Kettenreaktion
Kettenreaktion
Disclaimer:
Zitate aus dem Marvel Studios-Film Captain America: Civil War (2016) werden in diesem Kapitel durch besondere Anführungszeichen ("'..."') ausgewiesen.
Kapitel 25: Kettenreaktion
Sie hatten aufeinander geschossen. Die Bilder wollten nicht aus meinem Kopf.
Clint, der seinen EMP-Pfeil blitzschnell gegen Tony hob. Tony, der ganze Transportpaletten hinter ihm zu Kleinholz verarbeitete. Es war keine scharfe Munition zum Einsatz gekommen, nicht zwischen ihnen, aber das hatte es in dem äußerst scharfen Tumult der Kämpfe um sie herum auch nicht gebraucht.
Ein Tumult, der Rhodey beinahe das Leben gekostet hatte.
Etwas in mir spürte den Boden immer noch unter meinen Füßen beben, erschüttert von Detonationen, Giganten und Hitze. Mein Kopf hämmerte und mein Hals ziepte, als ich am nächsten Morgen erwachte. Der über Minuten eingeatmete Qualm aus Kerosin und verbrannten Gummireifen rächte sich mit einer Migräne, die mir die Tränen in die Augen trieb, kaum dass ich sie öffnete.
Tony ließ einen Arzt kommen, der mich mit Schmerztabletten und einem lindernden Inhalationsspray versorgte, ihm aber ansonsten versicherte, dass es sich um eine leichte Rauchvergiftung handelte und kein Grund zur Besorgnis bestand, solange ich mich nicht zu übergeben begann oder Schmerzen beim Atmen entwickelte.
Ich blieb im Bett, während Tony ihn wieder hinausbegleitete und für die ungeplante Hausvisite honorierte. Als er zurückkehrte, brachte er mir ein Glas Wasser, wies FRIDAY an, die Entwicklung meine Vitalwerte im Blick zu behalten und jeden Ausreißer bis zu unserer Heimkehr sicherheitshalber auch an mein Ärzteteam in New York weiterzuleiten, und begann meine wild verteilten Klamotten und Souvenirs mit nur einer Hand von Boden und Mobiliar zu sammeln. Hastig schlug ich die Decke zurück, stellte das gerade halb geleerte Glas auf der Nachtkommode ab und stolperte aus den Laken.
„Ich kann das erledigen“, protestierte ich schwach. „Ich mach es schon, Dad, ich packe selbst-“
„Leg dich hin oder geh duschen.“
Halb betäubt vor Kopfschmerz zupfte ich meinen völlig verrutschten Sweater über meinen halb entblößten Hintern herab und schnappte Tony meine Sneakers aus der Hand.
Er beließ es unkommentiert, wies mich aber mit klarem Blick ins Bad und fuhr fort meine Sachen rund um meinen zerwühlten Koffer zusammen zu tragen.
Als ich die Sneakers neben dem Kofferständer abstellte, polterte mein Schädel beim Herabbeugen so sehr auf, dass mir fast schlecht wurde und ich unvermittelt entschied, dass es die Mühe nicht wert war. Tony schien ohnehin entschlossen, diese Sache trotz Armschlinge und etwaiger Prellungen zügig über die Bühne zu bringen, also griff ich mir bloß ein paar frische Kleidungsstücke und verschwand ergeben ins Bad.
Die Medikamente wirkten schnell. Als ich kurz darauf wieder aus der Dusche trat, spannte mein Kopf immer noch, aber es stach nicht länger bis in die Augen, und als ich eine halbe Stunde später in mein Zimmer zurückkehrte, hatten sich sowohl mein wundtrockner Hals als auch der Kopfschmerz beinahe komplett in eine Wolke tabletteninduzierter Benommenheit zurückgezogen.
Mein Gepäck war verschwunden.
Schnell überflog ich Kommoden und Bett nach vergessenen Habseligkeiten, ging noch einmal sicher, dass mein StarkPhone immer noch in meiner Hosentasche steckte, und machte mich mit meiner Schmutzwäsche unterm Arm auf die Suche.
Koffer und Rucksack befanden sich fertig gepackt und abreisebereit im Wohnbereich, nebst zu Tonys eigenem Gepäck. Er selbst verschnaufte inzwischen mit dunkel umwölkter Miene auf der Designerliege. Seine Augen überflogen einen Ausdruck. Eingeklemmt zwischen Zeige- und Mittelfinger hielt er eine mir arg bekannte Kreditkarte.
Er musste sie in demselben Hoodie gefunden haben, in dem ich sie gestern auf dem Weg zum Flughafen vergraben hatte.
Mir wurde kurz heiß, als ich realisierte, dass ich sie schon wieder vollständig vergessen hatte, ganz davon zu schweigen, dass es einem schieren Wunder glich, dass ich sie im Chaos der gestrigen Kämpfe nicht längst irgendwo verloren und damit zum pressetauglichen Glücksfund eines Flughafenmitarbeiters bestimmt hatte.
Befangen stopfte ich meine Schmutzwäsche in meinen Rucksack, stellte ihn unnötig umsichtig wieder ab und linste über die Schulter zu Tony herüber.
„Die wollte ich noch zurückgeben“, ließ ich ihn kleinlaut wissen.
Er sah hinter der Rechnung hervor. „Lag auf dem Boden.“
Ich schluckte.
Tja, scheiße .
Also war sie mir gestern Abend beim Ausziehen doch noch aus der Tasche gefallen.
Während ich noch nervös nach einem entlastenden Argument fahndete, weshalb mir der Fund seiner weitgeneideten Kreditkarte zwischen Mobiliar und Teppich nicht zwangsläufig auch noch anzukreiden war, faltete Tony das Blatt Papier schon über dem Zeigefinger wieder zusammen und setzte sich unbeeindruckt auf. „Zu bezahlen steht sowieso nicht allzu weit oben auf deiner To-Do-Liste, huh ?“
Dicht beschämte Hitze strahlte umgehend meinen Hals empor. „Was?“, summte ich.
Er hob das Papier.
Ich starrte es an wie eine Vierjährige, die völlig bekleckert vor dem Eisfach erwischt worden war und sich nicht anders zu helfen wusste, als auf eine Reaktion zu warten, die ihr sagte, ob sie den gackernd selbstzufriedenen Kobold geben konnte oder doch besser in bittere Krokodilstränen ausbrach.
„Kein Haftbefehl“, kommentierte er trocken, „bloß die Hotelrechnung.“ Tony erhob sich und drückte sie mir im Vorbeigehen in die Hand. „FRIDAY legt sie normalerweise irgendwo ab, wo ich nie wieder draufsehe. Aber die hier wurde mir gerade beim Bezahlen nochmal ausdrücklich in Papier mit über den Tresen geschoben. Soll heißen, du hast dir hier einen Namen gemacht.“
Zaghaft faltete ich die Rechnung auseinander. Mein Blick zog an der Auflistung einiger schwindelerregender Summen für unser präsidentielles Apartment, zwei weiterer Hotelsuiten und etwaiger hinzugebuchter Dienstleistungen vorbei und blieb an drei mit orangefarbenem Textmarker hervorgehobenen Posten hängen:
SONSTIGE
Dienstleistungen In-House
Mobiliar-Schaden/-Reparatur (Apart. Wandregal, Esszimmer) 1.277,00 EUR
Sonderreinigung (Apart. Teppich, Schlafzimmer klein) 65,00 EUR
Dienstleistungen Dritte
Platinum Transport Solutions 1.023,00 EUR
[Komm.: Fahrt (unbezahlt) v. 14.08.2016, Hinfahrt Ritz-Carlton, Berlin nach Flughafen Leipzig/Halle, Auftrag erfolgte über die Rezeption.]
Obwohl die Kosten durchaus zu den geringsten auf der Rechnung zählten, drehte sich mir bei ihrem Anblick trotz allem ein wenig der Magen um.
Den genauen Wechselkurs kannte ich nicht, aber meines Wissens bewegten sich Euro und Dollar auch an diesem Morgen noch in etwa denselben Sphären, was bedeutete …, dass es nahezu dem entsprach, was Mum am Ende mancher Monate ohne Großaufträge für unser Leben zur Verfügung gestanden hatte.
Es war --- viel .
Knapp biss ich mir auf die Lippe und begann meinen Daumennagel in meinen sinnesstauben Ringfinger zu graben. „Wieso sind sie markiert?“
„Hab darum gebeten.“ Tony sagte es, als sei nichts weiter dabei.
Zu wissen, dass er die Rezeptionisten unseres Hotels bewusst mit eingespannt hatte, mich in erzieherischer Art vorzuführen, sorgte nur noch mehr dafür, dass das dichte Unbehagen vom Vorabend zurückkehrte, mein Herz zäh kneten ließ und meinen medikamentengebeutelten Verstand mit den harschen Nadelstichen der gestrigen Geschehnisse durchsiebte.
„Ich zahl es zurück“, sagte ich still.
Tony hielt inne. Obwohl seine Miene blank blieb, hob sich seine Braue doch für eine Sekunde.
Er brauchte nichts zu sagen, ich sah ihn auch so, den peinlichen Fehler in meiner Logik.
Mein Taschengeld entsprach mehr einem monatlichen Verfügungsrahmen, den Tony mir einräumte und den ich bislang kaum einmal auszuschöpfen begonnen hatte. Ich jobbte nicht mehr wie Daphne und alles, was Mum und Jane mir vermacht hatten, lag in irgendwelchen Fonds und Wertpapieren, die er explizit für mich eingerichtet hatte.
