Freundschaftsdienst
Freundschaftsdienst
Nachdenklich starrte Harry auf den Mann im Bett. Es war verrückt, wie schnell er sich an sein Aussehen gewöhnt hatte. Tatsächlich fiel es ihm erst jetzt wieder auf, da er ruhig da lag, die Augen geschlossen.
Nachdem er seinen Trank zu sich genommen hatte, der Alarm auf der Phiole hatte dafür gesorgt, dass es noch rechtzeitig geschah, war Severus sehr müde geworden. Harry hatte ihn zurück in sein Zimmer begleitet und auf jeden seiner Schritte geachtet. In seinem Inneren herrschte absolutes Chaos und eine schwer zu fassende Wut. Was sollte er jetzt tun? Sollte er seinen Schlaf hüten? Allerdings hatte Poppy ihn untersucht und es schien ihm gut zu gehen. Es war also unwahrscheinlich, dass er wieder ins Koma fiel. Wenn er nur nicht so unruhig wäre! Robards, dieser Mistkerl! Sobald er ihn in die Finger kriegen würde -
„Du solltest schlafen gehen“, brummte da eine tiefe Stimme und Harry zuckte zusammen. Er hatte nicht erwartet, dass der andere noch wach war. „Du siehst furchtbar aus!“, teilte ihm Severus gnadenlos mit und drehte sich auf die Seite. „Außerdem kann ich nicht schlafen, wenn du an meinem Bett stehst und mich anstarrst!“ Er hielt sich die Hand vor den Mund, gähnte und öffnete ein Auge. „Lass mir etwas Privatsphäre, Mister Potter!“ Er zog die Bettdecke enger um sich und schloss das Auge wieder. „Du hast gesagt, ich wäre ein Mensch.“ Ein leiser Atemzug. „Dann behandle mich nicht so, als müsse ich beaufsichtigt werden!“ Der letzte Satz endete in einem Grollen. Harry erschrak.
„Aber, Severus!“, wandte er hastig ein. „Ich bin doch nicht deswegen hier! Ich mache mir nur Sorgen, weil es dir so schlecht ging! Du bist einfach nicht aufgewacht! Was, wenn es wieder passiert!?“
Ein Stöhnen, der andere drehte sich ruckartig um und setzte sich auf. Sein schwarzes Haar floss ihm auf die Schultern, eine Strähne fiel ihm ins Gesicht. Er wischte sie mit einer ungeduldigen Bewegung beiseite. „Harry!“, sagte er jetzt und sah ihn eindringlich an. „Ich bin wieder vollständig hergestellt! Was ich brauche, sind noch ein paar Tränke und viel Schlaf. Und den bekomme ich nicht, wenn du da bist!“ Obwohl seine Stimme streng klang, blickten seine Augen milde. „Wenn du mir also helfen willst, dann geh nach Hause und schlaf dich selbst aus!“ Harry starrte ihn an. Ein Teil von ihm war damit beschäftigt, ins Schwärmen zu geraten, weil Severus gerade so heiß aussah. Der andere Part pflichtete ihm bei. Er war hier keine Hilfe mehr und zu bleiben ginge über eine Freundschaft weit hinaus. Sie waren schließlich kein Paar oder dergleichen!
Er holte tief Luft und nickte zögerlich. Es fiel ihm trotzdem schwer zu gehen. „Wir sehen uns dann“, nun musste er stocken, weil er nicht weiter wusste.
„Wenn wir uns sehen“, ergänzte der andere gelassen und sank zurück in die Kissen. Er warf ihm einen letzten, langen Blick zu. Obwohl so viel in ihm mitzuschwingen schien, konnte Harry ihn nicht deuten.
„Ja“, sagte er leise, schluckte. „Bis bald, Severus! Und pass auf dich auf!“ Widerstrebend wandte er sich ab, steuerte auf die Tür zu und verließ die Krankenstation. Wo sollte er eigentlich hin? Denn nach Schlaf stand ihm so gar nicht der Sinn!
Grübelnd ging er weiter, passierte Flure, Treppenstufen und Stockwerke, bis er schließlich am Schlosstor innehielt. Robards! Genau! Er musste mit ihm sprechen!
-
Mit einem lauten Krachen fiel die Tür hinter ihm zu. Irgendwann auf dem Weg von Hogwarts zum Ministerium war Harrys Wut auf Robards ins Unermessliche gestiegen. Wie hatte der es wagen können, einem Zivilisten eine solche Aufgabe aufzubrummen!? Selbst die Auroren durften kein so großes Risiko eingehen. Der Mann hatte mit Severus` Leben gespielt! Er ballte die Fäuste. Und dann war der Kerl nicht mal in seinem Büro!
Mit brennenden Augen sah er sich um.
„Wo ist Robards?“, bellte er den ersten Auroren an, den er zu Gesicht bekam. „Ich muss ihn sprechen!“
„Äh, Sir?“, stammelte der schwarzhaarige Junge mit den riesigen Rehaugen und der schokoladenfarbenen Haut. Er arbeitete erst seit ein paar Tagen bei ihnen. „D-darf ich Ihnen sagen, welche Ehre es mir ist, mit Ihnen in derselben A-“
„Ja, ja, schon gut!“, winkte Harry unwirsch ab und eilte an ihm vorbei. Von dem Kind würde er nie eine vernünftige Antwort erhalten! Ein bisschen tat ihm seine harsche Art ja leid, aber seine Wut war stärker.
