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Ogre

Inktober 2026 — www.fanfiktion.de · All chapters

Ogre

Ogre (= Ungeheuer/Oger)

Oneshot

Dieser Text ist ein Beitrag für das Projekt „Prompt-Roulette – Horror-Edition: Dein Blind Date mit der Dunkelheit“ von Hope . Hier sucht man sich eine Zahl aus und bekommt für diese Zahl ein Wort, das man dann in eine Geschichte einbauen muss. Mein Wort war „Ballerinafigur“. Ich habe also die Prompts „Ballerinafigur“ und „Ogre“ in diese Geschichte eingebaut. Danke an Hope für die Inspiration!^^

Aber Achtung, es ist etwas gruselig geworden.

6. Oktober OGRE

„Möchtest du wirklich in diesen Laden rein?“, fragte Alisa skeptisch.

„Ja!“, antwortete Akane und öffnete schon die Tür. „Kommst du?“

„Ich komme.“ Alisa folgte ihrer jüngeren Freundin in den alt aussehenden Antiquitätenladen. Akane hatte den Laden vor ein paar Minuten entdeckt und unbedingt hineingewollt.

Alisa verstand nicht so recht, warum. Der Verkaufsraum war vollgestopft mit Zeug. Überall standen Regale, Tische und Vitrinen und all diese quollten beinahe über.

Traditionelle Masken, bemalte Keramik, zerfledderte Bücher, Figuren, Bilder, Vasen, Kimonos... Alisa wusste gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollte. Die Luft roch ein wenig modrig und die Dielen unter ihren Füßen knarrten bei jeden Schritt. Das Licht war gedimmt und flimmerte leicht.

„Willkommen.“

Alisa zuckte zusammen, als eine Stimme die Luft zerriss und blickte sich hastig um. Hinter einem wuchtigen Tresen aus Holz entdeckte sie eine alte Frau mit weißem Haar, die sie anlächelte. Sie wusste nicht wieso, aber ihr fuhr unwillkürlich ein Schauer den Rücken herab. „Ähm, hallo.“

„Hallo!“, rief Akane unterdes fröhlich. „Wir schauen uns ein bisschen um!“

„Sehr gerne, junge Damen. Hoffentlich findet ihr etwas nach eurem Geschmack.“ Die alte Frau lächelte noch mehr und Alisa wandte unwillkürlich den Blick ab. Dieses Lächeln sorgte aus irgendeinem Grund dafür, dass sich ihre Nackenhaare aufstellten. Sie ging zögernd zu einem der Regale und hätte fast aufgeschrien, als eine Puppe sie aus toten Augen anstarrte. Nein, nein, nein. Ganz ruhig. Das war nur ein normaler Laden. Aber warum hatte sie so ein ungutes Gefühl, seit sie hier hereingekommen waren?

Akane schnappte plötzlich nach Luft, was Alisa abermals zum Zusammenzucken brachte. Sie fuhr zu ihr herum. „Was ist los?!“

„Schau mal!“ Akane strahlte sie an und hielt ihr eine große Maske hin. „Ist die nicht toll?“

Die Maske zeigte eine große, hässliche Fratze. Die grün-braune Farbe war ein wenig abgeblättert und die Maske starrte Alisa an, als wolle sie sie persönlich in die Welt der Toten ziehen.

„Was...“ Alisa stockte. „Was ist das?“

„Ein Oger, glaub ich! Ist der nicht cool?“

„Ähm...“

„Ich kaufe mir die!“ Akane drückte die Maske kurz lächelnd an sich und hob sie dann wieder an, um auf das Preisschild zu sehen. Ihr freudiges Gesicht fiel so schnell wie ein Kartenhaus im Wind. „Zehntausend Yen?! Das ist viel zu teuer für mich!“

„Das ist wirklich teuer“, antwortete Alisa. „Willst du die Maske trotzdem haben?“

„Ja!“ Akane tippte sich nachdenklich ans Kinn. „Ob Tora mir Geld leiht?“

„Du kannst ihn ja fragen.“

„Mache ich!“

Während Akane nach ihrem Handy kramte, ließ Alisa den Blick durch den Laden schweifen. Ihr ungutes Gefühl verstärkte sich immer weiter, so, als würde etwas Beängstigendes in den dunklen Schatten lauern.

Alisas Blick blieb an einer alten Kommode hängen. Darauf stand Krimskrams, einige verstaubte Bücher, rostige Kerzenhalter, diverse dunkle Stofffetzen.

Und eine kleine Ballerinafigur. Sie war weiß und pastellrosa und wirkte irgendwie fehl am Platz. Durch die Farbe war sie jedoch so auffällig in diesem dunklen Laden, dass Alisa sich sofort zu ihr hingezogen fühlte. Sie konnte den Blick gar nicht mehr abwenden und trat vorsichtig näher.

Die Ballerinafigur stand auf einer flachen, zylinderförmigen Box, deren weißer Untergrund mit silbernen Akzenten geschmückt war. Ein kleiner Hebel, den man kurbeln konnte, war an der Seite der Box angebracht. Nun erkannte Alisa, was genau es war: Eine Spieluhr.

Sie war wunderschön. Außerdem wirkte sie überhaupt nicht so staubig und beschädigt wie der Rest der Gegenstände in diesem Laden. Nein, die Ballerinafigur wirkte wie nagelneu.

So eine Spieluhr hatte Alisa als kleines Kind gehabt, allerdings hatte sie diese irgendwann verloren. Und diese hier war wirklich wunderschön...

Alisa streckte unwillkürlich die Hand nach der Spieluhr aus.

Plötzlich durchdrang eine fröhliche Melodie den Antiquitätenladen. Alisa zuckte heftig zurück. Sie hatte die Spieluhr doch gar nicht berührt!

Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie die Ballerinafigur an, die sich nun um sich selbst drehte und dabei eine Melodie spielte. Der Hebel an der Box drehte sich ebenfalls im Kreis.

Die fröhliche Musik wäre in jeder anderen Umgebung sicher richtig schön. In diesem düsteren Laden wirkte es bedrohlich. Alisa lief es eiskalt den Rücken hinunter.

„Tora, geh doch endlich ran! Ich will diese Ogermaske haben!“, schimpfte Akane ein paar Schritte weiter auf ihr Handy ein.

Alisas Blick schnellte zu ihr. Dann wieder zurück zu der Ballerinafigur. Sie schnappte erschrocken nach Luft. Hatte die Figur nicht gerade eben weiter rechts gestanden?

Alisa sah wieder zu Akane und dann direkt zurück zur Ballerinafigur.

Sie stand wieder weiter rechts.

Alisas Mund wurde staubtrocken. Irgendetwas stimmte hier ganz gewaltig nicht. Hastig wirbelte sie herum und war mit zwei großen Schritten bei Akane.

„Lass uns gehen.“

„Was? Aber ich will diese Ogermaske ha-...“

„Wir gehen!“ Alisa packte Akane an der Hand und zerrte ihre kleine Freundin aus dem Laden.

Und so sahen sie nicht mehr, wie die Ballerinafigur begann, sich erneut von alleine zu drehen. Das hübsche Porzellangesicht war zu einer grausigen Fratze verzerrt.

Die alte Ladenbesitzerin sah den beiden Mädchen hinterher und trat dann an ihre verfluchte Ballerinafigur heran.

„Tja, meine Kleine. Leider hat es wieder nicht funktioniert...“