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Wie es begann

Leidenschaftliche Differenzen Oder Der Einsame Mann Im Alten Haus — www.fanfiktion.de · All chapters

Wie es begann

Hallo meine Lieben,

nach längerer Zeit gibt es endlich wieder etwas von mir zu lesen :)! Ich freue mich sehr darüber, da ich das Schreiben so liebe und zeitweise kaum dazu gekommen bin.

Eigentlich hätte meine nächste Geschichte sich um den Blaise Zabini aus meiner Krimireihe drehen sollen, aber diese Snarry hat sich dazwischengedrängt. Sie hätte außerdem ein One-Shot werden sollen, aber ich denke, keiner wird sich über die Länge beschweren ;).

Ich bin sehr gespannt, wie ihr meinen Snape findet. Ich habe hart an ihm gearbeitet und versucht ein reales "Setting" für sein Weiterleben aufzubauen, wobei es da natürlich viele Möglichkeiten gibt.

Da ich anfangs selbst Schwierigkeiten mit dem Paaring hatte, war es mir sehr wichtig, dass es eine Geschichte von zwei Erwachsenen ist und die Umstände realistisch.

Wie immer gibt es etwas Psychologie mit dabei, bei dem was die Charaktere schon so erlebt haben, ist das ja quasi vorprogrammiert.

Die Uploads finden in der Regel jeden Mittwoch statt.

Und jetzt ohne weitere Worte, viel Spaß beim Lesen!

Eure Feerja

***

Ein Klavier spielte im Hintergrund. Edle Lüster spendeten dem Ballsaal einen warmen Schein, welcher sich auf dem spiegelglatten Marmorboden widerspiegelte. An einer der Wände war ein Buffet aufgebaut und nicht weit davon luden kleine, runde Holztische zum Verweilen ein. Es war ein schönes Bild. Trotzdem trat Harry von einem Fuß auf den anderen. Wann würde er endlich gehen können? Er machte einen Schritt beiseite, weil der Großteil des Raumes von den Gästen zum Tanzen genutzt wurde und er ständig im Weg war.

Angespannt richtete er sich sein weißes Hemd, zupfte an seiner Fliege und warf einen Blick auf seinen schwarzen Smoking. Laut Ginny sah er attraktiv aus. Natürlich war sie es gewesen, die seine heutige Garderobe ausgesucht hatte! Genau wie den dunkelgrünen Umhang mit dem dezent sichtbaren Rankenmuster darauf. Er seufzte. Das blöde Hemd kratzte und der Umhang war zu lang, aber seine Proteste hatte sie ignoriert. Und er hatte nicht schon wieder einen Streit vom Zaun brechen wollen. Sie nahm das immer so persönlich. Seine Augen wanderten umher und fanden seine Lebensgefährtin.

Sie unterhielt sich gerade mit einigen hochrangigen Gästen und sah hinreißend aus. Er lächelte. Ja, sie war wahrlich wunderschön! Die rosige Haut, der kecke, herausfordernde Blick, die offenen, welligen Haare. Und dazu die dunkelgrüne, funkelnde Robe mit dem dezenten Goldschmuck. Nicht umsonst hatte man sie zur Quidditchspielerin des Jahres gewählt! Talent und Schönheit in einer Person. Man sagte ihm häufig, dass er zu beneiden wäre ...

Er seufzte. Es war umso verstörender, dass er trotzdem nicht ganz glücklich war. Dabei verlief sein Leben genauso, wie er es sich nach Voldemorts Tod gewünscht hatte.

Als ihm eine bekannte Panikattacke die Luft abschnüren wollte, begann er an seiner Fliege zu zerren. Auf dieses Ding hätte er gut verzichten können! Wie sollte man da frei atmen können?

„Harry, mein Lieber“, wurde er jäh am Ellenbogen berührt.

Er zuckte zusammen, wirbelte herum und zog den Zauberstab. Auch drei Jahre nach dem Krieg war er immer noch auf der Hut. Seine Ausbildung zum Auror tat sein Übriges dazu. „Minerva!“, entfuhr es ihm dann erleichtert. Er ließ die Hand sinken.