Es zurückzuzahlen war absurd, wenn er es war, der ohnehin alles finanzierte, was ich besaß oder wollte .
„Ich meine … ich …“ Heiser stockte ich; bemüht, mich zu korrigieren. „Ich arbeite es ab.“
Seine Brauen verblieben nun oben. In seine Miene gesellte sich nicht mehr als müdes Interesse.
Nervosität begann sich in mir zu regen. „Schon klar, für Aufräumarbeit hast du Dum-E, aber nicht so eine Art Arbeit, mehr wie …“ Ich öffnete die Hand und entließ die Luft. „Na ja, was auch immer Peter für dich macht, kann ich auch ...“
Tony schnaubte knapp. „Nein.“
Als er sich abwandte, spürte ich etwas in mir weiter sinken.
Dass ich gar keine Vorstellung davon hatte, was Peter als Praktikant überhaupt für ihn tat, was nicht auch FRIDAY oder Erin oder einer der anderen Assistenten von SI weit besser und schneller erledigen konnten, realisierte ich erst jetzt, da ich darüber nachsann. „Okay, ich weiß , es ist mehr eine Art Nachwuchsprogramm“, ruderte ich vage getroffen zurück, „aber --- ich kann --- irgendetwas Normales machen … Ich könnte im SI-Restaurant aushelfen oder in der Cafeteria, das wäre im Avengers Tower. Jeder kann Teller abräumen. Jemand muss es tun. Ich helfe nach der Schule --- und am Wochenende. Zwei Monate. --- Oder …“ Er tat nicht mehr als mich teilnahmslos zu studieren. „Gut, ja“, erbot ich geschlagen, „bis Jahresende.“
„Nette Idee, ich denk drüber nach ...“ Tony log so offensichtlich, dass es mich traf. Sichtlich desinteressiert nickte er schon in Richtung Couch, auf der meine Jacke bereitlag. Seine Nanotech-Armbanduhr zirpte. „Zieh dich an.“
Etwas in seinem Ton ließ mich genauso verloren dastehen wie schon bei unserer gestrigen Rückkehr ins Apartment. Und dann dachte ich wieder an Nat, an Clint und an Rhodey , an alles, was gestern geschehen war, und plötzlich schien es einerlei, so taub wurde ich.
„Okay“, sagte ich, „wie soll ich es dann zurückzahlen?“
Tony sah kaum von der eingegangenen Nachricht auf seiner Armbanduhr auf. „Zurückzahlen? Deine Idee, nicht meine.“ Mit konzentriertem Blick wischte er das kleine Hologramm beiseite.
„Tja, ich hab kein Geld“, erinnerte ich karg.
„Du hast eine unglaubliche Menge Geld.“
„Deines.“
Anscheinend meiner Schuldenproblematik überdrüssig sah er auf und fixierte mich. „Diese Zahlen dort auf der Rechnung? Interessieren mich nicht, Sola. Mich interessiert nicht, wie viel mich das ruinierte Regal gekostet hat oder dein geprellter Fahrer oder --- sonst etwas.“ Er stockte, doch anscheinend nur um schwerfällig Luft zu holen. „Zurückzahlen? Nope . Einfach nein. Du zahlst nichts zurück, weil das keine Schuld ist, in der du jemals bei mir stehen wirst. Das ist ein Fakt. Das ist die Welt, in der du lebst, Sola. Du bist nicht Parker. Du kannst Ausgaben, wie diese verursachen, und alles, was mich jemals daran stören wird, ist die Art und Weise , wie es dazu gekommen ist. Was mich beschäftigt, ist die Art , mit der du ausgearbeitet hast, wie du gegen sämtliche Widerstände an einen Kriegsschauplatz gelangst, um dein Leben zu riskieren und dich in eine Sache einzumischen, der du nicht einmal ansatzweise gewachsen warst, bloß um mich emotional zu erpressen .“
„Ich wollte nur , dass ihr miteinander redet“, sprudelte es schon aus mir. „Nicht, dass ihr euch bekriegt und euch --- umbringt . Ihr habt auf einander geschossen. Clint-“
„Bist du auf deinem Weg zwischen den ganzen schweren Granaten und geschleuderten Maschinentriebwerken zufällig einem der beiden Missouri-Ästlinge über den Weg gelaufen?“
Heiser setzte ich wiederholt an: „Nein, ich-“
„Nein. Weißt du warum?“
„D ad -“
„Ich sage es dir.“ Seine Augen blitzten. „Es ist nicht dazu gekommen, weil es keinen minderjährigen Barton gibt, der auch nur auf die Idee kommen würde, dass ein Avengers-Einsatz sich in irgendeiner Weise anbietet, einen vollkommen unbedachten Überraschungsauftritt hinzulegen und den Erwachsenen mal vor versammelter Mannschaft so richtig die Meinung zu geigen. Es gibt keinen Barton, der sich das trauen würde.“
„ Jah “, bestätigte ich herb. Meine Kehle schmerzte. „ Ihre Mum ist auch noch da“.
Tony wurde still.
Sein regungsloser Blick und vages Nicken klare Beweise seiner plötzlich so angestrengt zurückgehaltenen Wut, dass es den jäh sengenden Schmerz in meiner Brust nur verschärfte.
Ich wich seiner starren Miene aus, sah beiseite und bereute es augenblicklich, diesen Schmerz überhaupt ausgesprochen zu haben, diese Furcht , und es zugleich bloß wie eine faule Retorte klingen gelassen zu haben, ein Griff aus der niedersten Schublade; als sei Mum mir nicht mehr wert als das – zynische Widerworte. Ich hielt den Atem an, kämpfte mit meinem ganzen Sein , das nun wieder so spröde und falsch schien, als sei ich bloß ein fehlerhaftes Überbleibsel meiner selbst, und sah schließlich in sein Gesicht zurück.
„ Was du tun wirst“, informierte Tony mich freudlos langsam, „ist dich bei Happy zu entschuldigen. Denn ich versichere dir, einen anderen Bodyguard, dem ich derart gedankenlos dein Leben anvertraue wie ihm, werden wir nicht finden.“
Ich nickte.
Sein ungerührter Blick gab mich frei. Er sah zurück auf seine Uhr.
„Wo ist er?“, fragte ich leise.
„Nicht jetzt, dafür ist keine Zeit.“ Aufbruchsbereit richtete Tony seine Lederjacke unter dem Trägerriemen seiner Armschlinge. „Rhodey wird mit einer Militärmaschine nach New York überführt. Bevor er dort eintrifft, will ich dein Neurologen-Team vernünftig briefen, damit sie Rhodey noch einmal durchchecken, um die vorläufige Diagnose zu prüfen und mit einem Eingriff zeitnah loslegen zu können, falls erforderlich.“
Ich schluckte, als ich mich entsann, dass Rhodeys vorläufige Diagnose das beunruhigende Wort Lähmung enthalten hatte. „Wie geht es ihm?“
„Er kam gut durch die Nacht.“ Tony sah mich nicht an. „Anscheinend traten keine akuten inneren Blutungen auf. Um alles Weitere kümmern wir uns jetzt.“ Seine Miene wechselte zurück in trockene Wertung. „Er lässt ausrichten, dass du nochmal davongekommen bist, denn es sieht nicht aus, als würde er dich in nächster Zeit ein paar Meilen um den See treiben können.“
Meine Miene sank, vage gekränkt. „Den See?“
„Sagte er.“ Tony schnaufte leise. „Hat ihn außerdem ziemlich mitgenommen, dass du das alles mit angesehen hast. Nicht, dass es seine Schuld gewesen wäre, was? Aber eine der ersten Fragen, die er mir gestern gestellt hat, war, wie viel du von all dem mitbekommen hast.“
Ob ich ihn in den Tod stürzen gesehen habe.
Ein dicker Schwall Tränen trat unvermittelt in meine Augen. Ich konnte nicht anders, ich wandte mich ab, wischte mit dem Ärmel die Nässe beiseite und sammelte wortlos meine Jacke von der Couch. Tony beobachtete mich aus widerstrebender Miene.
„Kann ich ihn sehen?“, erkundigte ich mich still.
„Später, nach der Überführung, ja.“
„Fliegen wir mit ihm?“
„Mit Rhodey? Nein, wir nehmen den Quinjet.“
Ich stockte. „Aber …“ Fast zu besorgt, die Thematik schon wieder auf die verstörenden Ereignisse vom Vorabend und damit auf den brodelnden Ursprung dieses ganzen Debakels zurück zu lenken, wisperte ich: „Steve hat den Quinjet.“
„Er hat einen. Unser Exemplar steht noch immer in Schönefeld.“ Gefasst hob Tony meinen Rucksack vom Koffer und drückte ihn in meine Hände. „Das Inhalationsspray ist in der Vordertasche. Frühstück wartet im Wagen. Irgendwelche Sonderwünsche?“
Ich schüttelte den Kopf.
Er taxierte mich kurz. „Das war keine Fangfrage“, ließ er mich wissen. Er hielt inne, nur um schon wieder unverändert nüchtern fortzufahren: „Das Caretaker Protokoll ist wieder in Kraft. Bei deinem Hausarrest bleibt es. Von einer potentiellen Begnadigung vor Halloween wird jetzt keine Rede mehr sein, aber das … erklärt sich von selbst. Mit allem Weiteren befassen wir uns zu Hause.“ Er nickte mir zu. „Was sagt der Kopf?“
Ich schluckte. „Ist okay.“
Lau erwartungsvoll beobachtete ich ihn.
