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Der einsame Mann

Leidenschaftliche Differenzen Oder Der Einsame Mann Im Alten Haus — www.fanfiktion.de · All chapters

Der einsame Mann

Herzlichen Dank an Artemis1990 und Baumbart für die lieben Rückmeldungen zur Geschichte!

***

Er starrte den schlafenden Mann an, beobachtete, wie sich seine Brust hob und senkte. Die Versuchung war groß, sich zu ihm ans Bett zu setzen und mit den Fingern durch sein Haar zu fahren. Und ihn danach genüsslich aus seiner Kleidung zu schälen. Er seufzte.

Es war frustrierend! Intimitäten waren ihm nie wichtig gewesen. Nur manchmal, in seinen dunkelsten Stunden, wenn er die Einsamkeit nicht mehr ertrug, hatte er sich erniedrigt und Dinge getan, beziehungsweise mit sich tun lassen, für die er sich bis heute verachtete. Er biss die Zähne zusammen. Alles nur für ein bisschen Nähe! Und trotzdem saß er nun hier und verzehrte sich nach diesem Mann! Ausgerechnet ihm! Was Lilli wohl von ihm dachte? Konnte sie ihn überhaupt sehen? Wusste sie, wie nahe er ihrem Sohn gekommen war? Er straffte die Schultern.

Der letzte, halbe Tag war eine einzige Plage gewesen, emotional und körperlich zehrend. Trotzdem konnte er nicht schlafen und tigerte in ihrem Hotelzimmer umher. Dabei war alles problemlos gelaufen. Nachdem der Badezusatz im Teich seine Wirkung getan hatte, hatte er Harry geweckt. Der Biggos war unruhig geworden, weil er Harrys Spur verloren hatte, und durchstreifte die Gegend. Dadurch war es ein Leichtes gewesen, von dort wegzukommen. Kaum hatte Harry auch das zweite Stück Fleisch im alten Revier des Biggos aufgehängt, waren sie so schnell wie möglich aus dem Wald verschwunden. Am schwierigsten hatte sich der Weg an sich gestaltet, da sie hatten laufen müssen. Apparieren war im gesamten Gebiet unmöglich.

Zögernd trat er auf das Bett zu und betrachtete den Schlafenden genauer. Seine Wangen waren gerötet, die Lippen leicht geöffnet und die Haare verführerisch zerwühlt. Er streckte die Hand aus, erstarrte und drehte sich ruckartig um. Wie war das nur passiert!? Er hatte es absolut ernst gemeint, als er davon sprach, Harry könne ihn verzaubert haben! Er unterzog ihn regelmäßig neuen Tests, seit dieser ihn das erste Mal geküsst hatte (Natürlich wusste dieser nichts davon!). Bisher leider ohne Ergebnis.

Widerstrebend wandte er sich ihm erneut zu. Die Bettdecke verrutschte und entblößte ein gut gebräuntes Schlüsselbein. Er holte tief Luft. Es musste irgendeine Art von Magie sein! Wie sonst hatte dieser Mann es fertig gebracht, ihn dazu zu bringen, in Hogsmeade zu bleiben und sich gemeinsam ein Zimmer zu nehmen? Harry war es schließlich, der völlig erschöpft war, nicht Severus! Er hätte ihn hier einfach allein lassen können und nach Hause gehen. Aber ein Lächeln von ihm, eine Berührung seiner Hand und er hatte zugestimmt. Er schnaubte verächtlich über sich selbst. Wenigstens der Umstand, dass es wieder Gerede geben würde, hätte ihn wachrütteln sollen! Aber zu seinem größten Ärger hatten Körper und Verstand nicht zusammenarbeiten wollen! Verfluchter Gryffindor! Wie machte er das bloß!?

Nun biss er die Zähne zusammen. Gut, auch Lilly hatte ihn um den Finger wickeln können. Vielleicht eine Art Charme-Zauber, den sie unbewusst einsetzten? Aber früher war er ein unbedarftes Kind gewesen. Heutzutage ließ er sich nicht mehr manipulieren oder täuschen. Eigentlich.

Als der Schlafende leise keuchte und die Bettdecke tiefer rutschte, unterdrückte er ein Stöhnen. Noch nie hatte er sich allein durch Äußerlichkeiten so erregen lassen! Jetzt mochte Harry angezogen sein, er war auf der Stelle eingeschlafen, kaum, dass er aufs Bett gefallen war, aber er erinnerte sich nur allzu deutlich daran, wie dieser Körper nackt aussah! Eine breite Brust mit starken Schultern, die beeindruckenden Muskeln, die vielen Narben. Dazu hatte er noch ein wohlgeformtes Gesäß, einen kräftigen Hals und weiches Haar. Wieso hatte er das nur so detailliert abgespeichert!? Er war wahrlich zum Primaten verkommen! Schnell machte er einen Schritt zurück und stellte sich ans Fenster. Ein Blick nach draußen würde ihn hoffentlich ablenken. Manchmal war es ein Fluch, ein so gutes Gedächtnis zu besitzen!

