Hollywood Hills
Hollywood Hills
Kapitel 2: Hollywood Hills
„Alles klar, Time-Out.“
Obwohl ich gehorsam mein Tempo drosselte und meinen Blick von dem sich vor uns fortschlängelnden, langen und noch dazu weitestgehend verwaisten Mulholland Drive auf der Suche nach der nächsten Haltemöglichkeit abwendete, umgriffen meine Finger das Lenkrad ein Grad fester.
„Weiter vorne, Sola, nicht mitten in der Biegung -“, setzte Tony schon an.
„Ich weiß .“
Er stierte beiseite. Mir entging nicht, wie er den Atem entließ. „Du bist zu langsam.“
„ Aha “, ploppte ich zurück und schielte meinerseits in Richtung Seitenfenster, „jetzt zu langsam …“
„Wenn die Erdanziehung der Hauptakteur wird – ja. Das gilt fürs Flugzeug wie fürs Auto.“
„Es geht bergab.“
„Ja, weißt du … Da du es erwähnst – gerade eben ging es bergab . Ziemlich steil sogar. Ein paar gute Höhenmeter. Das war dort, wo du entschieden hast, dass wir die Kreuzung definitiv schneller bekommen, als der vollgestopfte, tonnenschwere Touri-Bus, dessen Bremsleitungen zuletzt im Summer of Love gewartet wurden.“
„ Jaah “, ächzte ich genervt. „Denn wir waren schneller.“
„Ich habe den Rost ihrer Stoßstange förmlich gerochen .“
Grantig verdrehte ich die Augen und gab wieder etwas mehr Gas. Es gestaltete sich geschmeidiger als zuletzt und ein wenig war ich froh drum, denn es ließ mich nicht völlig beratungsresistent dastehen, aber offensichtlich tat ich es nun wieder etwas zu beseelt für seinen Geschmack, denn Tony fasste erst abwesend nach der Tür, dann zupfte er an seinem Gurt und winkte mich schon wortlos und merklich am Ende seiner aushaltenden Geduld in Richtung Straßenrand.
Mit etwas sehr viel Pathos fuhr ich beiseite und trat in die Bremse. Zufrieden registrierte ich das harsche Knirschen der Reifen sowie die gelbe Staubwolke, die mein Manöver aufgewirbelt hatte und die nun sang- und klanglos auf den weinroten Lack unseres italienischen Zweitürers hinabrieselte.
Tony schoss mir einen missfälligen Blick zu, den seine helle Sonnenbrille kaum verhehlen konnte.
Kaliforniens karger Boden war also doch zu etwas gut, vermerkte ich für mich.
„Was? Soll ich vorher noch einen Schirm aufspannen?“
Er wies auf mich. „ Time-Out “, wiederholte er nur.
Ich schnaufte. „Oh, jetzt komm schon-“
Seine Hand löste bereits seinen Anschnallgurt. „Wir werden nicht so tun, als hättest du nicht gerade um ein Haar vollbracht, woran dutzende Meister vor dir gescheitert sind.“
Immer noch hielten meine Finger das Lenkrad fest umschlungen. „Und das wäre?“
„Mich umzubringen .“
Gereizt sog ich die Luft ein.
Als suche seine minutenlange verspannte Zurückhaltung nun endlich sein entkrampfendes Ventil wies er schon ausgestreckten Armes zurück in Richtung Straße, obwohl dort strenggenommen gar nichts mehr lag, auf das sich zur weiteren Beweisführung noch zu deuten lohnte. „Wir waren mitten in einer Abfolge von Serpentinen, Sola-“
„-und es war gutes Timing.“
„Es war der Tod .“
Sprachlos protestierend warf ich meinen Kopf zurück in das stützende Polster des viel zu komfortablen Fahrersitzes. Tony beachtete mich nicht weiter, stattdessen öffnete er schon die Beifahrertür, stieg aus dem Wagen und bedeutete mir, in die Gänge zu kommen. Er schien entschlossen, einen Abbruch unserer Übungsfahrt zu forcieren und diesen Tag als fulminanten Fehlschlag zu verbuchen, dabei begann es mir gerade wirklich Spaß zu machen.
Obwohl unsere ersten Fahrten noch recht kurzweilig und weit abseits des Stadtverkehrs oder größerer landschaftlicher Herausforderungen verlaufen waren, war ich da noch ziemlich angespannt gewesen. Ich musste trotz allem eine halbwegs vernünftige Figur gemacht haben, denn Tony hatte sich die meiste Zeit recht entspannt und kritiklos mit meinen Erstversuchen gezeigt, selbst in seinen gelegentlichen Ratschlägen und Korrekturen. Vielleicht hatte er genau aus diesem Grund für heute eine wesentlich anspruchsvollere Route als vorerst letzte Trainingsfahrt vor unserer Rückkehr nach New York gewählt.
Die unterschiedliche Gesetzeslage der Bundesstaaten verhinderte, dass wir daheim in nächster Zeit weiterüben konnten. Während ich in Kalifornien bereits über einen Lernführerschein verfügte, war dieser in New York erst ab sechszehn Jahren zu erwerben und lag damit für mich noch in monateferner Zukunft. Und gerade darum war ich froh, dass Tony seit seiner Ankunft in Malibu vor gut zwei Wochen sich keinen größeren Verpflichtungen widmete und nahezu täglich mit mir ein paar Runden fuhr, um diese letzten Tage meiner Sommerferien noch einmal ausgiebig für mein Fahrtraining zu nutzen.
Doch seit wir nun aus den Hollywood Hills hinauskurvten, war die Stimmung gravierend gekippt. Seine Einwände und trockenen Mahnungen suchten mich nur so heim.
Es verdarb mir die Laune und schabte an meinem gerade im Aufkeimen begriffenen Selbstbewusstsein am Steuer.
Grimmig schnallte ich mich ab, warf die Fahrertür auf und schwang mich meinerseits aus dem Auto. Tony umrundete bereits die schnittige Motorhaube. Ohne mich weiter zu rühren, verschränkte ich bloß die Arme und warf ihm einen missmutigen Blick zu. Insgeheim immer noch ein wenig hoffnungsvoll, dass er mich im Anschluss an diese mehr als theatralische Szene elterlicher Intervention weiterfahren ließ, verblieb ich neben der geöffneten Fahrertür, während ein schwarzer Chevrolet mit laut aufgedrehtem Bass an uns vorbei weiter den Mulholland Drive hinauf bretterte und wiederholt eine trübe Staubwolke an uns vorbeiziehen ließ. Die feine Schicht Erdpartikel, die sich auf meiner Haut absetzte, kitzelte auf Knien und Armen.
Tatsächlich brannte Kaliforniens Sonne heute auf alles nieder, was sie erreichte. Tony schien es nichts anzuhaben, weder seinen perfekt geföhnten Haaren, noch seinem körpereigenen Temperaturhaushalt, denn er zog nicht einmal sein leichtes Jackett aus, während ich binnen Sekunden an der hitzeflimmernden Luft schon erste Schweißtropfen in meinem Nacken aufblühen spürte.
