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12.2 - Planung

In Der Stille Der Götter — www.fanfiktion.de · All chapters

12.2 - Planung

X’er ging in seiner Kammer auf und ab, noch immer aufgebracht über die Dreistigkeit des Xi’tim, unfähig, Ruhe zu finden. X’ude stand in einer dunklen Ecke des Raumes und betrachtete ihn mit glühenden Augen.

“Lass Späher kommen”, wies X’ude ihn schließlich an.

“Späher?” X’er hielt inne. “Wozu brauche ich Späher?”

“Lass sie kommen. Eine Handvoll. Oder mehr. Zehn oder zwölf.”

X’er zögerte, verstand nicht, warum X’ude dies wünschte, aber dann wandte er sich ab, rief eine Wache und befahl, Späher rufen zu lassen.

“Wozu brauchen wir Späher?“, fragte X’er noch einmal.

“Xi’tim und Bu’bul mögen uns verhöhnen”, knurrte X’ude zornig. “Aber vielleicht ist es auch eine List. Vielleicht wollen sie uns in Sicherheit wiegen, weil wir glauben, dass sie ihre Kämpfer noch für den Krieg rüsten, während sie längst vor unserer Stadt im Wald lauern. Vielleicht wollen sie, dass wir glauben, wir hätten noch Zeit, uns auf den Kampf vorzubereiten, während sie bereits vor der Stadt in den Büschen liegen, um uns im Schlaf die Kehlen durchzuschneiden.”

“Aber ist es nicht gleichgültig, ob er noch rüstet, oder ob er bereits vor unseren Toren steht? Wir sind gewarnt und vorbereitet.”

“Vielleicht will er dich in Sicherheit wiegen und gleichzeitig Furcht schüren. Xi’tim und Bu’bul sind heimtückisch und rachsüchtig. Sie haben keine Ehre”, antwortete X’ude. Dann fuhr er fort, und es schien, als habe er einen neuen Gedanken. “Vielleicht will Xi’tim unsere Aufmerksamkeit auf sein Reich lenken. Wenn wir uns auf ihn und seinen niederen Gott konzentrieren, werden wir blind für die anderen Himmelsrichtungen, und er kann seine Kämpfer um unsere Stadt herumführen und aus dem Hinterhalt angreifen.”

X’er zögerte, nickte dann aber. Was X’ude sagte, musste wahr sein.

“Die Späher sind eingetroffen, mein König”, meldete die Wache, und X’er gab Anweisung, sie hereinzulassen.

Zwölf Männer glitten in den Raum wie Schatten. Es waren die besten Späher seines Reiches; sie konnten sich zwischen den Menschen bewegen, ohne dass jemand sie wahrnahm. Er war stolz auf sie.

“Zieht aus in die Stadt des Xi’tim”, wies er die ersten an. “Beobachtet, was sein Volk treibt: ob es zum Krieg rüstet, wie Xi’tims Bote sagte, oder ob sie schon aufgebrochen sind, um uns unvorbereitet zu treffen.” Damit sandte er die ersten Späher aus der Kammer.

“Ihr werdet in alle Himmelsrichtungen gehen und Ausschau nach Xi’tim und seinen Kriegern halten, ob sie sich aus einer anderen Richtung nähern. Auf keinen Fall dürfen sie uns überraschen, weil wir uns auf ihr Reich konzentrieren.” Damit sandte er die nächsten Späher aus der Kammer.

Die letzten beiden knieten vor ihm und warteten auf ihre Befehle.

“Sie sollen den Rotax’em warnen”, raunte X’ude ihm ins Ohr. “Er bringt Getreide in die Stadt und darf den Kriegern des Xi’tim nicht in die Hände fallen.”

X’er nickte.

“Ihr habt die Worte des Gottes vernommen”, wandte er sich an die Männer. “Geht zu Rotax’em und warnt ihn. Xi’tim darf das Getreide nicht stehlen, das Rotax’em in die Stadt bringt.” Damit entsandte er die letzten Späher. Dann wandte er sich an X’ude: “Nun haben wir alles getan.”

X’ude schüttelte den Kopf. “Das war erst der Anfang.”

“Unterschätze Xi’tim nicht, mein König”, mahnte Xod’rex’ax ihn einige Zeit später. “Er mag ein schwacher König sein, aber seine Krieger werden für ihn kämpfen, und wenn wir nicht vorbereitet sind, werden sie uns schweres Leid zufügen.”

X’er schnaubte verächtlich, aber X’ude legte ihm die Hand auf die Schulter. “Auch ein Feigling kann einen tapferen Mann besiegen, wenn er ihn aus dem Hinterhalt angreift.”

“Mein Bruder spricht wahr.” X’er stimmte widerstrebend zu. “Wir müssen den Palast verteidigen, und mit ihm das Reich und meine Untertanen. Xi’tim darf nicht triumphieren.”

“Lass die Kämpfer ihre Waffen schärfen”, sagte X’ude.

