16.2 - Fest der Götter
16.2 - Fest der Götter
X’er wartete. Xod’rex’ax ging an den Fratzen der Dämonen vorüber, trat an die große Tür des Thronsaals und wies die Wachen an, die fremden Götter eintreten zu lassen.
Die Wachen öffneten das Tor, und ein Raunen ging durch die Galerie der Ahnen, als die bleichen Götter in ihrer glänzenden Haut den Saal betraten. Ihre Schritte klirrten, ihr Gang war aufrecht und voller Stolz; ihre Haare waren lang und dunkel, die Haut bleich, ihre Augen finster und stechend; ihre Arme waren kräftig, ihre Schultern breit. Xit’xi folgte ihnen, aufrecht und stolz, wie es sich für einen Diener des Xi’grep geziemte.
Die bleichen Götter durchschritten den Saal ohne ein Zögern, ihre Blicke wanderten umher, maßen die Dämonen und Ahnen, kamen dann auf X’er zur Ruhe. X’er spürte eine Enge in seiner Brust und er warf einen Blick hinüber zu X’ude, der mit steinerner Miene auf seinem Thron saß und den Fremden entgegenstarrte.
Xit’xi eilte vor und warf sich in den Staub, während die Götter stehenblieben und ihn mit finsteren Mienen betrachteten; aber X’er war zufrieden, Xit’xi hatte gut gehandelt.
“Erhebe dich, Xit’xi. Du bist die Stimme der bleichen Götter, und du sollst auch meine Stimme sein”, sprach er ihn an.
“Ja, X’er, König und Gott deines Volkes”, rief der junge Mann und erhob sich vorsichtig.
X’er nickte, als Zeichen der Zufriedenheit, und Xit’xis Gesicht entspannte sich.
“Sprich zu ihnen. Danke ihnen in meinem Namen und im Namen X’udes, dass sie zu uns gekommen sind, um uns im Kampf gegen Xit’im zu unterstützen.”
X’er beobachtete, wie Xit’xi mit den Göttern sprach. Ihre Sprache klang fremd in seinen Ohren, und auch X’ude schien neugierig. Die Götter lauschten, dann trat einer von ihnen vor, und X’er warf X’ude einen Blick zu, den dieser wissend erwiderte.
“Ihr Anführer”, erklärte X’ude. “Er ist der zweite nach Hektor, und die anderen folgen ihm, wie ihrem Herrn.”
Der fremde Gott sprach, und Xit’xi lauschte; dann wandte er sich an X’er: “Der Fremde spricht: Ich bin Callidus, und dies sind meine Männer. Es ist uns eine Ehre, dem mächtigen X’er im Kampf gegen Xi’tim beizustehen. Wir sind von weither gekommen, um dir unseren Respekt zu erweisen. Wie könnte das besser gelingen, als im Kampf Seite an Seite.”
X’er nickte zufrieden. “Du hast wohl gesprochen, Callidus, zweiter der Götter, nachstehend nur dem Hektor. Ihr habt uns Ehre erwiesen und eure Tapferkeit unter Beweis gestellt. Wir sehen euch gern an unserer Seite.”
Xit’xi übersetzte, und die Stirn des Callidus umwölkte sich; ein dumpfes Knurren drang aus seiner glänzenden Brust. Die anderen Götter warfen sich Blicke zu und sprachen leise in ihrer Sprache.
“Callidus ist nicht einverstanden, dass du Hektor über ihn gestellt hast”, erklärte X’ude ihm. “Hektor ist der Mächtigere, aber es fällt Callidus schwer, sich unterzuordnen.”
X’er nickte. Er musterte Callidus eindringlich, suchte nach Anzeichen für Schwäche, aber er fand keine. Er wartete, ob Callidus antworten wollte, aber der neigte nur kurz das Haupt.
“Sprich zu ihnen”, wandte X’er sich wieder an Xit’xi. “Wie können wir euch unsere Dankbarkeit erweisen? Es geziemt sich nicht für einen König und Gott, seinen Brüdern eine Bitte abzuschlagen, nachdem sie gemeinsam mit ihm ihr Blut vergossen haben.”
Die Fremden lauschten, dann sprachen sie untereinander, so wie X’er mit X’ude sprach. Fasziniert beobachtete X’er sie. Er sah ihre Dämonen nicht. Fast schien es, als sprächen sie nur miteinander und nicht auch mit ihren Ahnen. Ein unruhiges Kribbeln breitete sich in seinem Magen aus. Hatten die fremden Götter keine Dämonen? War jeder von ihnen sein eigener Dämon, wie auch X’ude keinen Dämon hatte? Das wäre ein weiterer Beweis ihrer Göttlichkeit.
Dann wandte Callidus sich wieder von seinen Brüdern ab und trat vor X’er und sprach zu ihm. Xit’xi lauschte und übersetzte: “Wir danken dir, X’er. Du wirst gerühmt für die edlen Steine, die du aus dem Felsen schlägst, und wir bitten dich, sie uns zu zeigen. Wir wollen sehen, ob die Geschichten wahr sind, und ob die Steine wirklich funkeln wie Sterne.”
X’er warf X’ude einen stolzen Blick zu, den X’ude mit Wohlgefallen erwiderte. X’ers Stadt war berühmt für die funkelnden Steine, weit über die Grenzen seines Reiches hinaus.
“Wir werden ihnen die Mine zeigen”, erklärte X’ude ihm mit einem zufriedenen Lächeln. “Wir werden ihre Augen groß machen und ihre Münder klein. Sie werden verstummen vor der Größe, und dem Reichtum unserer Mine.”
X’er nickte und wandte sich an Xit’xi: “Sobald Hektor sich von seinem Lager erhebt, werden wir euch die Mine zeigen, und ihr werdet sehen, dass die Geschichten wahr sind. Ihr werdet sehen, dass die Mine noch größer ist, als man sich erzählt. Aber nun wollen wir speisen und trinken und wollen den Sieg über Xi’tims Krieger feiern. Ihr sollt meine Ehrengäste sein und zu meinen Füßen sitzen, wie dies nur den höchsten und geehrtesten meiner Freunde und Gäste zuteil wird.”
Xit’xi übersetzte, und die bleichen Götter nickten zufrieden, und als X’er Befehl gab, ihnen Kissen und Felle zu bringen und Speisen und Trank, ließen sie sich zu seinen Füßen nieder, und die Musiker und Tänzerinnen strömten in den Saal, um sie zu unterhalten. X’er betrachtete das zufrieden. Nur ein wahrhaft großer König und Gott wurde von fremden Göttern besucht.