Kapitel 08 -Ich hätte dich beschützen müssen
Kapitel 08 -Ich hätte dich beschützen müssen
Itachi POV
Der Anblick, der sich mir bot, ließ mein Herz für einen Augenblick stillstehen.
Sakura.
Sie lag regungslos auf dem kalten Waldboden. Ihr Körper zitterte unkontrolliert, ihre Kleidung war zerrissen und überall zeichneten sich Verletzungen ab. Schürfwunden, blutige Kratzer und dunkle blaue Flecken, die sich über ihre Haut verteilten. Besonders ihre Wange war erschreckend gerötet und geschwollen.
Mein Atem stockte.
Nein ...
Das durfte nicht wahr sein.
„Sakura ...“
Ihre Lippen waren leicht geöffnet, doch kein Wort kam über sie. Sie wirkte so unglaublich zerbrechlich. So anders als das lebensfrohe Mädchen, das mir noch vor wenigen Tagen frech widersprochen und mich mit ihren Bemerkungen zur Weißglut getrieben hatte.
Meine Hände ballten sich zu Fäusten.
Wer?
Wer hatte ihr das angetan?
Schnell zog ich meinen Mantel aus und legte ihn vorsichtig über ihren Körper. Behutsam schob ich einen Arm unter ihren Rücken und den anderen unter ihre Knie, bevor ich sie hochhob.
Sie war so leicht.
Viel zu leicht.
Ich musste schlucken, als ihr Kopf kraftlos gegen meine Brust sank.
Hinter mir stand Deidara wie angewurzelt. Sein sonst so lockerer Gesichtsausdruck war verschwunden. Er untersuchte mit Sasori die Umgebung, doch auch ihnen schien klar zu sein, dass hier etwas Schreckliches geschehen war.
Was zur Hölle war passiert?
Wer hatte es gewagt, ihr auch nur ein Haar zu krümmen?
Wer hatte es gewagt, sie in meiner Abwesenheit anzufassen?
WER HATTE ES GEWAGT?!
Meine Wut drohte mich zu überwältigen. Das Sharingan wollte bereits zum Vorschein kommen, doch als ich wieder auf Sakura hinabsah, zwang ich mich zur Ruhe.
Nicht jetzt.
Sie brauchte mich.
Ich strich ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht und hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn.
„Ich werde dich rächen, Sakura“, flüsterte ich mit bebender Stimme. „Darauf kannst du Gift nehmen. Ich verspreche es dir.“
Dann wandte ich mich um und trug sie davon.
Ein kurzer Blick zu Deidara genügte. Er nickte mir wortlos zu.
Kaum hatten wir das Versteck erreicht, kamen Konan und Pain auf uns zu.
Ihre Blicke fielen auf Sakura.
Konan schlug erschrocken die Hand vor den Mund.
„Oh mein Gott ... Sakura!“
Pain sagte zunächst nichts. Doch sein Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich. Selbst er schien für einen Moment sprachlos zu sein.
„Was ist passiert?“, fragte Konan mit zitternder Stimme.
„Ich weiß es nicht“, antwortete ich knapp.
Und genau das machte mich wahnsinnig.
Ich wusste nicht, wer ihr das angetan hatte. Ich wusste nicht, wie lange sie dort gelegen hatte. Und ich wusste nicht einmal, ob sie wieder vollständig zu sich kommen würde.
Konan übernahm sofort die Versorgung. Mit äußerster Vorsicht kümmerte sie sich um ihre Verletzungen und half ihr anschließend, frische Kleidung anzuziehen.
Ich musste den Raum verlassen.
Nicht, weil ich Sakura allein lassen wollte.
Sondern weil ich nicht länger mit ansehen konnte, wie zerbrechlich sie geworden war.
Ich ging in die Küche.
Meine Hände zitterten.
Wut. Verzweiflung. Hilflosigkeit.
Alles vermischte sich zu einem einzigen unerträglichen Gefühl.
Mit voller Wucht schlug ich meine Faust gegen die Wand.
Ein tiefes Loch entstand im Mauerwerk.
„Verdammt!“
Meine Stimme hallte durch den Raum.
Was war nur geschehen?
Warum hatte ich sie allein gelassen?
Warum war ich nicht hier gewesen?
„Itachi.“
Pains Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Er legte mir eine Hand auf die Schulter.
Ich drehte mich zu ihm. Mein Sharingan trat unwillkürlich hervor.
„Ich werde denjenigen finden, der ihr das angetan hat“, presste ich hervor. „Und wenn es das Letzte ist, was ich tue.“
Pain hielt meinem Blick stand.
