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Kapitel 14 - 14.1 - Verlorene Spur

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Kapitel 14 - 14.1 - Verlorene Spur

Ceptus war sicher, die fünf Deserteure bald eingefangen zu haben. Der Urwald war gefährlich: giftge Schlangen; Raubkatzen; Wilde, die im Unterholz kauerten, ihre Blasrohre mit giftigen Pfeilen angriffsbereit an den Lippen. Die fünf hatten kaum eine Chance, bis zum Morgengrauen zu überleben. Und sollte es ihnen gelingen ... Ceptus war ihnen auf den Fersen. Fünf Männer ermüdeten schneller im Dickicht als eine ganze Kompanie; sich mit der Machete einen Weg zu bahnen, war anstrengend.

Aber irgendwann musste er feststellen, dass die fünf ihn zum Narren gehalten hatten: sie hatten einen großen Bogen um das Lager geschlagen, waren in eine Richtung aufgebrochen und in eine andere geflüchtet. Als er sah, wie nah sie dem Lager auf dem Rückweg gekommen waren, brach seine Wut sich bahn, und er schlug zwei seiner Soldaten nieder. Die Männer setzten sich nicht zur Wehr, krochen ängstlich zu ihren Kameraden, und Ceptus rieb sich die schmerzenden Knöchel.

Den Deserteuren war es gelungen, kaum Spuren zu hinterlassen. Ceptus und Salivar jagten ihre Männer mit Macheten ins Unterholz, um eine Bresche zu schlagen; die fünf hatten sich zwischen den Pflanzen hindurchgewunden. Hin und wieder fanden sie einen gebrochenen Zweig, zerrissene Blätter ... aber keine Machetenhiebe, keinen Pfad, keine Schneise. Die fünf hielten ihn zum Besten, und jede Minute auf freiem Fuß verschärfte ihre Strafe. Anfangs war er bereit gewesen, Gnade vor Recht ergehen zu lassen: Auspeitschen, Essensentzug, dergleichen. Aber nach einigen Stunden gab es nur noch die Höchststrafe: er würde sie aufknüpfen, würde ihre Bäuche aufschneiden, dass das Gedärm zu Boden quoll, und sie würden zusehen, wie das Leben aus ihren Leibern wich.

Salivar war der Einzige, der es wagte, mit ihm zu sprechen. Aber auch der beschränkte sich darauf, Fragen zu beantworten.

Kurz nachdem sie ihr Lager wieder passiert hatten, brach Tumult los. Einer der Soldaten stieß einen markerschütternden Schrei aus, gefolgt von einem lauten Brüllen, das ihnen das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Die Raubkatze hatte im Schutz der Dunkelheit gejagt und sich vor dem Lärm der Männer versteckt, aber einer der Soldaten war ihr zu nahe gekommen und hatte sie mit seiner Fackel geblendet. Das Tier hatte angegriffen. Die Männer stürmten panisch auseinander, während ihr Kamerad am Hals gepackt und ihm die Kehle zerrissen wurde.

Ceptus brüllte zornig, zog sein Schwert und kam über das Tier, bevor es reagieren konnte. Salivar folgte ihm, und einige der Männer kehrten zurück, aber die Raubkatze wehrte sich mit Klauen und Zähnen, und bevor sie sie überwältigt hatten, hatte sie drei weitere Männer schwer verletzt. Zwei von ihnen starben innerhalb weniger Minuten, den dritten trugen sie noch eine Weile mit sich, bevor sie ihn im Wald zurückließen.

Irgendwann gelangten sie an einen Fluss, und Ceptus zögerte. Sie konnten erkennen, wo die fünf ins Wasser gestiegen waren, aber am anderen Ufer waren keine Spuren eines Ausstiegs zu entdecken. Sie hatten ihre Flucht also im Wasser fortgesetzt und ihn an anderer Stelle wieder verlassen. Ob diesseits oder jenseits stand in den Sternen, und ebenso, wohin sie geflohen waren. Flussabwärts, der Strömung folgend, in der Hoffnung, schnell Boden gut zu machen? Oder stromaufwärts, in der Hoffnung, niemand könnte glauben, dass sie den langsameren, anstrengenden Weg in Kauf nahmen?

Wären nur Callidus und seine Kameraden geflohen, hätte Ceptus sie ohne zu zögern flussabwärts gesucht. Aber Hektor war einer der Flüchtlinge, und Hektor war ein Mann mit Verstand. Ceptus starrte ins Wasser und knurrte zornig, aber schließlich gab er sich einen Ruck und entschied sich für die Suche flussaufwärts.

Salivar räusperte sich, aber Ceptus warf ihm einen finsteren Blick zu, und sein Adjutant nickte. Als er die Soldaten in den Fluss schicken wollte, hielt Ceptus ihn zurück.

“Niemand steigt ins Wasser!“, befahl er. “Wir werden vom Ufer Ausschau halten. Wir vergeuden keine Zeit damit, gegen die Strömung zu kämpfen. Hektor und seine Männer sind auf der Flucht. Nicht wir.”

“Vielleicht sind sie ertrunken.”