Unzufrieden ließ ich meine Sandalen über ein paar kleine Steinchen abrollen, die den gesamten sandigen Seitenstreifen bedeckten, kaum dass er neben mich trat. „Ich habe dich nicht fast umgebracht“, beharrte ich. „Du hast selbst gesagt: Fast alle deine Wagen haben einen intelligenten Unfallschutz. FRI ist mit an Bord. Ich kann gar keinen Unfall bauen.“ Mein Verstand machte einen neunmalklugen Satz. „Und außerdem hat das System gar nicht eingegriffen, also lag ich richtig an der Kreuzung.“
Tony schnaubte sacht. „Nicht jeder Wagen dort draußen ist mit fantastischer Stark-Technologie ausgestattet, Sola“, beschied er mir trocken. „Wenn du Entscheidungen am Steuer triffst, dann solche, die du in jedem Wagen überlebst – nicht bloß in diesem.“
Unaufgeregt fasste er nach der Autotür und bedeutete mir mit dem Kopf, mich zur Beifahrerseite herüber zu begeben. Er schien nicht verärgert, seine vorherige Theatralik lediglich Symptom seiner kurzweilig aufgequollenen Ungeduld, aber es war eine ausdrückliche Degradierung. Meine Schultern sackten herab. Genervt tat ich wie geheißen.
„Und das, was du eben gerochen hast, war Asphalt“, setzte ich bissig nach. „Es sind über hundert Grad hier draußen. Vielleicht lässt du das Fenster das nächste Mal einfach oben.“
Tony hob lediglich die Brauen. Ohne meinen garstigen Kommentar mit irgendeiner Form tiefergehender Aufmerksamkeit zu belohnen, wies er FRI an, Fahrerseite und Steuer auf seine Einstellungen zurückzusetzen und sank in den sich automatisch adjustierenden Fahrersitz.
-/_\-
Weiter landeinwärts waren in der Ferne die dunklen Schwaden eines Waldbrandes zu erkennen.
Eingeschnappt stierte ich aus dem Fenster und begann darüber nachzusinnen, wie viele Meilen zwischen uns und dem sehr fernen Feuer lagen und inwieweit mir die vor uns liegenden Landschaftswahrzeichen bei dieser Schätzung wohl behilflich sein mochten. Doch schon nach gut einer halben Minute langweilte mich diese Überlegung kolossal und ich tat bloß nur noch, als grübelte ich über etwas nach, während ich innerlich weiterhin ausgiebig mit meinem siechenden Stolz rang.
Tony startete den Wagen und kehrte auf die Straße zurück.
Er dramatisierte immer noch ein wenig vor sich hin, wenn auch nun gedämpfter und weniger gestenreich. Obwohl er mich dabei fortwährend aus dem Augenwinkel beobachtete, ging ich auf keine seiner wohlplatzierten Wortspitzen und Köder ein und so verlängerten sich schließlich die Pausen, in denen seine schweigende Wachsamkeit zwischen dem flirrenden Mulholland Drive, dem wundervollen Panoramablick auf L.A. und meiner stillschweigend verschnupften Gestalt lediglich hin und her wechselten.
Es ging schneller, als ich es mir erklären konnte. Von der einen Sekunde auf die nächste versickerte der straffe Ärger in meiner Brust und verwandelte sich bloß nur noch in niedergeschlagenen Verdruss.
Meine Kehle schnürte sich zu.
Aus dem Seitenfenster sah ich hinauf in die von Büschen und kargen Pflanzen bewachsenen Sandhügel der Hollywood Hills und wich seiner beiläufigen Musterung aus.
„Ich bringe uns ein Stück weiter runter“, setzte Tony an, wie um wieder Frieden zwischen uns zu stiften. „Wir machen eine kurze Pause und dann übernimmst du wieder.“
„Na dann. Prima.“
Ich wusste, dass ich es ganz und gar nicht begeistert klingen ließ.
Tony atmete aus. „Du warst dort oben überfordert, Sola.“
„War ich nicht .“
„Stimmt, es lief alles bestens, bis zu dieser Kreuzung, danach hast du einfach die Nerven verloren …“ Kaum, dass ich gereizt den Mund öffnete, sprach er schon weiter: „Und hey, hey , das ist in Ordnung. So etwas passiert. Deshalb üben wir. Damit dich solche Situationen nicht mehr kalt überraschen und völlig aus der Bahn werfen.“
Sein gewogenstes Lächeln erhellte wieder seine Züge, wann immer er mich kurzzeitig in den Blick fasste. Es war vermutlich dazu gedacht, mich aufzuheitern und mir seine offen platzierte Kritik zugleich etwas schmackhafter zu machen und nicht in eine Form überbordender Erwartungshaltung oder fehlenden Vertrauens zu verwandeln, aber es zog nicht.
Ich sah einfach wieder aus dem Seitenfenster.
„Okay“, erwiderte ich karg.
Zwei Minuten lang stierten wir bloß in verschiedene Richtungen, während Tony absolut mühelos den Mulholland Drive hinabkurvte und sich auch von den größten entgegenkommenden Fahrzeugen an den engsten Biegungen nicht weiter schrecken ließ, dann atmete er jäh aus, warf einen knappen Blick in den Rückspiegel, scherte ohne jede Ankündigung wieder an den sandigen Seitenstreifen aus und hielt.
„Also gut.“ Schlagartig wieder absolut rational, fasste er mich in den Blick. „Von mir aus. Du sagst, du bekommst es hin, ich stell es nicht in Frage. Abgemacht. Aber so einen Stunt wie dort oben, wiederholen wir nicht, klar? Das macht mein Herz nicht mit.“
Frustriert schnaufte ich. „Dieses Auto-“
„-ist weitestgehend unfallresistent, ja, aber das ändert nichts an meiner Perspektive , Sola.“ Er seufzte. Sein Blick flog umher, ehe er sich merklich einen Ruck gab, kurz in sich hineinatmete und schon wieder ausstieg. „Wenn bei mir noch einmal die Alarmglocken aus ihrer Aufhängung springen, landest du auf dem Rücksitz“, beschied er mir knapp.
Es waren theatralisch überspitzte Worte. Ich verzieh sie ihm, denn ich brauchte den Moment, um meine Überraschung über seinen schnellen Entscheidungsumschwung zu verarbeiten, dann schnallte ich mich schon hastig ab und sprang erfreut aus dem Wagen.
Jeder vorherige Frust war verblichen, als wir beide wiederholt die Seiten tauschten, ich mich in den Fahrersitz fallen ließ und Tony die Beifahrertür hinter sich zuzog.
„FRI-“, setzte ich an.
„Schon dabei, Sola.“
Tatsächlich kehrten Spiegel, Lenkrad und Sitz bereits in dieselbe Position zurück, in der ich sie verlassen hatte. Als alles bereit schien, überprüfte ich rasch alle Spiegel, wie es mir Clint eingetrichtert hatte, und warf dann auch schon einen schnellen und nun wieder folgsamen Blick zu Tony herüber. Seine erwartungsvolle Miene erteilte mir längst ihre Freigabe und so startete ich den Motor, setzte den Blinker und wartete das Vorbeifahren eines staubigen Pick-Ups und eines Kombis ab, ehe ich einen letzten Blick über meine Schulter warf, anfuhr und auf die vor uns liegende Straße zurückkehrte.
Tony verkniff sich ein Lächeln.
