Panic
Panic
Panic (= Panik)
Oneshot
Achtung, in dieser Geschichte wird eine Panikattacke beschrieben. Wenn ihr sowas nicht gerne lest, skippt gerne zu einem anderen Kapitel :)
7. Oktober PANIC
Ein lautes Grollen riss Osamu aus dem Schlaf. Kerzengerade setzte er sich in seinem Bett auf und erstarrte. Was war das?! Ein Donner?!
Regen pladderte gegen das Fenster und ein Blitz durchzog die Nacht mit einem hellen Leuchten. Der Wind heulte und peitschte und ließ die Rollläden wackeln.
Scheiße.
Ein Gewitter.
Er hasste Gewitter.
Osamu sah mit weit aufgerissenen Augen hinaus. Ein weiterer Donner ließ ihn heftig zusammenschrecken. Es lief ihm eiskalt den Rücken herunter.
Scheiße.
Osamu kniff die Augen so fest zusammen, dass es wehtat. Sein Herz setzte für einen Moment aus, als ein weiterer Donner die Luft zerriss.
Sein Hals war wie zugeschnürt, das Atmen fiel ihm zunehmend schwerer.
Was, wenn ein Blitz ins Haus einschlug? Was, wenn das Haus anfing zu brennen?
„Samu?“
Was, wenn es hereinregnete oder ein Baum umstürzte und ins Haus donnerte?! Was, wenn...-
„He, Samu!“
Scheiße, er konnte nicht atmen!
„Samu!!“
Osamu riss die Augen auf und starrte in Atsumus Gesicht.
Tsumu. Er war da. Osamu war nicht alleine.
Von einer Welle an Erleichterung erfasst, rückte Osamu näher an Atsumu heran, welcher sofort behutsam die Arme um ihn schlang.
„Samu, ganz ruhig. Atme, ja? Ein und aus.“
Osamu schnappte nach Luft und grub seine Finger in Atsumus Arm, als ein weiterer Donner erklang und der Wind draußen vor dem Fenster heulte. Er merkte erst jetzt, wie sehr er zitterte.
„Achte nur auf mich, Samu. Es is' alles okay.“
Osamu konzentrierte sich auf Atsumus ruhige Atmung und ganz langsam wurden seine eigenen hektischen Atemzüge wieder ruhiger. Er spürte Atsumus Hand auf seinem Rücken, die sanfte Kreisbewegungen machte.
„Ich beschütz dich.“
„Das... Das musste doch gar nich'... wahh!“ Osamu zuckte heftig zusammen, als es wieder donnerte und drückte das Gesicht in Atsumus Schulter. Dadurch fühlte er sich sofort etwas besser.
Atsumu kommentierte es nicht, sondern fuhr damit fort, Osamu über den Rücken zu streicheln und ihn fest in seinen Armen zu halten. Und dann fing er an, eine beruhigende Melodie zu summen.
Osamu erkannte die Melodie sofort. Die hatte Atsumu schon als Kind jedes Mal gesummt, wenn er Osamu bei Gewittern getröstet hatte.
Woher Atsumu die Melodie kannte, wusste er nicht. Vielleicht hatte er sie sich ja damals auch selbst ausgedacht? Osamu hatte sich nie getraut, nachzufragen, denn was, wenn damit die Magie verloren ging? Die Magie, dass Osamu sich immer beruhigte, sobald sein Zwilling diese Melodie summte.
Auch heute verfehlte die Magie ihre Wirkung nicht.
Osamu wusste gar nicht, wie lange er an Atsumu gekuschelt dasaß und der Melodie zuhörte.
Langsam, ganz langsam fiel die Anspannung von Osamu ab. Er wusste nicht, wie Atsumu es anstellte, aber er schaffte es immer wieder, ihn zu beruhigen.
„Ich glaub, das Gewitter verzieht sich langsam“, murmelte Atsumu schließlich mit einem Blick zum Fenster, bewegte sich aber keinen Zentimeter von Osamu weg.
Stimmt. Es war schon länger kein Donner mehr zu hören gewesen... Osamu hob den Kopf von Atsumus Schulter und atmete auf.
„Geht's wieder?“, fragte Atsumu.
„Mhm.“
„Okay, gut.“ Atsumu klopfte ihm sanft auf die Schulter. „Hast dich gut beruhigen können. Morgen spiel ich dir als Belohnung die besten Pässe zu.“
Ein leises Schnauben verließ Osamus Lippen. „Wie kannste um die Uhrzeit an Volleyball denk'n?“
„Ich träum sogar von Volleyball, stell dir vor.“
„Spinner...“ Osamu bekam ein schwaches Grinsen zustande.
„Selber.“ Atsumu grinste zurück und gähnte dann. „Meinste, du kannst wieder schlafen? Es is' ungefähr vier Uhr morgens.“
Oh. Schlafen. Osamu zögerte.
Was, wenn das Gewitter wieder stärker wurde?
„Ich weiß nich'...“
„Na gut.“ Atsumu betrachtete ihn kritisch und überlegte kurz. „Soll'n wa 'nen Film angucken?“
Osamu hob den Kopf und starrte Atsumu an.
„Es is' mitten in der Nacht.“
„Ja, und?“
„Wa müssen in die Schule.“
„Müde werden wa so oder so sein. Ich denk nich', dass wa demnächst schlafen können.“
...Touché. Zumindest Osamu wusste nicht, ob er diese Nacht überhaupt noch schlafen würde. Und so, wie er Atsumu kannte, würde der sich weigern, wieder schlafen zu gehen, solange das Gewitter herrschte und Osamu wieder Panik bekommen könnte. Insgeheim war Osamu ihm auch dankbar dafür.
„Also? Film? Ja oder nein?“ Atsumu schaute ihn fragend an.
„...Von mir aus. Aber wa müssen leise sein. Mum und Dad soll'n ja nich' aufwachen.“
„Stimmt.“ Atsumu löste seinen Griff vorsichtig von Osamu und stand auf, um den Fernseher einzuschalten und einen Film einzulegen.
Osamu sah ihm nach. Er war ja schon froh, ihn zu haben. Atsumu ging es andersherum sicher genauso. Auch, wenn sie sich gegenseitig furchtbar auf den Keks gingen, war der andere Zwilling bei Notfällen nie weit. So wie heute. Osamu wusste nicht, wie lange er noch in seiner Panik gefangen gewesen wäre, wenn Atsumu nicht aufgewacht und ihn beruhigt hätte...
„Was hältste von „Detektiv Conan - Der dunkelste Albtraum“?“ Atsumu hielt grinsend eine DVD hoch.
„Da haste zufällig meinen Lieblingsfilm von Detektiv Conan rausgesucht, was?“ Osamu musste grinsen. „Klar doch, nehmen wa den.“
„Ja, ganz zufällig. Hab einfach reingegriffen.“ Atsumu lachte leise und Osamu wusste genau, dass es kein Zufall gewesen war.
Wenige Minuten später lief der Film leise auf dem Fernseher.
Atsumu und Osamu hatten sich ihre Decken und Kissen geschnappt und es sich auf dem Boden vor dem Fernseher gemütlich gemacht. Atsumu hatte den Arm um Osamu gelegt, welcher sich bereitwillig an ihn lehnte. Das mittlerweile langsam abziehende Gewitter draußen beachteten sie beide nicht mehr.
Auch, wenn sie es vor anderen immer anders behaupteten, hielten sie zusammen. Schließlich waren sie Zwillinge.