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Gewahrsam

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Gewahrsam

Kapitel 18: Gewahrsam

Tony schien nicht sonderlich begeistert.

Als ich an den Türrahmen seines Büros klopfte, vorsichtig den Kopf hereinschob und mit Engelszunge nachhakte, ob sich ein Aufenthalt mit Wanda im gebäudeeigenen Schwimmbad womöglich noch im Rahmen meines absolut verdient verhängten Hausarrests bewegte, kniff er unweigerlich die Augen zusammen.

Seine skeptische Reaktion schien weniger meiner begehrten Schwimmaktivität und mehr Wandas Beteiligung daran verschuldet, die mit sacht verschränkten Armen nahebei stand und uns beobachtete.

„Keine Magie“, versprach sie, ohne zu blinzeln, als sein Blick wortlos zu ihr herüber wanderte.

Tony zögerte kurz, dann nickte er mir zu und hob knapp warnend eine Braue.

Wehe, du ertrinkst, bevor ich Wien bereinigt habe , sollte es vermutlich bedeuten. Ich war mir nicht sicher, wie wahrscheinlich das war, beschloss aber, nicht weiter nachzuhaken und seine Erlaubnis aufs Spiel zu setzen, bloß weil ich mich irgendeiner Verhaltensregel nicht entsann, die in seinem genialen Gehirn in absolut logischer Konsequenz zu einem Aufenthalt im Pool während einer teaminternen Krise stand.

Also schenkte ich ihm lediglich mein unschuldigstes Lächeln, fest überzeugt, dass es ganz provisorisch nicht schaden würde, und drehte auf dem Absatz so schnell ich konnte.

-/_\-

„Du bist schnell.“

Schwer atmend schlug Wanda neben mir am Beckenrand an und legte beide Unterarme darauf ab. Mit nassen, hängenden Haaren erschien sie noch jünger als sonst, registrierte ich, während ich selbst gerade wieder zu Atem kam und meine Beine zufrieden im Wasser treiben ließ. Jetzt gerade sah sie selbst noch wie ein Teenager aus und irgendein Teil von ihr war es auch, das sah ich in ihren diebisch funkelnden Pupillen, die nicht länger vor Kummer und Zurückweisung getrübt schienen.

Ich kannte dieses Gefühl; hatte es selbst monatelang durchlebt.

Euphorie wider aller Willen. Kurze Wogen gedankenloser Freiheit.

Und dann wieder Leere.

„Noch eine Runde?“, fragte ich.

„Nein. Ich gebe auf.“ Wanda lachte, als sie sich umwandte, den Kopf ins Wasser zurücklehnte und zu den geschwungenen, sacht beleuchteten Deckenstrukturen über dem gewaltigen Indoor-Pool hinaufsah.

Der schmucklos granitgraue Stein der umliegenden Wände hätte wohl trostlos gewirkt, wäre nicht überall darin auch ein Netz aus honiggoldenem Licht eingelassen, das wie Harz bis hinauf in die helle Decke zog. Die lavendelweißen Bodenfliesen und Ruheliegen, die höhergelegene Fensterfront und das wahrlich opalblaue Becken taten ihr Übriges, das große Trainingsbad mit genug Luxus und Wellness zu versehen, dass wirklich niemand auf die Idee kommen mochte, es mit einem x-beliebigen Sportbad zu verwechseln.

Am auffälligsten blieb die Wand an der vor uns liegenden Kopfseite des Pools, die zwar wie die sich schroff erhebende Felswand einer majestätischen Klippe aussah und doch aus reinstem, schimmerndem Titan gefertigt war. Es war die einzige Kunstinstallation in diesem Raum, der ansonsten absolut funktionell gehalten war, aber es entsandte eine unmissverständliche Botschaft.

In diesem Becken trainierten die mächtigsten Helden des Planeten.

Wenn sie denn Schwimmer waren.

Wanda war es anscheinend nicht.

Ich war an den einzigen Avenger geraten, den ich in irgendeiner Form von sportlichem Wettkampf zu schlagen vermochte – abgesehen vielleicht von Tony, aber selbst da war ich mir nicht sonderlich sicher. In seinem Fall hatte ich immer noch herzlich wenig Ahnung, wie fit er tatsächlich war. Ich wusste, dass er seinem wöchentlichen Kardio- und Krafttraining nachging, und wusste außerdem, dass er einen gewissen Kampfsport namens Wing Chun ziemlich gut beherrschte. Zu Gesicht bekommen hatte ich das bislang jedoch nicht. Wenn Tony trainierte, dann wenn ich ihn am wenigsten zu behelligen pflegte: In den sehr späten Abend- oder Nachtstunden, während er irgendwelche neuen Projekte angestrengt durchdachte, oder in ganz spontaner Frustration, wenn sich eines dieser als Reinfall erwies. Ab und an nutzte er auch weniger private und mehr berufliche Unterhaltungen mit Rhodey oder Happy, um diese mit seinem Training zu vereinen und seinen Gesprächspartner als lebendigen Sparringpartner zu nutzen.

Effektives Zeitmanagement nannte er das.

Rhodey hielt es bloß für einen Versuch, schnellstmöglich von Themen abzulenken, die ihm nicht schmeckten.

Da Wanda ihre Niederlage restlos akzeptierte und uns beiden ohnehin mehr nach Frieden zumute war, ließen wir uns letztlich nur noch auf dem Rücken liegend im Wasser treiben.

Eine Weile erzählte ich von meiner Schule, da sie seit der Erwähnung von MJ interessiert schien, wie es sich an der Midtown insgesamt so für mich entwickelt hatte. Ich sprach über die Journalisten, die sich immer noch nahezu täglich – wenn auch nun in kleineren Mengen – vor den Toren sammelten, wie auch von meinen Mitschülern; denen, die nicht müde wurden sich vor mir aufzuspielen – namentlich Flash Thompson – und denen, die immer noch vor schierer Bewunderung erstarrten, wann immer ich auch nur am Rande etwas erwähnte, das mit Tony, SI oder den Avengers zu tun hatte.

Ich berichtete ihr von Peter und Ned, die die meiste Zeit zu zweit abhingen und sich als schiere Lehrerlieblinge erwiesen hatten, auch wenn ich mir immer noch ziemlich sicher war, dass Peter Parker irgendetwas höchst Illegales betrieb, das dem gesamten Lehrerkollegium der Midtown High irgendwann die orthopädischen Schuhe ausziehen würde, denn … nun, meine Beobachtungen hatten sich gemehrt.

Einmal war ich Peter am Nachmittag auf dem leeren Schulflur begegnet und er war erstarrt wie ein Reh im Scheinwerferlicht, obwohl es absolut keinen Grund dafür gegeben hatte, außer einer geschwärzten Taucherbrille in seiner Hand, die er rasch hinter seinem Rücken versteckt hatte. Auf meine verblüffte Frage, ob die Midtown Schwimmkurse anbot, hatte er nervös lachend abgewunken. Was … Nein, die hier? Die sei bloß für … Paintball.

