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Enthüllungen

Leidenschaftliche Differenzen Oder Der Einsame Mann Im Alten Haus — www.fanfiktion.de · All chapters

Enthüllungen

Hallo meine Lieben,

da ich in den letzten Wochen nicht ganz fit war und ein paar Kapitel etwas umschreiben musste, kommen sie gerade spät am Tag. Die Geschichte ist zwar fertig geschrieben, aber bei der Kontrolle muss ich manchmal Anpassungen vornehmen. Wie eben diesmal.

Aber jetzt viel Spaß beim Lesen,

Eure Feerja

***

„Er ist verschwunden!?“, rief Harry entsetzt aus und sah sich gehetzt in der Station um. Deshalb hatte er doch den Hauselfen Robby bei dem Tränkemeister gelassen! Wieso war er dann nicht früher informiert worden!? Oder lag es an Severus selbst? Sollte er dem Elfen einen Befehl gegeben haben ... Die Geschöpfe schienen ihn noch immer als Meister zu akzeptieren, da war es nicht weiter überraschend, wenn sie seine Anweisungen über Harrys gestellt hätten! Er stöhnte. Wieso waren diese Zeitungen überhaupt bei ihm gelandet!? Sie waren ausdrücklich an Mister Potter adressiert! Sein Blick verharrte auf dem Stapel neben dem Krankenbett. Es waren so viele und jede einzelne hatte den Tränkemeister auf dem Titelblatt! Er sank auf das Bett nieder.

Hoffentlich beging der Mann keine Dummheit! Für einen Augenblick durchfuhr ihn Angst. Er musste ihn unbedingt finden! Wenn ihm etwas zustoßen würde, könnte er sich das nie verzeihen!

Er dachte an die letzten Stunden zurück: Minerva und er waren mit Eulen bestürmt worden. Die Reporter versuchten sogar, ins Schloss einzudringen! Allein der Gedanke weckte den Zorn in ihm. Er schnaubte. Natürlich hatten sie es nicht geschafft! Hogwarts wusste sich durchaus zu verteidigen! Er starrte auf ein altes Foto, das seine Wut noch weiter anheizte.

Ein anderer Severus Snape. Gefangen und in Ketten gelegt, mit mörderischem Blick. Es war kurz nach seiner Genesung gewesen, als man ihn angeklagt hatte. Er wirkte zwielichtig und gefährlich. Bei diesem Bild konnte man gar nicht anders von ihm denken! Wenn er nur gegen sie vorgehen könnte!

Frustriert warf er das Blatt zurück auf den Tisch. Mit einem leisen „Fflufft“ segelte es zu Boden und blieb aufgeschlagen liegen. Geheimnis von Severus Snape enthüllt – Erfahren Sie alles über seine Verbindungen zu Du-weißt-schon-wem !

Ja, irgendwie war etwas durchgesickert. Doch die Wahrheit interessierte die wenigsten. Er biss die Zähne zusammen und ballte die Hände zur Faust. Dabei hatten Minerva und er sich schlussendlich sogar zu einem Interview bereit erklärt. Trotzdem kursierten die Gerüchte weiter.

Es klirrte, jemand schimpfte und er wurde aus seinen düsteren Gedanken gerissen. In der Station herrschte heute Morgen viel Betriebsamkeit. Schließlich war es Poppy gewesen, die Severus´ Verschwinden bemerkt und ihn informiert hatte. Langsam stand Harry auf. Sie hatten eine groß angelegte Suche gestartet, die in erster Linie die Hauselfen mit einbezog. Er seufzte. Die Entscheidung war nicht unbedingt weise gewesen.

Bettdecken schwebten durch den Krankenflügel, Bettpfannen klapperten und Vorhänge wurden aus ihren Verankerungen gerissen. Alles im Namen ihrer Suche. Ehrlich gesagt kam es ihm vor, als würden sie eine Show veranstalten, weil sie wussten, dass er nicht hier war.