Auf den Straßen nahm es an Geschäftigkeit zu. Kein Wunder, es war später Nachmittag und die älteren Schüler aus Hogwarts fluteten den Ort. Er zog ein finsteres Gesicht. Wenn Harry wenigstens auf den One-Night-Stand eingegangen wäre! Zauber hin oder her, soweit er gehört hatte, kühlte das Begehren danach deutlich ab! Zumindest der Mann im Bett würde das Interesse verlieren. Und er wohl ebenfalls, wenn dieser von ihm verlangte, was er in der Vergangenheit für andere hatte tun sollen. Bitterkeit wollte sich breitmachen und wurde verdrängt. Es waren seine Entscheidungen gewesen, kein Grund für negative Gefühle! So war der Lauf der Welt, nicht jeder bekam, was er tatsächlich begehrte.

Seine Augen folgten ein paar Schülerinnen, die vergnügt lachten und sich mit spielerischen Stößen in die Rippen neckten. Auch Harry war mal einer dieser Schüler gewesen. Er seufzte auf, weil er schon wieder an ihn dachte. Dazu waren es keine angenehmen Erinnerungen. Er hatte leider nicht erkannt, wie schwer der Junge es eigentlich gehabt hatte, dass er die Aufmerksamkeit gar nicht genoss, die ihm zu Teil wurde. Er schnaubte. Wie verblendet er gewesen war! Und alles nur, weil der Junge seinem Vater so ähnlich gesehen hatte. Kurz schloss er die Augen.

Erst bei den Gerichtsverhandlungen nach dem Krieg erfuhr er die ganze Wahrheit. Das hatte den Schleier endlich von ihm gerissen und er hatte einen jungen Mann erblickt, der es im Leben vielleicht genauso schwer gehabt hatte, wie er selbst.

Eine der Schülerinnen hob plötzlich den Zauberstab und richtete ihn auf den Rücken ihrer Begleiterinnen. Ihre Bewegungen waren eindeutig, es war ein schlechter Versuch eines Stupors. Ein schweres Vergehen unter Schülern. Severus riss das Fenster auf.

„Was soll das werden, Mädchen!?“, schrie er hinunter, sein Stab war in seine Hand gelangt, ohne dass er ihn bewusst gezogen hätte. „Gewalt ist keine Lösung!“ Hatte er die Kleine nicht in dem Vortrag gesehen, den er in Hogwarts gehalten hatte? Auch ihre Freundinnen kamen ihm bekannt vor.

Die Schülerin riss die Augen auf, ihr Zauberstab sank herab, sie starrte zu ihm hoch. Die anderen Mädchen blieben nun stehen, wandten sich um und blickten suchend umher. Zornig über sich selbst, funkelte er die Übeltäterin an. Wieso hatte er sich überhaupt eingemischt!? Was kümmerte es ihn schon, wie sich irgendwelche Gören benahmen!? Es war weder seine Verantwortung, noch bedeuteten sie ihm etwas! Und doch – ob es nun an Harry Potter lag, der ihn sicherlich durch seine Taten beeinflusste, wie er zähneknirschend zugeben musste, oder an seinem früheren Beruf – er konnte Schülern in Not nicht den Rücken kehren! Nun verfolgte er, wie das Mädchen rot wurde und etwas zu den anderen sagte, dann blickten sie alle zu ihm hinauf.

Er starrte stoisch zurück. Gut! Sollten sie ruhig eingeschüchtert sein oder was auch immer! Das würde sie hoffentlich von weiteren Dummheiten abbringen! Es wurde getuschelt. Er schüttelte den Kopf. Schon waren sie wieder ein Herz und eine Seele. Kinder!

Nun hoben sich ein paar Hände, ein zögerndes Winken. Genervt schnellte ihm eine Augenbraue hoch. Was glaubten sie denn, mit wem sie es zu tun hatten? Er war weder ihr Freund noch ihr Lehrer! Finster musterte er sie. Es wurde gekichert, ein letzter Gruß, dann zogen sie weiter. Er seufzte erleichtert auf. Es war ein Segen, nicht mehr unterrichten zu müssen! So gern er in Hogwarts gelebt hatte, hatte er diesen Part immer gehasst. Die meisten SchülerInnen waren eine einzige Plage! Deshalb hatte er Minervas Angebot, wieder in Vollzeit dort zu arbeiten, auch vehement abgelehnt. Natürlich hatte er trotzdem einen Weg gefunden -

Ein lang gezogener Seufzer. „Hey.“ Severus erstarrte. Wie konnte ein so unschuldiges Wort eine dermaßen verheerende Auswirkung auf ihn haben?

Er holte Luft, dann drehte er sich steif um. Er würde sich unter Kontrolle haben, verdammt noch mal! Schließlich war sein Verstand Herr über seinen Körper! Sein Herz machte einen Satz, als er grünen Augen begegnete.

Der andere blinzelte, öffnete die vollen, roten Lippen und schenkte ihm ein träges Lächeln. Es sollte verboten sein, nach dem Schlafen so gut auszusehen! Er zog die Augenbrauen zusammen. Glaubte der Kerl etwa, das hätte irgendeinen Einfluss auf ihn!? Andererseits war Harry nicht berechnend. Er hatte ihm oft genug seine Gutmütigkeit und Naivität vorgehalten. Wahrscheinlich dachte er sich gar nichts dabei. Und auch wenn er ihn gestern mehrmals geküsst hatte, war es wohl doch ein wenig vermessen, zu glauben, er würde heute daran anknüpfen wollen. Er hätte einfach abhauen sollen, solange er noch gekonnt hatte!