Auf meine unweigerlich nächste Frage, wie er das gegnerische Team denn durch die dichte Tönung rechtzeitig entdecken wollte, hatte er sich bloß ratlos überrascht gegeben. Hm, ja , das sei … ihm bis gerade gar nicht aufgefallen. Ich hatte nicht hinzugefügt, dass es sowieso aussah, als habe sie jemand eigenhändig mit Farbe aus einer handelsüblichen Graffitispraydose überzogen. Diesbezüglich hatte ich ohnehin bereits Flash im Verdacht, der ihn nur zu gerne vorführte und triezte, so oft er konnte. Aber weshalb Peter prinzipiell eine nicht-professionelle Zehn-Dollar-Taucherbrille mit sich herumtrug, erklärte dies noch lange nicht.

Für Paintball jedenfalls nicht.

Mein neuester Verdacht gestaltete sich also wie folgt: Es existierte ein illegales Depot der Erzeugnisse seiner heimlichen High-School-Drogenküche in einem nahen Stadtteich in Queens, an dessen Ufern er seine briefkastenartigen Dealer-Geschäfte abwickelte, um seiner alleinerziehenden Tante finanziell unter die Arme zu greifen.

Wanda gluckste meinen halben Bericht lang und schwamm auf der Stelle. Ich folgte ihrem Beispiel, ehe wir uns schon abwechselnd zu umkreisen begannen.

„Das beschäftigt dich, was?“

Ich zuckte die Achseln. „Tag und Nacht. Er ist mein Moriarty. Früher oder später erwische ich ihn mit dem Kopf im Teich --- und dann stürzen wir uns vom Avengers Tower oder so und die Welt ist wieder im Lot.“ Ich gab mich unbekümmert. „Dad tut es ständig, da ist nicht viel dabei.“

Es ließ sie mitleidig amüsiert die Miene verziehen.

„Wie geht es dem Kopf?“, fragte sie leise, kaum dass unsere Albernheiten verebbten.

Ich weitete meine Schwimmzüge. „Die Injektion ist gut verlaufen und die Scans sahen gut aus“, murmelte ich. „Meine Docs sind zufrieden … Sie sagen, das Aneurysma wird in den kommenden zwölf Monaten fast vollständig veröden. Jetzt geht es nur noch um die Gewebetherapie für die bereits beschädigten Areale … Also, alles bestens, schätze ich.“

Ich sah sie nicht länger an, während ich nachdenklich über die nahen Ruheliegen stierte.

„Sie stellen jetzt ein maßgeschneidertes Notfallmedikament her“, fuhr ich verhalten fort. „So eine Art EpiPen, ist allerdings sehr experimentell … Dad hat nur zugestimmt, weil es nur verwendet werden soll, falls das Aneurysma nochmal reißt und alle anderen Maßnahmen scheitern.“ Ich tauchte einmal ab, schwungvoll wie ich es auch mit einem Surfboard tun würde, um einer auf mich zurollenden Welle auszuweichen. Als ich wieder auftauchte und mir das von meinem Pony rinnende Chlorwasser aus den Augen strich, setzte ich widerstrebend fort: „Sie kombinieren die Wirkstoffe aller möglichen Gewebetherapien oder so ähnlich. Vom Prinzip ist es wohl dasselbe wie bei einem Breitband-Antibiotikum; es werden einfach ganz viele Wirkstoffe hochdosiert draufgekippt, in der Hoffnung, dass irgendetwas davon anschlägt und genug Schadensbegrenzung betreibt ... Sie haben jedenfalls ewig lange über die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Stoffen diskutiert. Frag mich nicht, sie scheinen alle noch keine Ahnung zu haben … Aber, wie gesagt, es soll nur dafür da sein, falls … na ja, eine neue Hirnblutung einsetzt und der Schaden irreparabel wird … Es soll die betroffenen Hirnareale dann einfach auf jede mögliche Art anregen, sich zu regenerieren anstatt abzusterben.“ Ich schluckte. Damit ich nicht ende wie Jane.

Wanda neigte seicht den Kopf. „Das klingt gut.“

Mir war ziemlich klar, wonach sie eigentlich gefragt hatte. Es war nicht mein Aneurysma, um das sich wirklich erstklassig gekümmert wurde, das sie beschäftigte. Und obwohl wir alleine waren und unsere sanft hallenden Schwimmzüge dies auch mehr als unterstrichen, zögerte ich doch es auszusprechen.

„Und überhaupt …“, murmelte ich. „Keine Albträume, keine Monster.“

Nur Phantome.

Ich holte Luft, behielt sie dann jedoch in mir, unsicher, wie ich dieses Thema aufbringen sollte; diesen Eindruck, dass mein Kopf dieses zensierte Trauma in Momenten der Konfrontation mit Scheinerinnerungen füllte, die gleich wieder verblassten, kaum dass ich sie näher ergründete, und die mich trotzdem ratlos darüber zurückließen, was real gewesen war und was nicht.

Was würde Wanda überhaupt tun, wenn ich es erwähnte? Würde sie realisieren, dass etwas schiefgelaufen war? Dass sie einen Fehler begangen hatte? Würde sie sich mit Clint besprechen, was sie nun tun konnten? Würden sie sich Tony mit einem Geständnis anvertrauen? Übereinkommen, all die gekappten Verbindungen in meinem Kopf wiederherzustellen, mir all dieses Grauen zurückzugeben, damit diesem Spuk ein Ende gesetzt war und ich es auf natürlichem Wege verarbeiten konnte? Würde alles zurückkehren? Die Schreckgespenster meiner Nächte, die schweißnassen Laken, das Kreischen von Autoblech, mein trommelnder Puls und die Lähmung, wann immer ein unverhoffter Blitz durch den Himmel schlug?

Ein Raum, eisig kalt und schwarz, der mich --- jeder Luft beraubte …

Nein.

Ich spürte meine Körpertemperatur absacken.

Ich hatte es vorher kaum ertragen, aber nach Stane, nach dem, was dort oben im Himmel über Chicago geschehen war --- nein, niemals .

Lieber sah ich Phantome, als dass mich alles davon auf einmal einholte und unter sich begrub.

Ich schloss mich Wanda an und ließ mich wieder auf dem Rücken treiben.

„Wirst du das Abkommen unterschreiben?“, fragte ich, um das Thema zu beenden, ehe sie meine ominöse Wiederholung ihres damaligen Versprechens weiter hinterfragen mochte.

„Ich bin nicht sicher.“ Ihr Akzent raunte wieder so dicht, dass er ihre gärenden Sorgen verriet, obwohl ihr Blick ganz zur Decke gerichtet blieb, selbst noch als ich mich mit einem sanft paddelnden Arm näher zu ihr herüber treiben ließ.

„Was geschieht, wenn ihr es nicht tut?“ Ich schluckte, wenn auch behutsam, um den Auftrieb nicht zu gefährden, der mich derart mühelos an der Wasseroberfläche behielt. „Ich meine … Wie wollt ihr jetzt weitermachen?“ So als Team? „Tony lässt dich im Moment nicht einmal vom Gelände, geschweige denn helfen …“

„Er sagt, sie werden mich wegen Lagos verhaften, sobald ich das Hauptquartier verlasse. Wenn ich das Abkommen nicht unterzeichne, ehe ich dort hinausgehe, werden sie mich in Gewahrsam nehmen. Und dann könne er nichts mehr für mich tun.“

Sie schielte zu mir herüber, als ich unzufrieden die Miene verzog.

