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Miss Edgecombes Club

Leidenschaftliche Differenzen Oder Der Einsame Mann Im Alten Haus — www.fanfiktion.de · All chapters

Miss Edgecombes Club

Mit einem gewaltigen Satz sprang er auf die brusthohe Mauer. Seine Lungen brannten vom Rennen. „Stupor!“ Der Zauber traf den Flüchtenden in den Rücken. Er blieb abrupt stehen, wankte und sackte in sich zusammen. Harry atmete auf. Zumindest ein Teilerfolg. Er sollte es seinem Chef melden.

„Hast du ihn erwischt?“, Ron zog sich nun ebenfalls hoch und spähte hinüber. „Ein Glück! Sonst hätte Robards uns was gehustet! Das zehn Jahre nach dem Krieg wieder so viele Todesser unterwegs sind, ist kein gutes Zeichen! Wir müssen endlich mal einen von ihnen verhören!“

„Ja!“, stimmte Harry zu und hob den Zauberstab. „Incarcerus!“ Ein magisches Seil schlang sich um die Handgelenke des Bewusstlosen. „Es muss was Großes sein, wenn sie sich sogar lieber umbringen, statt sich verhaften zu lassen!“, sagte er nachdenklich und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Mobilcorpus!“, rief er dann und dirigierte den leblosscheinenden Mann auf sich zu. „Ist alles frei?“, wollte er mit einem Kopfdrehen zu Ron wissen. Es war heller Tag und sie befanden sich hier am Hafen in Muggellondon. Deswegen hatten sie auch so lange auf Zauber verzichten müssen.

„Ist es“, entgegnete sein Partner und blickte zu ihm hoch. „Aber vielleicht wäre es am sinnvollsten, wenn wir einfach hinter der Mauer apparieren. Du weißt, dass Robards schon sehr ungeduldig sein wird.“

Harry seufzte und nickte. Vorsichtig ging er in die Hocke und ließ sich von seinem Platz gleiten, während er sich Mühe gab, den Bewusstlosen nicht fallen zu lassen.

In letzter Zeit hatte es viele kleinere Vergehen gegeben, die ihrer Abteilung lange ein Rätsel gewesen waren. Schlussendlich hatte seine Freundin Hermine den Zusammenhang erkannt. Es konnte manchmal frustrierend sein, dass sie solche Rückschlüsse zu ziehen vermochte, obwohl sie gar nicht für die Aurorenzentrale arbeitete.

Er schmunzelte in sich hinein. Trotzdem waren es dann Ron und er gewesen, die die Verbindung zu der Gruppe: „Reinheit der Magie“, gefunden hatten.

Während er den Schwebenden nach einem Zauberstab absuchte, schnaubte er auf. Natürlich hatte Edgecombe, die Leiterin besagter Gruppe, geleugnet, etwas mit den Verbrechen zu tun zu haben! Ihrer Meinung nach, konnte man ihren Klub nicht für Vorfälle verantwortlich machen, die auf einzelne Mitglieder zurückzuführen waren! Was, streng genommen, auch stimmte! Trotzdem war es ihnen danach nie mehr gelungen, weitere Straftäter aus ihrer Mitte lebend zu fassen. Und das wiederum, sprach Bände! Er warf dem Mann einen missmutigen Blick zu und steckte seinen Stab ein. Heute würde es anders laufen! Zeit für ein Verhör!

Wütend trat Harry gegen die Wand. Das war unglaublich! Wie hatte die Edgecombe das nur angestellt!? Der Mann hatte ihnen alles über den großen Plan erzählen wollen und war dann plötzlich kalkweiß geworden und zur sprichwörtlichen Statue mutiert!

Es musste irgendeine Art von Fluch gewesen sein! Der Mann war schließlich im Verhörraum gesessen und Harry hatte ihn seit der Verhaftung nicht mehr aus den Augen gelassen! Er seufzte leise.