„Robards“, knirschte er mit den Zähnen und sah sich um. „Wo hat er sich versteckt?“ Seit der Mann vor einem Jahr von einem Drachen fast zu Tode getrampelt worden war, verließ er die Zentrale nur selten. Offiziell tat er das seiner Frau zuliebe, aber Harry vermutete eine Belastungsstörung. Was er ihm durchaus auch gesagt hatte. Und angeschrien worden war. Er schnaubte.
Harry war ihm ein Dorn im Auge gewesen, seit er die Aurorenzentrale zum ersten Mal betreten hatte. Ihm, dem Neuling, brachten alle Kollegen Respekt und Gehorsam entgegen. Sie fragten um Rat und hingen ständig bei ihm herum. Man riss sich darum, in seinem Team zu sein. Und das stieß dem Mann mächtig auf. So behandelte er ihn umso härter, war unfassbar streng und bürdete ihm die schwersten Aufgaben auf. Harry beschwerte sich nie. Er konnte ihn verstehen. Ja, er hatte es lange getan. Bis heute!
„Wo ist Robards?“, packte er einen vorbeieilenden Kollegen an der Robe. „Es ist wichtig!“ Die aufgerissenen Augen teilten ihm mit, dass er sich daneben benommen hatte.
„Entschuldigung“, murmelte er hastig und ließ los. „Bitte, hast du ihn gesehen?“ Irgendjemand musste es doch wissen!? Ungeduldig verlagerte er sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen, spähte durch die Zentrale und versuchte ein freundliches Gesicht zu machen. Anscheinend fürchteten sich die Leute vor ihm, wenn er in dieser Laune war. Leider vergaß er sich manchmal, vor allem an Tagen wie diesem. Aber glaubten sie ernsthaft, er könne ihnen etwas antun!? „Also!?“
„Nein, Sir“, entgegnete der Auror eilig. Harry sah ihn an. Der Mann schluckte. Dann blickte er sich um. „Ich glaube, er ist in die Mittagspause gegangen. Aber wohin, weiß ich nicht.“ Sein Gesichtsausdruck hatte etwas Ängstliches. Harry runzelte die Stirn, vergaß es jedoch wieder, als ihm das Gesagte dämmerte. Er war also essen.
„Jetzt schon?“
„Es ist 12.30 Uhr, Sir.“
„Ach?“, Harry spähte zur magischen Uhr an der Wand. „Schon?“ Wo war die Zeit geblieben. „Danke, Melrose!“
„Gerne, Sir.“ Der Mann blieb neben ihm stehen, wirkte allerdings so, als wäre er lieber wo anders. „Du kannst gehen.“
„Danke, Sir!“ Der Auror entfernte sich so schnell, wie es die Höflichkeit zu ließ. Harry seufzte. Es spielte keine Rolle, wie oft er den Leuten das Du anbot, die meisten konnten sich nicht damit anfreunden. Irgendwann hatte er es aufgegeben.
Ein regelmäßiges Scheppern drang an sein Ohr. Tapp, klirr, tapp, klirr. Pause. Tapp, klirr, tapp, klirr. Er wirbelte herum. Eine sehr dünne, große Frau mit einem strengen Dutt und einer akkuraten Robe marschierte auf Robards Büro zu. In ihrer Hand trug sie einen gewaltigen Schlüsselbund, der bei jedem Schritt in Bewegung geriet.
„Madame Anisie!“, rief er aus und eilte auf sie zu. „Sie kommen gerade im richtigen Augenblick!“
Ihn traf ein kühler Blick, die Frau ging weiter und direkt ins offene Vorzimmer hinein. Harry folgte ihr.
„Ich muss unbedingt mit Ihrem Chef sprechen!“
Die Sekretärin hob eine Augenbraue, schloss eine Schublade auf und verstaute ihre Tasche darin. Dann hob sie den Zauberstab. Harry legte seine Hand in die Robentasche. Wollte sie ihn ernsthaft hier angreifen!?
Ein Teekessel begann zu kochen. Er nahm die Hand wieder heraus. Offenbar hatte er sich geirrt. „Mister Potter“, sagte sie endlich und blickte ihn an. „Um was geht es denn diesmal? Sie wissen doch, dass er gerade Mittagspause hat!“ Harry schnaubte auf. Seine Wut kochte wieder hoch.
„Was Sie nicht sagen!“, fuhr er sie an. Sie legte ihm Steine in den Weg, wo sie nur konnte! Ganz die eifrige Sekretärin. „Aber ich kann nicht warten! Ich muss ihn jetzt sprechen!“ Er war drauf und dran, seinen Stab zu ziehen. Wenn sie es so haben wollte, bitte!