„Ach, Junge“, sie klopfte ihm auf den Unterarm, ein liebevolles Lächeln auf dem Gesicht. „Entschuldige, ich hätte es besser wissen müssen, als dich von hinten anzusprechen.“ Sie drückte seine Hand. „Ich bin selbst etwas schreckhaft. Der Krieg lässt einem nicht los, was?“

„Nein“, murmelte Harry und biss sich auf die Unterlippe. „Obwohl es manchen leichter fällt, als anderen.“

Sie nickte. „Apropos“, ihr Gesichtsausdruck wurde ernster. „Ich muss dich um einen Gefallen bitten-“

„Natürlich!“, schoss Harry dazwischen, „wie kann ich dir helfen?“

Sie lächelte. „Es geht um Severus.“

„Oh“. Damit hatte er nicht gerechnet.

Seit dessen Fast-Tod vor drei Jahren hatte er sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Wie er überlebt hatte, wusste keiner.

Inzwischen begannen sich sogar schon Geschichten um ihn zu ranken, eine verrückter als die andere. Wenngleich Harry den ganzen Unsinn nicht glaubte. Er war sich sicher, dass Madame Pomfrey ihre Finger im Spiel gehabt hatte. Nicht zu vergessen, dass Snape ein begnadeter Tränkemeister war! Er wäre dumm gewesen, wenn er nicht vorgesorgt hätte, und das war ein Charakterzug, der dem Mann nicht innewohnte!

„Wie geht es ihm?“ Er hatte ihn in den letzten Jahren kaum zu Gesicht bekommen. Sein ehemaliger Lehrer war nicht mehr nach Hogwarts zurückgekehrt. Die Ursache dafür kannte Harry zwar nicht, konnte sich gleichwohl vorstellen, dass es an der Zaubererwelt lag, in der ihm viele misstrauten. Man hatte ihm zugetragen, dass er sich in seinem Haus verschanzte und einen Versandhandel für Zaubertränke betrieb. Und da ihr Verhältnis sich nur geringfügig verbessert hatte, war er nicht sonderlich scharf darauf, ihn wiederzusehen.

Die derzeitige Schulleiterin von Hogwarts hob die Schultern. „Es geht.“ Sie seufzte. „Ich konnte ihn endlich mal dazu überreden, auf diesen Ball zu gehen. Er findet schließlich auch zu seinen Ehren statt. Da sollte er sich mal zusammenreißen und kommen. Meinst du nicht?“

„Äh“, murmelte Harry und verzog das Gesicht. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er keinen dieser Bälle besucht. Sie fanden jedes Jahr zu Ehren der Helden des Krieges statt. Der Minister lud dazu eine Menge Würdenträger aus den unterschiedlichsten Ländern ein und arbeitete fleißig daran, sie miteinander bekannt zu machen. Hätte er nicht um die angespannte, politische Lage gewusst, würde er zu Hause auf seinem Sofa sitzen und die Beine hochlegen. „Ich kann durchaus verstehen, dass er wegbleibt“, sagte er bedächtig.

Wieder berührte Minerva seinen Arm. „Und deshalb bist du die ideale Person, um ihm Gesellschaft zu leisten. Geh bitte zu ihm, Harry! Er tut sich ziemlich schwer. Besonders gesellig war er noch nie, aber seit er fast gestorben wäre, ist es schlimmer geworden. Kümmere dich um ihn, ja?“

Harry entschlüpfte ein schweres Seufzen. Er konnte Minerva einfach nichts abschlagen. „Von mir aus“, sagte er deshalb und blickte sich suchend um. „Wo ist er denn? Und warum bleibst du nicht bei ihm? Deine Gesellschaft ist ihm bestimmt willkommener als meine!“

Die ältere Frau lächelte, wandte sich um und deutete in eine Ecke des Saales. „Dort ist er. Der Mann in der schwarzen Robe.“ Dann sah sie wieder zu ihm. „Ich muss leider nach Hogwarts zurück. Filius hat sich die Beine gebrochen. Die Heilung gestaltet sich kompliziert. “

„Oh“, sagte Harry überrascht. „Tut mir leid zu hören.“ Einen Moment sah er noch bedauernd drein, dann wanderten seine Augen in die gezeigte Richtung. So sehr er Filius bemitleidete, konnte er ihm nicht helfen und so beschäftigte er sich mit seiner bevorstehenden Aufgabe.