“Der Fluss ist nicht tief”, erwiderte Ceptus entschieden. “Sie sind nicht ertrunken.”

“Sollten wir nicht dennoch flussabwärts ...“, begann Salivar vorsichtig, aber Ceptus fuhr ihm über den Mund: “Sie haben den schweren Weg gewählt, um uns in die Irre zu führen. Ich bin sicher!”

Die Soldaten folgten dem Wasser flussaufwärts und suchten das Ufer ab, aber Stunde um Stunde verging, ohne dass sie eine Stelle fanden, an der die fünf wieder aus dem Wasser gestiegen waren. Sie sahen Schlangen im Wasser, und die Männer flüsterten hinter vorgehaltener Hand, aber Ceptus wusste es besser: die fünf lebten.

Schließlich musste er sich eingestehen, dass er Hektor überschätzt hatte. Die Deserteure waren Soldaten, keine Strategen. Keiner von ihnen hatte genug Intelligenz, ihn in die Irre zu führen - und dennoch war er ihnen auf den Leim gegangen. Das verstärkte seinen Zorn. Er beherrschte sich mühsam, als er den Befehl gab, den Rückweg anzutreten und flussabwärts zu suchen.

Nach einer Weile erreichten sie die Stelle wieder, an der die fünf ins Wasser gestiegen waren. Von hier an brachen sie sich flussabwärts einen Weg durch das Dickicht, und nach einer weiteren Stunde entdeckten sie den Platz, an dem die Deserteure aus dem Wasser gekrochen waren. Offenbar hatten sie eine Weile gelagert, bevor sie weitergezogen waren. Ceptus schnaubte vor Wut. Hätte er nicht zunächst den falschen Weg eingeschlagen, hätte er sie vielleicht schon in der Hand.

Inzwischen war die Dämmerung hereingebrochen, und sie konnten den Spuren nicht weiter folgen. Einen ganzen Tag hatten sie verloren.

Ceptus ließ ein Lager aufschlagen und den Koch kaltes Essen austeilen. Sie hätten genug Zeit gehabt, ein Feuer zu machen und warmes Essen zu kochen, aber er strafte seine Truppe für ihr Versagen. Er hatte seine Soldaten ohne Unterlass und Pause angetrieben, und sie fielen um, wo sie standen, und schliefen tief und fest, waren nicht einmal mehr durch gebrüllte Befehle aus ihrem Schlaf zu reißen. Die eingeteilten Wachen hatten Schwierigkeiten, die Augen aufzuhalten, und Ceptus peitschte persönlich zwei von ihnen aus, die er bei einer nächtlichen Kontrolle schlafend vorfand.

Am nächsten Morgen zogen sie weiter. Ceptus hatte kaum ein Auge zugetan, der Zorn hatte ihn wachgehalten. Salivar wirkte übernächtigt, die Männer wankten vor Müdigkeit. Ceptus betrachtete sie und erinnerte sich an seine eigene Ausbildung, als er mit seinen Kameraden gedrillt und vorangetrieben worden war: sie hatten härtere Strapazen ertragen müssen. Söhne aus gutem Hause, zum ersten Mal fern der Heimat, zusammengewürfelt zu einer Gemeinschaft, die in der Ausbildung überleben und eine Offizierslaufbahn einschlagen oder aber elendig zugrunde gehen sollte. Ceptus hatte überlebt. Als einer von wenigen. Er hatte härtere Strapazen durchgestanden, als seine Soldaten in diesem Dschungel; er spürte kein Mitleid mit ihnen.

Im Urwald verlor sich die Spur der Deserteure. Seine Soldaten waren zu unvorsichtig, verwischten Spuren, denen sie hätten folgen sollen, richteten so viel Unheil im Unterholz an, dass nicht mehr auseinander zu halten war, was sie selbst zertrampelt hatten, und wo die Flüchtlinge durchgebrochen waren. Ceptus war außer sich vor Zorn und ließ fünf Männer zusammentreiben und an Bäume binden; Salivar verpasste jedem von ihnen zehn Schläge mit der Peitsche. Der Urwald war totenstill geworden, nur ihre Schreie hallten durch das Unterholz. Als die fünf von den Bäumen gelöst wurden, fielen sie blutend und ohnmächtig zu Boden.

Ceptus ließ die Männer versorgen. An eine Fortsetzung der Suche war nicht mehr zu denken; er hatte sich mit seiner Wut selbst im Weg gestanden.

“Wir können die Männer nicht so antreiben, Herr Hauptmann.” Salivar sprach vorsichtig, achtete darauf, dass niemand sie hören konnte. Ceptus sah die Angst in den Augen seines Adjutanten, aber sein Zorn war verraucht. Er nickte.

“Du hast Recht, Salivar”, antwortete er. “Wir werden einen Tag lagern. Die Männer sollen sich erholen und die fünf Verwundeten pflegen. Morgen früh geht es weiter. Ein paar der Männer sollen den Urwald nach weiteren Spuren durchkämmen. Wir werden sie finden.”

“Ja, Herr Hauptmann.” Salivar nickte erleichtert und gab die Befehle an die Männer weiter.

Ceptus zog sich verdrossen zurück.