„Er hat recht“, befand sie nachdenklich. „Das Abkommen ist ein Ausweg. Und er nimmt es persönlich, dass ich nicht darauf eingehe.“ Freudlos hob sie die Mundwinkel. Ihr Ton wurde noch abwesender. „Er behandelt mich wie ein Kind, weil ich es aussehen lasse, als sei ich eines, sagte er.“

„Ja- ha “, seufzte ich, „lehnst du seine perfekt ausgearbeitete Lösung ab, landest du erstmal hinter Schloss und Riegel. Wem erzählst du das?“ Ich grunzte. „Sei froh, dass er dich nicht gleich ins Bett geschickt hat.“

Wanda schmunzelte. „Macht er das?“

„Manchmal.“ Ich verdrehte die Augen. „Er erfindet Gründe. Aber eigentlich ist er bloß eingeschnappt und will beweisen, dass er das letzte Wort behält.“

Sanft schloss sie die Lider. „Altmodisch.“

„ Nicht wahr ?“, gluckste ich. „Na, dann ...“ Ich klopfte spielerisch hartgesotten auf meine Brust und wies auf sie. „Knastschwestern, bis auf Weiteres.“

Wir hatten den Bereich des Pools erreicht, in dem man wieder stehen konnte, und so ließ ich meine Füße zurück zu Boden sinken, noch immer halb getragen vom Wasser und doch schon halb geerdet.

Wanda schmunzelte knapp, wenn auch mehr abwesend, ehe sie sich ihrerseits aufrichtete und neben mir zum Stehen kam. Das Wasser reichte uns noch immer über die Schulter. Allein unsere Köpfe ragten heraus.

Ich beobachtete sie. Etwas in meiner Brust zündelte.

„Hasst du ihn?“, fragte ich vorsichtig.

„Tony Stark?“ Sie ließ sich seinen Namen gedankenvoll auf der Zunge zergehen. „Das habe ich.“

Ich schwieg.

Ihre Stimme wurde sanfter. „Aber dein Vater ist nicht dieser Mann.“

„Du meinst, weil er jetzt Iron Man ist? Ein Avenger?“ Ich ließ sie nicht aus dem Blick. „Und weil SI keine Waffen mehr produziert?“

Als hätte ich etwas rührend Naives von mir gegeben, lächelte sie matt. „Nein“, widersprach sie ruhig. „Man wird nicht los, was man ist. Aber er ist nicht der, für den ich ihn gehalten habe.“ Ihr Blick sank aufs Wasser. „Ich bin es auch nicht.“

Unfähig, etwas auf diese seltsame Antwort zu erwidern, stand ich bloß da. Wandas Blick glitt gedankenversunken umher, dann begann sie ihre Finger unter Wasser zu bewegen und irgendetwas unter der Oberfläche tat sich.

Zunächst schien es, als spielten mir meine Augen einen Streich, dann erkannte ich, dass hauchdünne Fäden roter Magie ins Wasser übersiedelten, die sich in einem nahezu unsichtbaren Netz im ganzen Pool auszubreiten begannen. Was bloß als kleines, hier und da rot funkelndes Aufblinken begonnen hatte, das ebenso gut zufällig gebrochenes Licht hätte sein können, mehrte und verteilte sich, bis wir schließlich in einem ganzen Himmel winzig roter Sterne zu baden schienen, die lautlos funkelnd um uns herum ihre langsamen Bahnen zogen und sich hier und da in einem beginnenden Nebel zu sammeln begannen.

Eine ganze rote schimmernde Galaxie .

Vage verschworen lächelte Wanda mir zu und ließ sich langsam tiefer ins Wasser hinabsinken.

Ihre langen, kastanienroten Haare schwammen in alle Richtungen davon.

Keine Magie , hatte sie Tony versprochen. Und doch umgab mich nun ein Schimmern und Pulsieren und Funkeln, wie es kaum von dieser Welt schien.

Ihre Pupillen funkelten, so sehr amüsierte sie sich über meine still verblüffte Gestalt.

„Folgst du mir ins Wunderland?“, raunte sie in ihrem wohlbekannt dunklen Timbre, ehe sie noch ein wenig tiefer sank und nur noch ihre jadegrünen Augen über Wasser verblieben und mich ansahen.

Über ihren Pupillen lag derselbe rote Dunst, der das Wasser überzog.

Gleich einer Sonnenfinsternis.

Sämtliche meiner Härchen stellten sich auf, als mich ein durchaus bekannter erschauernde Instinkt ergriff, der mich schon zuvor in Gegenwart ihrer Magie überkommen hatte. Es war etwas Regungsloses, etwas Urzeitliches, das mich davor warnte, auf die geradezu hypnotische Anziehung einzugehen, die dieses faszinierende Licht auf mich ausübte; das mich davor warnte, mich Wanda zu nähern, als sei sie die überirdische und zugleich verhängnisvolle Erscheinung an einer mitternächtlichen Kreuzung, ja , als sei sie eine ---

„Okay“, summte ich. „Jetzt siehst du wirklich, wie die Hexe im verwunschenen Brunnen aus …“ Mein Ton schien belustigt, obwohl das filigrane Kitzeln in meiner Wirbelsäule zu singen begann.

Vielleicht war es doch die Magie, die nun im gesamten Wasser um mich herum ruhte, das mir immer noch bis über die Schultern reichte. Vielleicht war es gar kein Urinstinkt, bloß eine Reaktion meiner Haut auf so viel kosmische Energie.

Wanda hob das Kinn wieder aus dem Wasser. „Wer nicht wagt …“, zirpte sie.

Genau so stellte ich es mir vor.

Den Moment vor dem Bungeesprung.

Den Augenblick, ehe man sich freiwillig dem Fall überließ.

Leise holte ich Luft, schloss die Augen und folgte ihr.

Kaum unter Wasser spürte ich bereits, dass sich alles veränderte. Das eigentümliche Hallen und Gluckern des Pools verebbten und die Leere wurde durch etwas ersetzt, das mich noch in seinen ersten Tönen so sehr entspannte, dass mir fast schwindelig wurde.

Ich vernahm Rauschen. Ein tiefes, fernes Donnern, das absolut nichts mit einem Unwetter gemein hatte. Es waren Urgewalten von Wasser, die sich gemächlich dahinbewegten. Die Geräusche des Ozeans. Salzwasser, das gegen Felsen und Brandungen schlug und in wiederkehrenden Wogen an mir zerrte, und dann auch – fast zu gedämpft und fern, um es wirklich zu vernehmen – die Schreie von Möwen, irgendwo weit, weit über uns, in anderer, so viel leererer Materie.

Ich öffnete die Augen.

Wanda schwebte mir gegenüber im Wasser. Es schien nicht länger von ihrer roten Magie durchzogen, dafür aber eingetrübt von Salz, Gischt und Sand und doch immer noch klar genug, um mich erkennen zu lassen, dass sie mich erwartungsvoll beobachtete. Sie lächelte.

Meine eigenen Lippen weiteten sich zu einem Strahlen.

Herb zufrieden sank ich tiefer, bis ich den Grund erreichte. Eigentlich hatte ich es bereits zwischen meinen Zehen gespürt, aber wirklich realisieren tat ich es erst, als meine Hände aufkamen und dort, wo glattes Mosaik hätte sein sollen, lediglich weichen, nachgiebigen Sand vorfanden.