„Denken Sie doch bitte vorher nach!“, herrschte die Heilerin nun eine Elfe an, die alle Schubladen ihres Schreibtisches aufriss. „Glauben Sie ernsthaft, ein Zauberer kann sich in diesem Tisch verstecken!?“

„Er ist ein mächtiger Mann, da kann man nie wissen...“, piepste das Geschöpf unschuldig. Harry konnte dabei nur den Kopf schütteln. Er war hin und her gerissen, zwischen Lachen und Unglauben.

„Das Grundstück hat er aber nicht verlassen, oder?“, fragte er Poppy und trat näher. „Du hast ihm doch diesen Zauber auferlegt. Nur für den Fall der Fälle.“

„Nein“, schüttelte sie den Kopf, bevor sie auf einen Elfen zu rannte und ihm ein Gerät entriss. „Und da drin ist er sicher auch nicht!“, rief sie mit zornfunkelnden Augen aus. „Entschuldige Harry, aber du siehst ja, was hier los ist! Such ihn einfach, ja? Er muss so schnell wie möglich wieder ins Bett! Die Wirkung von einem seiner Tränke wird bald nachlassen und wenn er nicht rechtzeitig den nächsten nimmt ...“ Sie griff in einen Schrank und drückte ihm eine Phiole in die Hand. „Nur für den Fall der Fälle!“

„Ja, gut!“, nickte Harry schnell. „Danke!“ Er ging an ihr vorbei nach draußen, „ich werde ihn schon finden!“

Seine Schritte hallten laut auf dem Steinfußboden wieder. Wo konnte der Mann nur stecken!? Er war nicht in den Klassenräumen und nicht in den Privaträumen der Hauselfen. Genauso wenig im Kerker oder den Räumen der Slytherins.

Harry beschleunigte seine Schritte. Wo würde er an seiner Stelle hingehen? Wo hätte er seine Ruhe?

Plötzlich kam ihm ein schrecklicher Gedanke. Abrupt blieb er stehen. Nein, das würde er nicht tun!? Oder?

Dann bewegten sich seine Beine wieder vorwärts. Schnell, immer schneller. Er hoffte so sehr, dass er sich irrte! Er spürte sein Herz rasen, sein Keuchen wurde stetig lauter, erfüllte seine Ohren. Auch als er Blut schmeckte, war es ihm gleich. Er stürmte weiter. Menschen zuckten zusammen, Rüstungen sprangen aus dem Weg, Geheimgänge blieben offen. Für ihn gab es nur ein Ziel.

Endlich, es schien Jahre her, erreichte er die Wendeltreppe und hechtete nach oben. Schweiß brach ihm aus, alles drehte sich. Er fühlte sich wirklich nicht gut, trotzdem hielt er nicht an. Da war sie, die Türklinke, er drückte sie herunter und drängte ins Freie.

Auf dem Astronomieturm war es still. Ein sanfter Wind wehte um die Zinnen, die Luft war angenehm kühl. Die Sonne stieg über dem Wald auf. Einen Augenblick lang verharrte er und versuchte den Schwindel unter Kontrolle zu bekommen, er durfte nicht schlapp machen! Puh, war er erschöpft!

Dann kamen die Erinnerungen. Heftig und erbarmungslos schlugen sie ihre Klauen in ihn. Seine Knie drohten einzuknicken. Er zitterte, schluckte. Dumbledore. Er war tot. Ein Atemzug nach dem Nächsten. Elf Jahre war es schon her. Die Zeit heilte nicht alle Wunden.

Ein Krächzen zu seiner Linken. Ein Rabe flatterte auf ihn zu, ungelenk, als flöge er zum ersten Mal. Sie würden kollidieren. Geschickt wich Harry aus, blinzelte. Was war das gewesen? Was machte er eigentlich hier oben? Er sah sich um.

Und dann sah er ihn.

Eine einsame Gestalt auf der Brüstung. Ihm blieb fast das Herz stehen. Die schwarze Robe, schwarzes, langes Haar und ein Gesicht, welches in der Sonne weiß leuchtete. „Severus!“, entwich es ihm hauchend. Genau, er war seinetwegen hier!

Als er einen Schritt nach vorne machte, knirschte ein Stein unter seinen Füßen.