Im Endeffekt wussten sie nur Folgendes: Die Gruppe hasste viele der Veränderungen nach dem Krieg und wollte alte Zustände wiederherstellen. Und sie jagten aus unbekannten Gründen Todesser. Also die alte, echte Generation, nicht die neuen Gruppierungen, die sich leider noch von Zeit zu Zeit bildeten.

Mehr hatte ihnen der Gefangene bedauerlicherweise nicht verraten können ...

-

Harry rückte seine Robe zurecht. Die Aurorenuniform in Dunkelblau, Schwarz und dezentem Gold stand ihm gut und war praktisch. Trotzdem fragte er sich, ob er sie nicht wechseln sollte, bevor er seinem Spezialauftrag nachging. Er stöhnte.

In den letzten Jahren hatte sich einiges verändert. Vor allem, seit er sich geoutet hatte. Er biss die Zähne zusammen und straffte sich. Es war im Nachhinein unglaublich, wie lange er sich gequält hatte! Sei es mit seiner Bisexualität, noch seiner Beziehung zu Ginny.

Er fuhr sich durchs rabenschwarze Haar, zerwühlte es und strich es eilig wieder glatt.

Es war lächerlich, dass ihn Severus` Reaktion am meisten geschmerzt hatte. Obwohl es schon vier Jahre her war, tat es noch weh. Zwar hatten sie sich nur etwa einmal im Monat getroffen, aber auf ihre eigene Art verstanden sie sich gut. Bis seine Trennung von Ginny bekannt geworden war.

Energisch wandte er sich vom Spiegel ab und ging den Flur entlang. Er würde es nie vergessen! Er hatte damals den Tagespropheten aufgeschlagen, ein Sandwich in der Hand und Kaffeeduft in der Nase. Es war ein friedvoller Morgen gewesen. Im Hintergrund lief Vivaldi. Und dann hatte er die Schlagzeile gesehen.

Das Essen war ihm im Hals stecken geblieben. Angeblich habe er sich von Ginny getrennt und sich gleich einen Mann geangelt. Nun, teilweise stimmte es tatsächlich, aber nichts davon hatte schon publik werden sollen. Doch die Zeitungen hatten ihm mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Seine Schritte wurden schneller, er wollte es nur hinter sich bringen. Und trotzdem erfasste ihn Aufregung. Severus Snape.

Es war schon fast ein halbes Jahr her, dass sie sich zuletzt gesehen hatten! Der Tränkemeister war ziemlich grob gewesen und hatte ihn vom Grundstück geworfen. Bei dem Gedanken knirschte er mit den Zähnen.

Obwohl er nach seinem ersten Schock damals zuerst zu ihm gekommen war, um ihm die Situation zu erklären (das war ihm bis heute noch peinlich), war er gar nicht erst empfangen worden. Severus sagte ihm über diesen magischen Gegenstand am Gartenzaun deutlich, dass er sich ihm gegenüber nicht rechtfertigen müsse. Dann war der Zauber erloschen und Harry war dagestanden, wie bestellt und nicht abgeholt.

Endlich war er an seinem Ziel angekommen. Er seufzte wehmütig. Es war echt peinlich, dass er es sich so zu Herzen nahm!

Vielleicht, weil er geglaubt hatte, sie wären Freunde. Er vergrub seine Hände in den Robentaschen. Wenn er sich nur nicht dermaßen wohl in seiner Nähe fühlen würde! Es musste an ihrer gemeinsamen Beinahe-Tod-Erfahrung liegen. Inzwischen wusste er ja mit Bestimmtheit, dass es sich nicht um eine romantische Anziehung handelte. Das wäre wirklich zu lächerlich! Severus war lediglich ein Auslöser gewesen. Und, nun ja, streiten tat er immer noch gerne mit ihm. Wenngleich er ihn viel seltener zu Gesicht bekam.

Grimmig verzog er den Mund. Trotzdem bildete er sich etwas darauf ein, der Einzige im Ministerium zu sein, der ihn sehen durfte! Und heute hatte er auch einen guten Grund dazu!