Ein Teeservice erhob sich gemächlich und schwebte auf den Schreibtisch zu. „Mister Potter“, sagte sie in diesem kalten Ton, den, er schon kannte, „ kann es sein, dass Sie etwas missverstehen? Ich bin nicht die Auskunft.“ Er knurrte.
„Kommen Sie mir nicht wieder mit diesen Ausreden!“, herrschte er sie an. Dass sie ihren Chef immer so verteidigte, steigerte seinen Zorn nur. „Haben Sie überhaupt eine Ahnung -“ „Harry!“
Sie erstarrten beide und fuhren herum. Ron stand in der Tür.
„Kann ich dich bitte sprechen? Jetzt?“ Sein angeblich bester Freund wirkte völlig unbeeindruckt, obwohl er die Situation sicher sofort erfasst hatte. Aber sie kannten sich ja auch schon lange. Wie locker er im Türrahmen stand und so unschuldig dreinblickte. Harrys Augen wanderten nach unten und entdeckten den Zauberstab. Er schien ihn zufällig in der Hand zu halten. Na sicher!
Er schnaubte. Es war ihm klar gewesen, kaum, dass er ihn erblickt hatte. Rons typische Verhaftungspose. Glaubte er etwa, er würde auf Madame Anisie losgehen, oder was!? „Klar! Gerne!“, zeigte er deshalb die Zähne. Wenn er schon nicht Robards in die Finger kriegen konnte, dann würde eben Ron herhalten müssen! Immerhin war er einer der Gründe, weshalb er gleich explodieren würde! „Und wo?“
„Komm mit!“ Der andere drehte sich um und verließ den Raum. Harry warf der Sekretärin einen bösen Blick zu und folgte ihm.
„Äh, hier?“, blinzelte er schließlich, als sie im Trainingsraum angekommen waren und die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel. Er war so in Gedanken gewesen, was er dem anderen alles an den Kopf werfen konnte, dass er nicht auf den Weg geachtet hatte.
„Es schien mir der passendste Ort zu sein“, sagte Ron ruhig und legte die Oberbekleidung seiner Robe ab.
Harry beobachtete ihn misstrauisch. „Was soll das werden?“, wollte er wissen. Der andere wechselte die Schuhe und legte seine abgelegten Sachen auf eine der Zuschauerbänke.
Der kreisrunde Raum war von allen Seiten mit diesen Sitzgelegenheiten umgeben, die stufenweise nach oben verlagert waren und von jedem Platz eine gute Aussicht boten. Im Grunde war er eine klassische Arena, in welcher mehrmals wöchentlich Kämpfe veranstaltet wurden. Die Auroren hatten die Pflicht, ihnen beizuwohnen, oder sich als Kämpfer zu beteiligen. Es war eine nette Abwechslung zum gewöhnlichen Training.
„Zeit für einen Kampf“, sagte der andere nun und setzte sich neben seine Kleidung. „Los, mach dich fertig!“
Harry glotzte ihn an. Seine Wut brannte unter seiner Haut, pulsierte unter den Fingerkuppen und ließ ihn gereizt knurren. Er wollte nichts lieber, als alles kurz und klein zu fluchen! Vielleicht hatte Ron recht. Ein Arenakampf könnte genau das sein, was er jetzt brauchte!
„Keine Regeln!“, raunzte er und riss an seiner Robe. Die Knöpfe sprangen auf, manche fielen zu Boden, doch es war ihm egal. Er warf die Oberbekleidung beiseite, stand in Achselshirt und Shorts da. „Accio Schuhe!“ Dann vertauschte er das Paar und machte einen Satz nach vorne. Ron schnellte hoch.
„Stupor!“, schrie Harry machtvoll. Natürlich glaubte er nicht, schon zu treffen, aber der andere sollte ruhig wissen, wie wütend er auf ihn war! Er hatte Hermine und ihn zutiefst verletzt!
„Protego!“, wurde der Fluch lässig abgewehrt, dann schwebte plötzlich eine der Holzfiguren zwischen sie, die sie so oft zum Kampf nutzten. Harry knurrte. Als ob das Ding lange heil bleiben würde!
Er machte eine peitschende Bewegung mit dem Stab und beobachtete zufrieden, wie die Figur auf Ron zuschoss. „Sag mir eines, wieso ausgerechnet heute!?“ Seine Hand vibrierte, während er den Zauber aufrechterhielt. „Wochenlang hast du mich ignoriert, selbst in unserem Büro behandelst du mich wie Luft!“, warf er ihm vor und spürte, wie sein Zauber geblockt wurde. Die Puppe kam zum Stillstand und wechselte die Richtung. Sie raste in einem solchen Tempo heran, dass er nur noch zur Seite hechten konnte.
„Wieso nicht!?“, rief Ron ihm zu. „Der Tag ist so gut wie jeder andere auch! Petrificus Totalus!“
„Protego!“, konterte Harry und keuchte ob der Macht des Zaubers auf. Auch Ron schien Gefühle zu verarbeiten.