Tony machte einen Schritt auf mich zu. Seine strenge Miene verlor ihr ungerührtes Missfallen, wenn auch bloß den Bruchteil eines Moments. „Was ich gestern sagte, Sola, meinte ich so. Ich meinte es exakt, wie ich es sagte.“
„Ja“, murmelte ich. „Ich weiß. Hab’s verstanden.“
„Damit wir uns verstehen, ich bin absolut nicht scharf drauf, es in Zukunft auf die altmodische Art zu richten. Nach deiner kleinen Schlitterpartie im Central Park sagte ich, dass es ausreichend anderer Mittel und Wege gibt, die bei mir den klaren Vorzug haben werden, und das ist die Wahrheit. Aber was in anderen Angelegenheiten, die hoffentlich nie notwendige Ultima Ratio bleiben wird, ist in dieser ein klar und unmissverständlich formulierter Ausgang – einfach, weil ich nicht riskieren kann, dass sich ein solcher Stunt auch nur ein einziges Mal wiederholt. Was ich damit sagen will: Das hier spielt in einer vollkommen anderen Liga. Wenn du in eine laufende Avengers-Mission platzt, ist das etwas komplett anderes, als wenn du dich zu einem – zugegeben verführerisch – leichtsinnigen Trinkspiel mit Schulkameraden verabredest. Und wenn es Abschreckung sein muss, Sola, um dich von Iron Mans Arbeitsplatz fernzuhalten, dann liefere ich sie und dann stehe ich zu diesem Wort, darauf kannst du Gift nehmen. Aber – und das ist der Punkt – es gibt keine neue Norm zwischen uns. Alles nach bekannten Spielregeln. Nichts hat sich geändert.“
Ich scharte mit den Füßen. „Nein?“, murmelte ich.
„Nein.“ Seine Antwort klang blank wie final.
Ich schwieg.
Als Tony sich meiner endlich erbarmte, mich kurz an sich heranzog und kommentarlos drückte, hielt ich die Luft an, um nicht augenblicklich in Tränen auszubrechen. Es tat so gut nach allem, was die vergangenen Stunden geschehen war, es tat fast weh . Ich umgriff seinen gesunden Ellbogen, einfach damit er nicht sofort wieder losließ. „Dad, ich-“
Entschieden schob er mich zurück und sah mich fest an. „Okay, ich liebe dich, sichere Sache, aber ich bin außer mir. Stink sauer. Bis zum Anschlag geladen. In genau dieser Reihenfolge. Irgendwelche Unklarheiten?“
„Nein“, raunte ich.
Auffordernd schob er mich voran in Richtung Tür.
Ich schulterte meinen Rucksack und setzte mich in Bewegung.
-/_\-
Den Großteil unseres Rückflugs in die USA verschlief ich.
Obwohl die Sitze des Quinjets anders als die unserer Privatjets nicht unbedingt dazu gemacht waren, ein ausgewogenes Nickerchen zu halten, übermannte mich beim immergrauen Anblick des unter uns dahinziehenden Atlantiks die Erschöpfung.
Tony kehrte in ein ungewöhnlich wortkarges Grübeln zurück, ganz mit dem Cockpit und dann wieder mit wiederholt zirpend eintreffenden Nachrichten und FRIDAYs gelegentlich dazwischengeworfenen Updates beschäftigt, die sich allesamt um Satellitensuchen, die laufenden Aufräumarbeiten am Flughafen, erste Berichterstattungen in den globalen News und diverse Anfragen des PR-Teams drehten.
Eine Weile lauschte ich in leiser Hoffnung irgendetwas aufzuschnappen, das mir verriet, was aus Clint, Sam und Wanda geworden war, nachdem man sie gestern Abend wie regelrechte Schwerverbrecher abtransportiert hatte, doch schon nach kurzer Weile realisierte ich, dass Tony gewisse Nachrichten lediglich stumm empfing und beantwortete, was mich ahnen ließ, dass FRIDAY klare Anweisungen besaß, alles, was mit den gestrig verhafteten oder den weiterhin flüchtigen Avengers zu tun hatte, nicht vor mir aufzugreifen.
Es fühlte sich nach Bestrafung an, auch wenn Tony sich diesbezüglich eigentlich nicht anders verhielt, als schon all die vergangenen Tage und Wochen.
Dass ich nicht erfuhr, wie es um Clint stand, begann an mir zu nagen und machte das dunkle Schweigen zwischen uns nur noch zermürbender.
Obwohl ich mit mir rang, fand ich doch nicht genügend Mut, Tony einfach zu fragen. Nicht angesichts seiner unveränderlich stoisch beherrschten Miene; nicht nach allem, was er mir ohnehin bereits vorwarf, und ganz bestimmt nicht nach ihrem Streit, all den bösen Worten und harschen Uneinigkeiten kurz vor ihrem Kampf am Flughafen, die mich nun einholten, da ich dasaß und nichts anderes zu tun hatte, als gedanklich wieder und wieder durch all die Momente des vorangegangenen Tages zu springen und schaudernd klar zu begreifen, dass sie von jetzt an nicht länger an einem Strang zogen, dass sie keine Gleichgesinnte mehr waren oder Freunde , sondern dass sie einander verraten hatten, und all das womöglich auch bedeutete, nein, bestimmt , dass ich Clint nicht wieder sah – selbst, wenn man ihn freisprach; selbst, wenn er nicht ins Gefängnis kam und selbst, wenn er es nach alldem überhaupt noch wollte .
Ich stierte hinab auf den grauen, wogenden Ozean, während die raue Realität in ähnlich kalten Wogen weiter und weiter über mich hereinschwappte und meine Erschöpfung, vervielfacht vom tauben Schleier meiner Kopfschmerztabletten, mich schlussendlich in einen unruhigen Schlummer wegsacken ließ, einzig untermalt vom steten Summen des Quinjets und Tonys undurchsichtigem Schnauben und Seufzen.
-/_\-
Wir waren bloß nur noch eine Viertelstunde vom Hauptquartier entfernt, als ich wieder zu mir kam.
Mein getapter Knöchel tat weh, malträtiert von meiner krummen Schlafposition. Anscheinend hatte ich beschlossen, meinen Fuß einem kleinen Stresstest zu unterziehen, als ich ihn halb verdreht in den Metallboden gestemmt hatte, um eine halbwegs ausgestreckte Haltung einzunehmen.
Der kurze Schreck angesichts des verlassenen Cockpits direkt vor mir verflog nur widerstrebend, als ich bereits auf der Suche nach Tony den Kopf wandte und zugleich missmutig meinen ziependen Knöchel massierte.
Tony trat an mir vorbei, ließ meine Packung Tabletten und eine kleine Wasserflasche auffordernd in meinen Schoß fallen und lehnte sich gegen den Pilotensitz.
Schweigend stülpte ich eine der Tabletten aus dem Blister, klemmte sie mir zwischen die Zähne und schraubte den kleinen Deckel von der Flasche.
„Sobald wir da sind, begleitest du mich in die MedBay für ein kurzes Check-Up“, informierte er mich. „Ich will sichergehen, dass alle Coils immer noch liegen, wo sie hingehören.“
Ich spülte die Tablette herunter. „‘kay“, murmelte ich, meine Stimme belegt vor Schlaf.
Es war früh, erst halb neun, als wir direkt vor dem Hangar aufsetzten. Das Wetter schien deutlich ungemütlicher als in Berlin. Es tröpfelte perlend kalt vom Himmel und ein garstig rauer Wind fegte durch das Laub der Blutpflaumen, was mich bitterlich daran erinnerte, dass es bereits Mitte Oktober war und das Wetter der Ostküste damit endgültig in unerfreulichere Formen umzuschlagen begann.
Da wir kurz nach Mittag in Berlin abgehoben waren, fühlte es sich zudem ein weiteres Mal an, als seien wir durch Zeit und Raum gesprungen, nur blieb diesmal nichts Aufregenderes daran als eine zermürbende Aussicht auf einen noch einmal von neu begonnenem Samstag, der nichts anderes als anhaltende Ungewissheit versprach.
Stumm folgte ich Tony in die MedBay und ließ mich von ihm bei zwei meiner bereits wartenden Spezialisten abladen, während er sich mit einem anderen Teil von ihnen in einen angrenzenden Konferenzraum zurückzog, um vermutlich die nächsten Schritte nach Rhodeys Überführung abzustimmen.
Ich war mir nicht sicher, wann die Militärmaschine in New York landen würde, ahnte aber, dass es durchaus noch ein paar Stunden dauern mochte, ehe er im Hauptquartier eintraf, was bedeutete, dass Tony mich bis dahin ganz sicher weiter in meinem eigenen Saft schmoren lassen würde.
Nagender Unmut begann sich in mir zu regen, während ich ergeben auf der Liege hockte, dem holgrafischen Abbild meiner Gehirnarchitektur nur beiläufige Beachtung schenkte und meine morgendlich noch so tiefsitzende Reue auf eine nur noch kleine Flamme herabglimmen spürte, die sich jäh wieder erinnerte, dass Tony mir gar keine andere Wahl gelassen hatte, als alles aufs Spiel zu setzen und ihnen an den Flughafen zu folgen. Kein einziger von ihnen hatte das, weil keiner irgendeinen Gedanken daran verschwendet hatte, was es für mich bedeuten mochte, daheim zu sitzen und nicht zu wissen, wer mir von ihnen hiernach überhaupt noch blieb .