„Gut geschlafen, Dornröschen?“, fragte er kühl. Glücklicherweise konnte er derartige Konversationen auch im Halbschlaf führen. Gekonnt war eben gekonnt! Es ärgerte ihn allerdings, als der andere sonnig lächelte und sich durchs chaotische Haar strich. Sein widerspenstiger Körper verriet ihn sofort und ließ sein Herz schneller schlagen. Er starrte noch finsterer drein. Gerade wollte er nichts lieber, als ihn an seiner verdammten Robe zu packen, ihn in die Kissen zu drücken und jedes bisschen seiner Haut zu erkunden!

„Ich hoffe, du hast Geld dabei, ich brauche dringend eine Mahlzeit!“ Es war nicht unbedingt das Beste, was er hatte sagen können, aber immerhin hatte er ihn auch nicht angebettelt, mit ihm zu schlafen. Es hätte also schlimmer kommen können. Er verschränkte die Arme vor der Brust. Harry gähnte ausgiebig.

Wann hatte es eigentlich angefangen, dass dieser Mann eine solche Anziehungskraft auf ihn ausübte? Er gab ein leises Knurren von sich. Er hätte ihm wirklich nicht sagen sollen, dass er ihn auch begehrte! Jetzt wurde der Kerl richtig schamlos! Wie er die Arme in die Höhe streckte und sich seine Muskeln dabei spannten. Seitlich konnte er durch den Armausschnitt sogar ein Stück seiner nackten Brust sehen! Nicht, dass er die Erinnerung gebraucht hätte! Verfluchter Mistkerl!

Dabei war Potter kein klobiger Muskelprotz, wie man sie manchmal auf Muggelplakaten sah. Bodybuilder, die im wahren Leben gar nicht einzusetzen vermochten, was sie sich antrainierten. Anders Harry, das wusste er aus eigener Erfahrung! Er war stark, schnell, wendig und äußerst geschickt. Er schnaubte. Bei Salazars Unterhose, seit wann hatte er angefangen, ihn zu bewundern! Konnte das auch durch einen Zauber ausgelöst werden? Er musste auf der Hut sein!

Als Harry aus dem Bett stieg und ihm lässig seinen Geldbeutel zuwarf, bevor er sich in Richtung Dusche auf den Weg machte, fing er das Ding mit einem lautlosen Accio auf. Jetzt kam der Mann sich bestimmt ganz groß vor! Wenn er doch selbst Geld dabei gehabt hätte ... Aber andererseits war es nur recht, dass Potter bezahlte! Immerhin hing er allein seinetwegen hier fest und hatte schon fünf Stunden Arbeitszeit nachzuholen! Er steckte den Beutel ein.

Angefangen hatte es wohl an dem schicksalhaften Tag, als sie auf dieser Heldenfeier aufeinandertrafen. Er hatte sich verloren gefühlt, fehl am Platz, am Rande stehend wie immer. Jemand, den man zwar gebraucht hatte, jetzt aber weder sehen, noch an ihn denken wollte. Und dann war Harry gekommen. Wie er ihn angesehen und mit ihm gesprochen hatte. Er wirkte so viel älter, reifer und männlicher. Beim Gedanken an damals spürte er Hitze in sich aufsteigen und unterdrückte sie genervt. Für einen kurzen Augenblick hatte er dem Irrglauben aufgesessen, dieser junge Mann würde mit ihm flirten. Es war beschämend! Deshalb hatte er sich danach umso mehr darum bemüht, ihn auf Abstand zu halten.

Die Dusche ging an. Er verharrte in der Bewegung. Bilder von einem entkleideten Harry stiegen vor seinen Augen auf. Er könnte ganz einfach die Tür öffnen und zu ihm schlüpfen. Vermutlich würde dieser gar nichts dagegen haben, bedachte man seine Verrenkungen vorhin. Er schob den Unterkiefer vor. Aus ihm unerfindlichen Gründen begehrte Harry ihn schließlich auch. Könnte es vielleicht sein, dass ein Außenstehender ihnen einen Liebestrank oder dergleichen untergejubelt hatte!? Aber wenn ja, wer!? Wann? Und wieso? Man hätte an sie beide herankommen müssen und das schränkte den Kreis der Verdächtigen deutlich ein! Er seufzte. Von den Menschen in seinem Umfeld käme da nur Blaise infrage, aber so dumm war der Junge nicht! Und er tat nie etwas ohne Gewinn für sich selbst. Mal davon abgesehen, dass er höchst unangenehme Strafen zu erwarten hätte. Nein! Das war Unsinn!

Er fuhr sich über das Gesicht und raffte sich schließlich auf. Es war unproduktiv, sich weiter darüber den Kopf zu zerbrechen! Er würde ihnen schon mal Essen bestellen! Mit schnellen Schritten eilte er zur Zimmertür, nahm ein Stück Papier zur Hand und verfasste seine Essenswünsche. Dann zog er seinen Zauberstab, verwandelte das Schriftstück in ein Memo und ließ den Papierflieger aus dem Zimmer fliegen.

