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Kapitel 11 –Ein kleines Stück Zuhause

Itasaku - Verbitterte Liebe — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 11 –Ein kleines Stück Zuhause

Sakura POV

Ich sehe ihn an.

Meine Angst ist noch immer da. Vielleicht nicht mehr so überwältigend wie zuvor, aber sie ist da. Tief in meinem Inneren sitzt sie und erinnert mich an all das, was geschehen ist. Doch ich weiß, dass ich mich nicht wieder von meiner Trauer und meinen Ängsten auffressen lassen darf. Nicht dieses Mal.

Mein Blick wandert zu seinen dunklen Augen. Itachi steht vor mir und schluchzt. Wie ein kleines Kind, dem man das Wertvollste genommen hat. Seine sonst so ruhige und kontrollierte Fassade ist vollständig zerbrochen. Seine Augen sind gerötet, seine Wangen durchnässt und seine Hände zittern leicht.

So habe ich ihn noch nie gesehen.

Vorsichtig mache ich einen Schritt auf ihn zu. Ich versuche, Hidan am Boden auszublenden, versuche, meine eigenen Emotionen unter Kontrolle zu bringen. Alles, was ich gerade möchte, ist, diesen Mann vor mir zu erreichen.

Diesen Itachi, den ich in den vergangenenMonatenkennengelernt habe.

Langsam lege ich meine Arme um ihn und lehne meine Stirn gegen seine Brust. Seine Wärme umhüllt mich augenblicklich. Ich schließe die Augen und atme tief durch.

„Itachi ... ich habe keine einzige Sekunde daran gedacht, dass es deine Schuld ist“, flüstere ich.

Langsam löse ich mich ein wenig von ihm und sehe zu ihm hinauf. Meine Hand wandert zu seiner durchnässten Wange. Mit meinem Daumen wische ich vorsichtig eine Träne fort. Dabei spüre ich, wie mir selbst wieder einige Tränen über die Wangen laufen.

„Kannst ... du ihn bitte ...“

Weiter komme ich nicht.

Die Haustür wird aufgerissen und plötzlich stehen Pain, Deidara und Konan im Raum. Ihre Blicke wandern über die umgestürzten Möbel, die zerbrochenen Gegenstände und schließlich zu uns.

Pain hebt eine Augenbraue.

„Du hast ihn tatsächlich getötet ...“ Er betrachtet Hidan, der regungslos am Boden liegt. „Na ja, verdient hat er es wohl. Ich kümmere mich um seine Leiche.“

Ohne weitere Worte hebt er Hidan über seine Schulter und verschwindet mit ihm aus dem Wohnzimmer. Deidara folgt ihm, wobei er noch einmal kurz zu uns herübersieht.

Konan hingegen beginnt bereits damit, die umgestürzten Möbel wieder an ihren ursprünglichen Platz zu rücken.

„Ihr solltet reden. Ich bekomme das hier schon alleine hin.“

Dankbar lächle ich sie an.

Dann greife ich nach Itachis Hand.

„Komm mit.“

Er sieht mich einen Moment lang überrascht an, lässt sich aber widerstandslos von mir die Treppe hinaufziehen.

In sein Zimmer.

In das Zimmer, in dem ich die vergangenen Wochen verbracht habe.

~ ~ ~

Kaum haben wir die Tür hinter uns geschlossen, kehrt eine angenehme Stille ein. Nur das leise Prasseln des Regens gegen das Fenster ist zu hören.

Wir setzen uns nebeneinander auf das Bett.

Itachi hat sich inzwischen etwas beruhigt, doch er sagt kein Wort. Seine dunklen Augen ruhen auf mir, als würde er verzweifelt nach einer Antwort in meinem Gesicht suchen.

Ich würde zu gerne wissen, was in seinem Kopf vorgeht.

Vorsichtig hebe ich meine Hand und berühre seine Wange.

So weich.

Es ist beinahe absurd, wie zart die Haut dieses Mannes ist. Dabei kann er so furchteinflößend sein, wenn er möchte.

Plötzlich greift Itachi nach meiner Hand und zieht sie sanft zu sich. Er legt meine Handfläche auf seine Brust.

„Sakura ... was kann ich tun, damit du keine Angst mehr vor mir hast?“

Seine Stimme ist leise. Fast schon zerbrechlich.

Unter meiner Hand spüre ich seinen Herzschlag. Ruhig, gleichmäßig und doch irgendwie aufgeregt.

Ich öffne den Mund, um ihm zu antworten.

„Itachi ... ich habe nicht nur vor—“

Doch weiter komme ich nicht.

Er beugt sich vor und vergräbt sein Gesicht in meiner Halsbeuge. Seine Arme legen sich vorsichtig um mich, als hätte er Angst, ich könnte mich jeden Moment wieder von ihm entfernen.

Für einen Augenblick bin ich überrascht.

Er wirkt so anders. So verletzlich. Fast wie ein kleines Kind, das gerade nichts sehnlicher braucht, als dass ihm jemand versichert, dass alles wieder gut wird.

Ich atme tief ein und schließe die Augen.

Meine Gedanken wandern zurück zu den vergangenen Wochen. Zu all den absurden Momenten, die wir miteinander geteilt haben. Angefangen bei dieser vollkommen verrückten Duschsituation, überunsere alberne Kissenschlacht bis hin zu den vielen kleinen Gesprächen, bei denen er mir einfach nur zugehört hatte.