“Befiehl deinen Kriegern, sich gegen den Feind zu rüsten.” sagte auch Xod’rex’ax. “Wir dürfen nicht warten, bis der Feind an die Grenzen deines Reiches vorgedrungen sind. Alle müssen mit der Hand an ihrer Waffe leben, als stünde Xi’tim bereits am Rande deiner Stadt.”

“Ruf die Hauptleute der Dörfer in den Palast”, befahl X’ude. “Sie müssen die Verteidigung ihres Dorfs ordnen. Sie müssen mit den Kriegern sprechen. Sie stehen in unserem Namen im vordersten Kampfgetümmel und schlagen den Kämpfern Xi’tims die Häupter von den Leibern.”

X’er nickte zustimmend. “Rufe die Hauptleute der Dörfer zu mir, wie X’ude es bestimmt hat”, wandte er sich dann an Xod’rex’ax. “Wir werden sie anweisen, die Verteidigung des Reichs zu ordnen. Ein jeder in seinem Dorf.”

“Ja, mein König.” Xod’rex’ax nickte zustimmend. Er rief eine Wache herein und gab Anweisung.

“Wie sollen die Hauptleute ihre Dörfer ordnen?“, fragte X’er schließlich.

“Sie werden Wachen aufstellen”, sagte X’ude.

“Wachen aufstellen”, wiederholte X’er.

“Wachen aufstellen!“, rief auch Xod’rex’ax. “Einer von dreien wird Wache stehen, während die anderen beiden ihrer Arbeit nachgehen.”

“Einer von dreien”, wiederholte X’er nachdenklich. Dann fiel ihm etwas auf: “Aber die Wachen können nicht arbeiten. Sie können mir nicht geben, was mir gebührt. Nur die anderen beiden können das tun.”

“Sie werden sich abwechseln”, erklärte X’ude. “Den einen Tag der eine, den zweiten Tag der zweite, den dritten Tag der dritte. Dann von vorn.”

“Du musst ihnen Essen geben”, warf Xod’rex’ax ein. “Wenn die Männer Wache stehen, können sie weder Fisch fangen noch jagen. Sie können nicht für sich und ihre Familien sorgen. Wenn sie ihrer Arbeit nicht nachgehen können, musst du für sie sorgen.”

“Ich muss ihnen Essen geben?” X’er war überrascht. “Meine Untertanen können sich selbst versorgen.”

“Das stärkt ihre Kraft”, sprach X’ude. “Und du zeigst deine Größe. Du zeigst, dass du ein größerer und mächtigerer König bist, als Xi’tim es jemals sein wird.”

“Du hast Recht.” X’er nickte zufrieden. “Wir werden den Wachen Essen geben und damit unsere Größe beweisen.”

Ai’lif trat in die Kammer und schaute neugierig von X’er zu X’ude zu Xod’rex’ax.

“Was ist geschehen, Vater?“, fragte sie. “Eine Wache ist mit eiliger Nachricht an mir vorübergelaufen.”

“Xi’tim hat uns den Krieg erklärt und ein Angriff steht bevor”, antwortete X’er. “Wir haben die Wache ausgesandt, um die Hauptleute der Dörfer zu rufen. Sie sollen vor X’ude und mich treten, damit wir ihnen Anweisung geben, wie das Reich zu schützen ist.”

“Ein Angriff des Xi’tim?”

“Ich werde seine Krieger im Kampf enthaupten und ihre Köpfe zu Xi’tim zurückschicken, um ihn zu verhöhnen”, lachte X’er. X’ude legte ihm die Hand auf die Schulter und lachte ebenfalls. “Ich werde mit den Hauptleuten der Dörfer sprechen. Auch X’exis wird aus dem Dorf der Fischer und Jäger kommen. Er ist als der tapferste Krieger von dem Feldzug gegen Xi’tim zurückgekehrt.”

Ai’lifs Gesicht erstarrte.

“Du hast noch immer keinen Mann für dich gewählt”, sagte X’er dann. “X’exis ist tapfer. X’exis ist so mutig, deine Hand auszuschlagen. Ein Mann von Ehre.”

“Sein Weib ist gestorben”, sagte Ai’lif tonlos.

X’er war überrascht, dann lachte er. “Dann ist er nicht mehr an sein Versprechen gebunden”, rief er voller Freude. “Ich werde ihn dir zum Mann geben, wie du es dir gewünscht hast. Den tapfersten der Krieger.”

Ai’lif schüttelte den Kopf.

“X’exis ist gebrochen”, sagte sie. “Der Tod seines Weibes hat nur eine leere Hülle zurückgelassen. Den tapferen Krieger gibt es nicht mehr.”

X’er war sprachlos, X’ude erstarrte, Xod’rex’ax sog erschrocken die Luft ein.

“Er ist der Hauptmann der Fischer und Jäger. Er muss die Verteidigung des Reiches ordnen, wie auch die anderen Hauptleute”, sagte X’er.

“X’exis ist kein Krieger mehr”, flüsterte Ai’lif traurig. “Er ist mit seinem Weib und seinem Sohn gestorben.”

Sie wandte sie sich ab und lief aus der Kammer, und X’er, X’ude und Xod’rex’ax blickten sich ratlos an.