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Kapitel 09-Wenn Monster ihre Spuren hinterlassen

Itasaku - Verbitterte Liebe — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 09-Wenn Monster ihre Spuren hinterlassen

Sakura POV

Ich drehe meinen Kopf leicht zur Seite und entdecke zwei dunkle, besorgte Augen. Itachi.

Sein Blick ruht auf mir, voller Sorge, während ich mühsam meine Hand nach ihm ausstrecke. Sofort fängt er sie auf und schließt seine warme Hand um meine. Für einen winzigen Augenblick fühlt sich alles wieder sicher an.

Er ist hier.

Ich bin nicht allein.

Doch mein Körper fühlt sich an, als wäre jeder einzelne Knochen gebrochen. Alles tut weh. Nicht nur körperlich. Die Erinnerungen sitzen tief in mir, haben sich in mein Gedächtnis gefressen und weigern sich, wieder zu verschwinden.

Die vergangene Nacht holt mich ein. Unaufhaltsam. Bilder schießen durch meinen Kopf. Seine Stimme. Seine Hände. Sein widerliches Grinsen. Die Angst, die mich gelähmt hatte.

Tränen sammeln sich in meinen Augen und laufen unkontrolliert über meine Wangen.

Plötzlich reiße ich die Augen auf und richte mich mit einem heftigen Ruck auf. Mein Atem stockt. Panisch blicke ich mich um, bis mein Blick an Itachi hängen bleibt.

Er sieht mich besorgt an. Seine Lippen bewegen sich, doch ich höre kaum, was er sagt.

Denn ich sehe nicht Itachi.

Ich sehe Hidan.

Sein Gesicht. Sein widerliches Grinsen. Wie er meine Kleidung zerreißt, während ich mich verzweifelt gegen ihn wehre. Wie er meine Schreie ignoriert. Wie er mir Dinge antut, die ich niemals wieder erleben wollte.

Ein erstickter Schrei entweicht meiner Kehle.

„NEIN!“

Ich beginne zu weinen, schüttle panisch den Kopf und presse meine Hände gegen meinen Körper, als könnte ich mich dadurch vor den Erinnerungen schützen.

Itachi bewegt sich vorsichtig auf mich zu und hebt eine Hand.

Doch genau das lässt mich völlig die Kontrolle verlieren.

„FASS MICH NICHT AN!“

Meine Stimme überschlägt sich. Ich weiche so weit zurück, bis mein Rücken beinahe gegen das Kopfteil des Bettes stößt. Mein Herz rast. Ich bekomme kaum Luft.

Warum versteht das niemand?

Warum lassen sie mich nicht einfach in Ruhe?

Sie sind doch alle gleich!

„Sakura, bitte. Du bist in Sicherheit“, versucht Itachi ruhig auf mich einzureden.

Doch seine Worte erreichen mich nicht.

„FASS. MICH. NICHT. AN!“, schreie ich erneut. Meine Stimme bricht und ich spüre, wie sich meine Fingernägel in meine Handflächen bohren.

„Du musst dich beruhigen. Ich bin es doch nur.“

Nur?

Nein. Ich kann das nicht. Ich kann seine Nähe nicht ertragen. Nicht jetzt. Vielleicht nie wieder.

Männer.

Alle wollen sie dasselbe. Sie nehmen sich, was sie wollen, und hinterlassen nichts als Schmerz. Sie interessieren sich nicht für meine Angst, nicht für meine Tränen und schon gar nicht dafür, wie sehr sie mich zerstören.

Ich hasse sie.

Ich hasse sie alle!

Itachi lässt seine erhobene Hand langsam sinken. Sein Gesichtsausdruck verändert sich. Für einen kurzen Moment glaube ich, etwas in seinen Augen zerbrechen zu sehen.

„Ich fasse dich nicht an“, murmelt er leise. „Versprochen. Aber bitte, Sakura ... versuch, ruhig zu atmen. Ich flehe dich an.“

Es tut mir leid.

Die Worte liegen mir auf der Zunge, doch ich bekomme sie nicht heraus. Stattdessen laufen mir weitere Tränen über das Gesicht.

In diesem Moment wird die Tür aufgerissen.

Pain und Konan stehen im Eingang. Beide blicken erschrocken zwischen Itachi und mir hin und her. Doch Konan reagiert sofort. Sie eilt zum Bett, kniet sich neben mich und schließt mich vorsichtig in ihre Arme.

„Shhh ... Sakura. Ganz ruhig, mein Schatz. Es ist vorbei. Du bist hier. Niemand wird dir mehr etwas antun.“

Ihre Stimme zittert. Als ich mein Gesicht an ihrer Schulter verberge, spüre ich, wie ihre Tränen in mein zerzaustes Haar fallen.

Erst jetzt bemerke ich, dass sie ebenfalls weint.

Ich klammere mich an sie, als wäre sie das Einzige, was mich noch vor dem Ertrinken bewahrt. Meine Schreie werden langsam leiser, doch mein Körper zittert weiterhin unkontrolliert.

Pain steht währenddessen regungslos am Fußende des Bettes. Sein Blick wandert zu Itachi. Die beiden wechseln einen stummen Blick. Einer, der vermutlich mehr sagt als tausend Worte.

„Sakura“, beginnt Konan behutsam und streicht mir über mein pinkes Haar. „Itachi ist nicht derjenige, vor dem du Angst haben musst. Er möchte dir helfen. Du kennst ihn doch. Er würde dir niemals absichtlich wehtun.“

Ich schließe die Augen.