Ein riesiger Schaumstoffwürfel kam aus dem Lagerraum geglitten und blieb vor dem anderen liegen, gab ihm Deckung. Er war inzwischen ziemlich gut darin geworden, Dinge ungesagt zu bewegen. Es gehörte sogar zu seinen Spezialitäten, weshalb sie ein gutes Team abgaben. Ron als der Defensive, Harry im Angriff. Bei dem Gedanken wurde ihm das Herz schwer. Würden sie je wieder als Einheit zusammenarbeiten? Er hofft es sehr!
„Bist du jetzt mit ihr zusammen!?“, schrie Ron lautstark. Dann teilte sich die Puppe jäh in zwei und beide rasten sie auf Harry zu.
Wow, diesen Zauber hatte Ron vor ein paar Wochen noch nicht gemeistert! Harry war beeindruckt. Der andere musste wie ein Besessener trainiert haben! Da sollte jemand sagen, er hätte keinen Ehrgeiz!
Vor lauter Stolz war er mit dem Ausweichen spät dran und warf sich zu Boden. Weil es nicht ausreichte, machte er einen unsauberen Salto zur Seite. Autsch! Das hatte weh getan! Die Puppen rauschten an ihm vorbei.
Er keuchte und sprang auf. Sie würden wieder kommen, so viel war sicher! Schnell machte er ein paar Sprünge nach links und schwang den Stab. Der Schaumstoffwürfel verwandelte sich in einen Schäferhund. Das Tier knurrte auf. Ron gab einen Schrei von sich und der Hund kläffte. Harry grinste. Eigentlich war er versucht gewesen, einen Tiger zu erschaffen, aber er wollte den anderen ja nicht ernsthaft verletzen. Dann hörte er hinter sich ein Sirren und rannte los.
Nachdem die Geräusche leiser geworden waren, gönnte er sich eine kurze Verschnaufpause und drehte sich um. Die Puppen waren noch immer hinter ihm her. Der Hund bedrohte abwechselnd Ron und die Figuren. Er schien sich nicht entscheiden zu können, wer gefährlicher war. Ron wirkte ratlos. Harry lachte leise.
Auch er hatte in den letzten Wochen intensiv trainiert. Verwandlung gehörte nicht unbedingt zu seinen Stärken, doch dieser Zauber war ihm gut gelungen! Das machte ihn durchaus ein bisschen Stolz! Dann fiel sein Blick wieder auf die Holzfiguren, die konstant näher kamen. Er musste sie stoppen! Doch wie?
Als ihm die Idee kam, schloss er eines seiner Augen und zielte. Da, es musste die am weitesten entfernte sein! „Bombarda!“, rief er laut, behielt den Stab fest in der Hand. Der Zauber schoss durch den Raum, traf auf das Holz und zerriss es in seine Einzelteile. Hunderte von Holzhäcksel und Splitter flogen durch die Luft. Der Hund bellte sich die Seele aus dem Leib und verschwand von einem Moment zum nächsten im Nichts. Das war sicher Rons Werk gewesen!
Harry sah sich um. Eigentlich hatte er mit dieser Explosion auch das Gegenstück der Puppe zerstören wollen. Immerhin waren sie nah beieinander gefahren. Die fliegenden Teile mussten sie getroffen haben! Hatte es ausgereicht? Er blinzelte mehrmals. Die Luft war voller Staub.
Ein Holzkopf flog plötzlich auf ihn zu, seine Hand schnellte nach oben. Der Sucher in ihm hatte automatisch reagiert. Er pflückte ihn aus der Luft. Die Puppen hatte er noch nie leiden können!
„Musste das sein!?“, rief Ron hörbar verärgert. „Es dauert Stunden, bis sie sich vollständig wieder repariert haben! Wirst du sie so lange beaufsichtigen!? Du weißt, dass sie sich manchmal falsch zusammenfügen, wenn sie in so viele Einzelteile zerlegt worden sind! Ich mache das jedenfalls nicht!“
„Tja!“, zuckte Harry nur mit den Schultern und stellte enttäuscht fest, dass die zweite Puppe noch auf den Rollen stand. Ihr fehlte lediglich der Kopf. Nächstes Mal musste er besser zielen! „Übrigens, was soll der Mist?“, wollte er dann wissen und verließ seine Position. Der andere schien sich der Umgebung angepasst zu haben. „Wieso sollte ich mit Hermine zusammen sein? Ich bin nicht in sie verliebt!“ So gar nicht! , dachte er. „Außerdem seit ihr doch das Paar! Ihr habt euch schon so oft gestritten, das werdet ihr bestimmt wieder aus der Welt schaffen!“
„Ha!“, schnaubte es laut. Plötzlich spürte Harry so ein Ziehen an seinen Füßen und schaute nach unten. Erschrocken riss er die Augen auf.
„Das gibt es doch nicht, wann hat er?“ Dann presste er die Beine dicht aneinander und begann vorsichtig, vorwärts zu rutschen, während der Boden zu seinen Füßen zunehmend versumpfte. „Verdammter Weasley!“, schimpfte er leise und konnte den ankommenden Stupor gerade so abblocken.