„Hat man denn nirgendwo seine Ruhe!?“, knurrte die Gestalt, wandte sich allerdings nicht um. Steif und hochaufgerichtet, wirkte sie wie eine gemeißelte Statue. Die Sonne stieg höher und der Mann gleißte so hell, dass er kurz die Augen schließen musste.

Gebannt blieb er stehen. Es war ein so unwirkliches Bild. Diese leuchtende Person im Kontrast zu ihrer dunklen Robe, umgeben von Sonnenstrahlen. Silbrige Strähnen schimmerten in ihrem Haar. Urplötzlich konnte er Künstler verstehen. Er hätte dieses Bild nur zu gerne auf Papier gebannt!

Dann bewegte der andere den Kopf und der Bann brach.

Verlegen biss sich Harry auf seine Unterlippe. Was war das gerade gewesen? Oberpeinlich! Zum Glück schien Severus nichts davon mitbekommen zu haben! Vorsichtig machte er einen Schritt nach vorne, beobachtete jede seiner Bewegungen genau. Richtig, er war gekommen, um ihn zu schützen! Prüfend musterte er die halbe Seite seines Gesichts, versuchte, darin zu lesen.

Da war weder Verzweiflung , noch Traurigkeit oder Schmerz. Hatte er sich umsonst Sorgen gemacht?

„Wir haben dich überall gesucht“, erklärte er sich und näherte sich ihm. „Ich renne schon seit Stunden herum!“

Der Kopf drehte sich ein Stück in seine Richtung. „Glückwunsch“, kam es trocken zurück, „du hast mich gefunden. Jetzt geh wieder und stör mich nicht!“ Harry funkelte ihn an.

„Ich will aber nicht!“, entgegnete er brüsk, er hatte ihn fast erreicht. „Was machst du eigentlich da oben?“

„Das siehst du doch, ich singe eine Arie!“

Harry schnaubte auf. „Haha, bist du witzig!“ Er blieb an der Brüstung stehen, hielt aber Abstand zum anderen und zog sich geschickt nach oben. Das war schwerer als erwartet. Man hatte wohl Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, nachdem Dumbledore gestorben war. Er spürte einige Zauber und eine Barriere um sie herum.

„Wenn du so einfältige Fragen stellst...“ Obwohl Severus sein Tun sicher bemerkt hatte, reagierte er nicht darauf. Er hielt sein Gesicht in die Sonne und hatte die Augen geschlossen. Harry schnitt eine Grimasse. Snape, wie er leibte und lebte. Umsichtig flüsterte er einen Stärkungszauber auf ihn. Das würde den Mann noch eine Weile stabil halten Erst danach fand er Ruhe, setzte sich und lehnte den Rücken an einen Pfeiler.

„Ich wollte nicht springen, wenn du deswegen gekommen bist“, brummte Severus plötzlich. „Das würde ich den Schülern niemals antun.“ Er wankte kurz und sank dann nach unten, setzte sich auf die Brüstung, genau wie Harry und ließ die Füße baumeln.

„Hm“, murmelte dieser nur. Überzeugt war er nicht. „Du hast all die Artikel gelesen. Die Zeitungen haben ein hässliches Bild von dir gemalt. Das würde jeden treffen!“ Er warf ihm einen Blick von der Seite zu. Es werden Dinge aufgewärmt, die schon längst begraben sein sollten!“

Ein Schnauben. „Es ist nicht das erste Mal! Was kümmert mich das!?“ Es klang eine Spur zu abwehrend. Harry verstand das nur zu gut! Diese Sache war viel persönlicher, als seine Spionagetätigkeit. Hier ging es um seine Identität! Und die Allgemeinheit hielt ihn für eine Gefahr.

„Sollte es auch nicht!“, sagte er entschieden. „So ist die Masse eben! Sie urteilen, ohne dich oder die Wahrheit zu kennen.“ Er zuckte die Achseln. „Du bist immer noch ein Mensch, Severus! Ein brillanter Zauberer und Träger des Merlinordens erster Klasse! Dazu noch zweifacher Meister -“ der andere unterbrach ihn harsch.