Es dauerte eine Weile, bevor er die schlanke Gestalt in Schwarz entdeckte. Sie starrte auf den Boden und wirkte etwas verloren. Er fokussierte sie genauer. Viel konnte er trotzdem nicht erkennen. Es handelte sich um einen mittelgroßen Mann mit blasser Hautfarbe, schwarzem Haar und ebensolcher Robe. Somit sah er eigentlich exakt wie früher aus.

„Ich gehe zu ihm.“ Sein Blick hielt den anderen fest. Severus Snape. Allein der Name löste bei ihm ein Gefühlschaos aus. So dankbar er dem Mann inzwischen war und so mutig er ihn fand, hatte er seine Beleidigungen und die Feindseligkeiten nicht vergessen. Umso seltsamer, dass er sich bei dem Gedanken, ihm gleich gegenüber zustehen, lebendiger fühlte. Vielleicht war er ja ein Masochist.

„Danke, mein Lieber!“

„Schon gut“, wehrte Harry mit einem Achselzucken ab. Er hatte seine diplomatischen Pflichten erledigt und dazu noch einige Male mit Ginny getanzt. Niemand würde ihm also einen Vorwurf machen, wenn er seine restliche Zeit mit dem Tränkemeister verbrachte.

„Wir sehen uns, Minerva“, nickte er ihr zerstreut zu. Wo war der Kerl denn abgeblieben?

„Bis bald, Harry“.

Er schnappte sich von einer vorbeigehenden Kellnerin ein Weinglas und nahm einen Schluck. Snape hatte sich etwas aus seiner Ecke herausbewegt, schien jedoch nicht zu wissen, wohin er mit sich sollte. Die meisten Gäste ignorierten ihn. Jetzt tat er Harry ein bisschen leid. Das hatte der Mann nicht verdient! Egal, wie schroff und unsozial er sein mochte, hatte er doch trotzdem sein ganzes Leben geopfert, nur, um Voldemort aufzuhalten! Aber das schien kaum jemand zu kümmern ...

Bedächtig setzte er sich in Bewegung. Immer wieder wurde er von kleinen Grüppchen aufgehalten, die unbedingt mit ihm sprechen wollten. Er fühlte sich langsam ungeduldig werden, musste an sich halten, um höflich zu bleiben. Er hatte diese hohlen Phrasen so satt!

So grüßte er hölzern, wechselte ein paar Worte und ging weiter. Der ehemalige Tränkemeister hatte ihn glücklicherweise noch nicht entdeckt, da er ein Buch aus einer Tasche gezogen hatte und ganz darin vertieft schien.

Harry schmunzelte. Es erinnerte ihn an den jungen Severus aus dem Denkarium , der ein Büchernarr gewesen war. Oder hatte er nie aufgehört, einer zu sein? Was wusste er eigentlich über diesen Mann, abgesehen von seiner schroffen Art und seiner Liebe fürs Tränkebrauen?

Als nur noch wenige Meter zwischen ihnen lagen, kam der Minister auf Snape zu. Er hatte den amerikanischen Abgeordneten im Schlepptau und lächelte breit.

Severus` Buch löste sich jäh in Luft auf, er sah hoch, schien den Minister zu entdecken und nickte den Ankommenden zu.

Harry hielt inne. Anscheinend wurde er hier nicht mehr gebraucht. Der Tränkemeister schüttelte den Männern sogar die Hand und wechselte ein paar Worte.

Sollte er wieder gehen?

Plötzlich hob der andere den Kopf, sah sich suchend um und begegnete seinem Blick. Die schwarzen Augen wirkten unergründlich wie immer, seine Miene unlesbar. Für einen Moment hatte Harry das Gefühl, die Zeit würde stillstehen. Er hatte sich oft gefragt, wie es sein würde, wenn sie sich wiedersahen - mit seinem neuen Wissen, dem Ende von Snapes Spionagetätigkeit ... Wie würden sie miteinander auskommen?