Er apparierte.

Schon als er wankend zum Stehen kam, stieg ihm ein stechender Geruch in die Nase. Gleich darauf identifizierte er ihn als Rauch, Holz und duftende Kräuter.

„Expelliarmus!“, ertönte eine heisere Stimme, die verdächtig nach Severus klang. Harry duckte sich, sah sich um. Ein Knistern drang an seine Ohren, wenngleich die Schutzzauber ihm weiterhin nur ein Bild von einem verwahrlosten Grundstück vorgaukelten.

„Du wirst mir dafür büßen, dass du meinen Garten in Brand gesteckt hast!“, knurrte der andere. Harry hob die Augenbrauen. Eigentlich sollte man nicht hören können, was hinter diesem Zaun gesprochen wurde. Anscheinend waren Schutzzauber ausgefallen. Konnte es etwa sein, dass Severus gerade angegriffen wurde?

Er überlegte nicht mehr lange, hechtete auf das Tor zu und sprach einen Zauber. Wenn jemand bei dem Tränkemeister eingedrungen war, würde er das auch schaffen!

Tatsächlich schwang das Tor auf und Harry stürzte hindurch.

Um ihn herrschte das pure Chaos. Der Weg und die Wiesen glichen einer Wüstenfläche, verbrannte Pflanzenstängel und Asche flogen durch die Luft. Von zwei Seiten loderten Flammen so hoch, dass nichts vom Haus zu sehen war. Die Hitze ließ Harry von einer Sekunde zur nächsten klatschnass werden.

„Potter?“, drang die heißere Stimme von Snape zu ihm hindurch und ein Schemen tauchte hinter den Flammen auf. „Fällt Ihnen nichts Besseres ein? Glauben Sie etwa, ich würde Sie verschonen, wenn Sie diese Gestalt annehmen? Stupor!“

„Protego!“, konterte Harry automatisch und duckte sich hinter einer geschmolzenen, schwarzen Masse. „Severus, verdammt nochmal, was soll das!? Ich bin hier nicht der Angreifer!“

Ein Knurren. „Ich habe Ihnen schon hundertmal gesagt, dass es Professor Snape und Sie heißt!“, schrie der andere zurück und verschmolz mit seiner Umgebung.

Harry stöhnte. Wieso hatte er sich nur Sorgen gemacht? Der Mann könnte von einer kleinen Armee angegriffen werden und würde irgendwie überleben!

„Und ich habe dir gesagt, dass du nicht mehr mein Professor bist und es lächerlich wäre, wenn ich dich noch sietze!“ Aus den Augenwinkeln bemerkte er, wie sich einige Blätter in den Büschen weiter hinten bewegten. So schnell hatte Snape nicht dorthin gelangen können! Also näherte sich ihm jemand. Sollte er ihn warnen, oder versuchen, die Person selbst zu erwischen? Der Winkel war allerdings ungünstig für Harry.

„Vorsicht, in den Büschen! Da kommt jemand auf dich zu!“, rief er impulsiv und duckte sich, um nicht von einem etwaigen Zauber getroffen zu werden. Die Bewegung auf der Gegenseite wurde hektischer, dann rührte sich nichts mehr.

„Vor dir beim Haus, etwa 5 Meter!“, rief er trotzdem. Es kam keine Antwort. Er konnte auch nicht erkennen, ob Severus reagierte.

Etwas veränderte sich jäh. Und es war nicht der Rauch, der sich verdichtete, oder das lauter werdende Knistern der Flammen. Ein kleiner Hauch, eine Schwere im Luftdruck und Harrys Nackenhärchen stellten sich auf. Seine Sinne schlugen Alarm und er handelte sofort, hechtete zur Seite und schrie: „Protego!“

Ein Zauber prallte seitlich von seinem Schutzzauber ab, nahm ihm die Luft zum Atmen und zerlegte den Gartenzaun in feine Holzsplitter. Ein Bombarda? Für eine Millisekunde erstarrte er. Das hätte sein Tod sein können! Da meinte es jemand wirklich ernst!