„Was soll das werden, wenns fertig ist!? Ich weiß alles über mich, vielen Dank! Und ich kann dir sagen,“ fuhr er mit einer Heftigkeit fort, die Harry beunruhigte, „dass das Alles keinen Wert hat!“ In seinen Augen loderte es. „Ich habe Dinge getan“, er stockte und starrte in die Tiefe. „Wenn du wüsstest ...“ Harry sah ihn mitleidig an.

„Ich kann es mir denken“, sagte er leise. „Glaubst du etwa, du bist der Einzige? Erinnerst du dich noch, wie ich dich damals verfolgt habe, nach Dumbledores Tod? Welche Zauber ich anwenden wollte?“ Er suchte seinen Blick, aber der andere starrte nur hinab auf den grünen Grund. „Später habe ich den Imperio erfolgreich angewandt.“ Er hob die Schultern. „Natürlich war es zu unser aller wohl, blablabla, aber wir alle haben etwas getan, tun müssen -“ auch er beendete den Satz nicht. „Für dich muss es tausendmal schlimmer gewesen sein.“

Es kam keine Antwort. Aber Severus´ Adamsapfel hüpfte.

„Und“, fragte er nun, „hast du deshalb die Aktion mit der Edgecombe durchgezogen? Weil du dich schuldig fühlst?“ Er hatte ja gehofft, es wäre purer Leichtsinn gewesen und er könnte dieses Gespräch hinauszögern, bis er eine offizielle Aussage gemacht hatte, aber so sah es wohl nicht aus! Und wenn schon, Severus` mentale Gesundheit war wichtiger! Wann hatte der Mann je von sich aus über die Dinge gesprochen, die ihn quälten? Er konnte diese Chance nicht verstreichen lassen! „Hast du gehofft“, fragte er weiter, „du würdest bei ihrer Verhaftung“, seine Stimme zitterte, „st-sterben? Hast du dich deshalb kaum verteidigt!?“ Er hatte es wirklich ausgesprochen! Ob er eine Antwort bekommen würde?

Stille.

„Das hättest du mich nicht fragen sollen!“ Severus´ Stimme veränderte sich, wurde fester, streng. Besorgnis zeigte sich jäh auf seinem Gesicht, er sah auf und ihn direkt an. „Ich dachte, ich hätte dir klar gemacht, dass es ein Tabu-Thema ist! Du solltest da nicht hineingezogen werden!“ Harry erstarrte. Das war nicht der erwartete Gesprächsverlauf. Er legte den Kopf schief. „In was hineingezogen werden?“ Er sah ihn scharf an. „Da hängt noch jemand anderes mit drin, oder!? Wer!?“ In seinem Kopf überschlugen sich die Möglichkeiten, Puzzleteile setzten sich zusammen. Eigentlich war die Sache ziemlich klar!

„Erzähl mir was passiert ist!“, forderte er und weil er den Widerspruch in Snapes Augen sah, fügte er hinzu: „Es ist eh zu spät! Schon durch meine Frage wird das Gericht darauf aufmerksam werden!“ Sanfter meinte er: „Und ich mache mir Sorgen um dich! Bitte, erzähl es mir!“

Erst war da Härte, der andere schnaubte. „Es ist nicht, wie du denkst!“ Doch dann seufzte er. „Du wirst nicht glücklich darüber sein ...“ Harry hob die Augenbrauen, das klang aber gar nicht gut!

„Erzähls mir trotzdem“, sagte er leise und musterte Severus. Er war ihm überraschend zugewandt. Als würde er es ihm eigentlich anvertrauen wollen, aber etwas hielte ihn ab. „Egal was es ist, wir werden damit fertig!“

„Wir?“, kam es leise. Der Ausdruck in seinem Gesicht diesmal schwer lesbar. „Harry -“

„Bitte“, sagte dieser nur und suchte den Blickkontakt. „Du vertraust mir doch, oder etwa nicht?“ Natürlich glaubte er, es zu wissen, war aber trotzdem nervös. Es war eben eine sehr persönliche Frage.