Ich grub meine Finger hinein. Winzige, scharfe Kanten zerbrochener Muscheln pressten sich in meine Haut. An meinem linken Fußgelenk verfing sich eine Alge, doch als ich mich umwandte, hatte sie sich bereits wieder gelöst.

Fasziniert ergab ich mich dieser allumfassenden, perfekten Illusion.

Als der Wunsch nach Sauerstoff schließlich doch drängend genug wurde, dass ich mich wieder auf die Beine brachte, folgte Wanda mir. In derselben Sekunde, in der wir an die Luft zurückkehrten, war alles wieder vorbei.

Der nahezu ruhige, opalblaue Pool des Avengers Hauptquartiers umgab uns.

Gluckernde Stille, bis auf das sachte Plätschern des Wassers, das gelegentlich gegen die lavendelweißen Fliesen des Beckenrands schwappte.

„Wow“, befand ich, während wir beide Atem schöpften. „Das war … Wow .“

Ich lachte.

Zufrieden fiel Wanda mit ein, als sie schon wieder näher an mich herantrieb, den Kopf neigte und mich verboten verschwörerisch in den Blick fasste. „Lust auf eine zweite Runde?“

Ich grinste.

-/_\-

Dieses Mal nahm sie meine Hand in die ihre.

Als wir gemeinsam Luft holten und unter Wasser zurücksanken, blinzelte ich schon nach einer guten Sekunde verwirrt zu ihr herüber, denn anders als beim ersten Mal geschah nichts. Das Wasser blieb so klar, beleuchtet und still, wie es immer schon gewesen war. Nicht einmal das rot schimmernde Funkeln ihrer Magie schien vorhanden.

Wanda beantwortete meine stumme Frage mit einem Lächeln, ehe sie meine Hand freigab, sich mit einem gemächlichen Schwimmzug in meinen Rücken brachte, mich mit einem Arm sacht umfasste und schließlich wieder hinauf deutete.

Als wir wieder durch die Oberfläche brachen, traute ich meinen Augen kaum.

Tony nannte es Gedankentricks, aber das wurde dem hier absolut nicht gerecht. Wenn es das gewesen war, wovor er all die Zeit gewarnt hatte, dann hatte er wirklich maßlos untertrieben.

Wir waren nicht länger im Avengers Hauptquartier.

Wir standen mitten im Regenwald in einem kleinen tropischen Teich.

Schwülwarme Luft begann bereits mein Gesicht zu benetzen und das wilde Gezwitscher, Knacken und Kreischen unzähliger Lebewesen erfüllte die Luft.

Umgeben von dicht wuchernden Dschungelpflanzen, die nicht viel weiter als zehn Fuß blicken ließen, entdeckte ich hier und da gewaltige Blüten, manche davon bunt und gefächert, andere zwischen Stauden und wieder andere in dicht hängenden Glocken. Mehrere zarte Sprühwasserfälle rannen die Felswand nahe unserem Teich herab.

So viel Detail auf so vielen Ebenen.

Es überzeugte jeden einzelnen Sinn in mir. Jeden , bis auf diese winzige, schon jetzt so gefährlich leise werdende Stimme, die mich erinnerte, dass das hier bloß Einbildung war, eine wirklich meisterhafte Illusion, selbst wenn meine vorherige Realität daneben verblasste und plötzlich regelrecht sinnesleer schien.

Restlos begeistert sah ich um mich.

„Fühlt es sich so an high zu sein?“, murmelte ich.

„Es ist schön, nicht?“

„Es ist fantastisch.“

Auch Wanda schien gelöst, als ich über die Schulter zur ihr sah. Zum ersten Mal an diesem Tag wirkte sie glücklich und erst als ich es nun so deutlich sah, erkannte ich, dass sie es sonst beinahe nie tat. Die schiere Wärme in ihrem Gesicht wie auch in ihrem Blick war mir neu.

Kleine, knallbunte Fische flitzten an unseren Bäuchen vorbei. Ein paar von ihnen kehrten zurück und begannen sacht kitzelnd an mir zu nippen. Kopfschüttelnd gluckste ich und trat Wanda fast auf die Füße, als ich einen Schritt zurückmachte.

„Das sind keine Baby-Piranhas, oder?“

Sie schmunzelte. „Kommt drauf an, wie viele Komplimente ich erhalte.“

„Alle“, versicherte ich. „Das volle Programm.“ Ich hob die Arme aus dem Wasser und weitete sie in ergeben überwältigter Geste. „Das ist --- … Ich meine, ich weiß nicht einmal, wie ich Daphne das hier erklären werde. Denn das muss ich einfach erzählen. Es ist so --- real .“ Ich zögerte, während ich wieder zu dem dichten Blattwerk aufsah. „Nur irgendetwas … eine Kleinigkeit … stört.“

Aufmerksam sah Wanda um sich. „Was stimmt nicht?“

„Ich weiß nicht …“ Grübelnd zwickte ich mir in den Unterarm und schob mich ein paar Schritte weiter durch den tropischen Teich, bis ich nur noch hüfthoch im Wasser stand. Wanda blieb hinter mir.

Meine Haut war längst schrumpelig, aber selbst dieses Detail funktionierte, denn sogar der Geruch von Chlor hatte sich verflüchtigt und haftete nicht länger an mir.

„Die Vögel“, realisierte ich. „Sie klingen zu normal. Auf Barbados klang es wilder … chaotischer , nicht ganz so friedlich.“ Ratlos sah ich zu ihr zurück. „Irgendwie --- lebendiger.“

Wanda sann nach.

„Stell es dir vor“, bat sie nach einem Moment.

Ihre Hand ruhte noch immer auf meiner Schulter. Es schien nicht mehr als eine entspannte Geste, aber ihre Finger knisterten vage und sandten ab und an ein elektrisierendes Kitzeln meine nassen Haare hinauf. Ich bemerkte, dass sie schon eine ganze Weile sacht wanderten, als spiele sie auf einer lautlosen Harfe.

Anscheinend meinte sie, was sie sagte.

Ich sollte mich an Barbados erinnern , weil sie bereits in meinem Kopf war .

Also richtete ich all meine Gedanken auf den vergangenen Sommer mit Pepper und Tony zurück, unseren abendlichen Spaziergängen nach dem Essen, den Palmen und Blattwerk in den Parks nahe unseres Strandhauses, unserem kleinen Kurztrip in die Schluchten von Welchman Hall Gully mitsamt ihres Urwalds und dann auch unsere Ausflüge weiter hinaus in die unberührteren Regionen, mit nicht mehr als einem Strand-Buggy, in Shorts, Badekleidung und durchschwitzten T-Shirts und absurd teuren Sonnenbrillen, die Strände und Küste hinab, bis die Reste des inseleigenen Tropenwaldes direkt vor unseren Füßen gelegen hatten.

Eine erforderliche Maßnahme, um mich aus dem Wasser zu bekommen und wieder an Land zu gewöhnen, ehe wir in den Betondschungel zurückkehrten, hatte Tony nach einem ewig langen Fußmarsch durch viel zu dichte Flora nahe einer beeindruckenden Stalagmitenhöhle festgehalten, während Pepper ihm entspannt die Mücken aus dem Gesicht gewedelt und die Augen sacht verdreht hatte.