Ja , ich bekam den gestrigen Schrecken gar nicht mehr aus meinem Kopf, am allerwenigsten den Winter Soldier, und ich verstand ihre Wut, aber es gab ihnen kein Recht, mich derart anzuklagen, revoltierte mein Innerstes. Es war nicht fair , dass Tony nicht einmal anerkannte, dass ich all dies bloß getan hatte, um ihm zu helfen und zu verhindern, dass es endete, wie es ausgegangen war .
Bitterlich für alle Seiten.
Meine Scans ergaben keine Auffälligkeiten.
Als ich mich von meinen Ärzten verabschiedete und unschlüssig aus der MedBay schlurfte, ließ FRIDAY mich wissen, dass die Teamfläche aufgrund der Renovierungsarbeiten gesperrt war und ich mich in unseren Privatflügel begeben sollte, was ich tat.
Viel zu lange lag ich dort in unserem Wohnzimmer einfach auf der hellen Couch vor der Gaskaminwand und starrte zu all den abgeschalteten Lichtsphären an der hohen Decke empor. Erst nach einer Weile erkannte ich, dass mir Form und Struktur all der unterschiedlich großen und doch gleich gestalteten Globen bloß deshalb so vertraut vorkam, weil sie anscheinend genau derselben Elektronenhülle des Elements nachempfunden waren, das Tony vor wenigen Jahren entdeckt und das den Arc-Reaktor als saubere Energiequelle auf eine vollkommen neue Effizienzstufe gehievt hatte. Dasselbe Element, das bloß deshalb bis heute keinen offiziell eingetragenen Namen und lediglich eine numerische Bezeichnung besaß, weil Tony darauf bestand, dass es Badassium heißen sollte, was in den zuständigen Fachkomitees nicht gerade auf glückliche Ohren gestoßen war, wie FRIDAY mir versichert hatte.
Ich fragte mich, ob es ebenfalls seine oder vielmehr Peppers Idee gewesen sein mochte, seine Entdeckung zur symbolischen Quelle allen weiteren Lichts zu machen, das von nun an auf uns herabschien.
Der Gedanke, dass die Lichtsphären eingeschaltet im wärmsten weißen Licht erstrahlten und dabei samt und sonders wie kleine Sonnen aussahen, kam mir erst viele Tage später.
Mein StarkPhone war immer noch bis auf die spärlich ausgewählten Kontakte gesperrt. Entweder hatte Tony entschieden, dass ich keine Ablenkung verdiente oder seine angeordnete Komplettsperre aller Funktionalitäten schlicht vergessen.
Ich kaute an meinem sinnestauben Ringfinger, als ich mich bei FRIDAY erkundigte, ob er ein Enddatum der Blockade definiert hatte.
FRIDAY verneinte.
Da sie nicht erbot bei Tony nachzuhaken, tat ich es auch nicht. Ich konnte es immer noch ansprechen, sobald mein Resturteil verlesen war, befand ich, auch wenn mir der Gedanke regelrecht das Herz abschnürte, nicht einmal eine kurze Nachricht an Daphne, Elijah oder Harley schicken zu können, um wenigstens bei ihnen auf Trostsuche zu gehen und ihnen den jähen Kontaktabbruch der vergangenen Stunden zu erklären.
Dreimal sah ich auf Peppers kleines Profilbild hinab, kurz davor sie anzurufen und ihr einfach alles zu gestehen, aber ich tat es nicht, viel zu feige und verängstigt, auch von ihrer Seite nichts als Enttäuschung und Tadel zu vernehmen. Ich wollte nicht, dass sie mir böse war, nicht sie auch noch, obwohl ich mir durchaus bewusst war, dass nichts daran vorbeiführte und dass sie früher oder später in Erfahrung bringen würde, was in Berlin geschehen war und weshalb ich auf ihre gestrige Nachricht nach wie vor nicht reagierte.
Dass ich mich geradewegs totstellte, ließ inzwischen vermutlich sämtliche Alarmglocken bei ihr schrillen.
Innerlich wappnete ich mich bereits für ihren Ärger, diese unheilvoll ruhige Strenge, die immer berechtigt schien, wenn sie denn von ihr Gebrauch machte, und mich jedes Mal endgültig davon überzeugte, dass ich absolut und ausdrücklich verdiente, was auch immer Tony erdacht hatte, um mich wieder auf Spur zu bringen.
Alles andere als bereit, diese Desillusionierung jetzt auch noch über mich ergehen zu lassen, warf ich mein StarkPhone wieder beiseite.
Irgendwann setzte ich mich auf. „FRI?“
„Ja, Sola?“
„Haben wir Briefumschläge?“
„Selbstverständlich.“ Sie setzte eine kurze Pause. „Es könnten sich welche im Schlafzimmer deines Vaters befinden. Miss Potts hat gerne ein kleines Sortiment Grußkarten und Briefpapier zur Hand. Ansonsten bitte ich gerne den Empfang, dir Briefumschläge vorbeizubringen.“
Ich verschwand die Stufen hinauf in Tonys weiträumiges Schlafzimmer mit Blick auf den See und seinen fernen, derzeit regenverhangenen Ufern.
Es dauerte eine Weile, aber schließlich fand ich besagtes Sortiment in einer flachen Schublade nahe eines kleinen Lesetischs, griff mir ein paar Umschläge heraus und trottete wieder hinab.
Ich bog in mein Zimmer ab, wo ich mich an meinem eigenen Schreibtisch einrichtete, meinen Schulblock herausholte und drei kurze Nachrichten an Daphne, Harley und Elijah verfasste, in denen ich versicherte, dass ich wieder auf amerikanischem Boden weilte, und die jüngsten Ereignisse in Berlin sehr abgespeckt zusammenfasste, ehe ich auf höchst ungewisser Note über mein eigenes weiteres Schicksal endete und ihnen versprach, mich bei ihnen zu melden, sobald es mir wieder freistand, wie ein moderner Mensch zu kommunizieren, was gut und gerne erst nächstes Jahr der Fall sein mochte, sofern mir Tonys aktuelle Gemütsverfassung irgendein Anhaltspunkt war.
Mein Sarkasmus triefte und ergoss sich über sämtliche Zeilen und für den Moment tat es so gut, dass ich mich fast ein wenig besser fühlte. Doch als ich die hübschen Armbänder, die ich in Berlin für Daphne gekauft hatte, in den Umschlag gleiten ließ und ihn letztlich verschloss, spürte ich meinen Magen wieder mehrere Yards tief fallen.
An Cooper oder Lila zu denken, vermochte ich nicht. Mir wurde regelrecht übel, wenn ich mir vorstellte, ihnen beiden erklären zu müssen, was am Flughafen geschehen war und wie Tony bloß dabei zugesehen hatte, wie Clint in Handschellen gelegt und abgeführt worden war.
Also saß ich eine ganze Weile vor einem leeren Papier, schob die leeren Umschläge letztlich beiseite, erhob mich irgendwann mit meinen drei fertigen Briefen und machte mich auf den Weg zur Tür.
FRIDAY hielt mich auf: „Ich muss dich darauf hinweisen, dass du euren Privatflügel derzeit nicht ohne Aufforderung verlassen darfst, Sola. Mr. Stark hat Anpassungen vorgenommen und deinen Hausarrest an allen Privatstandorten bis auf Weiteres auf eure essentiellen Wohnräumlichkeiten beschränkt.“
„Ich will sie bloß kurz zum Empfang bringen“, erklärte ich mich. „Ich dachte, sie können sie vielleicht versenden?“
FRIDAY ließ sich nicht erweichen. Als sie erneut anbot, stattdessen jemanden vorbeizuschicken, damit er meine Post einsammelte, stimmte ich herb seufzend zu.
-/_\-
„Planänderung.“
Ich hatte gerade ein Käsesandwich und einen kleinen Salat zum Abendessen herabgewürgt, zu dem FRIDAY mich mit unerbittlicher Engelszunge und offen propagiertem Verrat genötigt hatte, als Tony unverhofft aus der MedBay zurückkehrte und zu mir an die Kücheninsel marschierte.
„Schnapp dir deinen Rucksack, wir müssen los.“
Rhodey war vor gut einer Stunde im Hauptquartier eingetroffen, seine Untersuchungen hatten gerade erst begonnen. Tony hatte mich zwischenzeitlich hinabgerufen und ich hatte ihm kurz Hallo sagen dürfen, ehe Rhodey bereits von meinem Spezialisten-Team vereinnahmt worden und ich wieder hinauskomplimentiert und für alles Weitere auf später vertröstet worden war, weshalb mich die jähe Dringlichkeit in Tonys Stimme mehr als nur überraschte.
Dass wir heute noch irgendwohin aufbrechen würden, ehe Rhodeys Zweitdiagnose vollzogen war, hatte ich für arg unwahrscheinlich gehalten, und der Verdacht, der mich sofort überfiel, beunruhigte mich zutiefst.
„Was ist geschehen?“, fragte ich.
Tony räumte noch im Vorbeigehen mein dreckiges Geschirr ab, seine Miene dunkel und unlesbar. Er ließ mit einer Antwort auf sich warten.
Falls Steve oder Nat ausfindig gemacht worden waren, schlussfolgerte ich bereits für mich, plante er womöglich einen erneuten Einsatz, um den Winter Soldier ein für alle Mal dingfest zu machen. Nach Rhodeys fatalem Sturz schien es mir plötzlich mehr als nur wahrscheinlich – dass er die Dinge eigenhändig zu Ende zu bringen beschlossen hatte, mochte Außenminister Ross und die UN davon halten, was immer sie wollten.