„Ich -“, der andere stockte und starrte ihm stumm in die Augen. Er konnte in ihnen seinen Konflikt erkennen, wie er darum kämpfte, die Wahrheit zu sagen. Schließlich trat ein weicherer Ausdruck in sie, seine Miene wirkte resigniert. „Na schön, ja -“, wieder zögerte er, holte Luft und begegnete seinem Blick eindrücklich, „ich vertraue dir!“ Sie sahen sich schweigend an. Harrys Herz hämmerte in seiner Brust, während sich ein warmes Gefühl in ihm ausbreitete. Glück, er war glücklich. Das hatte er schon lange nicht mehr erlebt. Er könnte ewig hier sitzen bleiben.

Leider fiel ihm recht schnell wieder ein, warum er diese Frage überhaupt gestellt hatte. „Gut“, sagte er daher rau, konnte sich kaum konzentrieren. Wie sehr er ihn gerade küssen wollte! „Das ist gut.“ Er räusperte sich. „Erzähl es mir schon! Du bist nicht allein damit.“

Erst kam gar keine Reaktion, schließlich holte Severus ein paar Mal Luft, blinzelte. Und drehte abrupt den Kopf weg. Harry fühlte sich wie aus einem Traum erwachend. Er schluckte.

„Erinnerst du dich“, drang die Stimme des anderen zu ihm, wieder starrte er in die Tiefe. „Der Tag mit den vielen Verhaftungen. Ich habe danach alleine mit Robards gesprochen.“ Harrys ungutes Gefühl in der Magengrube verstärkte sich.

„Jaaa“, sagte er gedehnt, wartete.

„Es -“, ein Achselzucken, „wir haben nicht nur über den Angriff gesprochen.“ Die nächsten Worte kamen gepresst, aber zornig hervor: „Er hat mir ein Angebot gemacht. Eines, das ich nicht ablehnen konnte!“

„Was hat er!?“, Harry sprang auf, verlor kurz das Gleichgewicht und hielt sich am Pfeiler fest. Er hatte es geahnt, aber das klang sogar noch schlimmer, als erwartet! „Was war das genau!?“ In ihm kochte Wut hoch, wie so oft, wenn es um Robards ging.

Nun hob Severus den Kopf und sah ihn an. Auch er erhob sich, stand wieder frei auf der Brüstung. „Reg dich nicht auf!“, sagte er ruhig, „und hör mir richtig zu!“

Harry holte ein paar Mal zitternd Luft. Sie hatten sich beide oft genug über diesen Mann beschwert. „Ich höre“, sagte er, versuchte sich in einem gelasseneren Tonfall. „Sprich weiter!“

Er wurde prüfend gemustert. „Na gut.“ Wieder Stille. Harry war drauf und dran zu explodieren. „Wie du vielleicht weißt, müssen neuartige Stoffe in Tränken und Cremes vom Ministerium kontrolliert werden.“ Der andere sah einem Raben hinterher, der an ihnen vorbei flatterte. „Ich warte gerade wieder auf eine Zulassung, schon seit zwei Jahren, um genau zu sein. Das ist viel zu lange für diese Art von Material.“ Seine Miene verdüsterte sich. „Wie sich herausgestellt hat, ist der zuständige Beamte ein Freund von Robards.“ Ein Knacken ließ Harry auf seine Hand hinuntersehen. Er hatte seinen Zauberstab so fest umklammert, dass dieser dem Druck nicht mehr lange standhalten würde. Mühsam zwang er die Hand auf und entwand ihr den Stab. Dann steckte er ihn in die Robentasche. Sobald er dieses Mannes habhaft werden konnte, würde der sein blaues Wunder erleben!!!

„Du kannst dir ja denken, was er wollte. Die Edgecombe.“ Severus` Gesicht verzog sich zur Grimasse. „Erst habe ich einfach Nein gesagt.“ Ein süffisanter Blick. „Nach seinem Plan hätte ich sie herlocken, die Sicherheitszauber im Gartenbereich deaktivieren und sie provozieren sollen. Sie sollte verführt sein, auf illegale Zauber zurückzugreifen.“ Er zuckte die Achseln. „Anscheinend macht ihr das manchmal auch. Aber er glaubte, bei einem Auror würde sie nicht kommen.“

„Natürlich nicht!“, schnaubte Harry. „Weil sie keine starke Hexe ist! Nicht mal eine besonders Schlaue!“ Ein amüsierter Blick aus dunklen Augen.