Ich hatte mich da noch immer höchst kritisch nach anderem Krabbeltier umgesehen und entschieden Tony als potentiellen Hort eines ganzen Nestes vorerst nicht zu nahe zu kommen.

Nachdem Pepper und ich uns auf unserem Marsch durch die überraschungsfreudige Natur zu Tonys eigenem Leidwesen einstimmig wie durchgehend in seinem Rücken gehalten hatten, war ich überzeugt davon gewesen, dass er nach zwei Stunden unfreiwilliger geländesichernder Vorhut von so vielen Giftkreaturen kontaminiert sein musste, dass keiner von uns Barbados wieder verlassen würde.

Tony hatte zwar immer wieder intoniert, dass es auf der Insel weit und breit nichts Problematischeres gab als ihn selbst und hatte sich da dank seiner FRIDAY-gekoppelten Sonnenbrille auch restlos überzeugt gezeigt, aber Pepper und ich hatten entschieden, ihm da mal nicht zu sehr zu vertrauen, insbesondere, nachdem der erste scheußliche Achtbeiner schon wenige Fuß ins Dickicht hinein seinen fröhlich spinnenden Auftritt gefeiert hatte.

Dass Tony Stark nach diesem grotesk sorglosem Urwald-Ausflug noch lebte, erschien mir jedenfalls rückblickend fast wie das größte Wunder seiner persönlichen Survival-Karriere.

Jäh kehrte ich aus meinen fast ein wenig zu warm knetenden Erinnerungen zurück, als ich realisierte, dass sich die Laute um uns herum tatsächlich verändert hatten.

Erfreut sah ich zu Wanda zurück.

Ihre eigene sanfte Begeisterung verriet mir, dass sie soeben irgendetwas Neues in ihren Kräften für sich erschlossen hatte.

Kaum, dass ich wieder ins Wasser herabsah, blinzelte ich. Auch über meinen Pupillen schimmerte nun ein vager roter Glanz, der mich an die Reflektion in den Augen einer Katze erinnerte, die im Zwielicht den Kopf wandte.

Unweigerlich fragte ich mich, wie meine Iris soeben wahrhaftig aussah. Ob das, was Mum so oft als die Farbe auskühlender Lava bezeichnet hatte, nun in glutroten Facetten pulsierte.

Denn jetzt da ich selbst so häufig zu beobachten vermochte, wie Tonys Augen je nach Blickwinkel und Gemütslage zwischen unergründlichem Aschgrau und dann wieder so lebendig dunklem Braun wechselten, sah auch ich es, dieses nie gänzlich zur Ruhe kommende Element in unserer starkschen DNA, das seinen richtigen Aggregatzustand noch suchte, das nachbrannte, das irgendwo in seinem Inneren selbst noch dichte, heiße Glut hielt, wenn die Oberfläche längst starr und kalt schien.

Unerwartetes Rascheln im Gestrüpp ließ uns jäh den Kopf wenden, als auch schon Vision hinter ein paar gewaltigen, zu Boden geneigten Bananenbaumblättern hervortrat. Er zögerte, kaum dass sein Blick uns erfasste.

„Wanda …“, mahnte er sanft.

Unsere paradiesische Illusion verflüchtigte sich so unvermittelt, dass es mich einen Augenblick fast aus dem Gleichgewicht riss, wie plötzlich alles um uns herum wieder in seine klinisch stille Realität zurückkehrte.

Draußen war es längst viel dunkler, als ich es in Erinnerung hatte.

Wenig schuldbewusst löste Wanda sich von meiner Seite und kehrte behaglich zum Beckenrand zurück, wo sie sich emporzog und niederließ, ohne Vision ganz aus ihrem Blick zu entlassen, der ihr Tun achtsam verfolgte.

Ich war froh, dass er unsere illegale Aktivität nicht wirklich ansprach und Wanda zugleich derart entspannt zurücksah, denn es bedeutete, dass ich mich ebenfalls nicht so ertappt zeigen musste, wie ich mich eigentlich bereits fühlte.

Stille legte sich über das Schwimmbad.

„Nun?“, erkundigte sich Wanda. „Werden wir abgeführt?“

Vision lächelte ergeben. „Nein. Aber verköstigt.“

Mein leerer Magen erwachte.

„Mr. Stark bestand auf ein reichliches Abendessen, ehe es noch in einer Schüssel Milch mit zerschmolzenem Einhorn endet, wie er sagte“, informierte er uns. „Was auch immer dies zu bedeuten hat … Es ist bereits angerichtet. Wenn die Damen mir folgen würden …“

-/_\-

Gesättigt wischte sich Wanda die Hände an einer Serviette ab, griff nach ihrem Wasserglas und ließ sich in ihren Stuhl zurücksinken.

Ich knabberte immer noch an einer letzten kleinen Frühlingsrolle und spähte wiederholt durch den Saunen- und Spa-Bereich mit Kaltbad, der ganz eindeutig von den meisten Teammitgliedern entweder zur Regeneration nach dem Cool Down oder für medizinische Massagen genutzt wurde.

Der sterbensweiche Frotteebademantel hielt mich trotz meiner noch zum Großteil feuchter Haare herrlich warm und auch Wanda kuschelte sich in den ihren, als sei sie mehr als dankbar für diesen behaglichen Komfort. Es waren aber die beheizten Steine unter unseren Füßen, die ihr Übriges taten, um uns in einer geradezu schläfrigen Trance des Vergessens zu halten.

Die vor uns ausgebreitete Mahlzeitenplatte war größtenteils verputzt. Von Shrimps in Teigmantel über Makis und vegetarischem Sushi bis zu kleinen Tacos, einer Schale bunter Beeren und sogar ein paar saftiger Zitronenmuffins hatte alles an dieser Geste nach spontanem Catering-Service gerochen, denn ich bezweifelte sehr, dass Tony oder Vision die vergangenen Stunden ausgerechnet in der Küche zugebracht hatte – es minderte jedoch nicht meine pappsatte Zufriedenheit.

Während ich mir ebenfalls die Hände abwischte, kehrten meine Gedanken zu Wanda und unserem Gespräch im Pool zurück.

Seit wir zu essen begonnen hatten, hatten wir uns kaum mehr unterhalten. Abgesehen von ein paar belustigten Bemerkungen oder einem gelegentlich zufriedenen Seufzen hatten wir unser Abendmahl größtenteils in friedlicher Stille vertilgt.

Aber es gab einen Punkt, der mich nach wie vor beschäftigte. Auch wenn ich recht schnell von ihm abgelenkt hatte, viel zu besorgt, wie sie oder Clint darauf reagieren könnten, wenn sie erst davon erfuhren, kehrten meine Gedanken doch zu den Ereignissen im MetLife Stadion zurück und dem, was es bedeutete, dass Wandas magische Zensur in meinem Geist Phantomerinnerungen schuf, die ich nicht sofort als solche verstand.

Ein ganzes Football-Spiel der NFL war unterbrochen worden, bloß weil ich mich in einer solchen verrannt hatte. Erst hatte ich in Furcht und Verwirrung mit mir gerungen, wirklich überzeugt, dass es sich um einen meiner damaligen Angreifer aus den Reihen von Jeremy Lax handeln könnte, und dann hatte ich mich bis auf die Knochen blamiert und vor allen wie genau der aufmerksamkeitsfordernde Unruhestifter dagestanden, als den Senator Boynton mich nur zu gerne dargestellt hatte, weil es Tony wieder einmal in ein so wunderbar schlechtes Licht rückte.