Iron Man sorgte für Fakten und erklärte sich später. Wenn überhaupt.
So war es bislang immer gewesen.
Mein Puls stieg.
„Du sagtest, wenn die Sache am Flughafen erledigt ist, übernimmt jemand anderes“, erinnerte ich ihn mit seltsam hohler Stimme. „Du sagtest, sobald die Frist verstreicht, bist du raus; dass wir danach heimfliegen-“
Tony schloss den Geschirrspüler. „Und genau da geht es hin.“
Beunruhigt beobachtete ich ihn. „Heim?“
„Genau.“ Er sah mich nicht an. „ Nach einem kurzen Abstecher. Dauert nicht mehr als zwei Stunden. Ich muss jemanden sprechen. Wenn ich wüsste, dass Vision vorbeischaut, würde ich dich hierlassen, aber – was soll ich sagen – er macht sich gerade ziemlich rar. Keine Ahnung, wo er steckt …“
Frustriert sah Tony zu mir zurück. Umgehend rutschte ich von meinem Stuhl, kehrte in mein Zimmer zurück und sammelte rasch ein, was ich an Habseligkeiten und Schulsachen bereits seit Dienstag mit mir durch die halbe Weltgeschichte trug. Ich würde sie am Montag brauchen, auch wenn die Aussicht zur Schule zu gehen, urplötzlich einen so abstrus gewöhnlichen Eindruck auf mich machte, dass es angesichts der beharrlich fallenden Dominosteine um mich herum mehr nach reinem Wunschdenken aussah – nach einer Realität, in die ich gar nicht mehr zurückzukehren vermochte und die ich mir bloß nur noch ausmalte, um abends noch einschlafen zu können.
Meinen Koffer beließ ich auf der Schwelle zu meinem begehbaren Kleiderschrank.
Wenn ich die nächsten Tage wirklich nicht ins Hauptquartier zurückkehren sollte, würde er dort noch eine ganze Weile stehen, vermutete ich.
Hastig zog ich die Zimmertür hinter mir zu, damit Tony kein freies Blickfeld auf das jüngste meiner Versäumnisse besaß, und folgte ihm hinaus.
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Auf dem kleinen Landeplatz direkt auf der Wiese vor dem Hauptgebäude wartete bereits ein schwarzer Heli mit laufenden Rotoren, auf den Tony in so zielsicherem Tempo zuhielt, dass ich Mühe hatte nicht in einen leichten Trab zu verfallen, um mit ihm Schritt zu halten.
Regen perlte meinen Nacken und meine Wangen hinab und plättete meinen Pony.
Es war ein anderer Helikopter als der, der uns normalerweise ins Hauptquartier brachte und den wir schon für unseren Ausflug nach Montauk vor einigen Monaten genutzt hatten, obwohl er denselben mattgoldenen Schriftzug von Stark Industries trug. Dieser hier schien etwas kompakter und war bloß ein Zweisitzer, auch wenn die Kabine durchaus geräumig genug schien, um mindestens vier Sitze zuzulassen, wie ich erkannte, kaum dass Tony beiseitetrat und meinen Ellbogen umgriff, um mir auf den vor Nässe glitschigen Kufen sicher hinauf zu helfen.
„Warte, setz dich hierher.“ Er wies auf den am Ausstieg gelegenen Platz, als er mir schon hinterher folgte. „Ich kann hier nicht bedienen.“
„ Umm , klar ...“ Mein Blick sprang kurz zu seinem nach wie vor fixierten linken Arm, während ich mich vor seiner Gestalt vorbei zum ersten Platz zurückschob und sich die Kabinentür hinter uns wie von Zauberhand schloss.
Kaum, dass ich mich auf die hellgrauen Sitzpolster sacken ließ und mir meine nassen Haare aus dem Gesicht strich, realisierte ich, dass das offene Cockpit weiter vor uns vollständig autonom schien.
Von einem Pilotensitz fehlte jede Spur, stattdessen hatte sich auf dem regenperlenden Fensterglas neben Tony inzwischen ein digitales Feld materialisiert, das einen künstlichen Horizont, Tank- und Temperaturanzeigen und diverse andere Messdaten beinhaltete, die ich nicht weiter einzuordnen wusste, die mir aber allesamt wie die digitale Kopie der direkt vor uns liegenden manuell nutzbaren Flugzeuginstrumente erschien.
Tony überflog das digitale Cockpit nur beiläufig, verschob zwei Regler und das Feld verschwand wieder so plötzlich, wie es erschienen war.
Die Rotorleistung über uns nahm zu. Wir verloren den Bodenkontakt und stiegen in die Höhe, während ich noch meinen Rucksack von meiner Schulter nahm und vor meine Füße warf. Meine Vermutung, dass FRIDAY der eigentliche Captain dieses Schiffes war, bestätigte sich, als sie sich schon einen Moment darauf mit der voraussichtlichen Flugdauer von einer halben Stunde zu Wort meldete.
Dass Tony nicht den Quinjet gewählt hatte, beruhigte mich ein wenig, überquerte man mit Helikoptern schließlich in der Regel keine Ozeane. Eine halbe Stunde lag zudem nicht allzu weit entfernt. Es entsprach der Flugdauer nach Manhattan, wie ich selbst wusste, seit ich begonnen hatte Tony ab und an auf dem Luftweg ins Hauptquartier zu begleiten.
„Wohin fliegen wir?“, erkundigte ich mich leise.
„Long Island Sound.“
Überrumpelt wandte ich den Kopf. „Wir fliegen raus aufs Meer?“
„Es wird ein wenig ungemütlich werden, Boss“, meldete sich FRIDAY jäh wieder zu Wort. „Draußen auf See stürmt es. Der Wetterdienst meldet ein größeres Tiefdruckgebiet, das derzeit die Ostküste erreicht.“
„Werden sie auftauchen können?“
„Ja, solange die Wellenhöhe nicht fünfzehn Meter übersteigt. Höherer Wellengang ist derzeit nicht zu erwarten.“
Tony zögerte. „Blitzaktivität?“
„Im Moment kaum. Wind und Regen. Aber nicht auszuschließen.“
Sein still taktierender Blick zog zu mir herüber. Ich schwieg, auch wenn ich spürte, dass er in Gedanken bereits wieder seine Optionen durchging. Er entließ die Luft. „Wie viel Zeit verlieren wir, wenn wir über Manhattan fliegen und Sola zuerst am Tower absetzen?“
Mein Innerstes zog sich zusammen.
„Etwa eine weitere halbe Stunde, Boss.“ FRIDAY pausierte. „Aber ich erinnere, dass Mr. Hogan erst morgen Abend aus Berlin zurückkehrt und Miss Potts sich derzeit noch inmitten langwieriger Verhandlungen mit Hudson Farming bezüglich der Intellicrop-Verträge befindet. Sola wäre demnach für die Dauer Ihrer Abwesenheit allein, was nach den jüngsten Ereignissen nicht unbedingt zu empfehlen wäre.“
Seine sichtlich unzufriedene Miene ließ mich den Mund öffnen. „Du musst keinen Umweg fliegen“, sagte ich still. „Sie triggern mich nicht mehr. Nicht wie früher. Wanda hat …“ Ich brach ab. „Sie hat es beendet.“
Wortlos hob Tony den Blick. Die voranschreitende Dunkelheit warf seine Miene in grünlich graue Schatten, die seine schwarzen Pupillen unheilvoll schimmern ließen.
Ich schluckte, als er nichts weiter dazu sagte, lediglich trocken den Atem entließ, den Kiefer vorschob und zur Seite sah.
Upstate New York zog in erdig nassen Tönen unter uns hinweg. Hinter den dunklen Wolken verlor der Himmel schleichend sein letztes Tageslicht.
„Das war es also, hm?“ Unvermittelt wandte Tony den Kopf zu mir zurück, auf den Lippen ein jäh böse zynisches Lächeln. „Das ganze Theater rund um S.E.N.F. … Dachtest, diese ganze Sache fliegt auf. War dir zu heikel, was?“ Seine Pupillen richteten sich nur verspätet auf die meinen, aber als sie es taten, blieb der sichtlich empfundene Verrat so bitter und klar darin stehen, dass mir unweigerlich kälter wurde.
Ich starrte ihn an. „Nein …“
Ein unbeeindruckter Laut entwich ihm.
„Nein“, wiederholte ich. „Ich sagte --- Dad, ich sagte, wieso . Ich sagte dir, dass ich Mum nicht sehen will; dass ich nicht mit einer Illusion sprechen will, die bloß vorgaukelt sie zu sein. Mit Wanda hatte das alles nichts zu tun.“
„Jupp. Spar’s dir.“
Fassungsloser Ärger kochte in mir hoch. „Es hätte keinen Unterschied gemacht! Ich hätte Nein gesagt, so oder so. Sie hat nichts geändert, es ist alles noch in meinem Kopf. Sie hat bloß dafür gesorgt --- dass ich wieder normal bin.“
„Normal, huh ?“ Tony schmunzelte dunkel, ehe er mich schon gnadenlos nüchtern unterbrach: „Sie hat mit den Kräften, die sie Lokis Zepter zu verdanken hat, ganze Neuronenfamilien in deinem Kopf in einen Winterschlaf geschickt, ohne auch nur eine vage Vorstellung davon zu besitzen, was sie womöglich noch alles damit auslöst. Es sind die Kräfte desselben Zepters, das Clint Barton davon überzeugt hat, dutzende seiner Shield-Kollegen für eine außerirdische Armada zu töten. Er hat sie getötet , Sola. Freunde und Kollegen. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Hätte Natasha seinen Schädel damals nicht rechtzeitig mit einer ordentlichen Portion Stahl in Kontakt gebracht, hätte er auch vor ihr nicht Halt gemacht.“
Ich blinzelte fest, meine Brust eng und meine Kehle dicht. „Das wusste ich nicht“, raunte ich flach.