Diesen Sumpfzauber hüteten Ron und Georg seit Jahren wie ihren Augapfel. Denn sein Freund hatte irgendwann begonnen, bei Weasleys zauberhaften Zauberscherzen mitzuwirken. Und es bereitete ihm viel Spaß, Harry damit zu zusetzen. Vor allem in ihren Kämpfen. Warum war er nur so unaufmerksam gewesen!? Er stöhnte. Hatte er überhaupt noch eine Chance zu gewinnen? Einmal im Sumpf war es fast unmöglich, ihm wieder zu entkommen!
„Wir haben uns getrennt!“ Harry riss den Kopf hoch. Was hatte der andere da gesagt!?
„Was!? Wann?“ Warum hatte Hermine ihm nichts davon erzählt!?
„Gestern!“
„Oh!“ Harry verstand. Er war bei Severus gewesen. Da hatte sie ihn wohl nicht stören wollen. Stattdessen hatte sie ihm noch ein paar aufmunternde Nachrichten geschickt. Er schluckte. „Es tut mir -“ Wumm! Der Holzkopf hatte ihm die Nase gebrochen.
Schmerzen und Blut. Harry kippte um. Der Sumpf saugte sich an seinem Körper fest. Er stöhnte auf.
„Gibst du auf?“, rief Ron. Er schien näher gekommen zu sein.
„Ja“, sagte Harry, der nicht daran dachte. Erst recht nicht bei den ganzen Schmerzen! Er wollte Rache! Doch es war längst nicht mehr die Wut, die ihn beherrschte. Es ging hier einfach nur ums Prinzip!
Ron tauchte in seinem Gesichtsfeld auf.
„Expelliarmus!“ Es hatte ihn zwar fast übermenschliche Kraft gekostet, dafür seinen Stab zu heben, aber das war es ihm wert! Rons Zauberstab wurde ihm aus der Hand gerissen und Harry verdrehte sich, um ihn aufzufangen. Dann sank er stöhnend zurück. Zufriedenheit durchströmte ihn. Als ob er so schnell aufgeben würde! Der andere sollte ihn wahrlich besser kennen! Seine Augen schwollen zu. „Gibst du auf?“, keuchte er. Blut rann ihm in den Rachen. Wie lange konnte er wohl noch durchhalten?
Der andere knurrte. „Du hast gesagt, du -“ dann stockte er, seufzte: „Keine Regeln.“
„Richtig!“, grinste Harry und musste würgen, weil das Blut echt eklig war. Alles drehte sich.
„Unentschieden!“, erklärte Ron, blieb stehen. Harry überlegte.
„Na gut“, seufzte er schließlich und hustete mehrmals. Er musste echt versorgt werden. „Von mir aus!“
Der andere trat auf ihn zu und streckte die Hand aus. „Die Stäbe!“ Harry starrte ihn an. Viel konnte er ja nicht mehr sehen. War es ein Trick? Aber was sollte Ron denn schon machen, ihn wieder angreifen? Sie trainierten zwar hart, dennoch gab es Grenzen. Er drehte die Hand so, dass der andere sie nehmen konnte. Trotz ihres Zerwürfnisses vertraute er Ron. Er hatte ihn heute vor einer großen Dummheit bewahrt! Nicht zum ersten Mal.
Der andere nahm die Stäbe wortlos, legte sie auf den Boden und griff nach Harrys Armen, um ihn aus dem Sumpf zu ziehen. Es war so anstrengend und schmerzhaft, dass Harry der Schweiß ausbrach. Er konnte kaum einen Schritt alleine tun.
Ron schien es zu merken. Er hielt ihn fest, stabilisierte ihn und half ihm, sich auf einer Bank in ihrer Nähe niederzulassen. Dann holte er die Zauberstäbe und drückte ihm den seinen in die Hand.
„Danke“, seufzte Harry erleichtert und ließ das Blut verschwinden. „Accio Heiltrank!“, rief er laut. Ein weißer Einbauschrank öffnete seine Türen und ein Fläschchen schwebte auf ihn zu. Ron zauberte unterdessen ihre Roben herbei und ließ sich auf einer Bank in Harrys Nähe nieder.
Nachdem Harry ein paar Schlucke vom Trank genommen hatte, lehnte er sich zurück. War er k.o.! Und doch ging es ihm besser. Er hatte ganz vergessen, wie positiv sich diese Kämpfe auf sein Gefühlsleben auswirkten. Das verdankte er nur Ron!
„Warum hast du mich daran gehindert, Robards zu finden?“, wollte er schließlich wissen. Natürlich kannte er die Antwort schon, aber diesmal würde dieser Mistkerl trotzdem nicht davon kommen! Ihm würde noch etwas einfallen, wie er Robards bestrafen konnte, ohne selbst Grenzen zu überschreiten! „Wenn du wüsstest, was er getan hat -“, dann hielt er inne, „na ja, vielleicht auch nicht. Du kannst ihn ja nicht leiden.“ Es wurmte ihn noch immer, wie Ron ständig gegen Severus stichelte!
Der andere wandte sich ihm zu, die Stirn in Falten gelegt. Er wollte also mehr wissen. Harry seufzte.
„Es geht um Severus“, er schluckte, weil bei dem Namen wieder die ganzen widersprüchlichen Gefühle hochkamen.