Ich grübelte.

Es stand und fiel alles damit, ob Wanda rückgängig machen konnte, was sie in meinem Kopf bewerkstelligt hatte. War es umkehrbar, konnte ich es nicht riskieren, sie darauf aufmerksam zu machen. Wenn nicht sie selbst, so würde zumindest Clint, sobald er von dieser Sache erfuhr, Wanda ganz sicher davon überzeugen, all die geistigen Brücken meines Traumas zu meiner eigenen Sicherheit wieder in ihren Ursprungszustand zu versetzen. All die Areale, die Wanda in meinem Unterbewusstsein anscheinend so weit abgesondert hatte, dass sie keinen Einfluss mehr auf mich nahmen; Areale, für die Tony S.E.N.F. entwickeln lassen hatte, um sie ganz fachmännisch anzuvisieren und ans Tageslicht zu bringen --- Areale, die ich mir lieber aus dem Kopf brennen wollte, als jemals wieder gezwungen zu sein, sie weiter zu ertragen, nur um sie irgendwann --- womöglich --- auf gearbeitet zu bekommen, bevor ich an ihnen erstickte .

Nein, ein wenig seltsames Bauchgefühl und Einbildung war da das weit kleinere Übel.

Es waren nicht mehr als Phantomschmerzen, verstand ich. Neuronen in meinem Geist, die angefragt, ja, getriggert wurden, aber nicht mehr mit ihrem ureigenen traumatischen Reflex reagierten, weil Wanda sie in eine Art zerebralen Winterschlaf gelegt hatte.

Mein Kopf musste das Ausbleiben einer Antwort kompensieren und das tat er, indem er in diesen Momenten winzig kleine falsche Realitäten für mich schuf.

Wozu Wandas Magie schließlich auch bestens imstande war.

Ich schluckte.

„Worüber denkst du nach?“, erkundigte sich Wanda müde amüsiert, gerade als ich wiederholt zu dem Schluss kam, dass es das wert war.

Absolut .

Irgendeinen Haken gab es schließlich immer.

„Nichts“, murmelte ich. „Ich habe mich nur gefragt …“ Ich stockte, bereit mich vorzutasten und diesen einen entscheidenden Aspekt zu klären; ob sie mir tatsächlich den Frieden wieder nehmen konnte, den sie mir gegeben hatte. „Das, was du tust …“ Ich senkte die Stimme. „Also, wenn du den Geist anderer Menschen beeinflusst, damit er etwas erlebt oder --- nicht mehr erlebt …“

Wanda hielt erwartungsvoll meinen Blick.

Ich schluckte. „Du kannst kontrollieren, wie lange es anhalten soll, richtig?“

Anscheinend hatte sie etwas anderes befürchtet; vielleicht eine Art Vorwurf am Einsatz ihrer Kräfte, wie sie ihn in den vergangenen Monaten ständig und überall zu hören bekommen hatte. Ich sah, wie ihre Schultern sich entspannten und ihr Blick seinen bereits gewappneten Fokus wieder verlor.

Halbherzig hob sie die Mundwinkel. „Ja“, stimmte sie zu und griff sich eine der wenigen verbliebenen Blaubeeren. Sie betrachtete sie einen Moment zwischen ihren Fingerspitzen, ehe sie sie aß.

„Manches ist dauerhaft?“

„Nicht vieles.“ Ihre Brauen näherten sich seicht, als ahne sie, worauf ich anspielte. „Illusionen und Gedankenpaläste muss ich am Leben erhalten, sonst verblassen sie und lösen sich auf. Aber ja …“ Sie sah mir unverwandt in die Augen. „Manches bleibt. Neuroelektrische Schnittstellen – Synapsen – lassen sich abschalten.“

Ich spürte, wie mein Brustkorb etwas leichter wurde. Man sah es mir vermutlich an, denn Wandas Miene wurde noch eine Nuance bestätigender.

„Wusstest du, dass man sie die dunkle Materie des Gehirns nennt?“, merkte sie an.

Fragend hob ich den Blick.

„Elektrische Synapsen.“ Sie schien seicht amüsiert, als verblüffte sie sich selbst mit diesem Wissen. „Sie waren dort lange sehr schwer aufzuspüren. Aber sie sind überall. Ohne sie wird das Gehirn instabil. Es beginnt … wie sagt man?“ Ihre Hand wanderte. „Zu oszillieren .“

Das ungute Gefühl in mir kehrte zurück.

Ich zögerte. „Woher weißt du das?“

Sie hob eine Schulter. „Stark.“

„Tony?“ Ich stockte, als ich die jäh offensichtliche Verbindung sah.

S.E.N.F.

„Das Neuro-Framing“, begriff ich. „Er hat daran weiterforschen lassen, oder? Diese Technik arbeitet damit? Mit diesen Synapsen?“

Ihr Blick gab mir recht.

Still zwang ich mich zur eigentlichen Frage zurückzukehren und nicht zu hinterfragen, weshalb Tony ausgerechnet auf dem Gebiet zu graben begonnen hatte, auf dem sich Wandas magischer Spielplatz befand. „Wenn du also manche dieser Schnittstellen abschaltest, bleibt es dabei?“

„Ja, ich denke schon …“

„Für immer?“, murmelte ich.

„Wenn ich es so will.“

„Aber könntest du es wieder …-“

Ehe ich noch weiterkam, erklangen in der Ferne so wohlvertraut extrovertierte Schritte, dass ich verstummte. Als ich den Kopf wandte, trat Tony bereits um die Ecke. In seiner rechten Hand hing ein locker umgriffenes StarkPhone.

Er hob es an, kaum dass er uns entdeckte. „Das hier hast du in der Umkleide vergessen.“

Wirklich vergessen hatte ich es nicht. Viel mehr bewusst zurückgelassen . Beim Schwimmen hatte ich es nicht gebraucht und davon abgesehen hatte ich auch recht wenig Lust gehabt, mich von FRIDAY durch den gesamten restlichen Tag kommandieren zu lassen.

Drei Tage Caretaker Protokoll und ich hatte bereits die Nase gestrichen voll davon.

Ich furchte die Stirn. „ Umm … Danke?“ Meine viel zu betonte Unschuldsmiene betrog niemanden, aber fürs Erste schien Tony mir wohlgesonnen, denn er gab das StarkPhone kommentarlos frei, als ich den Arm danach reckte und es ihm abnahm.

„Du hast zwei verpasste Anrufe“, ließ er mich wissen.

Rasch sah ich aufs Display, doch weder Daphnes, noch Elijahs oder MJs Namen prangten darauf.

„Die sind beide von dir “, beschwerte ich mich.

Tonys Kopf sank unterstreichend zur Seite.

Uh. Richtig.

Ich seufzte. „Okay, ich dachte … Du sagst immer, FRI ist überall verbaut. Gibt es ausgerechnet hier unten kein Audio?“ Betont vorwurfsvoll wies ich zum Pool. „Hier kann man ertrinken .“

Seine Schultern wie auch seine Schläfen blieben entspannt, obwohl sein Blick sich nicht einen Grad rührte, was bedeutete, dass er mich wirklich nur ganz pro forma drangsalierte.