„Stimmt.“ Wieder war da dieses zynisch kurze, bestätigende Lächeln, das seine Miene bitter überlegen wirken ließ, ehe er schon mit finsterer Klarheit weitersprach: „Du hättest es gewusst, wenn du den Mund aufgemacht und mit mir über diesen Plan gesprochen hättest. Nur hast du das nicht, weil dir bereits klar war, was ich dazu sagen würde. Clint wusste es, Wanda wusste es, du wusstest es. Und trotzdem habt ihr alle drei entschieden, auf mein Veto zu pfeifen und russisches Roulette mit deinem Verstand zu spielen, um etwas zu kurieren, für das ich längst die Lösung parat hatte.“ Er starrte mich drei Sekunden länger aus finster abgeschworenen Augen an, ehe er den Blick herb unzufrieden wieder abwandte.
Sein Kiefer arbeitete.
Er hatte recht behalten, wisperte mein Gewissen. Ich wollte Wanda verteidigen, aber letztendlich hatte sie genau das getan, wovor Tony mich immer gewarnt hatte. Vielleicht hatte sie es gut gemeint, aber sie hatte sich eine Hintertür in meinen Geist geöffnet und sie hatte sie genutzt, als der Moment gekommen war. Sie hatte mein Bewusstsein meiner eigenen Kontrolle entrissen.
Ich war mir nicht einmal sicher, ob Clint wusste, ob er überhaupt ahnte , welche Vorkehrungen sie noch im ersten Augenblick der sich anbahnenden Fronten getroffen hatte. Wie unschuldig sie mich beiseite gelockt hatte, um mich vordergründig von den unheimlichen Nachrichten aus Wien abzulenken, nur um zugleich ihren potentiellen Fluchtweg zu ebnen, wohlwissend, dass ich ihr ganz bedingungslos vertrauen würde.
Ich kam mir dumm vor, unbelehrbar naiv und alles in allem nicht länger in der Position Tony noch wirklich zu widersprechen. Erst recht nicht, wenn ich an das dachte, was im MetLife Stadium geschehen war und welcher Verdacht seitdem insgeheim ohnehin schon an mir knabberte.
FRIDAYs immer besonnene Stimme durchbrach die zum Schneiden dicke Luft: „Ich habe die angeforderten Informationen zum Priority Upload der Berliner Polizei zusammengetragen, Boss.“
Tony entließ den Atem. Er zog sein StarkPhone hervor. „Leg los“, raunte er. „Die Kurzfassung, wenn möglich.“
"'Die Task-Force hat einen Psychiater angefordert, gleich als Barnes gefasst war. Die UN entsandte umgehend Dr. Theo Broussard aus Genf."' Auf dem transparenten Bildschirm seines StarkPhones trafen verschiedenste Daten ein. "'Er wurde von diesem Mann empfangen."' Ich konnte ein Passbild ausmachen und ein Foto zweier Menschen zwischen geparkten Autos, wenn auch nichts allzu Genaues, weil ich bloß die geneigte Rückseite zu Gesicht bekam und Tony mir auch schon einen so eindeutigen Blick zuwarf, dass ich widerstrebend beiseite aus dem Fenster sah.
Wir hatten das Festland bereits hinter uns gelassen. Unter uns türmten sich raue Wellenberge. Der Horizont war kaum auszumachen. Sturm, Wolken, Regen und Ozean gingen scheinbar nahtlos ineinander über.
Die ganze Welt schien bloß nur noch grau und gefräßig, auch wenn Tony so unberührt von alldem blieb, dass ich wusste, dass unser Heli sehr viel mehr als nur ein paar kräftigeren Windböen standhielt.
"'Hast du schon Gesichtserkennung versucht?"', erkundigte er sich knapp.
FRIDAY zeigte sich gekränkt. "'Bin ich blond, Boss?"'
"'Ähm, also ich denke immer, du bist rothaarig."'
"'Da müssen Sie wohl an eine andere denken."'
Weil ich seine beiläufige Musterung während ihrer halbherzigen Fopperei auf mir ruhen spürte, spähte ich wieder zu ihm. Die knapp abweisende Kälte hatte sich wieder aus seiner Miene verflüchtigt.
"'Der falsche Arzt ist tatsächlich Oberst Helmut Zemo"', fuhr FRIDAY fort. "'Nachrichtendienst von Sokovia."'
Tonys Blick richtete sich schlagartig auf den kleinen Bildschirm zurück.
"'Zemo leitete EKO Scorpion, eine geheime sokovianische Todesschwadron."' Ich stockte, während sein Blick unvermittelt beiseite sprang und seine Lippen ein lautloses Fluchwort formten. Er presste sie wieder zusammen, hob unzufrieden bestätigt beide Brauen und schluckte jede weitere Reaktion herab.
„Sokovia?“, fragte ich befangen. „Falscher Arzt? Wovon spricht sie?“ Ich richtete mich etwas auf. „Dad, was ist los?“
"'Was ist mit dem echten Broussard?"', erkundigte er sich, ohne auf meine nervöse Frage einzugehen.
"'Man fand ihn tot in einem Berliner Hotelzimmer. Die Polizei hat dort auch eine Perücke und eine Gesichtsprothese gefunden, die Ähnlichkeit herstellt mit einem James Buchanan Barnes."'
Blank starrte ich Tony an.
Ich konnte regelrecht mitverfolgen, wie umfassende Erkenntnis ihn durchspülte und alles auf eine simple und klare Antwort für ihn herabbrach, die den Irrsinn der letzten Tage augenblicklich nur noch bitterer schmecken ließ, während er unverändert auf das kleine Portrait auf seinem StarkPhone stierte. "'Du verdammter Scheißkerl …"', flüsterte er.
Ich stemmte die Hände in meinen Sitz. „Sie hatten recht, oder? Steve und Clint?“
Nicht fähig, FRIDAYs Ausführungen in ihrer ganzen Dimension zu begreifen, hatte ich doch genug aufgeschnappt, um einen Zusammenhang herzustellen. „Er war es wirklich nicht, oder? Der Winter Soldier? Er hat die Bombe in Wien nicht gelegt. Dad, sie hatten recht, es war jemand anderes.”
Tony stierte immer noch auf den Bildschirm. In seine Stirn hielten sich senkrechte Falten gegraben. "'Schick das an Ross"', wies er FRIDAY an.
Die KI bestätigte.
„Wieso hat er die Bombe gelegt?“, sprudelte ich schon weiter. „Sollte er nicht --- Ist es nicht genau das, was alle wollten? Ein Abkommen, das eure Einsätze kontrolliert und sicherstellt, dass es nie wieder zu solchen Katastrophen kommt? Wenn es jemand aus Sokovia war, hätte er dieses Abkommen nicht gut finden müssen?“ Meine Worte überholten sich selbst. „Du sagtest, das ist der Sinn hinter dem Abkommen. Damit ihr uns weiter beschützen könnt, ohne dabei selbst zu einer Gefahr zu werden. Damit es die Avengers weiter geben kann.“
Etwas Dunkles zog durch Tonys Miene.
Ich erstarrte. „Er wollte , dass ihr gegeneinander kämpft, oder?“, wisperte ich. Gänsehaut eroberte meine Arme. „Er ist wie Stane. Er hasst euch.“ Tränen stiegen mir in die Augen, als mich der ganze Schrecken der Erkenntnis flutete. „Dad, er wollte , dass sie alle verhaftet werden--- Du hast exakt getan, was er wollte! “
„Sola, jetzt --- halt, verdammt , die Luft an und lass mich denken .“
Ich verlor Farbe.
Umgehend strich Tony sich übers Gesicht. „Okay, tut mir leid …“ Er seufzte. „Das war Mist. Tut mir leid.“
Er ließ den Kopf gegen die Lehne sacken.
Ich beobachtete ihn; hart zusammengekniffene Brauen, grübelnder Blick und doch --- längst wieder gewappnet.
Bereit .
Tony schluckte, als er unverhofft entschieden wieder zu mir sah.
Ich ballte die Hände. „Was liegt im Long Island Sound?“
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"'Hier ist Raft Prison Control . Sie haben Landeerlaubnis, Mr. Stark."'
Aus dem schwarzen Wasser direkt vor uns erhob sich ein Ungetüm, kaum dass uns die Freigabe über Funkspruch erreichte.
Ein weiteres Mal binnen eines Tages traute ich meinen Augen kaum, als ich dabei zusah, wie sich ein gewaltiges, kreisrundes Gebilde weiter und weiter aus dem Meer hob, bis es geradewegs aus den sich türmenden atlantischen Wellen zu ragen schien. Es war ein mehrstöckiges Gebäude, nein, ein Bollwerk , ohne Fenster und ohne Türen. Das Wasser stürzte aus dutzenden Ablasskanälen entlang der massiven Fassade herab, was ich inmitten des brausenden Sturms lediglich erkennen konnte, weil sie allesamt strahlend beleuchtet waren, wie auch die große Landeluke inmitten des kreisrunden Dachs, die sich soeben zu öffnen begann und den einzigen Zugang des ersten Unterwassergefängnisses dieses Planeten dazustellen schien.
Unser Heli sank im zielsicheren Schlenker auf die Landeplattform zu.