Die Dusche wurde wieder angestellt und er verzog das Gesicht, weil er Harrys Tun lauschte. Das war reine Selbstgeiselung! Wenn er doch nur hätte in dem Zustand verweilen können, bevor er von dessen Bisexualität erfuhr! Davor war es angenehm gewesen. Er hatte es erfolgreich geschafft, über die Attraktivität des Mannes hinwegzusehen und tatsächlich eine Art Freundschaft mit ihm zu führen. Bis zu dem Tag, als er die Wahrheit erfuhr. Er schnaubte. Wieso zerbrach er sich überhaupt den Kopf darüber!? Spielte es denn eine Rolle, wann er was gefühlt hatte? Vor ihrem ersten Kuss hatte er jedenfalls nicht an irgendwelche Intimitäten mit ihm gedacht. Er blähte die Nasenflügel. Jetzt rechtfertigte er sich also schon vor sich selbst!

Im Bad wurde es still. Er verharrte einen Moment. Vielleicht war es besser, wenn er sich von der Tür entfernte. Das könnte einen falschen Eindruck vermitteln. Er machte einen Schritt ins Zimmer hinüber und blieb wieder stehen.

Ein großer Spiegel mit breitem Rahmen war neben dem Garderobenschrank angebracht. Nachdenklich fuhr er über die gläserne Fassung, was für ein schönes Stück , und musterte sich schließlich selbst darin. Er war sicherlich kein attraktiver Mann, doch er hasste sein Äußeres nicht. Dazu war er schon zu lange Realist und passte sich den Umständen an. Als verhasster Lehrer und zwielichtiger Mann war es besser gewesen, sich unattraktiver zu machen. Das verhinderte ungewollte Kontaktaufnahmen jeglicher Art und machte es ihm leichter, Beziehungen auszuweichen. Er schnitt eine Grimasse. Nun gut, manchmal hatten ihn gewisse Worte durchaus getroffen. Vor allem als junger Mann oder in verletzlichen Momenten, wie dem Beischlaf. Aber seine Stärke waren immer seine Intelligenz und sein magisches Können gewesen. Darauf hatte er sich verlassen können.

Er fuhr sich durch sein offenes Haar und strich eine hartnäckige Strähne auf ihren Platz. Zugegebenermaßen war es ihm heutzutage selbst angenehmer, sein Spiegelbild zu betrachten. Wenn er daran dachte, wie verzückt Harry von seiner Vampirdarstellung gewesen war – Moment mal! Das konnte der gesuchte Zeitpunkt sein, als -

Die Tür neben ihm öffnete sich. Er erstarrte. Verflucht! Er hatte doch nicht wie ein Lüstling im Flur herumlungern wollen! Mit leerem Gesichtsausdruck drehte er sich um.

„Und?“, grinste Harry, während er sich die Haare trocken rubbelte. Er trug nichts außer einem Handtuch um die Hüften. Was für ein Klischee! , dachte ein Teil von Severus und es ärgerte ihn umso mehr, dass er sich zwingen musste, ihm ins Gesicht zu blicken. Machte er das mit Absicht!? Obwohl er ihn so gut kannte, war er ihm gleichzeitig ein absolutes Rätsel. Er verstand bis heute nicht, warum er die ganzen Jahre so hartnäckig Kontakt hielt und sich nicht von ihm vertreiben ließ. Auch Minervas Motivationsreden, von denen er durchaus wusste, konnten nicht der Grund dafür sein! Jedenfalls nicht nur. „Ich dachte, du wärst schon längst beim Essen!“, sagte Harry und blickte sich suchend um. „Hast du noch gar nicht bestellt?“ Er marschierte ins Schlafzimmer zurück und Severus folgte ihm auf dem Fuße. Ein jahrelang eingeübter Reflex, redete er sich ein. Man sollte eine andere Person besser immer im Auge behalten, wenn man sich im selben Raum aufhielt. Aber er befürchtete eher, dass er ihn einfach weiter unbekleidet betrachten wollte. Wenigstens behielt er seinen neutralen Gesichtsausdruck bei.

Harry legte plötzlich den Kopf zurück, schüttelte sein Haar und fuhr mit den Fingern hindurch. Severus entfuhr ein Knurren.

Sie erstarrten beide.

Langsam hob Harry wieder den Kopf und legte das Handtuch für seine Haare beiseite. Er wandte sich ihm völlig zu, fing seinen Blick ein. Die grünen Augen so tief und geheimnisvoll wie der Teich, in dem sie gestern gebadet hatten. Hitze durchfuhr ihn und seine Atmung beschleunigte sich.

Nun wanderten Harrys Finger über den eigenen Bauch nach unten, bedächtig jeder seiner Regungen folgend. Severus hielt die Luft an. Würde er das tun, von dem er dachte, dass er es tun würde!?

Schließlich kam die Hand, auf dem Knoten zu liegen, der das Handtuch um die Hüften zusammenhielt. In Harrys Augen stand eine einzige Frage.

Severus räusperte sich. „Einmal“, sagte er endlich, seine Stimme tief und rau. Hatte er nicht irgendwelche Argumente gehabt, weshalb er das besser nicht tun sollte? Oder war es genau anders herum? Im Moment kümmerte es ihn kein Stück! Er wollte nur dieses Handtuch fallen sehen. Harry schloss kurz die Augen, atmete tief durch und nickte schließlich.

„Na gut“, seine Stimme glich einem sinnlichen Hauch und Severus Blut verwandelte sich in Lava. Er würde sich gleich auf ihn stürzen, ob er bereit war, oder nicht! Eine Handbewegung, der Knoten löste sich und das Handtuch fiel. Severus starrte, seine Kehle wurde trocken. Was er da zu sehen bekam, war beeindruckend! Harry Potter hatte nicht nur einen großen Namen.