Bitte hör auf.

Ich weiß das doch!

Ich weiß, wer Itachi ist. Ich weiß, wie oft er für mich da gewesen ist. Wie oft er mich aufgefangen hat, wenn ich selbst nicht mehr weiterwusste.

Aber mein Kopf versteht das nicht.

Und mein Körper erst recht nicht.

Ich wage es nicht, ihn anzusehen. Nicht ihn und auch Pain nicht.

Denn plötzlich ist da wieder dieses Bild.

HidansGesicht. Seine Hand. Der heftige Schlag, der mich getroffen hatte. Der Schmerz, der durch meinen Kopf geschossen war.

Ich zucke zusammen und presse mein Gesicht fester gegen Konans Schulter.

Warum?

Warum kann ich nicht einfach vergessen?

Warum muss ich alles immer wieder durchleben?

Warum fühlt es sich an, als wäre ich noch immer dort?

„Jungs, ich glaube, es wäre besser, wenn ihr fürs Erste hinausgeht.“

Konans Stimme ist sanft, aber bestimmt. Sie lässt keinen Widerspruch zu.

„Aber ...“, setzt Itachi an.

Doch er verstummt mitten im Satz.

Ich spüre seinen Blick auf mir. Ganz langsam hebe ich meinen Kopf und sehe für einen kurzen Moment zu ihm hinüber.

Seine dunklen Augen treffen meine.

Und wieder laufen mir die Tränen über die Wangen.

Es ist so verdammt absurd.

Warum habe ich ausgerechnet vor ihm Angst?

Warum zucke ich zusammen, wenn er sich mir nähert? Warum fühlt sich seine Berührung plötzlich falsch an, obwohl ich mich früher in seinen Armen sicher gefühlt habe?

Er hat mir doch nie etwas getan.

Er war da. Immer und immer wieder.

Und jetzt kann ich nicht einmal seinen Blick ertragen.

Ich hasse mich dafür.

Ich hasse dieses Gefühl. Ich hasse die Angst, die mich beherrscht. Und am meisten hasse ich Hidan dafür, dass er es geschafft hat, mir sogar die Menschen zu nehmen, denen ich vertraue.

Itachi presst die Lippen aufeinander. Sein Kiefer spannt sich an, während er mich ein letztes Mal ansieht.

„Also gut. Ich gehe.“

Seine Stimme klingt rauer als zuvor.

Er wendet sich halb zu Konan, doch sein Blick wandert noch einmal zu mir.

„Pass bitte auf sie auf, Konan.“

Er schluckt schwer.

„Bitte.“

Für einen kurzen Moment verzieht sich sein Gesicht schmerzlich. Dann dreht er sich um und verlässt gemeinsam mit Pain das Zimmer.

Die Tür fällt leise ins Schloss.

Und plötzlich ist es still.

Viel zu still.

Konan löst sich ein kleines Stück von mir und streicht mir behutsam über die Wange.

„Sakura ... wer war das?“

Ich starre auf meine zitternden Hände.

Ich will nicht darüber sprechen.

Ich will seinen Namen nicht hören. Ich will ihn nicht aussprechen. Denn sobald ich es tue, wird alles wieder real. Dann gibt es kein Verdrängen mehr, kein Weglaufen vor diesen Bildern.

„Sakura, bitte“, flüstert Konan. Ihre Stimme klingt beinahe flehend. „Wir müssen wissen, wer dir das angetan hat.“

Ich beiße mir auf die Unterlippe. Mein Hals fühlt sich wie zugeschnürt an.

Dann sehe ich langsam zu ihr auf.

Ihre Augen sind voller Tränen, aber auch voller Entschlossenheit. Sie wartet. Drängt mich nicht, aber ich weiß, dass sie eine Antwort braucht.

Mit zitternden Lippen hole ich Luft.

„Konan ...“

Meine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern.

„H-Hidan ...“

Mehr bringe ich nicht heraus.

Doch es reicht.

Konans Gesicht verändert sich schlagartig. Für einen Moment scheint sie nicht einmal zu atmen. Ihre Hand, die eben noch sanft durch mein Haar gestrichen hat, hält inne.

Dann zieht sie mich wieder vorsichtig an sich.

„Oh, Sakura ...“

Ihre Stimme bricht.

Sie legt sich neben mich und schenkt mir die Wärme, nach der ich mich gerade so sehr sehne. Ich schmiege mich an sie, ziehe die Decke enger um meinen Körper und versuche, das Zittern zu unterdrücken.

„Mach dir keine Sorgen“, flüstert sie. „Er wird dafür bezahlen. Das verspreche ich dir.“

Sie streicht mir über den Kopf.

„Du bist eine von uns, Sakura. Du gehörst zu uns. Und niemand hat das Recht, dir so etwas anzutun.“

Ich schließe langsam meine Augen.

„Itachi wird sich freuen, endlich einen Namen zu haben“, fügt sie leise hinzu.

Doch ich kann mich nicht mehr auf ihre Worte konzentrieren.

Meine Gedanken werden schwer. Mein Körper gibt langsam nach und die Dunkelheit breitet sich hinter meinen geschlossenen Augenlidern aus.

Das Letzte, was ich spüre, ist Konans Hand in meinem Haar.

Dann wird alles schwarz.

Und irgendwo tief in mir bleibt nur eine einzige Frage zurück:

Werde ich jemals wieder die Frau sein, die ich vor dieser Nacht gewesen bin?