Wir fuhren etwa zehn Minuten und hatten wieder dichter besiedelte Teile des Stadtgebiets erreicht, die meine Aufmerksamkeit nun zunehmend zwischen den rein landschaftlichen Erfordernissen und den anderen Verkehrsteilnehmern splittete, als mir am Straßenrand ein uniformierter Polizist ins Auge fiel, der von seinem abgestellten Motorrad vortrat und Blickkontakt mit mir aufnahm, ehe er schon den Arm hob und mich mit deutlicher Geste an den Straßenrand kommandierte.
Verunsicherung überkam mich. „Tony …“
Er sah von seinem StarkPhone auf, auf das er beiläufig hinabgesehen hatte. „Hm?“
„Da vorne ist ein Officer. --- Er winkt mich von der Straße.“
„Kein Problem.“ Tony steckte das StarkPhone wieder ein. „Ist bloß eine Verkehrskontrolle. Fahr rechts ran, ich klär das.“
Nervös sah ich in den dichteren Verkehr in meinen Rücken, setzte wiederholt meinen Blinker, scherte angespannt aus und drosselte mein Tempo. Diesmal hielt ich ganz und gar vorbildlich.
Tony hob eine Braue. Rege Belustigung umspielte schon wieder seine Mundwinkel, doch kaum, dass der Verkehrspolizist an mein Fenster trat und ich dieses stumm herunterfuhr, richtete er schon all seine Aufmerksamkeit auf den etwa gleichaltrigen uniformierten Mann vor unserem Wagen.
Mit nach wie vor blitzend polierter Sonnenbrille beugte sich Tony an mir vorbei. „Hi, Officer.“ Er sah aus und klang exakt wie der Superstar, der er war. Heiter, sorglos und milliardenschwer. „Ein Glück, dass Sie da sind. Jemand muss sie aufhalten. Sie fährt wie eine Wahnsinnige.“
Ich zuckte. „Dad!“
Der Officer ließ sich nichts anmerken; weder, dass er erkannt hatte, wer vor ihm saß – denn das hatte er, sofern er nicht gerade erst aus einem zwanzigjährigen Koma erwacht war – noch, ob ihn Tonys überdramatisierte und zugleich absolut ausgeglichene Erleichterungsbekundung amüsierte.
„Das hier ist eine allgemeine Verkehrskontrolle“, informierte er mich. „Zur Überprüfung Ihrer Fahrerlaubnis benötige ich bitte Ihren Führerschein, Miss.“
Mein Blick wanderte zu Tony, der bereits besagte Karte in der Hand hielt und an den Officer überreichte. „Sie hat einen Lernführerschein.“ Er blinzelte. „Noch nicht sehr lange, wie Sie bemerkt haben werden. Das dort hinten war jedenfalls kein Sekundenschlaf.“
Brüskiert presste ich die Lippen aufeinander, während der Officer nun tatsächlich die Mundwinkel hob.
Während er meinen Lernführerschein in Augenschein nahm und die darauf notierte Nummer geübt in sein Gerät zur weiteren Überprüfung übertrug, schielte ich finster zu Tony herüber.
„Da wir Sie schon hier haben, Officer“, holte dieser augenblicklich Luft. „Oben am Mulholland Drive gibt es diese nicht befestigte Kreuzung knapp hinter der Biegung-“
„ Dad “, ächzte ich.
Er überging meinen Protest, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. „Was schätzen Sie, was die empfohlene Geschwindigkeit ist, mit der man sich dort oben nähern sollte?“
„Meines Wissens ist das dort geltende Tempolimit ausgewiesen, Sir.“
„Ah.“ Tony sah zu mir. „Nun, Sola, war sich da nicht sicher.“
Etwas recht Unschönes entfuhr mir in tief gesenktem Grummeln.
Es ließ Tony augenblicklich innehalten. Nur scheinbar perplex blinzelnd fixierte er mich. „Haben Sie das auch gehört, Officer? Hat sie mich gerade einen Idioten genannt?“ Er schnippte in Richtung des Polizeigeräts. „Notieren Sie das gleich mit. Zeitpunkt und Tatbestand. Wie viele Tage Haft stehen darauf?“
Der Officer hob nicht einmal den Blick. „Solange sich solcherart Freundlichkeiten nur gegen Sie wenden, liegt das ganz allein in Ihrer Zuständigkeit, Sir.“
Puterrot sank ich noch ein Stück tiefer in meinen Sitz hinab.
Tony entließ ein amüsiertes Grunzen.
„Gut“, befand er. „Die Jury berät sich.“
Ich strafte ihn weiter mit Blicken, was ihn nicht im Mindesten zu beeindrucken schien. Angesichts meiner ansteigend peinlichen Berührung schien er vielmehr bestens unterhalten, aber nicht auch nur ansatzweise schuldbewusst.
„Tut mir leid, Sir“, murmelte ich deshalb immer noch mit heißem Gesicht, kaum dass der Officer seine Überprüfung beendete und mir meinen Lernführerschein endlich zurückreichte.
„Alles bester Ordnung, Miss Stark Waters. Weiterhin gute und sichere Fahrt.“ Er nickte Tony zu und tippte kurz an meinen Fensterrahmen. „Mr. Stark. Augen aufs Cockpit – es ist viel los heute.“
Tony schmunzelte. Er ließ sich nichts anmerken.
Ich schoss ihm trotzdem einen schadenfrohen Blick zu.
Kaum, dass der Polizist uns den Rücken kehrte, verdrehte er schon die Augen.
Jupp , er hatte den Verweis auf sein Smartphone verstanden. Nun ja, Karma, nicht?
Vielleicht lag es daran, dass es sich immer noch ein wenig ungewohnt anfühlte, aber ich sah beiläufig auf meinen Lernführerschein hinab, der meinen neuen, erweiterten Nachnamen in klaren Buchstaben als Stark Waters abbildete, ehe ich die Ausweiskarte in meine Hosentasche schob, wieder das Steuer umgriff und fest entschlossen die Schultern zurücknahm.
Diesmal wartete ich nicht auf seine Freigabe. Ich grinste lediglich angesichts seiner nach wie vor ertappten Attitüde, startete den Motor, sah über die Schulter und fuhr an.
-/_\-
Mein Selbstbewusstsein währte nicht sehr lange.
Der Ventura Freeway, der uns in großem Bogen nach Malibu zurückführen sollte, ächzte vor solch hohem Verkehrsaufkommen, als wir ihn erreichten, dass ich es nahezu bereute, Tony das Steuer zuvor nicht einfach überlassen zu haben.
Es war in Nichts mit den freien Straßen und Kreuzungen zu vergleichen, die ich seit Beginn unserer Übungsfahrten bislang bewältigt hatte, ja, nicht einmal mit dem gleichmäßigen, aber doch recht geschäftigen Verkehr von Universal City, das nun hinter uns lag. Obwohl erst früher Nachmittag war der Freeway bereits trotzdem so dicht, dass wir umgehend ins Stocken kamen, kaum dass ich auffuhr.
Um mein Gesicht zu wahren, indem ich mich aufs Schmollen verlegte und Tony das Steuer überließ, war es nun zu spät, ebenso wie dazu, das Ganze mit betonter Coolness zu überspielen, denn meine Nerven lagen blank und inzwischen hatte Tony durchaus ein ansehnliches Gespür dafür entwickelt, jedes instinktive Gehabe zu durchschauen, zu dem ich mich hinreißen ließ.