Dann schoss er auf ihn zu.

Kaum hatte er ihn gepackt, schlangen sich Arme um seinen Oberkörper und ein heißer Mund suchte sich einen Weg zu dem seinen. Willig kam er ihm entgegen, drang in die feuchte Höhle ein und küsste ihn wie von Sinnen. Er roch so verdammt gut, schmeckte fantastisch, fühlte sich unglaublich an! Deshalb bekam er auch kaum mit, wie er gedreht wurde, ein Bein sich um das seine schlang und ihn zu Fall brachte.

Plötzlich fand er sich unter dem Stärkeren begraben vor und keuchte auf. Harry presste ihn gegen die Matratze, küsste ihn tiefer und umspielte seine Zunge. Severus hörte sich keuchen und stöhnen. Auch wenn es ihn ein bisschen beunruhigte, unter ihm zu liegen, genoss er es viel zu sehr, ihn endlich überall berühren zu dürfen. Und so trödelte er nicht lange, begab sich erregt auf Erkundungstour. Seine Hand glitt über ein Schulterblatt, befühlte weiche Haut und einzelne Muskelstränge, während die andere zu Harrys Hals hinaufstrich und sich jede Erhebung, jeden Laut und jede Reaktion einprägte.

Ihm entfuhr ein Keuchen, als Finger über den Stoff seiner Robe strichen, geschickt die seitlichen Knöpfe öffneten und seine nackte Haut berührten. Severus` Augen schlossen sich, er stöhnte in Harrys Mund.

Die warmen Lippen lösten sich von seinen, streiften über seinen Kiefer, gaben ihm einen schnellen Kuss auf den Mund und verschwanden. Severus gab einen protestierenden Laut von sich.

Harry richtete sich plötzlich ein wenig auf, sodass er ihn anblicken konnte. „Zeit, sich auszuziehen!“, knurrte er und machte sich daran die Robe vollends zu öffnen.

„Moment!“ In Severus` Kopf drehte sich alles, gleichzeitig vermisste er die Wärme, die weichen Lippen und die kleinen Geräusche, die Potter immer wieder von sich gegeben hatte. Das war schön gewesen. Aber wenn er weiter entkleidet wurde, würde sich die Situation bald ändern. Er erinnerte sich noch allzu gut an sein erstes Mal und den Spott, den er geerntet hatte. Nun, er würde sich weder ersterem aussetzen, noch es dazu kommen lassen, dass er allen beteiligten eine fiese Geschlechtskrankheit an den Leib hexen musste! Über Severus Snape durfte niemand ungestraft lachen! Er spürte sich erzittern, Lust war es keine. Was konnte er nur sagen, um nicht sein Gesicht zu verlieren? Oder hatte er schon zu lange gezögert?

Die grünen Augen schienen etwas in den seinen gelesen zu haben, sie wurden verständnisvoll. Panik machte sich in ihm breit. Hatte er etwa seine Schilde gesenkt!? Auch einer der Gründe, weswegen er den Geschlechtsakt vermied!

„Schon gut“, sagte da Harry sanft. „Ich bin wohl etwas forsch gewesen, entschuldige.“ Er fuhr ihm über das Stück unbekleideter Haut, welches aus der geöffneten Robe herausschaute. „Darf ich denn mit den Händen unter die Kleidung fassen?“ Er beugte sich zu ihm hinunter und gab ihm einen sanften Kuss. Severus schluckte. Verdammt war der Mann rücksichtsvoll! Er tat einen tiefen Atemzug.

„Ja“, sagte er schließlich. „Aber“, wieder Luftholen. Zum Glück war er geübt darin, brenzlige Situationen zu überstehen, ohne eine Regung zu zeigen. Für etwas mussten Folter und regelmäßige Schikanen ja gut sein! „Die Unterhose ist tabu!“ Früher hatte er es gar nicht mehr so weit kommen lassen. Ein paar geschickte Griffe an der Männlichkeit eines Mannes, ein großzügiges Angebot und das bisschen Interesse an Severus` Körper verschwand vollends. Und doch wollte ihm kein Wort über die Lippen kommen. Anscheinend war er wahnsinnig geworden! Was für ein elender Feigling!

Etwas war da in Harrys Augen, Mitgefühl, Verständnis, Erstaunen? Er war selbst zu aufgewühlt, um es eindeutig zuzuordnen. „Ist gut“, sagte er dann und sank ein Stück auf ihn hinab. Severus war wie erstarrt. Er hasste, was er da gesehen hatte, fast so sehr, wie er sich gerade selbst hasste. Wieso hatte er sich überhaupt auf dieses Spiel eingelassen!? Einer Sache, die er weder je richtig verstanden, noch gut darin gewesen war!? Er würde versagen! Am Ende mochte der Zauber brechen, doch er würde auch Harrys Respekt verlieren! Er schloss die Augen.

Als er plötzlich herumgewirbelt wurde und oben lag, erwachte er wie aus einem Traum. Und schon sank ihm das Herz in die Hose. Harry löste eine Hand von ihm, schob ihn von sich. Er wurde durchdringend gemustert. Bei Merlins verfluchten Socken! Er hatte also recht behalten! Er, der viel klügere, erfahrene Mann, konnte nicht einmal normalen Sex mit einem anderen haben! Er war eine Schande! Ob es unter diesen Umständen legitim war, einen Gedächtniszauber einzusetzen? Würde Harry ihm das verzeihen?

