen folgten ihnen.

Auf dem Dorfplatz lag ein junger Mann, entkräftet und benommen, die Dorfbewohner hatten sich um ihn versammelt. Einer gab ihm etwas zu trinken, alle sprachen durcheinander. Rotax’em und Xit’xi eilten zu dem am Boden Liegenden und Rotax’em hockte sich neben ihn und sprach leise auf ihn ein. Xit’xi und die anderen standen in engem Kreis um sie herum.

“Was geht da vor?“, fragte Scelus leise.

Hektor ging langsam auf die Gruppe zu. Er wurde von Re’xup überholt, der mit einem finsteren Seitenblick an ihm vorüberlief, und als er zurückschaute, standen Re’lum und All’epu in der Tür der Hütte und starrten ihn an. Hektor konnte ihre Blicke nicht deuten.

Die Wilden kauerten zusammen und sprachen hektisch durcheinander, aber als Hektor zu ihnen trat, wichen sie bei Seite und gaben den Blick auf den jungen Mann frei, der noch immer auf dem Boden lag, sich aber inzwischen auf seine Arme stützte. Als der junge Wilde Hektor sah, wurden seine Augen groß und er wich panisch zurück, aber Rotax’em packte ihn und hielt ihn fest und redete auf ihn ein, und der junge Mann beruhigte sich wieder. Sein Blick verlor an Angst, und nachdem er Hektor und seine Kameraden vorsichtig gemustert hatte, nickte er. Er sprach einige Worte und Rotax’em und Xit’xi nickten ernst, bevor sie sich an Hektor wandten.

Rotax’em begann zu sprechen, Xit’xi hörte ihm zu, dann übersetzte er.

“Bleiche Teufel haben Jäger gefangen”, sagte Xit’xi. “Bleiche Teufel haben Männer gefangen und Köpfe abgeschlagen. Haben Köpfe auf Spieße gesteckt. Spieße aufgestellt”, fuhr er dann fort.

Hektor spürte einen kalten Schauer über seinen Rücken laufen.

“Ceptus”, flüsterte Callidus heiser.

Hektor nickte.

“Wo sind diese ... diese bleichen Teufel?“, fragte er Xit’xi und Rotax’em mit brüchiger Stimme.

Xit’xi sprach auf Rotax’em ein, dann wandten die beiden sich an den jungen Mann, der sich inzwischen aufgesetzt hatte. Er trank Wasser und beobachtete die Soldaten vorsichtig. Xit’xi und Rotax’em sprachen mit ihm, und er antwortete, und schließlich wandte Xit’xi sich wieder an Hektor und seine Kameraden. Er wies nach Norden. “Zwei Tage”, sagte er.

“Zwei Tage von hier?“, fragte Hektor.

Xit’xi nickte.

“Wir kennen diese bleichen Teufel”, sagte Hektor. Callidus legte ihm eine Hand auf den Arm, wollte ihn zurückzuhalten, aber Hektor schüttelte ihn ab. “Wir sind ihre Feinde. Wir wollen X’er vor diesen Teufeln warnen. Die bleichen Teufel durchstreifen das Land, um euch und eure Freunde zu töten.”

“Bist du wahnsinnig?“, flüsterte Callidus, aber Hektor packte ihn an den Schultern.

“Wenn sie glauben, dass wir mit Ceptus gemeinsame Sache machen, wird die Stimmung schnell umschlagen.”

“Bleiche Teufel”, sagte Xit’xi nun, nachdem er mit Rotax’em gesprochen hatte. “Wie Fremde.”

“Wir sind eure Freunde”, sagte Hektor. Die Wilden drängten heran, und er wollte vor ihnen zurückweichen, aber das mussten sie als Eingeständnis seiner Schuld betrachten. Ihm blieb nur der Weg nach vorn; er musste sich ihnen entgegenstellen, um sich keine Blöße zu geben. “Die bleichen Teufel verkleiden sich wie wir. Sie ahmen uns nach, wollen uns in Verruf bringen, damit ihr uns nicht glaubt, wenn wir euch warnen. Wir sind hier, um euch und X’er und Xi’grep zu warnen. Die bleichen Teufel wollen euch töten, aber wir sind eure Freunde. Wir warnen euch vor den bleichen Teufeln.”

Xit’xi wandte sich den anderen zu und redete auf sie ein, und die Wilden entspannten sich und nickten und wichen wieder von ihnen ab.

Rotax’em verneigte sich vor Hektor und sagte etwas, die Wilden antworteten ihm und kehrten zu ihren Hütten zurück. Einer half dem jungen Mann vom Boden auf und führte ihn in seine Hütte.

“Das war knapp”, sagte Sectator atemlos, als die Gruppe sich zerstreut hatte. “Ich dachte, jetzt geht es uns an den Kragen.”

Hektor nickte. “Wir müssen wachsam bleiben.”

“Diese Tiere sind unberechenbar”, spuckte Scelus aus.

“Sie sind unsere einzige Chance”, erwiderte Hektor.

Callidus warf ihm einen Blick zu und hob bedeutungsvoll eine Augenbraue. “Sie sollen uns zu X’er führen. Unserem Bruder X’er.”

Hektor nickte. Das war ihm nicht entgangen.