Der amerikanische Abgeordnete drehte sich um, folgte Snapes Blick. Sein Gesicht hellte sich auf.

Er hob die Hand, winkte Harry zu sich. Der Minister, der ihnen ebenfalls mit den Augen gefolgt war, tat es ihm gleich.

Harry gab ein frustriertes Geräusch von sich. Der Amerikaner hatte einen Narren an ihm gefressen und bedrängte ihn die ganze Zeit. Er lockte ihn mit einem gut bezahlten Posten im amerikanischen Ministerium, einer Villa mit Swimmingpool und weiteren Vergünstigungen. Ständig kam er mit neuen Vorschlägen und ließ Harry keine Ruhe, weshalb dieser ihm tunlichst aus dem Weg ging. Er hatte langsam wirklich die Nase voll!

Seine Augen huschten zu Snape. Der ärgerte sich sicherlich, die wenige Aufmerksamkeit, die ihm zugekommen war, an Harry verloren zu haben...

Zu seiner Überraschung stellte er fest, dass dieser die Ablenkung genutzt hatte, um sich Richtung Ausgang aus dem Staub zu machen. Er war der Tür bereits sehr nah!

Ohne viel darüber nachzudenken, nickte er den Politikern zu und folgte Snape, so schnell es ihm möglich war. Kingsley würde sich schon eine passende Entschuldigung für ihn einfallen lassen! Immerhin hatte Harry den Mann heute zwei Stunden ertragen, ohne dass der Minister eingeschritten war! Er schien wohl recht überzeugt zu sein, dass Harry nicht die Seiten wechseln wollte!

Sie waren an der Tür angekommen, als Harry den anderen einholte.

„Severus“, grüßte er salopp. Die Worte verließen seinen Mund, bevor er darüber nachgedacht hatte. Wahrscheinlich war da etwas in ihm, dass ihn gerne provozierte. Oder war es der Wunsch nach mehr Vertrautheit, der ihn so handeln ließ? „Schön, Sie zu sehen!“ Geschickt stellte er sich vor ihn und versperrte ihm somit den Weg. „Wie geht es ihnen?“

Sein Gegenüber erstarrte. Schwarze Augen richteten sich auf ihn. „Mister Potter“, kam es kühl. „Ich wüsste nicht, dass ich Ihnen gestattet hätte, mich beim Vornamen zu nennen.“

Warum klopfte Harrys Herz bei diesen Worten schneller? Es sollte ihn ärgern, dass selbst seine Aussage beim Zaubergamot nichts zwischen ihnen geändert zu haben schien. Früher wäre er gekränkt gewesen.

Freilich hatte er damals nicht gewusst, dass keinerlei Bösartigkeit hinter diesen Worten steckte. Verletzter Stolz seitens Severus und vielleicht sogar Eifersucht, aber kein echter Hass. Snape hatte so lange auf diese Weise kommuniziert, dass es für ihn zur Normalität geworden war. Und dieses Wissen veränderte alles für Harry.

„Haben Sie nicht?“, grinste er trotzdem. Es machte ihm zu viel Spaß, den anderen zu reizen, als das er diese Angewohnheit so plötzlich aufgeben könnte. „Vielleicht haben Sie es einfach vergessen? Wahrscheinlich macht sich das Alter bemerkbar...“ Vergnügt schmunzelte er ihn an, wartete auf eine Reaktion.

Das bleiche Gesicht verzog sich, Zorn blitzte in den dunklen Augen auf, wurde unterdrückt.

„Aus Ihren Worten deduziere ich, dass Sie derjenige mit Gedächtnislücken sind. Kein Wunder bei all ihren Kämpfen! Sie müssen wohl einen Hirnschaden erlitten haben“, kam es eisig. Aber warum überkam Harry das Gefühl, dass seine Reaktion nur gespielt war? Lag es am Zucken seiner Mundwinkel?

Er lachte auf, das war zu komisch! Konnte es etwa sein, dass sie beide Spaß an dieser Konversation hatten?

