Kapitel 10 -Die hässliche Seite der Liebe
Kapitel 10 -Die hässliche Seite der Liebe
Itachi POV
Ich sitze auf der Couch und wippe unruhig mit meinem Fuß. Meine Gedanken drehen sich seit Stunden im Kreis. Ich gehe jeden einzelnen Namen durch, jeden verdammten Menschen, der dafür infrage kommen könnte.
War es Sasuke?
Nein. Nein, verdammt noch mal! Er ist ein egoistisches Arschloch, das nur ihre Fähigkeit haben will. Aber selbst er hätte sie niemals so zugerichtet und einfach zurückgelassen. Davon bin ich überzeugt.
Also wer?
Wer zum Teufel war zu so etwas fähig?
Ich fahre mir angespannt durch die Haare und starre ins Leere. Meine Gedanken überschlagen sich, bis mich plötzlich Schritte aus meinen Überlegungen reißen.
Konan kommt die Treppe herunter.
Doch irgendetwas stimmt nicht. Sie ist kreidebleich. Ihre Augen sind gerötet, ihre Lippen zittern. Sie sieht aus, als hätte sie gerade etwas erfahren, das ihr den Boden unter den Füßen weggezogen hat.
„Alles okay, Babe?“, fragt Pain und richtet sich sofort auf.
Auch ich sehe sie fragend an.
Konan lässt sich neben mich sinken und greift nach meiner Hand. Ihre Finger sind eiskalt. Ich runzle die Stirn.
„Was ist los, Konan?“
Sie öffnet den Mund, doch zunächst kommt kein Ton heraus. Dann kullern die ersten Tränen über ihre Wangen.
„Itachi ... sie hat mir verraten, wer es war.“
Mein Körper spannt sich augenblicklich an.
„Wer?“
Sie schluckt schwer. Ihre Stimme bricht.
„Es war Hidan.“
Für einen Moment herrscht absolute Stille.
Hidan.
Mein Kopf braucht einige Sekunden, um diese Information überhaupt zu verarbeiten. Dann verändert sich etwas in mir.
Meine sonst dunklen Augen färben sich rot. Das Sharingan erwacht, während sich meine Hände langsam zu Fäusten ballen.
„Wo ist er?“
Meine Stimme klingt erschreckend ruhig.
Pain sieht mich an und zuckt hilflos mit den Schultern.
„Wir wissen es nicht.“
Ich lache kurz auf. Ein bitteres, humorloses Lachen.
„Ihr wisst es nicht?“
Ich erhebe mich langsam von der Couch.
„WO IST DIESES VERDAMMTE ARSCHLOCH?“
Meine Stimme hallt durch den Raum. Konan zuckt zusammen, doch das ist mir in diesem Moment egal.
Hidan.
Dieser verdammte Bastard.
Ich erinnere mich an Sakura. An ihren geschundenen Körper. An ihre zitternden Hände. An ihren Blick, als hätte man ihr alles genommen, woran sie sich jemals festhalten konnte.
Und er war dafür verantwortlich.
Ein kaltes, bedrohliches Lächeln legt sich auf meine Lippen.
„Ganz gleich, wo du dich versteckst, Hidan ... ich werde dich finden. Und wenn ich dich gefunden habe, wirst du dir wünschen, mir niemals begegnet zu sein.“
Meine Fingernägel bohren sich in meine Handflächen.
Ich werde ihn leiden lassen.
Nicht, weil ich ein Held bin. Nicht, weil ich plötzlich ein guter Mensch geworden bin.
Sondern weil ich es nicht ertrage, dass jemand ihr so etwas angetan hat.
~ ~ ~
Mehrere Wochen sind vergangen.
Und noch immer fehlt jede Spur von Hidan.
Dieses feige Arschloch.
Sakura hat ihr Zimmer seit Tagen nicht mehr verlassen. Sie spricht kaum noch und lässt niemanden an sich heran. Nur Konan darf hinein. Selbst wenn ich es versuche, weist sie mich ab.
Und verdammt, es tut weh.
Es tut verdammt weh, vor ihrer Tür zu stehen und zu wissen, dass sie mich nicht sehen möchte.
Ich dachte, wir wären auf einem guten Weg gewesen. Ich dachte, sie hätte langsam angefangen, mir zu vertrauen. Vielleicht nicht vollständig, aber wenigstens ein kleines bisschen.