„In der Tat! Ich sagte zu ihm, dass du sie deshalb bald fangen würdest! Immerhin konnte sie sich nicht mehr hinter ihren Handlangern verstecken!“

„Richtig!“, nickte Harry.

Das Gesicht des anderen verfinsterte sich. „Er tat so, als würde er das akzeptieren. Dann, nachdem du sie verhaftet hast und ihr sie wieder gehen lassen musstet, bekam ich einen Brief.“ Nun zog auch Harry die Augenbrauen zusammen, biss die Zähne aufeinander und schnaubte. Es war klar wie Kloßbrühe, wie es weiterging! Wenn er diesen Bastard in die Finger bekam!

„Die Unterabteilung für neuartige Stoffe meldete sich bei mir. Für drei meiner gekreuzten Pflanzen wurde der Einsatz in Zaubertränken und Cremes verboten!“ Er knurrte. „Es handelt sich wohlgemerkt um Pflanzen, die schon vollumfänglich zugelassen worden sind!“ In seinen Augen loderte es. „Ich nutze sie in einem Drittel meines Sortiments! Weißt du, was das bedeutet!?“ Harry stieß die Luft aus. Er hasste Robards wirklich!

„Und er kam wieder mit dem Angebot?“, fragte er heiser. Es war natürlich rhetorisch, da er die Antwort schon kannte.

„Ja“, nickte der andere und sank wieder zurück auf die Brüstung. Auch Harry ließ sich fallen und rutschte näher an ihn heran.

„Erzähl mir den Rest!“

Er hatte richtig gelegen! Der Tränkemeister war von Robards zu dieser Aktion erpresst worden! Sobald Edgecombe in Gewahrsam war, sollte Severus seine Zulassungen wieder zurückbekommen und eine weitere für seinen neusten Stoff dazu. Nur deshalb hatte er mitgemacht. Und obwohl Harry rasend vor Zorn war, verspürte er Erleichterung, weil der andere sich nicht hatte umbringen wollen.

„Aber es war verdammt knapp!“, fuhr er ihn an. „Mach das ja nicht wieder, Severus! Du hast uns wirklich einen Schreck eingejagt!“

Der andere hob eine Augenbraue. „Soll das etwa bedeuten, Euch liegt etwas an mir, Mister Potter?“ Er sah ihn spöttisch an und es war schwer zu sagen, ob er ihn nur aufziehen wollte oder eine echte Antwort erwartete. Harry starrte nur düster zurück. Er war gerade gar nicht für diese Spielchen aufgelegt!

Ärgerlich giftete er zurück: „Und wie mir was an dir liegt, du Blödmann! Und deshalb denk das nächste Mal gefälligst daran, bevor du so einen Schwachsinn abziehst!“ Plötzlich wurde ihm heiß, das war ein bisschen zu viel Ehrlichkeit gewesen! So redeten sie nie miteinander. Bevor es peinlich werden konnte, fügte er schnell hinzu: „Wir sind Freunde, verdammt noch mal!“ Er holte Luft und atmete durch.

Sie tauschten einen stummen Blick. Fast konnte man meinen, Severus versuche seine Gedanken zu lesen, so intensiv sah er ihn an. Harry starrte entschlossen zurück, doch mit hämmerndem Herzen. Er würde das nicht lange durchstehen!

„Freunde?“, kam es schließlich zögernd.

„Ich weiß nicht, ob ich je welche hatte.“ Dann ein Stocken. „Außer deiner Mutter natürlich.“ Und Harry erstarrte.

„Meine Mutter?“ Er hörte selbst, wie jung seine Stimme klang, hoffnungsvoll. Eigentlich hatte er den anderen ins Bett zurückbringen wollen und sich Robards vor die Brust nehmen, aber konnte er sich diese Chance entgehen lassen? „Hast du sie geliebt?“, fragte er leise, horchte atemlos, weil er kaum glauben konnte, dass er endlich Antworten erhalten würde.

„Ja“, kam es ebenso leise und er fühlte etwas in sich zerspringen. Es war fast, als würde die Welt für ihn zusammenbrechen. Was ziemlich dumm war, wenn er ihre Beziehung gerade noch selbst als Freundschaft deklariert hatte.