„Was - hat er getan?“, fragte Ron gedämpft und schlüpfte in die Oberbekleidung seiner Robe. „Ist er wieder - unbefugt auf Snapes Grundstück gewesen?“ Er klang desinteressiert. Doch da war eine gewisse Anspannung in seiner Stimme. Als wisse er mehr, als er vorgab. Harry behielt es im Hinterkopf. Im Augenblick war das nicht so wichtig. Er vertraute ihm so oder so. Dann ließ er seine restliche Robe zu sich schweben.
„Reparo!“, murmelte er leise und sah dabei zu, wie sich die kleinen Knöpfe wieder an ihren Platz hefteten. Es war immer noch Ron, er konnte ihm vertrauen, egal, was dieser verbergen mochte! Sie konnten sich streiten und gegensätzlicher Meinung sein, sich bekämpfen und anschreien, aber wenn es um Recht und Unrecht ging, um Menschenleben, würden sie immer auf derselben Seite stehen! Da war er sich absolut sicher! Bedächtig streifte er den Stoff über seinen Kopf und begann zu sprechen. Gemeinsam würden sie eine Lösung finden.
„Oha!“, sagte sein bester Freund schließlich. Sie hatten während ihres Gesprächs die Trainingshalle wieder aufgeräumt. Nur die Holzpuppe war noch dabei, sich zusammenzufügen. „Ich habe ihn ja oft schlecht gemacht, aber ehrlich gesagt nur, weil ich dich davon abhalten wollte, einen Fehler zu machen.“ Er fuhr sich durchs Haar, welches leicht verschwitzt war und zerzauste es. „Ich weiß nicht, ob ich ihn je so schätzen werde wie du, aber mutig ist er wirklich!“ Er schüttelte den Kopf. „Dumbledore, du und er sind die mutigsten Männer, die ich kenne!“ Und es schwang so viel Bewunderung in seinen Worten mit, dass Harry ein bisschen verlegen wurde.
„Quatsch! Ich bin nicht mutiger, als du und Hermine! Wir haben alles zusammen durchgestanden! Vergiss das nicht!“ Er warf ihm einen schnellen Blick zu. „Aber du anerkennst also seine Leistungen? Severus´, meine ich!“
Der andere seufzte und lachte etwas gezwungen auf. „Jaa, Harry! Das tue ich! Und es tut mir leid, dass ich gesagt habe, er wäre verrückt.“ Dann verzog er das Gesicht. „Ein bisschen verrückt finde ich ihn zwar schon, aber er ist auch ziemlich klug, meinte Hermine. Er weiß, was er tut!“ Er lehnte sich nach hinten an die hohe Stufe, die ebenfalls Sitzplätze bot. Seine Miene verhärtete sich, was selten bei ihm vorkam. „Jedenfalls, was Robards betrifft: Er ist zu weit gegangen! Viel zu weit! Das können wir ihm nicht durchgehen lassen!“
Harry atmete auf. Ihm war nicht einmal bewusst gewesen, dass er die Luft angehalten hatte, aber wenn Ron ihm hier nicht beigepflichtet hätte ...
„Er muss bestraft werden!“, sagte er gedämpft. Ron warf ihm einen warnenden Blick zu.
„Deswegen habe ich dich vorhin gestoppt, Harry! Vergiss nicht, wo wir sind! Das muss vorher gut geplant werden! Der Mann hat seine Augen und Ohren überall!“ Die Trainingshalle war allerdings mit speziellen Schutzzaubern belegt, um die Geräusche nicht nach draußen dringen zu lassen. Sie hatte nur einen Eingang und die runde Form machte es möglich, sie komplett zu überblicken. Hier konnte sich niemand verstecken! Und sowohl Harry, als auch Ron hatten dem Raum schon vor Jahren ein paar weitere Zauber verpasst, die es unmöglich machten, Langzieh-Ohren und Ähnliches zum Lauschen zu benutzen.
„Jaa, schon gut!“, brummte Harry. „Aber wir werden etwas unternehmen! Wir haben ihm zu viel, zu lange durchgehen lassen!“
Der andere seufzte und nickte dann. Auch er hatte gelegentlich unter ihrem Chef zu leiden gehabt, wenngleich nicht in dem Maße, wie Harry.
„Sag mal“, Harry ließ eine Wasserflasche zu sich schweben, „stimmt es wirklich, dass ihr euch getrennt habt?“ Er schnappte sich die Flasche und drehte sie auf.
„Ja“, kam es mit flacher Stimme von seinem Freund. „Wir sind beide übereingekommen, dass es das Beste für uns ist.“ Harry musste schlucken. Das tat weh! Verdammt weh sogar! Es schmerzte mehr, als seine Trennung von Ginny.
„Wirklich?“, fragte er leise. Die Beziehung der beiden war für ihn immer ein großer Ansporn gewesen und der Beweis, dass ein Streit nicht das Ende bedeuten würde. „Doch nicht wegen mir, oder?“ Er spürte einen Kloß in seinem Hals und bemühte sich, ihn hinunterzuschlucken.