Und jetzt?
Jetzt ist alles wieder zerstört.
Ich weiß, dass ich nicht derjenige bin, dem etwas angetan wurde. Ich weiß, dass ich nicht das Recht habe, ihre Heilung zu beschleunigen oder Antworten von ihr zu verlangen.
Aber diese verdammte Hilflosigkeit bringt mich noch um den Verstand.
Ich kann sie nicht beschützen, wenn sie mich nicht an sich heranlässt. Ich kann ihr die Angst nicht nehmen. Ich kann nicht rückgängig machen, was passiert ist.
Und genau das macht mich wahnsinnig.
Ich laufe den Flur auf und ab. Meine Hände fahren immer wieder durch meine Haare. Ich versuche, einen klaren Gedanken zu fassen, irgendeine Möglichkeit zu finden, ihr zu helfen.
Aber da ist nichts.
Nichts, was ich tun kann.
„VERDAMMT!“
Meine Faust kracht gegen die Wand.
Der Schmerz zieht durch meine Knöchel, doch ich spüre ihn kaum.
Was soll ich denn noch tun?
Ihr die ganze Welt zu Füßen legen? Jeden einzelnen Menschen auslöschen, der ihr jemals wehgetan hat?
Ich würde es tun.
Ohne mit der Wimper zu zucken.
Aber selbst das würde ihr nicht zurückgeben, was man ihr genommen hat.
Mit einem tiefen Atemzug drehe ich mich um und gehe die Treppe hinunter.
Und dann sehe ich ihn.
Hidan.
Er steht tatsächlich seelenruhig im Wohnzimmer, als wäre in den vergangenen Wochen nichts geschehen. Als hätte er nicht das Leben eines anderen Menschen zerstört.
Als hätte er nicht Sakura gebrochen.
In meinem Kopf setzt etwas aus.
Ich marschiere auf ihn zu und verpasse ihm einen Faustschlag mitten ins Gesicht.
Sein Kopf schnellt zur Seite.
„DU!“
Er taumelt zurück, doch ich gebe ihm keine Gelegenheit, sich zu sammeln. Ich packe ihn am Kragen und schleudere ihn zu Boden.
Dann sitze ich bereits auf seiner Hüfte.
Meine Faust trifft sein Gesicht.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
„DU VERDAMMTER BASTARD!“
Ich schlage erneut zu.
Ich höre etwas knacken. Seine Lippe platzt auf, Blut läuft über sein Kinn. Doch es interessiert mich nicht.
Ich will, dass er Schmerzen hat.
Ich will, dass er auch nur einen Bruchteil dessen empfindet, was Sakura durchmachen musste.
„WIE KONNTEST DU?!“
Noch ein Schlag.
„WIE KONNTEST DU IHR DAS ANTUN?!“
Meine Stimme überschlägt sich beinahe. Ich erkenne mich selbst nicht wieder.
Hidan versucht, mich wegzustoßen, doch ich aktiviere mein Sharingan und zwinge ihn, mir in die Augen zu sehen.
Genjutsu.
Ich lasse ihn seine schlimmsten Erinnerungen durchleben. Immer wieder. Ohne Pause. Ohne die Möglichkeit, ihnen zu entkommen.
Sein Körper beginnt sich unter mir zu winden.
„Na? Gefällt dir das?“, knurre ich.
Doch selbst das reicht mir nicht.
Ich forme Fingerzeichen und entfessele mein Feuerjutsu. Die Flammen breiten sich vor ihm aus, während er verzweifelt versucht, ihnen auszuweichen.
Er schafft es, Abstand zwischen uns zu bringen und wirft einige Shuriken nach mir. Mühelos weiche ich ihnen aus.
„WIE KONNTEST DU DAS TUN?!“, brülle ich ihm entgegen.
Ein Stuhl zerbricht. Der Esstisch kippt um und kracht mit einem lauten Knall auf den Boden.
„Ach, Itachi ...“, keucht Hidan und wischt sich mit dem Handrücken über den Mund. „Das war Rache. Ihr seid alle so verdammt weich geworden, seit sie hier ist.“
Ich starre ihn an.
Weich?
Ein bitteres Lachen entweicht meiner Kehle.
„Weich?“
Ich gehe langsam auf ihn zu.
„Du nennst das weich?“
Meine Stimme zittert vor unterdrückter Wut.