Nicht sehr verwunderlich, schließlich besaßen wir da inzwischen leider doch unsere klägliche Vorgeschichte. Gewissermaßen ein kleines Portfolio laienhafter Verschleierungsversuche und duseliger Entscheidungen.
Der Sola-Stark-Waters-Crashkurs in geballter Überlebens-Inkompetenz.
Nun , hier kam die nächste Lektion.
Meine angespannte Schweigsamkeit ließ anscheinend keinen Zweifel an meinem lauen Hilferuf, denn Tony sank in eine gänzlich andere Form der Aufmerksamkeit, kaum dass der Verkehrsstau sich endgültig um uns schloss. Mit nun sehr ruhigen und ganz und gar sachlichen Anweisungen navigierte er mich durch den Irrsinn aus aufglühenden Rücklichtern, rollenden Karosserien und genervtem Gehupe. Er setzte den Blinker, wenn er es für angebracht hielt, wies mich an mehr Gas zu geben, wenn wir jählings die Spur wechselten, oder griff gleich ins Lenkrad und führte es für mich mit, damit wir es noch rechtzeitig schafften und dabei keine Totalsperrung verursachten.
Alles in allem übernahm er.
Ich war dankbar, befolgte gewissenhaft jede Anweisung und bemühte mich, mich auch nicht von dem gelegentlichen Hupen von Fahrern aus dem Konzept bringen zu lassen, die Tony erkannten und bloß auf sich aufmerksam zu machen versuchten, bis der Verkehr sich schließlich wieder etwas lockerte, wir in eine halbwegs gleichmäßige Geschwindigkeit zurückfanden und meine Anspannung wieder erheblich nachließ. Den restlichen Weg bewältigte ich in Eigenregie, trotzdem verspürte ich vage Erleichterung, als wir letztlich den mir längst vertrauten East Pacific Coast Highway erreichten.
Der pazifische Ozean strahlte im gleißenden Sonnenlicht, die staubtrockene Küstenlinie ragte zu unserer Linken auf und entspannte Wellen brachen sich an den vielen kleinen Stränden und Aufschüttungen der weltbekannten Küstenstraße, die auf direktem Wege nach Point Dume zurückführte.
Meine Konzentration war ganz auf die vor mir liegende Straße und das unsagbare Panorama gerichtet, das Tony binnen weniger Monate zu meiner dritten Heimat gemacht hatte, als er mich jäh überrumpelte, indem er mich aus dem Nichts anwies, vorzeitig abzufahren und auf dem Parkplatz des El Matador Beachs zu halten.
Obwohl wir beinahe Zuhause waren, tat ich wie geheißen.
Mein erster Parkversuch gestaltete sich mau. Ich schaffte es gerade einen halben Meter in die Parklücke zwischen einem ordentlich geparkten SUV und einem schmalen Cabrio, ehe ich realisierte, dass ich mich massiv im Winkel verschätzt hatte, wieder herauszufahren gezwungen war und mich händeringend neu zu positionieren begann, bevor ich erneut den Rückwärtsgang aktivierte und festentschlossen durchatmete.
„Warte, weiter einschlagen.“ Tony half nach und zog mein Lenkrad zurecht, ehe ich mich ein zweites Mal blamieren konnte. „Noch ein Stück mehr, Sola. Gut … hier, --- nein, beibehalten, dann erst gegenlenken, … so .“ Er ließ los, als wir schlussendlich so perfekt standen, dass ich den Motor tatsächlich abstellen konnte, ohne auch nur eine winzige verbliebene Korrektur vornehmen zu müssen. „Das war’s. Kinderspiel, siehst du?“ Er winkte ab. „Irgendwann klappt’s. Bis dahin assistiert FRI.“
Halbwegs geschafft sah ich zu ihm. „ Hmm … Kinderspiel.“
Und dann strahlte Tony mich bloß nur noch an. Seine Pupillen schimmerten, zufrieden und ein wissendes Stück amüsiert. Ich lächelte ebenfalls, da ich nichts anderes zu tun wusste, als seine wohlwollende Freude zu erwidern und insgeheim beruhigt für mich festzuhalten, dass er nach dem ganzen Debakel immer noch so guter Laune schien, dass es nicht wirklich so schlimm verlaufen sein konnte, wie es mir zwischenzeitlich immer mal wieder erschienen war.
Fragen würde ich ihn trotzdem nicht. Besser nicht allzu tief graben, entschied ich.
„Na, los, Pokerface.“ Tony öffnete die Tür. „Komm mit.“
„Wohin-“
„Dort drüben gibt es Softeis.“
Er war schon raus in die föhnende kalifornische Hitze, ehe ich seinen Aufbruch noch weiter kommentieren konnte. Seine spontanen Schnapsideen längst gewohnt, summte ich nur meine gelinde Zustimmung, verkniff mir den sinnlosen Verweis auf die vielen Touristen und Strandbesucher, die ganz sicher jeden Moment in Schockstarre und Schnappatmung verfallen würden, sobald sie erst registrierten, dass Iron Man unter ihnen wandelte, und folgte ihm verhalten aus dem Wagen.
Tatsächlich sah ich bereits die ersten Passanten auf dem Parkplatz die Köpfe wenden, während ich noch die Fahrertür hinter mir zuwarf und Tony mit locker in die Hosentaschen gegrabenen Händen darauf wartete, dass ich endlich zu ihm aufschloss.
„Sollen wir wirklich-“
„-bereits zum Dessert greifen? Absolut. Mein Zuckerhaushalt ist im Keller.“ Gelassen schritt er los. Ich hängte mich an seine Fersen, während er seinen Blick zielsicher auf den kleinen Eisstand und sein retro-stylisch ausgewiesenes Menü heftete, vor dem ein etwa Zweijähriger und sein etwas älterer Bruder gerade ihre Waffeln gereicht bekamen. Tony beschleunigte seinen Gang. „Perfekt, sie haben Pistazie.“
Ich sah seinen Blick kurz zu den beiden Jungen und ihrer Mum springen, die den jüngeren bei der Hand fasste und den anderen ermahnte, sich nicht vom Fleck zu rühren, bis sie gezahlt hatte. Als wir in ihren Rücken traten, reichte sie dem Verkäufer ein paar zerknitterte Dollarnoten, ohne ihren älteren Sohn dabei ganz aus den Augen zu lassen. Er hopste auf der Stelle und nach kurzer Sekunde tat es ihm sein jüngerer Bruder gleich. Die Waffel wackelte bedrohlich in seiner winzigen Hand. Ich sah das Unglück förmlich nahen.
Die Frau seufzte bloß.
Für einen Moment schienen Tonys Gedanken in eine undefinierbare Ferne zu rücken, dann schnappten sie schon wieder sichtbar ins Hier und Jetzt zurück und er sah wieder zu mir.