Als der andere ihm über den Rücken strich und ihn am Nacken wieder zu sich herabzog, um ihn weich zu küssen, blinzelte er verwirrt. Da war Leidenschaft, Zärtlichkeit, Zähne, die an seiner Unterlippe knabberten. Er atmete angestrengt in den Kuss hinein und erwiderte ihn mechanisch. Es war also doch noch nicht vorbei? Trotzdem wagte er es nicht, den Blickkontakt zu suchen. Wie sollte er jetzt am besten vorgehen? Probeweise legte er eine Hand auf die breite Brust, spürte den regelmäßigen Herzschlag und schluckte. Der Mann war so geduldig und sanft! Man musste ihn einfach gern haben! Und er fühlte sich so gut an! Er holte tief Luft und spürte, wie er sich entspannte. Neugierig fuhr er Muskel um Muskel nach und strich dann eine lange Narbe entlang, die seine Intimbehaarung durchkreuzte. Harry zitterte unter ihm. Allein diese Bewegung fachte die Leidenschaft aufs Neue an. Potter war schön! Potter war heiß! Ein echtes Fest nicht nur für die Augen! Langsam senkte er sich auf ihn herab, küsste ihn auf den Mund und machte sich dann auf, seinen Körper mit den Lippen zu erkunden.

Harry bewegte seinen Kopf, fuhr mit dem Kinn durch Severus` Haar. „Alles ok?“, fragte er mit belegter Stimme. Küsse wurden ihm auf sein Haupt gedrückt. Wieder beschleunigte sich Severus` Atmung. Das war wundervoll! Wenn Harry so weitermachte, würde er ihm bald anbieten, was er nie wieder hatte tun wollen!

„Ja“, keuchte er leise, saugte an seinem Hals und machte sich daran sich abwärts zu bewegen. Er spürte unten eine deutliche Härte, es wurde langsam Zeit! Zögernd glitt seine Hand hinab.

„Warte!“, sagte da Harry und fing jäh seine Finger ein. Er berührte Severus` Gesicht und hob es hoch, sodass er ihn ansehen konnte. „Bist du sicher, dass du das willst? Ich weiß, es ist nicht dein erstes Mal, aber es gibt auch andere Möglichkeiten.“ Er strich ihm über die Wange und zog ihn zu sich hinauf, um ihn zu küssen. „Ich mag ein paar Dinge ausprobiert haben, aber ich lasse auch nicht alles mit mir machen. Erst recht nicht beim ersten Mal!“ Er hob ein Bein und strich ihm damit über die Wade. „Und ich finde, dass jeder das Recht hat zu sagen, was ihm gefällt, und was nicht!“ Wieder ein Kuss, er haschte nach Severus` Blick. „Du würdest in meinen Augen nie weniger wert sein, nur weil du etwas nicht tun willst.“ Seine Stimme war rau, sanft und so voller Zärtlichkeit, dass Severus einen unbekannten Schmerz in seiner Brust fühlte. In ihm zitterte etwas, er bekam kaum Luft.

„Äh, ja“, brummte er schließlich und saugte unauffällig Luft ein, zwang sein Herz dazu, gleichmäßig weiter zu schlagen. Dieser Mann! Er machte ihn wirklich fertig! „Du auch nicht“, murmelte er dann. Unwahrscheinlich, dass Potter sich mit solchen Gedanken plagte, aber es war fair, das zu sagen. Gleiche Rechte für alle!

Nun strich Harry ihm durchs Haar und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Severus wusste nicht, wie ihm geschah. Er musste den verflixten Zauber brechen, bevor der andere sich vollends zum Affen machte! Würde er ihn im Nachhinein für das hassen, was sie hier taten? Hoffentlich nicht! Sobald er dieses Hotel verlassen hatte, ginge er ihm besser ein paar Jahre lang aus dem Weg. Wenn es nur nicht so schön wäre! Er seufzte.

Ein paar Küsse, sein Haar wurde zerzaust. Er schmiegte sich an den anderen Mann, berührte ihn. Er könnte wirklich süchtig nach Sex mit Harry Potter werden! Die Küsse wurden leidenschaftlicher, Hände strichen über seine nackten Oberschenkel. Ein Körper wand sich unter ihm. Sein Herz begann zu hämmern, der Atem wurde schneller. Dieser Mann schaffte es aufs Neue, ihn schwach werden zu lassen! Er liebte seinen dezenten Duft. Ein Schauer überlief ihn. Er drückte seine Nase an Harrys Haut, atmete tief ein und leckte schließlich sein Schlüsselbein entlang nach unten. Ein Biss in sein Ohrläppchen, eine Hand, die über seine Unterhose fuhr. Er stöhnte unterdrückt, keuchte. Sie drängten sich enger aneinander und jeglicher Gedanke löste sich im Nichts auf.

Er blinzelte träge. Arme umfingen ihn besitzergreifend, eine Bettdecke hüllte sie ein. Er lag an Harrys Brust und lauschte seinem gleichmäßigen Herzschlag. Wow, so konnte es also auch sein! Er begann zu begreifen, weshalb die meisten Menschen Intimitäten einen so hohen Stellenwert zusprachen. Seine Hand fuhr Harrys Flanke hinauf. Es war fast ein wenig bedauerlich, dass der Zauber jetzt gebrochen sein sollte. Er seufzte und sah in das schlafende Gesicht.