Geschickt schnappte er sich ein weiteres Glas Wein von einem vorbeiziehenden Kellner. „Kommen Sie schon, Severus! Meinen Sie nicht, dass unsere Vergangenheit uns verbindet!?“ Er hielt ihm das Glas hin. Sie mussten weder Feinde noch Fremde sein. Schlagartig verspürte er den Wunsch, ihn sehr viel besser kennenzulernen!

Der Tränkemeister starrte ihn ausdruckslos an. Harry vermutete, dass er seine Optionen abwog. „Wissen Sie, wenn ich Alkohol gewollt hätte, hätte ich ihn mir selbst holen können“, knurrte er schließlich.

„Klar“, nickte Harry nach einem Moment der Irritation lässig. Anscheinend war Severus einem Gespräch nicht abgeneigt. Er machte eine Kopfbewegung Richtung Tische. „Lassen Sie uns dorthin gehen. Ich stehe schon so lange. Eine Pause wäre gut!“ Er wackelte mit dem geholten Glas. „Jetzt nehmen Sie es endlich! Wie sehe ich aus, wenn ich mit zwei von denen herumspaziere!“

Ein gehässiger Blick traf ihn. „Das hätten Sie sich vorher überlegen sollen.“ Trotzdem streckte sein Gegenüber die Hand aus und nahm es ihm ab.

„Danke!“, grinste Harry breit. „Und jetzt folgen Sie mir, Severus!“ Er wandte sich um und trabte gut gelaunt voraus.

„Ich folge Ihnen nur“, hörte er den anderen knurren, „weil Minerva mir böse sein wird, wenn ich schon gehe!“

„Sicher“, murmelte Harry, grinste erneut. Wer hätte gedacht, dass es so kurzweilig sein könnte, sich mit Severus Snape zu unterhalten! Er genoss es mehr und mehr!

Am Tisch orderte Harry etwas vom Buffet und schaffte es geschickt, seinen Gegenüber zum Essen zu bewegen.

Während er kaute, musterte er ihn unauffällig. Severus sah deutlich besser aus als zu seinen Schulzeiten. Sein schulterlanges, schwarzes Haar glänzte frisch gewaschen und umrahmte ein ebenmäßiges Gesicht. Er sah gar nicht so übel aus! Das war Harry früher nie aufgefallen! Zwar konnte man ihn trotzdem keinen Schönling nennen, dazu war seine Nase zu groß und hakenförmig, die Augen zu stechend, aber seine Haut war gepflegt, die Lippen voll und rot.

Verlegen senkte er den Blick. Er wusste selbst nicht, warum er das letzte Detail überhaupt bemerkt hatte.

„Sie kommen bestimmt jedes Jahr her“, sagte der andere unerwartet.

Harry hob den Kopf, begegnete den dunklen Augen. Ein spöttischer Ausdruck lag in ihnen.

Er zuckte die Achseln. „Ja, notgedrungen. Die anderen Länder sind ziemlich besorgt, wegen dem Krieg, der auch sie hätte treffen können. Es beruhigt sie nicht sonderlich, dass wir ihn gerade so verhindert haben.“ Was ihn manchmal ein wenig verbitterte, wie er zugeben musste. „Deshalb beobachten sie uns auch mit Argusaugen.“ Er trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte herum. Wann würde er endlich ein ganz normales Leben führen können? „Aus diesem Grund stellt Kingsley uns Kriegshelden auch so zur Schau. Sie sollen unsere Gesinnung und Stärke erkennen, um zu verstehen, dass wir jederzeit wieder einschreiten werden, wenn sich ein neuer, dunkler Lord erhebt.“

Sein Gegenüber schwieg. Er schien nachzudenken.

„Das ergibt Sinn.“

„Ja“, Harry seufzte und fuhr sich durchs Haar. „Sonst würde ich auch nicht herkommen. Ich hasse solche Veranstaltungen.“

„Tatsächlich?“ Es klang Spott in der Stimme durch, aber ebenso Überraschung. „Ich dachte, Sie würden es lieben, im Mittelpunkt zu stehen.“

Harry hob die Augenbrauen und gab sich Mühe, nicht gekränkt zu sein. „Vielleicht kennen Sie mich nicht“, sagte er trotzdem.