„Nein“, hört er voller Erleichterung die erlösenden Worte. „Es hatte nichts mit dir zu tun. Weißt du“, Ron seufzte, setzte die Ellenbogen auf seine Oberschenkel und stützte das Kinn auf den Händen auf, „ich dachte eigentlich, es wäre ganz locker bei uns. Wir kennen uns schon so lange und wissen alles voneinander. Aber trotzdem haben wir uns irgendwie aus den Augen verloren. Der Krieg und das Erwachsen-Werden hat uns verändert, sagt Hermine. Natürlich hat sie recht, wie immer.“
„Ja“, brummte Harry dazwischen und lauschte dann wieder.
„Wir haben so getan, als wäre alles wie früher, weil wir es nicht zugeben wollten.“ Sein Freund stieß einen lauten Seufzer aus. „Ich weiß auch nicht. Es sind so viele schlimme Dinge passiert, verstehst du? Ich wollte sie nicht auch noch verlieren! Ich liebe sie!“ Harry nickte. „Aber wohl nicht mehr auf dieselbe Weise.“ Sein Freund hob die Schultern. „Vielleicht“, er schluckte, „habe ich sie nie so sehr geliebt, wie es notwendig wäre. Also nicht romantisch.“ Wieder nickte Harry.
„Ich meine, warum sonst muss ich ständig an andere Frauen denken?“ Die Miene seines Freundes wurde trübsinnig. „Oder bin ich einfach ein schlechter Mensch?“ Nun erweichte sich Harrys Herz. Wie sein Freund ihn persönlich behandelt hatte, hatte er ihm schon bei ihrem Kampf vergeben, aber wie er mit Hermine umgegangen war, konnte er nicht so leicht verwinden.
„Warum hast du das denn getan? In eurem Garten? Direkt vor ihrer Nase?“, fragte er deshalb und beugte sich vor, um ins Gesicht des anderen zu blicken.
Ron wandte sich ihm zu. Er wirkte gequält. „Ich habe gespürt, wie sie sich mehr und mehr von mir entfernt. Sie hat so oft versucht mit mir Schluss zu machen, glaubte ich jedenfalls“, fügte er mit Grabesstimme hinzu. „Deshalb bin ich ihr aus dem Weg gegangen.“ Er verzog das Gesicht. „Nach dem Motto, wenn sie nicht mit mir sprechen kann, kann sie auch nicht Schluss machen.“ Harry gab ein Stöhnen von sich. Das war typisch Ron!
„Und dann dachte ich, es könnte was bringen, wenn ich sie eifersüchtig mache.“ Der andere fuhr sich über das Gesicht. „Ich habe Pansy um Hilfe gebeten. Sie war zwar nicht so begeistert, aber hat mitgespielt.“ Jetzt musste Harry den Kopf schütteln.
„Ron! Du Idiot! Die Idee war dumm genug, aber auf diese Weise? Sie konnte dir nichts vorwerfen und trotzdem hast du sie unglücklich gemacht!“
„Ich weiß“, sein Freund seufzte. „Hermine hat mir deswegen auch schon die Leviten gelesen!“ Er starrte ihn aus traurigen Augen an. „Ich wollte sie doch nicht betrügen!“ Erneut schüttelte Harry den Kopf. Sein Freund war längst nicht so naiv, wie manche behaupteten, aber manchmal sah er den Wald vor lauter Bäumen nicht!
„Also keine Versöhnung mehr“, stellte Harry fest.
„Nein.“ Ron lehnte sich weit nach hinten und starrte an die Decke. „Wie geht es eigentlich Snape? Ich kann ja immer noch nicht fassen, wie er jetzt aussieht!“ Er schüttelte den Kopf. „Du hast es schon vorher gewusst oder? Wie lange?“
Harry sah zu ihm hinüber und lächelte. „Danke!“, sagte er aufrichtig.
„Häh?“, sein Freund legte die Stirn in Falten. „Warum?“
„Du bist einer der Wenigen, die ihn nicht als Wesen oder Monster bezeichnet haben!“ Harry rutschte ein Stück an ihn heran und lehnte sich ebenfalls zurück, um nach oben sehen zu können. Die Decke simulierte ein Mosaikfenster, durch welches Tageslicht fiel. „Das ist er nämlich wirklich nicht, weißt du! Es handelt sich nur um eine genetische Veränderung!“
Sein Freund brummte. „Ich habe das Interview von dir und Minerva gelesen. Wenn ihr sagt, dass er noch derselbe ist, glaube ich euch.“ Harry atmete tief durch.
„Ron?“
„Ja?“
„Verletz sie nie wieder so, ja?“
Ein Einatmen. „Ich gebe mir mühe. Und du willst wirklich nichts von ihr?“ Harry stöhnte und verdrehte die Augen.
„Wollte ich nie. Ich glaube“, er stockte, „vielleicht habe ich mich in Severus verliebt.“ Stille.
„Was?“, Ron fuhr von seinem Platz hoch. „Also doch!“
„Ich weiß“, Harry seufzte und erzählte ihm dann, was er ihm bisher verschwiegen hatte. Nur ein paar privatere Details ließ er aus. Irgendwo gab es Grenzen.