„Das werden wir. Aber jetzt musst du dich um Sakura kümmern. Hol sie zu dir nach oben und bleib bei ihr. Sie wird dich brauchen, Itachi.“
Er hatte recht.
Verdammt, natürlich hatte er recht.
Ich atmete tief durch, zwang mich zur Ruhe und machte mich auf den Weg nach oben.
Wenig später
Vorsichtig hob ich Sakura erneut hoch und trug sie in mein Zimmer. Behutsam legte ich sie auf mein Bett und zog die Decke ein Stück zurück, damit ich sie nicht versehentlich an ihren Verletzungen berührte.
Anschließend holte ich eine dicke Wolldecke und breitete sie vorsichtig über ihrem Körper aus.
Mein Blick blieb an ihrem Gesicht hängen.
Ihre Wange war noch immer gerötet. An ihrer Schläfe klebten einige Haarsträhnen, und selbst im Schlaf wirkte sie unruhig.
Es tat weh.
Mehr, als ich jemals in Worte fassen könnte.
Ich setzte mich neben sie und strich ihr vorsichtig über die Haare.
„Was haben sie dir nur angetan, Kleines?“
Keine Antwort.
Nur ihr leises, unregelmäßiges Atmen.
Ich blieb sitzen.
Eine Stunde verging.
Dann zwei.
Schließlich waren es mehrere Stunden, in denen ich kaum etwas anderes getan hatte, als ihren Atem zu beobachten und darauf zu warten, dass sie endlich die Augen öffnete.
Doch Sakura rührte sich nicht.
Warum wachte sie nicht auf?
Die Sorge fraß sich immer tiefer in meine Brust.
Irgendwann erhob ich mich und trat ans Fenster. Draußen stand der Mond ungewöhnlich hell am Himmel. Sein Licht fiel auf die Dächer des Verstecks und ließ die Welt beinahe friedlich erscheinen.
Wie grausam.
Während draußen alles seinen gewohnten Lauf nahm, lag Sakura hinter mir verletzt in meinem Bett.
Ich ballte die Hände zu Fäusten.
Ich war wütend auf diese verdammte Welt. Aber am meisten war ich auf mich selbst wütend.
Warum musste ich ausgerechnet heute mit Deidara und Sasori aufbrechen?
Warum war ich nicht hiergeblieben?
Ich hätte sie nicht aus den Augen verlieren dürfen.
Ich hätte sie beschützen müssen.
Stattdessen hatte ich sie allein gelassen.
Meine Stirn lehnte sich gegen die kühle Fensterscheibe.
„Es tut mir leid, Sakura ...“
Meine Stimme war kaum hörbar.
„Bitte verzeih mir.“
Ich wusste, dass ich mich nicht selbst zum Opfer machen durfte. Schließlich war ich nicht derjenige, dem dieses Leid widerfahren war. Aber der Gedanke, dass sie mich vielleicht gebraucht hatte und ich nicht da gewesen war, ließ mich beinahe ersticken.
Es war meine Schuld. Zumindest fühlte es sich genau so an.
Plötzlich durchbrach eine leise, brüchige Stimme die Stille.
„Itach ... i?“
Ich erstarrte.
Mein Kopf fuhr herum.
Sakura.
Sie hatte sich bewegt.
Für einen Moment wagte ich kaum zu atmen. Dann eilte ich zurück zum Bett und kniete mich neben sie.
„Sakura?“
Ihre Augen öffneten sich nur einen Spalt. Sie wirkte verwirrt, erschöpft und unglaublich schwach.
„Ich bin hier“, flüsterte ich sofort und nahm vorsichtig ihre Hand. „Ich bin hier, Kleines.“
Ihre Finger bewegten sich kaum merklich in meiner Handfläche.
„Itachi ...“
„Ja. Ich bin es.“
Eine Träne löste sich aus ihrem Augenwinkel und rann über ihre Schläfe.
Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
„Bitte ... geh nicht weg.“
Ich musste für einen Moment die Augen schließen.
Diese vier Worte trafen mich härter als jeder Schlag, den ich jemals hatte einstecken müssen.
Ich beugte mich zu ihr und drückte einen sanften Kuss auf ihre Stirn.
„Niemals“, flüsterte ich. „Ich lasse dich nicht allein. Nicht heute. Nicht morgen. Und auch sonst nicht.“
Ihre Hand lag noch immer in meiner.
Und ich schwor mir in diesem Augenblick, dass ich alles tun würde, damit sie sich irgendwann wieder sicher fühlen konnte.
Doch eines stand bereits fest:
Derjenige, der ihr das angetan hatte, würde sich wünschen, mich niemals zum Feind gemacht zu haben.