Ein prüfender Blick. „Ja“, kam es bedächtig zurück. „Vielleicht.“

Freude kam in Harry auf. Er mochte es nicht vor sich selbst zugegeben haben, aber seit er die Wahrheit über den Freund seiner Mutter kannte, sehnte er sich danach, ihn besser kennenzulernen. Würde er endlich eine Chance dazu bekommen?

„Wir könnten uns jetzt austauschen“, sagte er vorsichtig und sah sich um. Ginny war nirgendwo zu sehen und es spielte gerade ein neues Lied auf, welches viele der Gäste auf die Tanzfläche lockte.

„Hier?“, kam die hörbar skeptische Frage.

„Warum nicht?“, zuckte Harry die Achseln, hob den Zauberstab. „Muffliato!“ Ein Grinsen. „Jetzt kann uns keiner mehr belauschen.“

Snape starrte ihn an, die Miene unbeweglich. Seine Hand verschwand vom Tisch, er zückte ebenfalls den Zauberstab, murmelte etwas.

Auf Harrys fragenden Blick hin brummte er: „Es gibt hier sicher einige Lippenleser.“

Das entlockte Harry ein atemloses Lachen. War es das, was er hoffte, dass es war!? Wenn ja, war er so was von beeindruckt! Er arbeitete hart daran, diesen Zauber zu beherrschen, war aber Meilen davon entfernt! Man brauchte eine Menge Selbstbeherrschung und Disziplin dafür! Begeistert strahlte er Severus an: „Wow, Sie können den Pixlato ausführen!? Sind Sie etwa ein Meister der Verwandlung geworden?“ Luft holen. „Ohne die Ausbildung soll es ja unmöglich sein, ihn überhaupt zu erlernen!“ Er schüttelte ungläubig den Kopf. „So oder so, das ist bewundernswert!“

Damit hatte er den anderen wohl kalt erwischt. Erst starrte er ihn mit geweiteten Augen an, schien regelrecht geschockt und sagte dann langsam: „Jaaa. Danke?“

Harry bemerkte, dass er ihn immer noch recht blöde anlächelte, weil er einfach nicht fassen konnte, was dieser Mann alles in den letzten Jahren erreicht hatte! Da kam ja fast Neid auf! Schnell versuchte er sich an einem neutraleren Gesichtsausdruck, wenngleich sich seine Mundwinkel wieder nach oben bogen. Er hatte eindeutig einen Dachschaden! „Also, Severus, erzählen Sie mir, welche verborgenen Talente haben Sie noch?“ Flirtete er etwa mit ihm? Nein, oder? Das wäre ziemlich daneben, aus so vielerlei Gründen! Nicht zuletzt, weil es Snape und ein Mann war!

Da er so mit seinem inneren Zwiespalt beschäftigt war, bemerkte er zuerst gar nicht, dass seine Frage nicht beantwortet wurde.

Schließlich hob er den Kopf und traf auf schwarze Augen, die ihn intensiv musterten. Der andere zuckte zusammen, wirkte ertappt und riss seinen Blick von ihm los.

Weil ihn diese Reaktion noch mehr verwirrte, hob Harry die Augenbrauen, versuchte cool zu wirken. „Severus, alles klar?“

Diesmal traf ihn ein strafender Blick. „Mister Potter, ich muss darauf bestehen, dass Sie mich beim Nachnamen nennen!“ Irgendwie brachten die Worte Harry wieder ins Lot. Das war ein Terrain, in dem er sich sicher fühlte.

Genüsslich lehnte er sich in seinem Stuhl zurück, grinste den anderen an. Er hatte schon lange mehr keine so interessante Person getroffen! Snape mochte schwierig sein, verbittert und absichtlich verletzend in seiner Wortwahl, aber da gab es einen Teil in ihm, der mutig, hochintelligent, äußerst loyal, geduldig und ausdauernd war. Diesen Mann wollte er unbedingt kennenlernen! Das musste der Mensch sein, den seine Mutter so geschätzt hatte!

Und wenn er noch andere Gründe haben mochte, ihn wiederzusehen, verdrängte er diese Gedanken sogleich. Sein Leben war auch so schon kompliziert genug!