Wie gern ich ihn doch hatte.

„FRI hat schon vor zwei Stunden versucht, dich an dein Abendessen zu erinnern, aber anscheinend ist hier unten die Raum-Sensorik ausgefallen“, sagte er. „Statische Interferenzen.“

Er sah so betont nicht zu Wanda herüber, dass ich keinen Zweifel hegte, dass er wusste, dass sie dahintersteckte und ihr knappes magieentsagendes Gelöbnis bei der ersten sich bietenden Gelegenheit gebrochen hatte.

Unfähig meine seichte Schadenfreude zu verbergen, hoben sich meine Mundwinkel. „FRI konnte gar nicht babysitten? Tragisch.“

„Ja, für dich. Bedeutet, dass ich aktiv werden muss. Das Pool-Picknick ist beendet.“ Unaufgeregt bedeutete er mir auf die Beine zu kommen. „Na los, Sperrstunde. Auf ins La La Land.“

Vielsagend sah ich zu Wanda, wie um meine Worte von vor gut einer Stunde noch einmal unter Beweis zu stellen, und verzog die Miene. „Wie spät ist es?“ Ich sah auf mein StarkPhone und grummelte. „Ernsthaft? Kurz vor zehn? Morgen ist nicht einmal Schule, es ist Jom Kippur …“

Tony zuckte die Achseln. „Spiel dumme Spiele, gewinn dumme Preise.“

„Komm schon“, brummte ich lustlos. „Caretaker Protokoll, schön und gut … Aber zehn Uhr Schlafenszeit selbst am Wochenende? Vor freien Tagen? Bis Halloween ?“ Ich fischte nach einem sonderlich empörtem wie ausreichend überzeugendem Argument. „Dann kann ich abends nicht einmal irgendwelche Shows mit Dev zu Ende sehen …“

„Ja, das ist ärgerlich“, pflichtete Tony mir betont unbeteiligt bei. „Caretaker Protokoll bedeutet gesunde und klar definierte Tagesabläufe und nicht dieser neumodische Unsinn, den ich sonst mitmache. Aber hey , du hast mehr Aufmerksamkeit verlangt-“

„ Uhh , nein.“

„Zehn Uhr ist anscheinend pädagogischer Konsens für Zehntklässler“, überging er mich gekonnt. „Und FRI hält wirklich gar nichts von inkonsequenter Handhabung.“

Ich schnitt eine Grimasse angesichts seines absolut leidenschaftslosen Tons. „Ich kann nichts dafür, dass sie ihr eigenes System nicht unter Kontrolle hat …“

„Tja, als deine Beine dich an den Highway anstatt in die MedBay getragen haben, hat das Audio zwischen uns noch blendend funktioniert“, erinnerte er mich leichthin. „An der Sensorik kann es nicht gelegen haben und wenn der Code im Eimer ist-“

„-lässt du mich vorerst nur im abgesicherten Modus von der Leine, schon klar.“

Ehrlich beeindruckt hob er beide Brauen, ehe er kurz lächelte und mir mit einem Nicken zu verstehen gab, mich aufbruchsbereit zu machen.

„Gibt es Neuigkeiten?“, erkundigte sich Wanda.

Tony sah zu ihr. „Nichts Nennenswertes.“

„Würde ich erfahren, wenn es so wäre?“

„Sicher. Jemand muss hier die Stellung halten, sobald wir unterwegs sind.“

Während sie einander so betont unbewegt musterten, wie es nur zwei Menschen konnten, die gleichzeitig alles und nichts voneinander hielten, richtete ich nachdrücklich meinen etwas zu großen Bademantel, der das prestigeträchtige Emblem der Avengers trug und den ich schon allein aus diesem Grund zu einhundert Prozent nach Hause entführen würde.

Tony gab vor sich in Bewegung zu setzen, hielt dann jedoch inne. „Richtig …“ Er wandte sich wieder ihr zu. „Falls Siegfried und Roy sich zufällig bei dir melden, richte ihnen bitte aus, dass ich mit einem Teenager vollkommen bedient bin. Ich brauche keine ganze Mannschaft von ihnen.“

Wanda kommentierte es nicht.

Mit entschuldigend rollenden Augen wünschte ich ihr eine gute Nacht.

Sie beobachtete uns, als ich Tony folgte und zu ihm aufschloss.

„Vollkommen bedient, hm?“, murmelte ich.

Beiläufig sah er zu mir herab. „Du warst nicht gemeint, Sonnenschein. Dich muss man regelmäßig füttern, bespaßen, ins Bett bringen, ständig im Auge behalten und zum Arzt muss man dich bestenfalls tragen. Du bewegst dich irgendwo zwischen Baby und Knirps.“

-/_\-

Ich schlief nicht lange.

Als ich sanft wachgerüttelt wurde, war ich zu desorientiert und verschlafen, um überhaupt zu verstehen, wo ich mich befand, wie viel Uhr es war, weshalb draußen immer noch finstere Nacht herrschte und wieso Tony im Schein meiner Bettlampe auf meiner Bettkante saß und auf mich herabsah.

Er lächelte warm, als ich verschlafen blinzelnd einen Brummton von mir gab und mir ins Gesicht fasste. Mein Verstand war noch nicht ganz da, weshalb ich mich einfach herumrollte und die Augen wieder zu schließen versuchte, aber seine Hand kehrte schon wieder auf meinen Arm zurück und suchte liebevoll nach Aufmerksamkeit, also schielte ich widerwillig verschlafen zu ihm empor.

„ Hmpf ?“

„Tut mir leid, Kleines“, schmunzelte er. „Ich weiß, es ist gottlos tiefe Nacht, aber du musst dich aufrappeln.“ Zu belebt für mein nur widerwillig erwachendes Bewusstsein strich er mir bereits meine Haare aus dem rechten Auge, tätschelte noch einmal meine Wange, wies empor und erhob sich. „Wir müssen los …“

Schlaftrunken blinzelnd verfolgte ich seine Bewegung, während ich unmotiviert zu begreifen versuchte, was vor sich ging. Ich lag immer noch da und hielt meine Bettdecke wohlig geknüllt in meinem Arm, als langsame Erkenntnis auf mich niedertröpfelte und die Ereignisse des vergangenen Tages in meinem Bewusstsein wieder Gestalt annahmen.

Wien. Das Sokovia Abkommen. Der Anschlag auf die UN. Nats unfassbares Glück. Sam und Steve, die abgetaucht waren.

Der Terrorist James Barnes.

Die Realität kehrte in kalten, schweren Fragmenten zurück.

„Ihr müsst weg?“, fragte ich heiser. „Nach Europa?“ Kaum, dass meine Gedanken sich auf Barnes richteten, wurde mir flau. „Habt ihr ihn gefunden? Den --- Winter Soldier?“

„Noch nicht ganz, aber wir haben eine vernünftige Spur.“

Vielleicht lag es an dem, was Wanda über ihn gesagt hatte, oder vielleicht auch einfach nur an der jähen Erkenntnis, dass das Team nicht vollzählig war, um diesen Mann zu konfrontieren, der es rein physisch anscheinend sogar mit Steve aufnehmen konnte und zugleich für so viele Attentate und Auftragsmorde der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich war, dass mir allein bei dem Gedanken an seine schiere Existenz schauderte.