Er atmete durch.

Sie spielten also mit harten Bandagen? Das konnte er auch!

In einer fließenden Bewegung hob er seinen Stab, klopfte sich damit auf den Kopf und verschmolz mit der Umgebung. Jetzt noch ein Lautlos-Zauber auf seine Schuhe und er schlich geduckt weiter. Snape würde Hilfe bekommen, ob er wollte, oder nicht!

In diesem Moment raschelte es in den Büschen, Blätter stoben auf, Kies knirschte, ein dumpfer Laut. Harry beeilte sich.

Am Ziel angekommen, wartete er einen Augenblick, lauschte und bog dann die Zweige zurück. Verblüfft hielt er inne.

Ihm bot sich ein einmaliges Schauspiel.

Severus Snape lag bäuchlings auf einem anderen Mann, umklammerte seine Handgelenke und pinnte ihn mit den Knien fest auf den Boden. Beide keuchten sie schwer und stießen Flüche aus. Harry zog die Augenbrauen hoch. Er verspürte Belustigung und musste an sich halten, um nicht lauthals zu lachen. Aber da gab es auch einen kleinen Stich in seiner Brust, weil Severus hierbei wohl keine Berührungsängste hatte. Glaubte er etwa, er könne sich bei Harry anstecken, wenn er ihm zu nahe kam?

Als Rauch seine Kehle zu reizen begann, trat er beiseite und blickte sich um. Wo waren eigentlich die Zauberstäbe der Männer? Er konnte sie nicht einmal zu sich rufen, wenn er sie nicht klar vor Augen hatte! Ein Hustenanfall schüttelte ihn, er holte Luft und hustete erneut. Zeit, diesen brennenden Holzhaufen neben ihnen zu löschen!

Schnell sah er zu Severus. So wie er über dem Angreifer kauerte und sich bewegte, konnte er seinen Gegner nicht einmal ausschalten!

„Aquamenti!“, presste er heiser hervor und hatte dann Mühe, den Schwall Wasser ruhig zu halten, der sich aus dem Stab ergoss. Das Feuer wurde kleiner.

Ein paar Sekunden später ruckte sein Blick wieder zur Seite. Ungläubig riss er die Augen auf. Die Kämpfenden waren verschwunden!

„Stupor!“ Das war eine fremde Stimme! Harry duckte sich und fühlte den Zauber über sich hinweg rasen. Das war knapp gewesen, schon wieder! Er biss die Zähne zusammen. War der Angreifer so gut oder er so nachlässig?

„Stupor!“, erklang es erneut und Harry machte eine Rolle zur Seite, bevor er begriff, wessen Stimme es diesmal gewesen war. Severus hatte seinen Zauberstab wieder! Ein dumpfer Ton, Asche und trockenes Laub wirbelten auf.

Schnell sprang Harry hoch, den Stab gezückt.

„Wie haben Sie nur die Ausbildung zum Auror bestanden?“, spottete der Tränkemeister und wurde sichtbar. Er ging auf einen Busch in Harrys Nähe zu und machte sich am Boden zu schaffen. „Endlich!“ Eine weitere Gestalt materialisierte sich am Boden liegend. „Seit Sie auf meinem Grundstück angekommen sind, haben Sie mindestens drei elementare Fehler begangen.“ Er hob etwas auf und streckte es Harry entgegen. Ein Zauberstab. „Wenn Sie es denn schaffen sollten, den Stab in Verwahrung zu nehmen, ohne sich dabei selbst zu verletzen!“

Harry warf ihm einen bösen Blick zu und entnahm aus seiner Innentasche einen Beutel. „Gib schon her!“, mit diesen Worten griff er nach dem Stab und verstaute ihn.