Ich hatte das Raft-Gefängnis seit Vollendung seiner Konstruktion mehrfach in den Nachrichten zu Gesicht bekommen, aber nirgends hatte es auch nur im Ansatz so beunruhigend und gigantisch auf mich gewirkt wie nun, da ich es leibhaftig vor mir sah. Es war Außenminister Ross stolzestes Projekt; eine bestens abgeschirmte Hochsicherheitsanlage für Insassen dieses besonderen Kalibers, auf die ein gewöhnliches U.S. Staatsgefängnis in der Regel bloß wie eine Du kommst aus dem Gefängnis frei -Karte wirkte.
Zuletzt war das Raft-Gefängnis auch in den Medien wieder mehrfach aufgekommen und hatte sich fast zu einer täglichen Randnotiz der Debatten rund um die vermeintlichen Vergehen der Avengers entwickelt. Eine ständige Erinnerung daran, dass es nun durchaus einen Ort gab, an den man Individuen wie Wanda Maximoff oder den seit mehr als einem Jahr verschollenen Bruce Banner verfrachten konnte, wenn man der Willkür und fatalen Tobsucht gewisser Superhelden überdrüssig wurde. Senator Boynton hatte es öffentlich das Ende der Rüpel-Herrschaft genannt, in der sich die Welt seiner Meinung nach spätestens seit 2012 befunden hatte. Es gälte nicht das Recht des Stärkeren, hatte er bei der feierlichen Inbetriebnahme des Rafts verkündet, es gälte das Recht der Vereinigten Staaten von Amerika, das Recht der Vielen , und diese geschichtsschreibende Institution hier direkt vor New York Citys salzig wogenden Toren sei dafür der monumentale Beweis.
„Sie sind hier?“, fragte ich heiser. „Sie haben sie hierher gebracht? Sie alle?“
Tony sah zu mir, während unser Heli zur Landung ansetzte und auf das große Gebilde inmitten von tobendem Wasser und Gischt niedersank. Ein hilfloser Schauder ergriff mich, als er bestätigte.
„Sogar Sam und Clint?“ Ungläubig starrte ich ihn an. „Sie sind normal . Sie haben keine besonderen Kräfte wie Wanda --- oder Steve. Wieso hat man sie hierher gebracht?“
Tony atmete aus. „Ich kenne den exakten Wortlaut des Staatsrichters nicht, aber ich möchte wetten, dass es damit zu tun hat, dass sie Teil der Avengers sind, Sola. Avengers, die Gesetze gebrochen und einem gesuchten Terroristen zur gewaltsamen Flucht verholfen haben.“
Als wir aufsetzten, durch einen dunklen Tunnel sanken und die Kabinentür sich schließlich öffnete, ließ sich von dem brausenden Sturm nichts mehr als ein fernes Grollen vernehmen. Tony erhob sich, schob meinen Rucksack mit dem Fuß aus dem Weg und sprang leichtfüßig neben mir aus dem Helikopter, noch ehe ich ganz verarbeitet hatte, dass ich durch die deutlich militärisch anmutende Transferhalle des weltbekannten Raft-Gefängnisses blickte.
Zwei schwerbewaffnete Wachposten waren von uns abgewandt vor der Landeplattform postiert, die anscheinend einer besseren Hebebühne entsprach.
Ein ergrauter Mann schritt uns bereits zielstrebig entgegen.
Es war Thaddeus Ross.
Ich erkannte ihn auf der Stelle, nicht nur an seinem sichtlich gedrillten Gang und bezeichnend dunkel meliertem Schnurrbart, sondern auch an seinem unnahbaren Blick, der ihn bis heute mit fliegenden Fahnen durch sämtliche Online-Sympathieumfragen rasseln ließ, die Tony samt und sonders ganz mühelos für sich entschied, obwohl seine vermeintliche Arroganz und sein bezeichnender Sarkasmus seit Jahrzehnten wiederkehrend skandalöse Schlagzeilen schrieb.
Gerade als ich mich zögerlich von meinem Sitz zu schieben begann, um Tony aus dem Heli zu folgen, fasste er schon knapp nach meinem Knie, zum Zeichen sitzen zu bleiben.
Ross‘ Blick richtete sich auf mich, kaum dass er uns erreichte.
„Sie bringen Ihr Kind hierher, Stark?“
„Die Babysitter sind mir ausgegangen.“ Tonys Miene blieb gänzlich unbeeindruckt, obwohl der nun gleißende Vorwurf im Blick des Außenministers, mich beinahe dazu brachte, mich deutlicher in seinen Rücken zu verkrümeln. Tony nickte. "'Und? Haben Sie die Akten? Richten wir die Satelliten neu aus und starten die Gesichtserkennung für diesen Zemo-Heini."'
"'Sie denken tatsächlich, ich würde noch auf Sie hören nach diesem Fiasko in Leipzig?"' Ross taxierte ihn. "'Seien Sie froh, dass Sie nicht in so einer Zelle sitzen."' Erneut wanderte sein Blick zu mir, ehe er schon wortlos mit dem Kopf in Richtung Ausgang wies und sich wieder abwandte.
Tony drückte mein Bein. „Bleib sitzen. Bin gleich zurück.“
Ich sackte vor. „Kann ich Clint-“
„ Nope . Bleib im Heli. Warte hier, rühr dich nicht vom Fleck und halt die Füße still.“ Er wies mit dem Zeigefinger auf mich, während er bereits zwei Schritte rückwärts machte. „Wenn ich es noch einmal sagen muss, sage ich es anders, klar?“
Starr sackte ich in meinen Sitz zurück.
Mit knappem Blick über die Schulter folgte Tony Ross aus der Halle.
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Mein Knie wippte und mein Unterkiefer war gespannt.
Als sich die Systeme des Helis nach gut zwanzig Minuten stahlraunender Stille urplötzlich wieder hochzufahren schienen und die Rotoren über mir sacht zu kreisen begannen, wusste ich bereits, dass Tony auf dem Rückweg war und blieb deshalb nicht allzu überrascht, als er kurz darauf auch schon die Transferhalle durchschritt.
Etwas in seinem finster konzentrierten Blick zeugte von Ärger dicht unter seiner gefassten Fassade. Als Ross ihm folgte, drosselte er weder seine Schritte, noch sah er wirklich zurück.
"'Stark?"', rief der Außenminister ihm hinterher. "'Hat er irgendetwas wegen Rogers gesagt?"'
"'Er sagt, ich soll zur Hölle fahren. Ich flieg aber erstmal ins Hauptquartier und … Sie können mich jederzeit anrufen."' Tony zog sich neben mir in die Kabine empor und wandte den Kopf. "'Und wenn ich nicht rangehe, läuft eine schicke Warteschleife."' Ein selbstgefälliges Grinsen, das seine Augen nicht im Mindesten erreichte, zog plakativ kurz über sein Gesicht.
Er nickte Ross zu und sank neben mir in den Sitz. Die Kabinentür schloss sich.
Kaum, dass die Landeplattform wieder zur Hallendecke emporzusteigen begann und die Rotorleistung über uns zunahm, sah ich schon zu ihm, seine Miene jäh wieder hart und unlesbar. „Ich dachte, wir fliegen heim?“
„ Mis casas son tus casas, niña “, antwortete er. „Das Hauptquartier ist zu Hause. Eines davon. Aber ja, es geht zurück in den Tower.“
„Zu Ross sagtest du gerade-“
„Ich sagte etwas.“
Tony sah mich nicht an. Vager Verdruss lag in seiner Stimme. Sein Blick wich beiseite, gerade als wir uns zurück in die stürmisch nassen Winde erhoben.
Inzwischen war es dunkel. Der schwere Regen perlte in trübem Grau an den Scheiben unseres Helikopters ab, während alles dahinter nur noch aus aufgewühlter, raunender Finsternis zu bestehen schien.
Das Raft-Gefängnis verschwand hinter uns soeben höchstwahrscheinlich zurück in die Fluten, aus denen es für unseren kurzen Zwischenstopp erstiegen war. Ich konnte es nicht länger sehen, nicht einmal, als ich den Kopf wandte und im hintersten Eck meiner Fensterscheibe in den schwarzen Wogen des aufgewühlten Long Island Sounds noch einmal danach Ausschau hielt.
Ich versuchte es mir auszumalen – gefangen in diesem Koloss in einer Haftzelle tief unter Wasser. Keine Fenster und kein Laut, keine Jahreszeiten oder Geräusche, die von dem Leben abseits der massiven Mauern erzählten.
„Wusstest du es?“, fragte ich mit rau gespannter Stimme.