Er hatte mich zum Lachen gebracht, obwohl mir eigentlich überhaupt nicht danach gewesen war.

Er hatte meine Launen ertragen, meine frechen Bemerkungen kommentarlos hingenommen und mir manchmal sogar ein kleines Lächeln geschenkt.

Wie könnte ich all das vergessen?

Und dann ist da noch diese eine Sache.

Er hat mich aus Sasukes Fängen gerettet, obwohl ihn niemand darum gebeten hatte. Obwohl er sich damit selbst in Gefahr gebracht hatte.

Itachi.

Dieser Mann vor mir.

Ich lege meinen Kopf ein wenig schief und schlinge meine Arme um seinen Oberkörper. Sein fester Brustkorb fühlt sich beruhigend an. Ich höre seinen Herzschlag und merke, wie sich etwas in mir langsam entspannt.

Vielleicht ist Heilung nicht immer ein großer Schritt. Vielleicht sind es manchmal nur diese winzigen Augenblicke, in denen man sich wieder traut, jemanden an sich heranzulassen.

Itachi streicht mir sanft durch die Haare.

Irgendwann rutsche ich ein wenig tiefer und lege meinen Kopf auf seinen Schoß. Seine Finger fahren behutsam durch meine rosafarbenen Strähnen. Ich könnte glatt einschlafen.

„Du weißt schon, dass du ziemlich gut darin bist, jemanden zu beruhigen?“, murmele ich.

Er blickt zu mir hinunter.

„Ach ja?“

Ich nicke und schließe genießerisch die Augen.

„Mhm. Obwohl du manchmal ein ziemlich eingebildeter Idiot bist.“

Ein leises Schmunzeln huscht über seine Lippen.

„Das nehme ich jetzt einfach mal als Kompliment.“

Ich kichere.

Und da ist es wieder.

Dieses kleine Gefühl von Leichtigkeit, das ich so lange vermisst habe.

„Sakura?“

„Hm?“

Seine Finger bleiben einen Moment in meinem Haar stehen.

„Ich lasse dich nie wieder alleine.“

Ich öffne die Augen und sehe zu ihm hinauf. In seinem Blick liegt eine Ernsthaftigkeit, die mich für einen Moment sprachlos macht.

„Versprochen?“

Er nickt.

„Versprochen.“

Ich lächle schwach und kuschle mich wieder an ihn.

Eine Weile genießen wir einfach die Stille. Draußen wird es langsam dunkler, während der Regen gleichmäßig gegen die Fensterscheibe prasselt. Irgendwo auf dem Nachttisch tickt eine Uhr.

Itachis Finger gleiten weiterhin durch mein Haar. Seine Bewegungen werden mit jeder Minute langsamer. Seine Augen fallen immer wieder zu.

Wie süß.

Ich beobachte ihn eine Weile und muss unwillkürlich lächeln.

Wer hätte gedacht, dass der gefürchtete Itachi Uchiha so friedlich aussehen kann, wenn er kurz davor ist einzuschlafen?

Ich tippe ihm vorsichtig gegen den Arm.

„Itachi?“

„Hm?“

„Magst du vielleicht ... ein bisschen mit mir kuscheln?“

Kaum sind die Worte ausgesprochen, spüre ich, wie mir die Wärme ins Gesicht steigt.

Oh Gott.

Warum werde ich bei so etwas eigentlich rot?

Er öffnet seine Augen und sieht mich überrascht an. Für einen winzigen Moment scheint er nicht zu wissen, was er darauf antworten soll.

Dann erscheint dieses seltene, sanfte Lächeln auf seinen Lippen.

„Wenn du das möchtest.“

Ich nicke hastig.

„Mhm.“

Er erhebt sich und macht mir etwas Platz. Gemeinsam legen wir uns unter die Bettdecke. Ich drehe mich auf die Seite und spüre kurz darauf, wie sich sein Arm vorsichtig um meine Taille legt.

Die Löffelchenstellung.

Seine Brust liegt an meinem Rücken, sein Kinn ruht beinahe auf meinem Kopf und seine Hand liegt warm auf meinem Bauch.

Ich ziehe die Decke ein wenig höher und kuschle mich näher an ihn.

„Bequem?“, murmelt er.

„Sehr.“

Er drückt mir einen sanften Kuss auf den Hinterkopf.

Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer.

„Gute Nacht, kleine Kirschblüte.“

Ich muss lächeln.

„Es ist noch gar nicht Nacht, Itachi.“

„Dann eben eine gute Ruhepause.“

Ein leises Lachen entweicht mir.

Ich lege meine Hand auf seine und verschränke unsere Finger miteinander.

In diesem Augenblick fühlt sich alles ein wenig leichter an. Die Welt draußen darf ruhig für ein paar Stunden stillstehen. Ich möchte gerade nirgendwo anders sein.

Seine Wärme, sein gleichmäßiger Atem und sein Herzschlag hinter meinem Rücken geben mir ein Gefühl, das ich beinahe vergessen hatte.

Geborgenheit.

Vielleicht ist er nicht perfekt. Vielleicht sind wir beide ziemlich kompliziert und haben mehr Dunkelheit erlebt, als uns lieb ist.

Aber gerade fühlt er sich wie mein Zuhause an.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich nicht das Bedürfnis, vor diesem Gefühl davonzulaufen.