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11.4 - Aufbruch

In Der Stille Der Götter — www.fanfiktion.de · All chapters

11.4 - Aufbruch

Rotax’em überwachte das Beladen der Lasttiere. Er wies die Sklaven an, kontrollierte die Weidenkörbe und das Getreide, wie er es schon so oft getan hatte, wenn er Waren zu X’er und X’ude gesandt hatte. In den gewohnten Handlungen fühlte er sich sicher, und er bemerkte kaum, das Xi’la und Xit’na’ref schwiegen und ihm nicht mit ihren Ratschlägen und Ermahnungen zur Seite standen.

Xit’xi kam zu ihm, um ihn bei den Vorbereitungen zu unterstützen, und Re’xup war an seiner Seite und Rotax’em erklärte ihm, was er zu tun hatte und worauf zu achten war, so wie sein Vater es ihm einst erklärt hatte. Die Worte flossen aus ihm und durch ihn, ohne dass er sich um sie bemühen musste, und auch ohne, dass Xit’na’ref oder Xi’la sie ihm einflüsterten. Er verstand, dass er einen ersten Schritt getan hatte, um einst gemeinsam mit den Ahnen die Weisheit der Welt weiterzugeben. Nun war er derjenige, der Worte sprach, die Generationen überdauert hatten.

Re’xup hing an seinen Lippen, wie er selbst einst an den Lippen seines Vaters gehangen hatte, und der Junge gab den Sklaven seine ersten Anweisungen.

“X’er wird zufrieden sein, mit dem Getreide, das du ihm bringst, Rotax’em”, sagte Xit’xi, als sie die mit den Weidenkörben beladenen Lasttiere betrachteten.

Rotax’em nickte glücklich.

Der Gott Hektor trat zu ihnen und Rotax’em wandte den Blick von ihm ab, wie es sich in Gegenwart eines Gottes geziemte. Hektor sprach.

“Der Fremde fragt, ob dieses Getreide zu X’er gebracht werden soll. Er fragt, ob dies die Karawane ist, die ihn und seine Kameraden zu X’er, deinem Gott und König, begleiten wird, damit sie ihm ihren Respekt erweisen können.”

“Ja.” Rotax’em nickte zufrieden. “Wir bringen Getreide zu X’er, damit er sein Volk speisen kann, so wie er es gefordert hat.”

Xit’xi übersetzte. Hektor neigte den Kopf und betrachtete die Lasttiere mit düsteren Augen. Dann sprach er und Xit’xi übersetzte.

“Der Fremde sagt, X’er muss Gott und König einer kleinen Stadt sein, wenn dieses Getreide ausreicht, sein Volk zu speisen. Er sagt, die Stadt kann nicht größer sein als unser Dorf.”

Rotax’em schüttelte den Kopf.

“Dieses Getreide ist nur ein Zeichen guten Willens”, erklärte er. “X’umip schickt es X’er, um den Handel zu besiegeln.”

Xit’xi übersetzte, und Hektor nickte zustimmend. Dann blickte Hektor sich im Dorf um, und eine dunkle Wolke breitete sich auf seiner Stirn aus. Ein kalter Schauer durchlief Rotax’em, und sein Magen wurde zu einer festen Kugel. Auch Xit’xi schauderte.

Hektor sprach, und seine Stimme klang voller Sorge.

“Was spricht Hektor?”

Xit’xi lauschte den Worten des Gottes mit großen Augen, dann nickte er und übersetzte mit bebender Stimme: “Hektor spricht: Nah sind die bleichen Teufel, die uns in Verruf bringen wollen. Nah sind sie und töten die Menschen, denen sie begegnen. Sie suchen uns und sie werden dieses Dorf finden, und sie werden alle Menschen töten, die hier zurückbleiben und sich ihnen in den Weg stellen.”

“Sie kommen hierher?“, fragte Rotax’em erschrocken. Weder Xit’na’ref noch Xi’la hatten ihm das gesagt.

Xit’xi sprach mit Hektor, der ihm antwortete, und Xit’xi übersetzte: “Hektor spricht: Sie werden kommen, weil sie uns suchen, und weil sie uns daran hindern wollen, X’er vor ihnen zu warnen. Sie werden die Spuren der Lasttiere entdecken und ihnen folgen, und sie werden dieses Dorf erreichen.”

“Was können wir tun?” Rotax’em sah sich ängstlich um. Wenn er zu X’er ging, ließ er seine Familie zurück, die den bleichen Teufeln hilflos ausgeliefert war. “Wie können wir die bleichen Teufel besiegen? Wie kann mein Sohn sich gegen sie behaupten?”

Xit’xi übersetzte Hektors Antwort. “Hektor spricht: Ihr könnt die bleichen Teufel nicht besiegen, sie sind zu mächtig. Ihre Haut ist unzerstörbar, wie unsere; sie haben Waffen, die den euren überlegen sind. Sie werden über das Dorf herfallen und alle töten, die hierbleiben, um sich ihnen entgegenzustellen, und sie werden die Häuser niederbrennen und die Toten enthaupten und ihre Köpfe auf Pfählen in den Wald stellen, um ihre Macht zu demonstrieren. Ihr müsst fliehen. Das ist eure einzige Möglichkeit. Ihr müsst das Dorf verlassen und ihr dürft erst wieder zurückkehren, wenn die bleichen Teufel weitergezogen sind.”

Rotax’em sank in sich zusammen. Die Worte des fremden Gottes lagen wie Steine auf seinen Schultern, und seine Beine zitterten und seine Hände wurden feucht und das Herz in seiner Brust pochte schnell und unregelmäßig. Ihm wurde schwindelig, und er musste sich mit der Hand an Xit’xi abstützen, dessen Körper ebenfalls zitterte. Er sah die Blicke der fremden Götter, die auf ihm ruhten, sah das Mitgefühl in den Augen Hektors und die Verachtung in den Augen von Callidus. Er wünschte sich, dass Xit’na’ref oder Xi’la ihm beistanden, aber die schwiegen. Nur Hektor sprach zu ihm.

“Flieht. Lasst die Hütten zurück und bringt euch in Sicherheit. Erst wenn die bleichen Teufel durch das Dorf gezogen sind, dürft ihr wieder zurückkehren”, wiederholte Xit’xi die Worte Hektors.

Rotax’em nickte. Der Gott hatte wahr gesprochen. Sein Körper straffte sich, der Mut kehrte in seine Brust zurück. Er bedankte sich bei Hektor und verneigte sich vor ihm, dann lief er zu Re’xup, um ihm Anweisungen zu geben und rief auch die übrigen Dorfbewohner zusammen, um ihnen zu erklären, was zu tun war.