„Ich hab keine Ahnung, wie ich mich jetzt verhalten soll. Er wurde ziemlich müde, nachdem er den Trank getrunken hat. Und geredet haben wir auch nicht.“ Er biss sich auf die Unterlippe. „Aber ich bin schon sehr froh, dass meine Mutter endlich aus dem Spiel ist!“ Er atmete zittrig ein. Es war immer ein unangenehmes Gefühl gewesen und hatte seine Erinnerungen an die Küsse getrübt. Er spürte Hitze in seine Wangen steigen. Jetzt fühlte er umso mehr die Leidenschaft, die sie beim zweiten Mal geteilt hatten! Verlegen zog er die Beine an, sein Körper reagierte allein bei den Gedanken daran.
„Du magst ihn wirklich sehr, hm?“, fragte Ron ungewöhnlich sanft. „Du hast dich bisher nie bei irgendeinem Kerl so verrückt gemacht.“ Er musterte ihn. „Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht erinnern, dass du überhaupt wegen jemand so durch den Wind warst!“ Jetzt fühlte Harry seine Wangen noch heißer brennen. „Vielleicht solltest du doch was Festes mit ihm versuchen.“
„Wie bitte?“, Harry glaubte, sich verhört zu haben. „Gerade du schlägst mir das vor!?“ Er atmete geräuschvoll ein und aus. Solche Überlegungen hatte er noch nie zugelassen! Er und Severus? Ein Liebespaar!? Der Gedanke war erschreckend!
Vielleicht auch deshalb, weil er es sich durchaus vorstellen konnte ... Sie, in dessen Wohnzimmer sitzend, sich unterhaltend. Gemeinsam lachend, streitend. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus. Beim Frühstück und Abendessen – er schluckte, ein Bett teilend, sich küssend. Ihm wurde ganz heiß. Es war schön, erregend und verlockend. Er atmete zittrig ein. Und im höchsten Maße beängstigend!
„Nur weil er mich gerne küsst, muss er noch lange nicht mehr von mir wollen!“, sagte er laut, nicht sicher, ob er Ron oder sich selbst überzeugen wollte. Verlangen, Sehnsucht, Enttäuschung und Traurigkeit wechselten sich in seinem Inneren ab und erschöpften ihn. „Er scheint mehr der Typ für rein Körperliches zu sein.“ Was ja eigentlich auch okay war. Jeder sollte leben, wie es ihn glücklich machte. Er hatte durchaus selbst ein paar One-Night-Stands gehabt. Für ihn waren sie allerdings auch nicht das Richtige. Manchmal dachte er, dass niemand und nichts das Richtige für ihn war. Vielleicht war er zu kaputt für all diese Dinge?
Ron verzog das Gesicht. „Das will ich mir gar nicht vorstellen! Aber Harry, was erwartest du von ihm? Hätte er als Spion wirklich eine Beziehung haben können?“ Er schüttelte den Kopf. „Ich glaube selbst nicht, dass ich das sage: Aber probier es doch einfach aus! Wenn du so verrückt nach ihm bist, wird das nicht einfach wieder verschwinden!“
Harry stöhnte auf und warf den Kopf zurück. „Das weiß ich doch! Aber irgendwie glaube ich nicht, dass er mehr will!“ Er starrte auf ein Stück Glas, welches im Sonnenlicht funkelte. „Er hat selbst gesagt, dass er nie auf die Idee gekommen wäre, mich zu küssen! Das heißt doch wohl, dass er sich von mir gar nicht angezogen fühlt!“ Er seufzte tief auf.
„Also, ich weiß ja nicht“, fuhr Ron dazwischen, aber Harry sprach schon weiter: „Ich will nicht, dass es irgendwie komisch zwischen uns wird. Vielleicht sollte ich nächstes Mal so tun, als wäre nichts gewesen. Das funktioniert meistens gut bei uns.“
„Ich bin mir nicht sicher, ob“, setzte sein Freund aufs Neue an, aber Harry war noch immer so in seinen Überlegungen gefangen, dass er es gar nicht richtig mitbekam. „Danke, dass du mir zugehört hast! Das hat echt geholfen!“ Er drehte sich um und lächelte. „Ich bin froh, dass alles zwischen uns wieder in Ordnung ist!“ Und das war es wirklich für ihn. Weitere Worte waren unnötig.
Nun funkelte es in Rons Augen übermütig auf. „Ich auch! Weißt du was, Harry? Komm doch heute zu uns nach Hause ja? Mum wird sich freuen dich zu sehen!“ Er wohnte also wieder bei seinen Eltern? Nicht weiter überraschend. Harry grinste breit. Er hatte Molly und Arthur schon eine Weile nicht mehr besucht. Keine Zeit. „Das Angebot nehme ich gerne an!“
***
So, das wars für heute. Ich hoffe, euch hat das Kapitel gefallen, selbst wenn es diesmal ausnahmsweise wenig Snarry Momente gab. Im nächsten Kapitel gibt es davon aber wieder reichlich! ;)
Lasst gerne einen Kommentar oder Kritik da (positiv, wie negativ). Auch ein Satz kann schon eine Rückmeldung sein ;)