„Ich weiß eine überdurchschnittliche Menge, Sola.“ Tony schnaufte. „Was genau?“
Kalte Wut drückte gegen mein Herz. „Dass sie sie hierher bringen würden? Ins Raft?“
„Wusste ich nicht.“ Er blieb nüchtern. „Ich wusste, dass es für Barnes vorgesehen war. Und für Maximoff, sofern sie gegen die temporären Suspendierungsauflagen nach dem Vorfall in Lagos verstößt. Dass sie sie alle hier einquartieren würden, war nie Thema … Nicht mein Spezialgebiet. Ich hatte da nicht viel mitzureden.“ Meine ungläubige Miene musste mich verraten, denn er hob bereits beide Brauen. „Sie wussten, worauf sie sich einlassen. Sie haben hoch gepokert, sie haben verloren. Ich weiß, es sieht verdammt oft danach aus, aber ich kann nicht alles richten, Sola. Wer Gesetze bricht – wer sie vor laufenden Kameras bricht – weiß genau, was er aufs Spiel setzt.“
„Es ist das Raft “, barst es aus mir. „Im Fernsehen hieß es --- es hieß, die Gefangenen bekämen nicht einmal Besuch .“
„Wenn er vernünftig bleibt, wird er in ein paar Monaten verlegt werden.“ Tony machte keinen Hehl daraus, dass er wusste, über wen wir vor allem sprachen. „Sie brauchen die Zellen für andere Kaliber.“
„Das weißt du nicht.“
„Spätestens, wenn sie Clint Anwälte zugestehen, werden diese auf Verhältnismäßigkeit plädieren.“
„Er ist im Gefängnis -“
„Richtig. So sieht es aus.“ Unversehens fixierte Tony mich. „Das Ganze nennt sich Konsequenzen, Sola. Wenn du etwas tust – wenn du es tust und weißt , dass es ein absolutes No-Go ist – dann weißt du, was du riskierst. Du kannst aufs Ganze gehen, sicher – ich habe es oft genug selbst ausgereizt – aber im Nachgang zu behaupten, es sei dir keine andere Wahl geblieben oder nicht dein Fehler gewesen, ist nicht nur feige, es tut auch nichts mehr zur Sache. Es ist geschehen. Du hast es getan. Und du musst damit leben, dass irgendjemand darauf eine Antwort geben wird, die dir im Zweifel nicht passt.“
Meine Kehle tat so weh, dass ich nicht wusste, ob sich meine Rauchvergiftung zurückmeldete oder die raue Realität, in der Clint und Nat und alle anderen uns tatsächlich verlassen hatten.
Tränen sammelten sich in meinen Augen.
Einen langen Moment war nichts anderes mehr zu vernehmen, als das Surren der Rotoren und Tonys angestrengtes Schweigen.
„Was soll ich Coup und Lila sagen?“, brach es gequält aus mir. „Sie haben keine Ahnung und wenn sie fragen --- was soll ich ihnen sagen ?“
„Du sagst gar nichts.“ Seine Miene erweichte. „Laura spricht mit ihnen. Sie erklärt es ihnen. Und wenn sie Fragen stellen, die du nicht beantworten kannst, sagst du ihnen genau das: Dass du es nicht weißt und sie mit ihrer Mum sprechen sollen.“
Als er mich wieder ansah, überspülte mich augenblicklich ein so ungutes Gefühl, dass ich vergaß, dass etwas in mir haderte und knetete --- plötzlich schier fassungslos, wie er all dies überhaupt hatte zulassen können.
Tony atmete aus. „Gut, hör zu. Ich muss nochmal aufbrechen. Ein paar Dinge richtigstellen. Ich habe gestern einen Fehler gemacht, ich hätte ---“ Er brach ab und schluckte finster. „Alles, was die vergangenen Tage geschehen ist, führt jetzt dazu, dass Zemo leichtes Spiel mit uns hat. Die Avengers sind größtenteils außer Gefecht gesetzt. Steve hatte recht, zumindest mit dem, was er in Leipzig sagte. Zemo ist auf der Suche nach anderen Supersoldaten. Er brauchte Barnes, um in Erfahrung zu bringen, wo sich Hydras ehemalige experimentelle Anlage befindet. Und wir haben ihn geliefert. Er wird sich diese Soldaten holen und rekrutieren. Der Zeitpunkt ist perfekt. Wir sind gerade im Nachteil, aber wenn wir Zemo nicht aufhalten, wird er ein ganzes Schwadron Winter Soldier auf die Welt loslassen.“ Sein Blick hielt eindringlich den meinen, während ich überfordert zu verstehen versuchte, was all das zu bedeuten hatte und wieso er mir plötzlich so klar darlegte, was vor sich ging. „Sam hat mir vorhin verraten, wo ich Steve finde“, fuhr Tony bereits fort. „Ross weiß nichts davon, aber ich fliege zu ihm, räume mit ihm in Sibirien auf und verhafte Zemo. Wenn das erledigt ist-“
„Sibirien?“ Mein Herz schlug so fest auf, ich konnte seinen Worten kaum folgen. „Du fliegst --- zu ihnen? Zu Steve ?“
„Im Anzug, ja.“ Ich sah ihm an, dass er mit sich kämpfte. „ Du fliegst weiter heim-“
„Jetzt gleich? Du fliegst jetzt ?“
„FRIDAY bringt dich zurück in den Tower. Keine Sorge, sie landet geschmeidig.“ Er begann seine Armschlinge abzuschnallen. „Sie hält dich auf dem Laufenden, was allerdings erstmal keine große Rolle spielen wird, weil du ohnehin direkt in die Federn springst.“ Tony massierte seinen verletzten Arm, ohne in seinen Worten innezuhalten: „Technisch betrachtet haben wir vielleicht erst sieben, aber in deinem Kosmos ist es eigentlich lange nach Mitternacht. Du holst heute erstmal alles an Schlaf nach, was geht, bevor ich dir voraussichtlich morgen noch einmal deftig die Laune verderbe, indem ich dir die Vollversion der Leviten lese, die ich uns heute erspart habe.“
„Dad, okay , warte, nein-“
Anscheinend nicht gewillt mich in dieser Sache überhaupt zu Wort kommen zu lassen, ließ er genervt seinen Arm los und sah mich fest an. „Sola, ich will in den nächsten Stunden von FRIDAY keinen Mucks darüber hören, dass sie den Tower abriegeln musste, um zu verhindern, dass du dich nachts irgendwo in der Bronx zu einer illegalen Rallye mit Aliengleitern begibst oder dergleichen. Keine Dummheiten diesmal, verstanden?“
„Du kannst nicht nach Sibirien!“, protestierte ich, ohne auf diese geballte Absurdität überhaupt einzugehen. „Du hast das Abkommen unterschrieben! Wenn Ross erfährt, dass du --- dass du Steve hilfst ---“ Mir wurde speiübel, als ich daran dachte, was der Außenminister erst vor wenigen Minuten zu ihm gesagt hatte: Dass er froh sein konnte, nicht selbst verhaftet worden zu sein. „ Dad , du kannst nicht-“ Tony schüttelte gnadenlos den Kopf, um mich schon wieder zu unterbrechen.
„Das hier ist kein Job für einen, okay? Nicht einmal für zwei. Steve braucht hier Unterstützung, Serum hin oder her. Und ich muss …“ Er schnaufte. „Okay, ja – ja, ich muss jetzt etwas tun, das uns beiden absolut nicht gefällt.“ Getriebene Entschlossenheit trat in seine Miene. „Aber ich muss das Risiko eingehen, Sola; sicherstellen, dass ich es kann, wenn es darauf ankommt; dass es nicht-“
Schwere, wilde Tränen perlten meine Wangen hinab. „Dass du wirklich noch Iron Man bist“, sagte ich bitter.
„Dass es nicht immer noch Fanning ist, der entscheidet.“
„Du hast das Abkommen wegen mir unterschrieben“, spie ich aus, meine Kehle schmerzhaft rau. „Du konntest immer tun, was du wolltest. Aber jetzt --- jetzt hast du mich an der Backe und jetzt musst du Kompromisse eingehen, die du hasst , und --- du musst dich absichern , weil du dir so etwas wie in Sokovia einfach nicht mehr leisten kannst und --- und jetzt gibt es die Avengers nicht mehr , weil du sie hierfür geopfert hast, ganz genau wie Zeke Stane wollte ! Das ist dir alles gerade klar geworden. Dass Pepper recht hatte und du nicht beides haben kannst. Dass Iron Man nicht mein Vater ist!“
Tony starrte mich entgeistert an.
Atemlos starrte ich zurück. Die Tränen fielen und fielen, aber ich machte keinen Laut mehr, gefroren in bitterer Wahrheit.
„Okay“, sagte er finster leise. Er wies auf mich. „Darüber sprechen wir, wenn ich zurück bin.“
Ohne ein weiteres Wort griff er zur kleinen Konsole zwischen unseren Sitzen hinab, auf der ein kleiner silberner Schriftzug prangte: MK XLVI.
Fassungslos blinzelte ich.
Bevor ich verstand, dass sich direkt neben mir ein Zugriffspunkt zu Mark 46 verbarg, öffnete sich bereits das Fach und seine Hand verschwand in den unzähligen kleinen Bauteilen seines Anzugs. Binnen weniger Sekunden versank Tony mitsamt seinem Sitz in der Rückwand, verschwunden in der summenden Maschinerie im rückwärtigen Teil unseres Helikopters.
Sein Sitz kehrte verlassen in Position zurück, als sei er nie bei mir gewesen.
Ich vernahm ferne Schubdüsen, dann wurde das Geräusch bereits wieder vom festen Prasseln des Regens und dem steten Summen der Rotoren verschluckt.
Er war fort .
Schockiert saß ich da, allein gelassen in einem Helikopter, der sich selbst flog.
„Sola?“, meldete sich FRIDAY jäh zu Wort. „Mr. Stark entschuldigt sich. Er wird die Sache so schnell wie möglich zu Ende bringen. Du sollst dir keine Sorgen machen. Er lässt ausrichten, er liebt dich; egal, in welchem Anzug.“
Sprachlos erschüttert starrte ich einfach nur durch die Frontscheiben des Cockpits geradeaus.
In weiter Ferne erhoben sich längst Manhattans verschwommenen Lichter aus dem sturmnassen Dunst.
Musik:
End of the Road – Noga Erez
This Is Why We Can't Have Nice Things - Taylor Swift