„Lass mich raten – der Standard.“
Ich lächelte knapp und geständig, auch wenn ich, anders als er selbst, die deutlich aufkochende Aufmerksamkeit um uns herum immer noch nicht vollends auszublenden vermochte, insbesondere, als ein anderer Junge an einem nahen Pick-Up ein hörbares Japsen ausstieß. „Das ist Iron Man !“, rief er und fuhr schon in Richtung Fahrerkabine herum, aus der sich ein braungebrannter, halbkahler Mann aufrichtete, den er aufgeregt beim Handgelenk packte. „ Dad , er ist hier! Das ist er! Iron Man .“
Zwei junge Frauen ein Auto weiter zückten ihre Smartphones und machten Fotos, gerade als die junge Mutter mit ihren zwei Söhnen sich verwirrt zu uns umwandte und merklich aus dem Konzept gebracht beiseite wich.
Ihre Beuteltasche stieß gegen das Softeis ihres älteren Sohnes, der nun stumm und fassungslos zu Tony aufsah, ohne den Zusammenprall überhaupt noch zu registrieren. Rasch schob ich seine Hand ein wenig weiter, ehe er sein ganzes Eis ruinierte. Ich schenkte ihm ein schnelles Lächeln.
Der Junge blinzelte. „Bist du-“
„Ja.“
Sein Mund klappte auf.
Ich zuckte, als ich unser absurdes Missverständnis begriff. „Nein, nein --- Ich bin kein Avenger. Ich dachte …“ Schnell gluckste ich und schnippte schon wieder zu seiner Waffel. „Hey, dein Eis schmilzt.“
Mein Ablenkungsmanöver schien zu fruchten, denn der Junge sah verwirrt auf seine Hand hinab.
Ehe ihm ein neuer Gedanke kommen konnte, wandte ich mich schon wieder Tony zu, auch wenn ich nicht einmal wusste, ob ich ihm einen vorwurfsvollen oder beschwörenden Blick zuwerfen wollte. Was dabei herauskam, schien letztlich mehr drängelnd, denn er verdrehte bloß die Augen und ließ den Eisverkäufer entspannt wissen, dass wir ebenfalls zwei Waffeln begehrten, wobei er sich nicht nehmen ließ, mein stinklangweiliges Sahneeis ganz ungefragt mit einem zusätzlichen kunstvollen Krokant-Topping verfeinern zu lassen.
Kaum, dass er die fertige Waffel mit gehobenen Brauen an mich weiterreichte, zuckte ich genehmigend mit den Achseln und nickte.
Es sah lecker aus. Wer war ich da, mich zu beschweren?
Tony zahlte, dann schlenderten wir schon weiter in Richtung Bucht. Ein erdiger Pfad führte direkt an die Klippen des El Matador Beach, der einige Meter unter uns über eine steile Holztreppe zu erreichen war.
Als ich die hohen Wellen erblickte, die sich an den traumhaft schön zerklüfteten Strand brachen, der von einzelnen, steilen Gesteinsformationen durchschnitten schien, hielt ich für eine Sekunde den Atem an. Surfer tummelten sich im Wasser und augenblicklich beneidete ich sie um die Möglichkeit, diese kraftvollen Schaumberge zu erobern, die hier hereinbrachen.
„Das ist der Hammer“, japste ich.
Nun war es mein eigenes Eis, das mir in der siebenden Hitze geradewegs die Hand hinabschmolz, während ich mich schon über das sichernde Holzgelände hinweg beugte, um den Strandabschnitt in der Tiefe vollends ins Auge zu fassen. Die Wellen waren mit denen an Point Dume nicht zu vergleichen. Nahezu jede von ihnen schien vielversprechend.
Seufzend wies ich hinaus. „Siehst du die Rippströmung? Sie liegt optimal. Das ist perfekt.“
„Hm.“ Tony aß sein Eis. Er beobachtete mich.
„Die Wellen sind großartig!“ Ohne das glänzende, brechende Wasser noch ganz aus dem Blick zu lassen, nippte ich rasch die feinen Straßen flüssigen Softeises von meinem Handrücken, ehe es mir wie einer Fünfjährigen auf die Knie und Sandalen tropfen konnte. „Sie kommen richtig regelmäßig rein“, begeisterte ich mich weiter, „und sie halten länger . Siehst du?“ Fantastisch , wiederholte mein Sportlerherz. Ein Traum .
All die Muskeln, die ich in den vergangenen Wochen nahezu täglich mit den Kräften des Ozeans in Resonanz gebracht hatte, zuckten in jäher, hoffnungsvoller Bereitschaft.
Der selbstzufrieden gleichmütige Zug um Tonys Mundwinkel schien sich noch einmal zu verdichten. Er überspielte es nicht einmal mehr. „Guter Ort?“
Ich zuckte. „Du wusstest es!“, realisierte ich. „Deshalb haben wir gehalten! Du wolltest mir den Spot zeigen.“
Tony hob die Schultern. Der Blick, den er hinter seiner blitzenden Sonnenbrille verbarg, sagte alles. Ja , er hatte das hier geplant.
Aber ---
Ich stockte. Siedend heiß wurde mir wieder bewusst, dass wir schon heute Nacht im Flieger zurück nach New York sitzen würden. Es gab gar keine Gelegenheit vor unserer Heimreise noch einmal hierher zu kommen. Meine Euphorie brach in sich zusammen. „Wieso kommen wir erst jetzt hierher?“, stieß ich perplex aus. „Es ist maximal zehn Minuten entfernt-“
„-und reine Zukunftsmusik“, unterbrach er mich schon entspannt. „Ich lasse FRI die nahen Buchten und beliebtesten Surfspots entlang der Küste kartieren und kategorisieren, dann sehen wir weiter. Das hier ist etwas für Profis, Sola. Nicht unbedingt dein Mount Everest, aber zumindest schonmal dein Mont Blanc.“
„Mein was?“
„Dein Mont Blanc.“ Er blinzelte. „Der höchste Berg der Alpen? Europa?“
Die geduldige Regungslosigkeit, mit der er mich bedachte, ließ keinen Zweifel an seiner Haltung gegenüber meiner mehr stümperhaften Geologie-Kenntnisse. Bislang war ich damit gut gefahren, aber – nun ja – bislang hatte auch niemand dramatische Allegorien zwischen meinen bevorzugten Freizeitaktivitäten und etwaigen ausländischen Bergketten gezogen.
Tony rieb sich das Ohr, wischte meinen Kommentar einfach beiseite und wies stattdessen schon wieder auf meine verbliebene Waffel. „Dein Eis dampft.“
Wie gesagt.
Dramatisch .
Ich rümpfte die Nase.
Obwohl ich meinen Blick zurück auf den unter uns liegenden Strandabschnitt richtete, spürte ich Tonys zufriedene Musterung, die mich wiederholt einfing, während ich noch sehnsuchtsvoll meine Arme auf dem Holzgelände abstützte, nun doch recht erfolgreich die stockenden und Smartphone zückenden Passanten in unserem Rücken ignorierte, die uns beide ablichteten und Tony räuspernd um Aufmerksamkeit bedrängten, und zu dem rauschenden Wasser und all den glücklichen Surfern hinabsah, denen kein überengagierter Superheld vorschrieb, welche Welle im grünen Bereich lag. Mein verbliebenes Softeis verspeiste ich in einem Zwiespalt aus leisem, kindischem Groll und ungeduldiger Vorfreude auf unseren nächsten Besuch in Malibu, während Tony ein paar Fans beglückte, indem er sich endlich zu ihnen umwandte und sich für ein paar schnelle Selfies bereiterklärte.