„Incarcerus!“, erklang es scharf von Severus. Harry sah gerade noch auf, um dabei zuzusehen, wie sich ein Seil um die Arme, dann den Brustkorb ihres Angreifers schlang.

„Das wäre nicht nötig gewesen!“, fühlte er sich bemüßigt zu sagen. „Ich habe Handschellen dabei.“

Dunkle Augen richteten sich nun auf ihn, eine Augenbraue wurde hochgezogen: „Bei Ihrer nachlässigen Arbeitsweise erschien mir das die sicherere Wahl zu sein.“

Eine Ader an Harrys Schläfe begann zu pochen, als er die Zähne zusammenbiss, und versuchte ruhig zu bleiben. „Nachlässig, hm?“, presste er schließlich hervor. Er könnte ihn gerade für seinen zufriedenen Gesichtsausdruck erwürgen! Hatte er ernsthaft geglaubt, es würde ihm Spaß machen, sich mit Severus Gemeinheiten an den Kopf zu werfen!? Ron hatte recht! Er war nicht ganz dicht!

Gerade machte er den Mund auf, um es ihm mit gleicher Münze heimzuzahlen, als er die Schnittwunden in seinem Gesicht sah. Aus einer von ihnen rann Blut die Wange entlang. Er erstarrte. Einen verletzten Severus konnte er nicht beleidigen. Das würde zu weit gehen.

Seine Augen wanderten besorgt umher, musterten ihn eingehend. War er noch anderweitig verwundet? Er entdeckte einige Brandlöcher und Risse in der dunklen Robe und verweilte auf einem entblößten Stück Haut, welches rötlich schimmerte. „Du siehst schlimm aus! Lass mich -“, er machte einen Schritt nach vorne.

„Halt!“, wurde er scharf zurechtgewiesen. Snape hob abwehrend die Arme, wich nach hinten aus und stolperte. „Was soll das!?“ Er funkelte ihn an. „Wieso sind Sie eigentlich hier? Ich habe Sie nicht hergebeten!“ Er rieb sich über die blutende Wange und verschmierte das Rot auf dem halben Gesicht. „Wieder einer Ihrer fruchtlosen Versuche, mich in irgend ein Rehabilitationsprogramm zu stecken?“

„Wie bitte?“, runzelte Harry die Stirn. „Wie kommst du darauf?“ Das war nur einmal gewesen und damals hatten sie sich noch ziemlich gut verstanden. Er hatte vorsichtig angedeutet, dass der Tränkemeister nicht auf diese Weise leben müsse. Dass es Programme gebe, die Menschen nach dem Krieg halfen. Natürlich war er daraufhin aus dem Haus geworfen worden. Er seufzte tief. Es war wohl Zeit für einen Themenwechsel.

„War dieser Mann eigentlich alleine oder gibt es noch mehr Eindringlinge auf deinem Grundstück?“, fragte er also und hoffte, ihn damit abzulenken. Er wollte sicherstellen, dass diese Wunden richtig versorgt wurden und er ihn Sicherheit war!

Ein dunkler Blick. „Einer ist noch da. Aber wenn ich den ausnocke, bekomme ich Ärger mit dem Ministerium.“ Erleichterung ergriff Harry. Das war eine Schiene, mit der sie beide gut klar kamen.

„Haha, bist du witzig!“, seufzte er deshalb nur und warf ihm einen gequälten Blick zu, der nichts von seinen wahren Gefühlen verriet. „Lass mich raten, dieser Jemand bin ich.“

Diesmal zuckte ein Mundwinkel nach oben: „Sieh mal einer an, Potter, Sie schwingen sich ja gerade zu Meisterleistungen auf! Wenn Sie jetzt noch selbstständig mein Grundstück verlassen, bin ich gewillt Ihnen etwas Grips zu unterstellen!“

Harry stöhnte innerlich auf. Er konnte jetzt doch nicht weggehen! Wer weiß, wie schlimm Severus´ Verletzungen wirklich waren!? Ob er Minerva Bescheid geben sollte?