Plötzlich regte sich der Mann unter ihm und zog ihn fester an sich. Severus veränderte seine Position, um bequemer zu liegen. Wieder eine Sache, die er nie hatte tun können. Kuscheln. Anscheinend hatte er mehr im Leben verpasst, als er angenommen hatte. Er fuhr über Harrys Unterarm und spielte gedankenverloren mit den feinen Härchen. Obwohl er sich dagegen sträubte, fühlte er sich geborgen und sicher in Potters Armen. Er stöhnte auf und verdrehte die Augen. Was war er nur für ein Weichei! Dabei war es doch nur banaler Sex gewesen! Hatte er irgend etwas nicht mitbekommen!?

„Severus“, murmelte der andere da. Als er den Kopf drehte, wurde er angeblinzelt und es zeigte sich ein verschlafenes Lächeln. Warme Finger fuhren seinen Bauch entlang und entlockten ihm einen Schauer. Schnell fing Severus die Hand ein. Er hatte keine emotionale Kraft mehr für ein weiteres Mal. Es war wohl an der Zeit, das Bett zu verlassen!

„Hey“, Harry schenkte ihm ein warmes Lächeln, beugte sich vor und hauchte ihm einen Kuss auf. „Wie wäre es mit einer zweiten Runde?“ Zu seinem Entsetzen spürte Severus seine Widerstandsmauern bröckeln. Die Lippen waren so zart, die Hände energisch.

„Nein“, brummte er trotzdem und befreite sich seufzend aus der Umarmung. Glücklicherweise funktionierte sein Gehirn wieder! „Du magst ja den ganzen Tag faulenzen können, ich habe allerdings noch viel Arbeit vor mir! Hast du etwa die Tränke fürs St. Mungos vergessen!? Es wird bestimmt auch so schon knapp werden!“ Er fuhr mit der Hand suchend über den Nachtschrank und fand endlich seinen Zauberstab. Dann schlüpfte er widerstrebend aus der warmen Kuhle.

Schnell sprach er ein paar Zauber und prüfte anschließend die saubere Robe. Die Leute würden zwar über sie tratschen, aber er wollte ihnen so wenig Anlass wie nötig geben!

„Uuh“, brummte Harry und setzte sich auf. „Du willst schon gehen? Was ist mit unserem Essen? Ich wette, es steht vor der Tür! Bleib doch wenigstens dafür noch! Es ist ungesund, den ganzen Tag nichts in den Magen zu bekommen!“ Severus zögerte. Harry hatte schon recht. Zu Hause würde er auch essen müssen und Potter schien der Typ Mensch zu sein, der nach dem Sex noch reden wollte. Also brachte er es am besten gleich hinter sich!

„Na gut“, willigte er daher ein, nicht sicher, ob es nicht nur ein Vorwand war, um länger in Potters Gesellschaft zu verweilen. Schnell ging er zur Tür, öffnete sie und fand zwei schwebende Tabletts vor. Geschickt dirigierte er sie ins Zimmer und zum Tisch hinüber. Anscheinend war das Essen sogar noch warm.

Als er das Schlafzimmer aufs Neue betrat, hatte sich Harry ungeniert auf einem der Stühle am Tisch niedergelassen. Nackt.

„Unterhose!“, befahl Severus streng, überlegte es sich anders und meinte, „Nein, auch die Robe! Accio!“ Harry zog eine Grimasse, fing jedoch die Kleidungsstücke und zog sie an.

„Ich habe uns beiden Spaghetti Bolognese bestellt und einen Schokoladenpudding für dich“, erklärte Severus und ließ sich auf dem Stuhl Harry gegenüber nieder. Es war ein wenig beengt für zwei, aber mit einer kleinen Verwandlung passte es perfekt.

„Guten Appetit!“ Er nickte ihm eilig zu und begann zu essen. Je schneller sie fertig wurden, desto schneller konnte er ihn verlassen!

„Severus“, sagte Harry, nachdem der erste Hunger gestillt war.

„Ja“, entgegnete dieser wachsam und behielt seine stoische Miene bei.

„Bist du dir sicher, dass es bei dem einen Mal bleiben wird?“ Diese direkte Frage überrumpelte Severus ziemlich, aber er hielt seinem prüfenden Blick stand. Das war 1A Potter!

„War es denn nicht genug?“, fragte er und musterte ihn nun seinerseits. Hatte er einen Fehler gemacht? „Spürst du keine Veränderung? Gewöhnlicherweise reicht ein Koitus aus, um den Eroberungsdrang eines Mannes zu stillen. Zumindest für eine Weile“, fügte er ergänzend hinzu.

„Koitus?“, hob Harry die Augenbrauen. „Eroberungsdrang? Wovon sprichst du, Severus?“ Er runzelte die Stirn. Schon wollte dieser den Mund öffnen, um es ihm zu erklären, als er weitersprach: „Glaubst du etwa, ich wäre nur geil auf dich gewesen oder was?“

Er musste zugeben, dass er beeindruckt war. Es bereitete ihm ein großes Vergnügen, andere mit Fremdworten zu bombardieren und damit seine eigene Intelligenz zu demonstrieren. Und gleichwohl die Dummheit seiner Mitmenschen aufzudecken. Das war schon immer eine seiner großen Leidenschaften gewesen, die nur von der zur Trankbrauerei überschattet wurde. Doch es war stets verblüffend, wie Harry Potter ihn durchschaute, konterte und es ins Gegenteil verkehrte. Seine Antworten waren schamlos, provokativ und intelligenter, als er es ihm früher zugetraut hätte. Obwohl er kaum ein Buch in die Hand nahm, war er recht gebildet. Und so überraschte er ihn auch heute.