Ihrer aller geballter Freude in meinem Rücken brachte mich zum Lächeln, bis ein jäher, wütender Ausruf aus der Ferne mich schlagartig den Kopf wenden ließ:
„ Fahr zur Hölle, Stark! “
Am Ende des Pfades stand ein Mann in dunklen Shorts und Baseball-Cap. Er stierte hasserfüllt zu uns herüber.
Etwas in mir regte sich. Verhärtete sich.
Ich richtete mich auf.
Beunruhigt sah ich zu Tony weiter.
Er behielt den Fremden im Blick. Einen langen Augenblick regte sich keiner von ihnen beiden, dann schritt der Unbekannte einfach weiter in Richtung Parkplatz, als habe er nie etwas Nennenswertes von sich gegeben. Tony wiederholte das unterbrochene Foto, lächelte schnell, löste sich von der nun zufrieden summenden Gruppe und kehrte zu mir zurück.
Ich sah ihn bloß an.
„Alles in Ordnung“, versicherte er und legte seine Hand in meinen Nacken. Es war eine wortlose Aufforderung mich wieder in Bewegung zu setzen, was ich auch tat. Mir entging nicht, dass er einen beiläufigen Blick über seine Schulter zurückwarf, als er mich weiter in Richtung Treppe führte, statt zum Parkplatz zurückzukehren.
Sacht verwirrt ließ ich mich von ihm treiben. Als ich schließlich verstand, dass er mich bewusst von dem Unbekannten weiter wegführte, erhob sich ein zweiter, nun etwas klarer Schwall Sorge in meiner Brust.
Erneut sah ich zurück, doch der Mann schien fort. Tonys Hand sank aus meinem Nacken und verblieb an meiner Schulter, während ich zu seinem Arm herüberschielte. Etwas in mir atmete durch, denn die Armbanduhr, die in Wahrheit einen Arc-Reaktor mit Nanotechnik beinhaltete, die ihn binnen Sekunden mit einem voll funktionstüchtigen Repulsor-Handschuh auszustatten vermochte, ruhte an seinem Handgelenk und lugte unter seinem leichten Jackett-Ärmel hervor.
Ihr Anblick beruhigte mich erheblich.
Als wir die steilen Holzstufen zum Strand hinabstiegen, ließ Tony mir den Vortritt. Unterwegs schliff ich mit meiner linken Wade ungünstig an einer der spröden Stufenkanten herab und unten angekommen humpelte ich erst ein paar Sekunden in dem Versuch vor mich hin, den unmittelbaren Juckreiz mit ein paar schnellen Kratzeinheiten zu besänftigen, bis Tony mich locker beim Ellbogen fasste und weiter hinab in Richtung Wasserlinie führte.
Für einen heißen Nachmittag war die Bucht erstaunlich rar besucht. Hier und dort lag ein sonnentrunkener Strandbesucher auf seinem Handtuch, aber die wenigsten sahen wirklich auf und so blieben wir weitestgehend unbehelligt. Schon nach wenigen Sekunden begriff ich, dass es vermutlich die vielen untergründigen Felsformationen und der recht abenteuerliche Zugang zur Bucht waren, die diesen Strandabschnitt vor allzu großem Andrang bewahrten.
Für einen Spaziergang war er jedenfalls traumhaft. Ehe Tony wegen verschmutzter Autopedale sein Veto einwerfen konnte, zog ich schon meine Sandalen aus und trieb meine Zehen und Knöchel in den wunderbar kühlen Sand. Zu meinem Erstaunen tat er es mir schon nach wenigen Schritten gleich, streifte einfach seine Mokassins ab und klemmte sie abwesend unter seinen Arm, während er noch einen raschen Blick auf sein StarkPhone warf.
Das kurze, lustlose Zucken seiner Mimik verriet mir, dass ihn die eingegangenen Nachrichten nicht sonderlich beeindruckten, noch sonderlich lockten.
Gut , summte es in mir. Kein unmittelbar bevorstehender Weltuntergang und auch kein hastiger Aufbruch ins nächstbeste Feuergefecht, der mich allein in Malibu Point zurückließ. Seit Clint und die anderen aus L.A. abgereist waren und auch Happy in seinen eigenen Kurzurlaub entschwunden, rechnete ich insgeheim irgendwie schon die ganze Zeit damit – dass jemand oder etwas dazwischenfunkte, die Avengers auf den Plan rief und mich dazu verurteilte, ganz allein in dem unseligen Warten und Hoffen auszuharren, dass Tony einmal mehr gelingen mochte, wozu er sich schlichtweg berufen sah, seit er diese Höhle in Afghanistan verlassen hatte.
Nicht, dass ich nicht froh war zu sehen, dass sich nichts daran geändert hatte.
Alles , was Zeke Stanes verheerende Botschaft verblassen und schlichtweg in Vergessenheit geraten ließ und Tony mit dem altbekannten, unfehlbaren Selbstbewusstsein eines überzeugten Weltverbesserers und Helden flutete, hieß ich willkommen.
Denn das war er.
Egal, was andere sagten oder glaubten oder ihn glauben machen wollten .
Ultron hat Sokovia zerstört. Nicht Iron Man.
Hier unten rauschte das Meer so eindringlich, dass es diesen Gedankengang aus meinem Kopf spülte, ehe ich mich noch ganz in ihm vergraben konnte. Ich vergaß den fremden Mann auf den Klippen, vergaß, was er für eine üble Sekunde in mir ausgelöst hatte, vergaß, dass es mir pochende Angst machte, dass es Menschen gab, die Tony mit einer solchen Überzeugung hassten, dass manche von ihnen zu Männern wie Dr. Fanning oder Zeke Stane wurden, die ihm alles zu rauben versuchten --- bis hin zu seinem Leben oder dem meinen.
Ich hasste es, dass es Menschen und Wesen gab, die ihren Frieden in seinem Tod suchten. Ich hasste es, dass mein Friede gegen den ihren stand.
Ich hasste es so sehr, dass es mich schwindelig machte.
Und dieses Gefühl war neu. Es lebte erst wenige Wochen in mir, aber es tat dies bereits so lebendig wie die kalte, hilflos beißende Angst, aus der es erstiegen war.
Hin und wieder schämte ich mich dafür. Aber nicht oft.
Es machte mich stärker und das musste ich nun auch sein, denn ich war nicht mehr irgendein Mädchen aus Nashua. Mum hatte mich hiervor lange Zeit beschützt, aber dies war nun vorbei. Jetzt war ich die Tochter eines Avengers – eine Zielscheibe in jeglicher Art und Weise.
Wenn ich schwach war, war es Tony auch.
Mein Blick sprang über die hohen Felsblöcke, die uns allseits umgaben, und dann wieder auf das schäumende Weißwasser herab, dass mir hin und wieder erfrischend kühl über die nackten Füße spülte. Tony wich dem feuchten Sand aus und blieb auf dem Trockenen, deshalb tänzelte ich selbst an der äußersten schimmernden Wassergrenze entlang.
Wir beugten uns gerade unter einem tiefen Felsbogen hindurch, beinahe eine kleine, schattige Grotte, als Tony mich anstupste und weiter hinaus aufs Wasser wies.
Erst blinzelte ich, dann strahlte ich auf.
Delfine !