Er biss die Zähne zusammen, beobachtete, wie der andere den Rückzug zu seinem Haus antrat und folgte ihm. „Ich bin aus offiziellen Gründen da“, sagte er langsam. „Robards schickt mich, ich soll dich warnen.“ Blut tropfte vom Kinn des anderen und versickerte in seiner schwarzen Robe. „Du wirst vielleicht bald von diesen Verrückten um Edgecombe angegriffen.“ Sie unterhielten sich häufiger über sie, da der Club seit Jahren Schlagzeilen machte.

„Schutzmaßnahmen“, murmelte Harry, der mit Widerstand rechnete. Snapes Einstellung zu diesem Thema hatte sich nicht geändert. „Du brauchst welche.“

Der Tränkemeister blinzelte, sein Gesicht wurde zunehmend blasser, wenngleich seine Augen ihn zornig anfunkelten. Der Ruß und das Blut ließen ihn geisterhaft aussehen. Fast schon fremdartig und ein wenig gefährlich. Nun schnaubte er auf: „Ach ja? Danke, von alleine hätte ich das nicht bemerkt!“ Er wankte zwei Schritte zurück und fügte hinzu: „Sagen Sie Ihrem Chef, dass ich auf die Hilfe des Ministeriums verzichte! Wie Sie sehen, komme ich wunderbar alleine zu recht!“ Um ein Haar wäre er gegen eine brennende Hecke gelaufen und wich im letzten Moment aus.

„Aquamenti“, brummte Harry, hielt den Zauberstab auf den Brand gerichtet, während seine Augen an dem Mann vor ihm klebten. „Wenn du so gut alleine zurecht kommst, warum musste ich dich dann vorhin retten!?“ Es war zwar ein wenig übertrieben, aber er musste das Gespräch am Laufen halten! Da war ihm fast jedes Mittel recht.

Ein tiefes Grollen, dass die meisten Menschen als ultimative Drohung auffassen würden. „Wie kannst du es wagen!“ Severus` Augen verengten sich zu Schlitzen, wirkten plötzlich raubtierhaft. „Wenn du nicht gewesen wärst, hätte ich den Mann viel früher geschockt! Nein, ich musste dich retten!“

Fassungslos lachte Harry auf. War das sein Ernst!? „Wie bitte!? Wenn ich ihn bei meiner Ankunft nicht abgelenkt hätte, hätte er dich kalt erwischt! Nur deshalb konntest du mir später helfen!“

Ein Schnauben. „Davon träumst du wohl nachts!“ Der andere stolperte über seine Fußmatte und prallte mit dem Rücken gegen das Treppengeländer. Das sah ziemlich schmerzhaft aus.

„Severus!“, diesmal machte Harry einen Satz nach vorne und packte den anderen am Ärmel. „Komm schon, lass mich dir helfen! Du bist offensichtlich stark verletzt! Sonst würdest du dich doch nicht so ungeschickt bewegen!“

Snape versuchte sich aufzurichten und sackte ein wenig mehr zusammen. Harry handelte prompt. Er stellte sich dicht vor ihn und klemmte ihn mit den Beinen zwischen sich und dem Geländer ein. Seine Hand packte einen seiner Oberarme und stabilisierte ihn. Dann beugte er sich besorgt nach vorne, um ihn genauer zu untersuchen. Severus wandte den Kopf ab.

Sein Haar fiel ihm ins Gesicht und verdeckte es. Man konnte meinen, er wolle irgendwie von Harry wegkommen.

Und wieder tat es weh. Was glaubte Severus verdammt noch mal, was er tun würde!?

„Lassen Sie mich los, Potter!“, versuchte sich der andere nun frei zu machen, doch entweder er war zu schwach oder er tat es nur halbherzig.