„Allerdings“, gab er offen zu und hielt nun dem empörten Blick stand. „Obgleich es mir ein Rätsel ist, wie es dazu kommen konnte.“ Jetzt wurden die grünen Augen weicher.

„Severus“, sagte Harry sanft und griff nach seiner Hand, bevor dieser sie vom Tisch nehmen konnte. „Ich will mit dir schlafen, weil ich dich mag und mich körperlich zu dir hingezogen fühle. Das hat nichts mit Eroberungsdenken zu tun! Du weißt doch genau, dass ich keiner dieser Kerle bin, die nur eine Kerbe im Bettpfosten wollen!“

Schweigend musterte Severus ihn. Der Bann war also noch immer nicht gebrochen, obwohl Zeit vergangen war und sie völlig bekleidet dasaßen. Ungewöhnlich! Er nahm einen Schluck aus seinem Wasserglas. Lag es vielleicht daran, dass Harry nicht bekommen hatte, was er eigentlich wollte? Er hatte einmal in seinem Leben dreimal mit demselben Mann geschlafen, weil dieser ihn umgarnt hatte. Wenn man es denn so nennen konnte. Damals hatte sich Severus vehement geweigert, es auf eine bestimmte Weise zu tun. Doch schließlich hatte er nachgegeben, weil der Mann so lästig war. Nun, danach hatte er seine Ruhe gehabt. Bitterkeit wollte hochsteigen, er schnaubte und Harry machte ein verletztes Gesicht.

„Du glaubst mir nicht?“, fragte er in gekränktem Ton und ließ seine Hand los. Severus seufzte.

„Unsinn!“, sagte er harsch und tätschelte flüchtig seine Finger. „Ich glaube durchaus, dass du meinst, was du sagst!“ Harry sah keineswegs besänftigt aus. „Aber sag du mir lieber“, es war eine gewagte Frage, doch, wie er fand, notwendig. „Welche Stellung du beim Sexualverkehr bevorzugst?“ Harry machte große Augen.

„Warum?“, fragte er schließlich und biss sich auf die Unterlippe. Severus` Blick verharrte auf den vollen Lippen. Es war wundervoll gewesen, sie zu schmecken! Er konnte sie fast noch zwischen den seinen spüren.

„Hähem“, riss ihn ein Räuspern aus seinem Tagtraum. Er blinzelte und tat so, als wäre nichts gewesen. Er würde Harry sicher keinen Triumph gönnen! Gelassen hob er den Blick.

„Also“, sagte der andere und fixierte ihn mit den Augen. „Ich bin da nicht so fest gelegt. Aber mit am wichtigsten ist mir, dass mein Partner oder die Partnerin befriedigt wird.“ Severus vergaß zu atmen und starrte. Er hatte also tatsächlich geantwortet, einfach so! Ihm wurde heiß, während er ihn reglos musterte. Hatte seine Frage auch so schlüpfrig geklungen!?

„Ah“, murmelte er nach gefühlten Stunden und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme heiser klang. Da sie beide zum Höhepunkt gekommen waren, sollte es eigentlich zwischen ihnen vorbei sein! Warum hatte es dann nicht funktioniert?

„Hör mal“, wieder umfasste Harry seine Hand. „Wie wäre es, wenn ich in ein paar Tagen bei dir vorbeikomme und wir uns dann weiter darüber unterhalten? Ich habe es total vergessen, aber ich sollte mich wohl demnächst mal beim Ministerium melden. Die haben vielleicht sogar schon einen Suchtrupp losgeschickt.“

Severus lehnte sich im Stuhl zurück und entzog Harry vorsichtig seine Hand. Wahrscheinlich sollte er solche Dinge von nun an unterbinden. Es war nicht gerade förderlich für ihr normales Miteinander, wenn sie so vertraulich wurden. Aber er musste dem Ganzen endlich auf den Grund gehen, je länger er Harry in diesem – ja, was war es denn? Wahn, beließ, umso schlimmer! Vielleicht würde er ihm später vorwerfen, ihn ausgenutzt zu haben!? Er seufzte stumm. Wenn er wenigstens mit jemand anderem darüber reden könnte!

„Ah, das hätte ich fast vergessen“, sagte Harry da. „Ich wollte dich eigentlich darum bitten, dass du mich, Ron und Hermine bei einer Ermittlung unterstützt! Es geht um Robards!“ Er beugte sich vor und begann zu erklären. Und irgendwie schaffte Severus es auch, ihm zuzuhören.

***

Hallo meine Lieben,

Ähm, ja, vielleicht haben sich einige über die ausschweifende Sexszene gewundert. Normalerweise bin ich da etwas diskreter, doch es war unumgänglich, um Severus besser zu verstehen. Hoffentlich war es gut zu lesen.

Wie fandet ihr das Kapitel an sich?

Bis nächste Woche,

Feerja