„Es waren auch schon welche vor Malibu Point“, sagte ich, obwohl es meine Begeisterung angesichts ihrer kurzen, flinken Sprünge aus dem Wasser nicht im Geringsten schmälerte. „Clint hat sie entdeckt. Aber sie waren so weit draußen, dass wir sie eigentlich kaum erkennen konnten.“
Diese hier waren dem Strand nahe. Ich konnte sogar ihre Vorderflossen ausmachen.
Schweigend hielten wir inne und beobachteten ihr fernes Getümmel. Eine lose Wolke gieriger Möwen kreiste über ihnen, was mir sagte, dass sie vermutlich auf Jagd nach kleineren Fischen gingen.
Als sich schließlich ein Surfer durchs Bild stahl, riss ich mich instinktiv von der Beobachtung der Delfine los und verfolgte stattdessen, wie er eine fantastisch grün getürmte Welle in Angriff nahm, dieser für einen beeindruckenden Moment absolut gewachsen schien und schlussendlich wieder fachmännisch ins Weißwasser auswich, um einem unkontrollierten Sturz und damit dem sicher unerfreulichen Kontakt mit dem felsigen Meeresboden zu entgehen.
Mein Blick sackte auf all die kleinen, schroffen Felsblöcke zurück, die rund herum aus dem Sand und dem Wasser lugten. In Ordnung, resümierte ich, vielleicht war das hier wirklich etwas für Surfer, die in der Malibu Illustrated nicht in der Rubrik Amateur landeten, sondern eigene Fotostrecken im Adventure-Teil erhielten …
„Dass eben lief besser als gedacht.“
Überrascht wandte ich den Kopf.
„Vorhin auf dem Freeway“, spezifizierte Tony. „War ziemlich viel los dort. Ich hatte keine Ahnung, ob’s klappt oder nicht, aber ich dachte, wir versuchen es. Manchmal muss man rennen, bevor man …-“ Irritiert unterbrach er sich und hob die Brauen. „Was soll das Gesicht?“
„Na ja …“, wandte ich halbherzig ein. „… eigentlich bist du gefahren.“
Als glaube er nicht ganz, was da aus meinem Mund kam, zerfurchte seine Stirn. „Am Anfang habe ich ein wenig das Ruder übernommen. Wir standen in L.A. im Stau, Sola. Dass du das in Woche zwei einfach aus dem Ärmel schüttelst, hat kein Mensch erwartet. Aber alles danach hast du ganz allein gemanagt.“ Er tippte sich auf die Brust. „Hey, ich weiß es, ich habe es gerade bezeugt. FRI hat keinen Mucks von sich gegeben.“
Mild und immer noch ein wenig skeptisch hob ich die Achseln. Trotzdem begann ich zu lächeln.
Zufrieden schnippte er mir eine Haarsträhne meines Ponys zurecht, dann sprang sein Blick auch schon an seinem Hosenbein herab. Er nahm seine Schuhe in die andere Hand und zog sein StarkPhone aus der Tasche.
Obwohl er das Display halb von mir abgewandt hielt, registrierte ich Peppers Bild, denn es war ihre wohlbekannte Anrufer-ID. Statt dranzugehen, sah Tony knapp zu mir, kehrte das summende Display noch etwas beiläufiger von mir ab und hob die Mundwinkel zu einem schnellen Lächeln, das wohl seine Zurückhaltung vor mir verbergen sollte, jedoch nicht wirklich fruchtete, da ich umgehend auf der Lauer lag und seine kleineren Ablenkmanöver längst zu durchschauen begonnen hatte.
Er schniefte knapp. „Bin gleich wieder da.“
Ich gab mich ahnungslos und nickte bloß.
Tony entfernte sich einige Schritte außer Hörweite und warf einen raschen Blick über den Strand in unserem Rücken, wie um sicherzustellen, dass aus dieser Richtung keine unmittelbare Problematik drohte, ehe er das StarkPhone an sein Ohr hob. Ein altbekanntes Unbehagen, das mich seit seiner Ankunft in Malibu gar nicht mehr recht losließ, verdichtete sich einmal mehr und diesmal hatte es nichts mit Aliens und Superschurken zu tun, nein, es war so viel banaler. Mir war bewusst, dass er sich früher fast nie zurückgezogen hatte, wenn er Peppers Anrufe entgegengenommen hatte. Seit er jedoch wider Erwarten alleine in Kalifornien eingetroffen war, tat er es ständig.
Kurz zuvor in New York, als ich mich gleich nach unserem gemeinsamen Karibikurlaub von ihnen beiden noch am Flughafen verabschiedet hatte, um mit Happy und den anderen im bereits startklar wartenden Jet geradewegs nach Los Angeles weiterzufliegen, hatte Pepper mich schnell an sich gedrückt und mir versichert, dass wir beide uns schon in ein paar Tagen in Malibu wiedersehen würden. Als ich also meine leise Verblüffung über sein unverhofftes Solo kundgetan hatte, hatte Tony es leichtherzig abgetan.
„Sie hat sich ausgeklinkt“, hatte er entspannt erwidert. „Das Geschäft ist dazwischen gekommen. Boynton drangsaliert sie schon wieder mit irgendwelchen neuen städtischen Sicherheitsregularien. Sie sagte, sie kann die anstehenden Briefings nicht sausen lassen und dass es ihr leidtue, aber wir es wohl inzwischen hinbekommen sollten, uns mal für zwei Wochen zu benehmen.“
Meine Enttäuschung schien offensichtlich, denn er fuhr schon fort: „Ja, sagte ich ihr auch. Das von uns zweien zu erwarten, ist völlig unverhältnismäßig.“
Als er wenig später mit Clint gutgelaunt in seine Werkstatt hinab entschwunden war, um ihm bei einem Drink ein paar seiner neueren Ideen zu präsentieren, die nach wie vor vehement suggerierten, dass Hawkeye nicht viel mehr als ein kurzes Sabbatical absolvierte, hatte ich ihn weiter über Senator Boyntons kindischen Kleinkrieg gegen eines der wirtschaftlich rentabelsten Unternehmen von New York herziehen gehört. Und Pepper hatte es mir am selben Abend auch noch einmal in einem Telefonat bestätigt, kaum, dass ich ihr eine betont enttäuschte Sprachnotiz gesandt hatte – sie hatte erschöpft geklungen, aber sie hatte gelacht und mir versichert, dass ich es schon mit ihm aushalten würde und dass wir uns in ein paar Tagen wiedersahen. Tony sei in den vergangenen Wochen ruhelos gewesen. Mich auf der anderen Seite des Kontinents zu wissen und das Penthouse ohne mich zu erleben, war nicht spurlos an ihm vorbei gegangen, ganz gleich, wie cool er sich gab, insbesondere da es unsere erste länger währende Trennung seit meiner Zeit auf der Barton Farm gewesen war und ihn zweifellos auch eben daran erinnert hatte.
Daran oder – wie ich still vermutete – einem etwas negativeren Ausgang von Stanes Plänen.
Wenn ich die kommenden Stunden etwas zu erdulden hatte, dann vermutlich außer Rand und Band geratene Aufmerksamkeiten und Spontaneinkäufe, hatte Pepper geendet.