„Du hast eine Frau missbraucht, die sich nicht einmal mehr gegen dich wehren konnte. Du hast ihr das Gefühl genommen, in Sicherheit zu sein. Und jetzt stehst du hier und redest von Schwäche?“
Ich packe ihn am Kragen.
„Du bist nichts weiter als ein feiger, widerlicher Bastard.“
Ich schleudere ihn zurück auf den Boden.
Meine Faust trifft ihn erneut.
Und wieder.
Und wieder.
Irgendwann höre ich auf, die Schläge zu zählen.
Seine Gegenwehr wird schwächer. Sein Kopf fällt zur Seite. Er verliert das Bewusstsein.
Aber meine Hände bewegen sich weiter.
Ich kann nicht aufhören.
Ich sehe nicht mehr Hidan vor mir. Ich sehe Sakura. Ihre Tränen. Ihre Verletzungen. Ihr Gesicht, als sie versucht hat, stark zu sein, obwohl sie innerlich längst am Ende war.
Warum habe ich sie nicht beschützen können?
Warum war ich nicht da?
Warum musste sie das allein durchstehen?
„ITACHI!“
Eine Stimme durchschneidet meine Gedanken.
Doch ich reagiere nicht.
„ITACHI!“
Plötzlich verstummt alles.
Meine Hände sinken langsam herab.
Ich drehe den Kopf.
Sakura.
Sie steht auf der Treppe. Ihr Gesicht ist tränenüberströmt. Eine Hand liegt auf dem Geländer, als müsste sie sich daran festhalten, um nicht zusammenzubrechen.
Ihr Blick wandert von mir zu Hidan.
Dann wieder zurück.
„S-Sakura ...“
Mein Mund ist trocken. Meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
Sie kommt langsam die Treppe herunter. Jeder einzelne Schritt scheint sie Kraft zu kosten.
Als sie einige Meter vor uns stehen bleibt, sehe ich es.
Die Angst in ihren Augen.
Und plötzlich trifft mich die Erkenntnis wie ein Schlag ins Gesicht.
Ich habe sie wieder erschreckt.
Verdammt.
Nicht schon wieder.
„Er ist es nicht wert ...“, flüstert sie.
Ihre Stimme zittert.
„Bitte, Itachi. Hör auf.“
Ich starre sie an.
Sie hat Angst. Das sehe ich. Ich kann es in ihren Augen lesen. Und trotzdem steht sie hier. Vor dem Mann, der ihr das alles angetan hat.
Für mich.
Meine Brust zieht sich schmerzhaft zusammen.
Ich blicke auf meine Hände. Auf meine blutigen Knöchel. Auf Hidan, der regungslos vor mir liegt.
Dann sehe ich wieder zu ihr.
„Ich ...“
Mehr bringe ich nicht heraus.
Meine Kehle schnürt sich zu.
Ich wollte sie beschützen. Ich wollte ihr zeigen, dass ihr niemand mehr etwas antun würde.
Und jetzt steht sie vor mir und bittet mich, aufzuhören.
Meine Hände beginnen zu zittern.
„Es tut mir leid“, presse ich hervor.
Ich weiß nicht einmal, ob ich es zu ihr oder zu mir selbst sage.
Dann brechen die Worte aus mir heraus.
„Es tut mir so verdammt leid, Sakura.“
Meine Stimme wird lauter. Rau. Verzweifelt.
„Ich hätte da sein müssen! Ich hätte dich beschützen müssen!“
Ich fahre mir mit beiden Händen übers Gesicht, doch die Tränen, die sich in meinen Augen sammeln, kann ich nicht länger zurückhalten.
„Ich habe dir versprochen, dass dir hier nichts passiert ... und ich habe versagt.“
Ein bitteres Schluchzen entweicht mir.
Zum ersten Mal seit Jahren habe ich keine Kontrolle mehr über mich selbst.
„Ich weiß nicht, wie ich das wiedergutmachen soll.“
Ich sehe sie an. Nicht als Shinobi. Nicht als Mitglied der Akatsuki. Nicht als jemand, vor dem andere Angst haben.
Sondern als einen Mann, der gerade begreift, dass er einen Menschen, der ihm wichtig geworden ist, nicht vor dem schlimmsten Schmerz bewahren konnte.
„Bitte ...“
Meine Stimme bricht endgültig.
„Bitte hab keine Angst vor mir.“