Harry war wie gelähmt. Gefühle und Sinneseindrücke fluteten sein Hirn. Traurigkeit, Besorgnis, Zorn und Erschöpfung. Dazu diese glänzenden Haare, ein Geruch nach Kräutern, Blut und Rauch. Starke Beine und Arme, die sich gegen ihn drückten und ein Körper, der -

„Potter“, ertönte es eisig, „wenn Sie mich nicht heiraten wollen, rücken Sie mir endlich von der Pelle!“

„Oh!“, Hitze schoss Harry jäh ins Gesicht, er kehrte in die Gegenwart zurück. Schnell nahm er die Hände von Snape und taumelte nach hinten. Irgendwie war er ihm gerade extrem nahegekommen! Ihn überlief es heiß und kalt. Das war wirklich keine Absicht gewesen! Er hatte sich nur seine Verletzungen ansehen wollen! Ob Severus ihm das glauben würde?

Hoffentlich war das nicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte! Sein Herz zog sich zusammen. Selbst Harry Potter hatte bei seinem Outing einiges einstecken müssen, aber wenn er nun auch noch diese Verbindung verlor ... Das durfte einfach nicht sein! „Es tut mir leid“, stammelte er. Wieso fiel ihm nicht mehr ein, was er hatte sagen wollen?

Erst war da nur Eiseskälte, Harry wurde nicht mal eines Blickes gewürdigt. Schließlich richteten sich die dunklen Augen auf ihn, die Miene wurde neutraler. „Weil Sie eine solche Nervensäge sind und ich Sie loswerden will“, polterte der Tränkemeister, „wende ich einen Heilzauber an! Sind Sie dann zufrieden!?“ Er murmelte etwas, fuhr mit dem Zauberstab über ein Bein mit einer klaffenden Wunde und keuchte auf. „Sehen Sie“, er deutete hinunter. „Mir geht es schon deutlich besser! Und jetzt hauen Sie ab!“ Sein Stand wirkte tatsächlich stabiler, er packte das Treppengeländer fester. „Nehmen Sie die Verbrecher mit! Es sind vier. Und danach haben Sie die Güte von meinem Grundstück zu verschwinden!“

Bevor Harry antworten konnte, drückte er sich die Stufen hoch, öffnete die Haustür und verschwand im Inneren.

Eine Sekunde verstrich, bevor Harry reagieren konnte. „Moment!“, rief er ihm nach. Er war noch dabei, zu verarbeiten, was gerade passiert war.

Es hätte wohl schlimmer kommen können. Keine Beschuldigungen, Ekel oder Beleidigungen in die befürchtete Richtung. Er seufzte und fuhr sich über das Gesicht. Stapelte er zu tief? War er so verzweifelt auf diesen Kontakt aus, dass er sich alles bieten ließ!? Dann fiel ihm wieder der Grund seines Hierseins ein. Zumindest in dieser Hinsicht gab es klare Regeln!

Entnervt über sich selbst schüttelte er den Kopf und rief: „So einfach geht es diesmal nicht, Severus! Ich komme wieder und du wirst mir erzählen müssen, was heute passiert ist!“ Und weil es seine Pflicht war, fügte er hinzu: „Oder auch Wahlweise einem Kollegen!“

Natürlich erhielt er keine Antwort.

Kurze Zeit später schickte er einen Patronus an Ron, löschte alle Feuer und machte sich daran, die Gefesselten einzusammeln. Von Severus hörte er keinen Ton.

Und auch als sein Partner schließlich eintraf, konnten sie Snape zu keiner Aussage bewegen. Stattdessen schlossen sich am Haus alle Rollläden und setzten damit ein klares Zeichen.

***

Hallo meine Lieben,

da hat Harry aber an was zu knappern, der Arme! Aber immerhin hat er ein bisschen was über sich selbst gelernt. Findet ihr, dass er sich zu viel von Severus bieten lässt? Würdet ihr an seiner Stelle noch zu ihm  gehen und ihn besuchen?

Vielen Dank übrigens für die Leseempfehlungen! Darüber habe ich mich sehr gefreut!

Ganz liebe Grüße und bis bald,

Feerja