Das alles wäre an und für sich nicht sonderlich beunruhigend gewesen, wenn ich nicht an einem unserer letzten Nachmittage in Barbados eine ihrer zweisamen Unterhaltungen aufgeschnappt hätte, die ganz eindeutig nicht für meine Ohren bestimmt gewesen war. Schon zuvor hatte ich hin und wieder stille, ernste und teils beinahe verschnupfte Augenblicke zwischen ihnen registriert, die allerdings nie mehr denn kurze Momentaufnahmen gewesen waren. Wir hatten den Urlaub in vollen Zügen genossen; wir hatten gelacht, viel zu gut gegessen, einigen Unsinn am Meer als auch in den behaglichen vier Wänden unseres Strandhauses getrieben und alles in allem eine mir immer noch ein wenig unwirkliche, absolut familiäre Zeit verlebt, der es irgendwie gelungen war, die Balance zwischen behaglich und ungezwungen zu halten. Ja, ich hatte mich so sorglos und wohl gefühlt wie keinen einzigen Moment mehr seit Mum und Janes Tod. Ob wir uns nun zu dritt in Katamaran-Fahrten versucht, restlos aussichtslose Kartenspiele mit Tony in sachter Abendbrise absolviert oder uns durch extravagante Delikatessenproben in bunten Straßenhäuschen probiert hatten, es war stets in bester Laune verblieben. Selbst, wenn wir uns in den Haaren gelegen hatten, war es meist mehr Theater oder neckender Irrsinn gewesen.
Niemand hatte unglücklich geschienen. Nicht einmal auf dem Heimflug.
Und doch wusste ich, dass Pepper und Tony über mich gesprochen hatten. Immer mal wieder hatte ich ihre sehr aufmerksamen Blicke auf mir ruhen gespürt – sowohl, wenn ich außerordentlich beschäftigt erschienen war oder aber zu gedankenvoll oder abwesend. Auch wenn sie es sicher annahmen, war es mir nicht entgangen, wie ausgesprochen sensibel sie jede einzelne meiner Stimmungen und Launen aufgenommen hatten.
Ich wusste, worauf sie gewartet hatten.
Den Zusammenbruch. Den Knall.
Das unweigerlich hässliche Resultat meiner Entführung und meines Nahtoderlebnisses in der Stratosphäre, das bislang ausgeblieben war. Eine hochemotionale Reaktion nach den beängstigenden Ereignissen rund um Stane und dem Vertrauensbruch von Dr. Fanning, die sich in irgendeiner überbordenden Art und Weise jähe Bahnen brach, wie es vergangene Trauma bereits getan hatten.
Sie warteten auf eine Regung, auch nur den Beginn einer Verspannung, ohne zu wissen, dass Wanda hierfür vorgesorgt hatte.
Am liebsten hätte ich ihnen gesagt, dass sie sich keine Sorgen mehr zu machen brauchten und dass ich einen Weg gefunden hatte, mit alldem umzugehen. Dass das jähe Ausbleiben meiner Albträume und Panikattacken kein unheilvolles neues Omen waren und schon gar nicht die Ruhe vor dem Wahn. Aber ich wusste, dass sie mir nicht geglaubt hätten, solange ich Tony nicht geradewegs von meiner heimlichen Verschwörung mit Wanda und Clint berichtet hätte.
Und dann wäre Barbados ganz sicher in einem Knall geendet, der noch in Upstate New York zu vernehmen gewesen wäre.
Also hatte ich es einfach hingenommen.
Eines Nachmittags dann hatte ich mir bei einem recht undramatischen Sturz von meinem Surfboard meinen Ellbogen an einem Seeigel zerstochen und war kurz ins Haus zurückgekehrt, um das böse Brennen und die Blutung zu stillen. Ich hatte sie beide auf der Vorderterrasse ernst beisammensitzend erblickt, kaum dass ich das Haus durch die verhangenen Seitenbereiche betreten hatte. Schon an Tonys zurückgelehnt verschränkten Haltung und dem nervös nagenden Zug seines linken Mundwinkels hatte ich erkannt, dass sie sich in einer entschiedenen Debatte befanden, einer irgendwie gearteten Uneinigkeit, doch erst als ich das Zimmer halb durchquert hatte, um vorsichtig anzufragen, wo sich unser Medizinschrank und eine Pinzette befanden, war mir klar geworden, dass sie über mich debattierten.
Ich hatte innegehalten, ohne sie weiter auf mich aufmerksam zu machen. Sie hatten mein ungewohnt verfrühtes Auftauchen bislang nicht registriert, viel zu vertieft in ihre Auseinandersetzung.
„Tony“, hatte Pepper erwidert und ihre Stimme dabei so ernst und fest verdunkelt, dass es mich selbst vor schuldiger Anklage die Schultern einziehen lassen hatte. „Das ist keine Lösung.“
Er hatte bloß den Blick abgewandt, hinaus aufs strahlend blaue Wasser.
„Das hier ist kein theoretisches Problem, das sich mit brillanter Technik aus der Welt schaffen lässt. Es ist keines deiner Projekte. Sie ist deine Tochter, ein Mensch -“
„Wir müssen es veröden-“
„Ich spreche nicht von ihrem Aneurysma!“, hatte sie ihn scharf unterbrochen. Ihr Körper hatte sich eindringlich aus ihrem Stuhl gerichtet. „Und du tust es auch nicht.“ Leise Bitterkeit war in ihren Ton gesunken. „Dafür kenne ich dich wahrlich lange genug-“
„Es ist genau dafür entwickelt worden!“
„Nein-“
Angesichts ihres ungerührt sachlichen Widerspruchs hatte er entgeistert die Arme gelöst. „Du warst begeistert davon. Du warst Feuer und Flamme-“
„-um es als Hilfsmittel fachmedizinischer Behandlungen auf den Weg zu bringen, ja! Nicht zum Zwecke psychologischer Selbstversuche .“ Sie hatte sich aus dem Baststuhl erhoben. „Du wolltest meine Meinung hören. Das ist sie. Nein . Auf keinen Fall kümmerst du dich hierum im Alleingang. Es ist verantwortungslos-“
Er schnaufte. „Pepper, ich verprobe es selbst, bevor-“
Umgehend hatte sie einen trocken aufgebrachten Lacher ausgestoßen, wie ich ihn noch nie aus ihrem Mund vernommen hatte; derart getränkt in beherrschter Überreizung und Anklage, dass ich stumm weiter in die schwebenden Schatten der weißen Vorhänge zurückgewichen war, meine Finger in meinen immer noch sacht blutenden und nun böse kribbelnden Ellbogen gegraben.
„Nein, das ist ja herrlich.“ Sie hatte ihre Hand fliegen lassen. „Da kann es ja nur bestens laufen. Wo denke ich hin?“ Sie lachte einmal mehr, trocken, leiser, unterkühlt , rieb sich die Schläfe und wandte sich schon kopfschüttelnd ab.
Tonys gesamter Widerstand brach in sich zusammen. Er neigte den Kopf. „Pepper …“
„Nein“, hatte sie gefasst erwidert. „Du wusstest, dass das geschieht. Aber das tust du nicht, Tony Stark.“ Über die Schulter hatte sie wieder streng zu ihm herübergesehen. „Sie ist dein Mädchen. Und was sie jetzt braucht, ist ihren Vater, nicht Iron Man .“
Musik:
Back In Black - AC/DC
Driving With The Top Down – Ramin Djawadi