Ohne meine Bettdecke freizugeben, richtete ich mich ein wenig aus den Kissen auf.

„Was ist mit Sam und Steve?“

„Fliegen immer noch unterm Radar.“ Tony rieb sich verstimmt den Hinterkopf und sah sich um. „Was nicht weiter schlimm ist, solange wir Barnes vor ihnen erwischen …“ Sein Blick blieb kurz an meinem Fenster und dem nahen Hangar hängen, wo sich soeben irgendetwas tat, denn die Lichtverhältnisse wechselten, ehe er schon wieder zu mir sah. „Rhodey ist schon los. Er hat seinen Anzug genommen. Ich halte mich aus dem Einsatz heraus, aber ich muss vor Mittag in Berlin sein. Vision macht gerade alles startklar.“ Er setzte sich wieder in Bewegung. „Steh auf, ja?“

Er verschwand in mein Ankleidezimmer und kehrte schon wenige Augenblicke darauf wieder, während FRIDAY meine Raumbeleuchtung auf ein freundliches Abendniveau anhob. Der kleine Koffer und die zugehörige Reisetasche, die er vor meinem Bett abstellte, verwirrten mich so sehr, dass ich mir einmal mehr völlig verschlafen das Gesicht rieb.

Er legte eine Fleece-Hose und ein Sweatshirt neben mir ab.

„Komm, zieh dich an“, bat er.

Ich grummelte.

„Wir nehmen den Quinjet. Ich weiß, ungemütlich … Aber dafür dauert es nicht länger als zweieinhalb Stunden. Du kannst dich wieder hinlegen und weiterschlafen, sobald wir in Berlin sind, Ehrenwort.“

„ In Berlin?“ Verdutzt blinzelte ich. „Du meinst Deutschland?“

„Ja, Berlin. Sagte ich eben. Wir unterstützen das JCTC bei seiner Operation gegen Barnes. Sollte im besten Fall nicht länger als zwei Tage dauern. Los jetzt, mach dich fertig und hilf mir beim Packen.“ Er marschierte bereits wieder in mein Ankleidezimmer. „Irgendwelche Präferenzen für deinen ersten Trip nach Europa?“, rief er, kaum dass er darin verschwand, aber er schien nicht wirklich eine Antwort zu erwarten, denn ich vernahm, wie er sich bereits ein wenig ziellos, wenn auch hörbar betriebsam durch den Kleiderschrank bewegte.

Als er mit einem Stapel weiterer Kleidungsstücke und zwei Paar Sneakers unterm Arm wieder zurückkehrte und mich immer noch im Bett sitzend vorfand, hob er ankreidend die Brauen. „Hey, ich mache das hier nicht alleine!“

„Wieso muss ich mit?“, fragte ich, immer noch heillos durcheinander.

„Ich weiß nicht, wie lange wir in Berlin zu tun haben werden. Und selbst wenn es nur die zwei Tage sein sollten, nach deiner kleinen Aktion neulich kann ich dich nicht wirklich guten Gewissens alleine lassen, richtig?“

Ich knautschte die Stirn. „Alleine? Was meinst du? Was ist mit Happy?“

„Er begleitet uns.“ Kaum, dass er den Stapel Kleidung ablud und erstaunlich geübt in meinem Koffer zu platzieren begann, sah er vielsagend zu mir auf. „Einer muss dir Gesellschaft leisten, solange ich im JCTC bin. Aber ich kann Happy nicht ständig zum 24h-Wachdienst in Dauerschleife beordern, ansonsten erhalte ich auf Glassdoor demnächst absolut vernichtende Bewertungen. Und ohne Pepper …“ Er stockte knapp, ehe er sich abwandte und den Satz abwesend zu Ende brachte. „… funktioniert es nur so.“

Kapitulierend schlug ich meine Decke zurück und schob mich aus dem wohlig warmen Bett, ehe ich schon wieder in leisem Schreck innehielt. „ Zwei Tage? Aber --- ich muss Donnerstag wieder zur Schule. Ich schreibe eine Mathearbeit.“ Mein Puls schlingerte. „Ich kann nicht fehlen. Das ist unsere allererste Arbeit und --- und Mathe läuft super …“

„Ist kein Problem, Sure Shot“, versicherte Tony mir. „FRI hat vorhin eine Mail versandt und Morita über unsere Reise informiert. Du bist entschuldigt, für Donnerstag und gegebenenfalls auch länger …“ Er nahm Hose und Sweatshirt wieder zur Hand, die er wenige Minuten zuvor schon auf meinem Bett abgelegt hatte, und reichte sie mir. „Die Mathearbeit holst du nach, sobald wir zurück sind. Das kläre ich.“

„Aber …“ Ich krächzte. „Was macht das für einen Eindruck? Wenn ich schon direkt bei der ersten Prüfung fehle?“

Wenig beeindruckt blinzelte er. „Dass du das Kind eines vielbeschäftigten, alleinerziehenden Multimilliardärs und Superhelden bist und deshalb ab und an ganz unerwartet auf etwas anderen Kontinenten endest, als zu Beginn der Woche noch angenommen?“

Ich starrte ihn an.

„Außerdem hast du Hausarrest“, beschied er mir schon, als änderte es irgendetwas an sämtlichen geltenden Naturgesetzen. „Anzunehmen, dass sich das irgendwie mit sturmfrei verträgt, entspräche komplett überzogenen Erwartungen. Ich bin nicht Dad …“ Er schlenderte zurück in meinen Kleiderschrank und kam nach einer Minute mit einem neuen Stapel Kleidung und zwei unterschiedlich dicken Jacken wieder heraus. „Richtig“, bestätigte er, „ich bin unfassbar viel umgänglicher, aber davon abgesehen weiß ich ganz genau, was ich mit so viel Potential bei derart lausigen Aussichten für die kommenden Wochen angestellt hätte. Und FRI schien heute schon nicht sehr entspannt.“

„Ach?“, grummelte ich, während er locker stirnrunzelnd meinen Koffer weiterpackte.

„Ihrem kurzen Resümee nach hast du ihre programmierte Geduld den gesamten Tag fröhlich ausgereizt. Was mich erstmal nicht weiter bewegt … Solange dieser Drahtseilakt funktioniert, chapeau , aber sollte es ihr irgendwann zu wild mit deinen Interpretationen der aktuellen Rahmenbedingungen werden und sie mich tatsächlich auf den Plan rufen, endet das alles in einer noch größeren Pleite als am Samstag, soweit meine Prognose.“ Unbewegt richtete er sich wieder auf und sah zu mir herüber. „Wenn FRIDAY genug vom Cirque du Soleil hat und ich tausende Meilen entfernt bin, geht die ganze Rechnung rund um das Caretaker Protokoll allerdings nicht wirklich auf, korrekt?“

Ein breites Lächeln kehrte auf sein Gesicht zurück, als er meine sacht beleidigte Miene sah.

„Jupp, dumm gelaufen.“ Knapp nickte er in Richtung Bad und griff sich meine Taschen. „Los, du hast exakt fünf Minuten, sonst geht’s im Pyjama nach Berlin.“