„Aber nicht so, wie ich lange Zeit geglaubt habe.“ Und Hoffnung stieg wieder in ihm auf.

„Sie war die Einzige, die sich für mich interessiert und gekümmert hat.“ Seine Stimme wurde brüchig. „Jedenfalls für sehr lange Zeit. Ich habe sie sehr geliebt! Sie war alles, was ich hatte.“ Harry fühlte so vieles, er glaubte, diese Flut an Emotionen nicht ertragen zu können, aber trotzdem blieb er sitzen. Seine Beine hätten ihn eh nicht getragen.

„Wenn ich kein Interesse an anderen Frauen hatte, gab ich ihr die Schuld. Das ich sie zu sehr liebte, um eine andere ansehen zu können und so weiter. Da ich schon als Kind in sie verliebt war, war diese Ausrede sehr bequem.“ Harry nickte unwillkürlich. Das war schließlich normal. Gleichzeitig tat es einfach nur weh! Denn wenn er sie so sehr geliebt hatte, würde das zwischen ihnen niemals funktionieren! Was hatte er sich nur dabei gedacht!?

„Und das ich auch etwas für Männer übrig habe -“ Jetzt horchte Harry auf. „Unter Todessern ist es verpönt, weil man dadurch keine Kinder zeugen kann. Aber heimlich wird es geduldet.“

Harry runzelte die Stirn. „Soll das heißen du -?“ Er wusste gar nicht, was er denken oder sagen sollte. Severus` Küsse waren nicht die eines Mannes ohne Erfahrung gewesen und doch – „Wie? Wer?“, krächzte er und war wütend über sich selbst, weil er eifersüchtig war und sich verriet. Ein Zittern durchfuhr ihn. Er war ein absoluter Volltrottel! Und dazu war es unfair! Schließlich hatte er selbst so seine Erfahrungen gesammelt und Severus schien nicht über die Gegenwart gesprochen zu haben. Aber es war einfach alles zu viel! So viele unterdrückte Gefühle.

Der andere gab ein undefiniertes Geräusch von sich und starrte zum Wald hinüber. „Es war nie etwas von Bedeutung“, erklang seine Stimme wieder. Er schien in Erinnerungen versunken. Ein Glück, dann hatte er vielleicht gar nicht mitbekommen, wie Harry sich wieder mal verraten hatte! „Ein diskretes Stelldichein. Völlig anonym. Es gab sogar einen Club dafür.“ Jetzt zuckte er und drehte sich zu ihm herum, den Blick noch immer ins Nichts gerichtet. „Trotzdem hat es lange gedauert, sehr lange, bis ich akzeptiert habe, dass ich schwul bin.“ Severus sog hörbar Luft ein. „Es ist das erste Mal, dass ich es laut ausspreche.“

Benommen beobachtete Harry ein paar Raben, die den Turm umkreisten und hinunter zu den mächtigen Tannen flogen. Die Aussicht war atemberaubend. Die Sonne leuchtete hell und klar, beleuchtete saftige Wiesen und Felder, eine rustikale Holzhütte und die spiegelglatte Wasseroberfläche des unergründlichen Schloss-Sees. Ein paar Wolken trieben träge am blauen Himmel entlang und vervollständigten das malerische Bild. Aber er konnte nichts davon würdigen. In seinem Kopf ging alles durcheinander. „Also“, setzte er zu fragen an, „wieso hast du mich geküsst!?“ Jetzt war eh alles egal, oder? Und Severus schien in Redelaune zu sein. Der andere schnaubte.

„Du hast mich zuerst geküsst, schon vergessen?“

Aber Harry war nicht nach dieser Haarspalterei. Er drehte sich herum, fühlte sich seltsam betrogen und wollte eigentlich nur noch weg! Als Severus ihn nur reglos ansah, stemmte er sich hoch und schickte sich an, von der Brüstung zu rutschen.

„Warte!“, eine Hand legte sich auf seinen Unterarm und hielt ihn fest. Er stoppte in der Bewegung und wandte sich ihm zu. Die dunklen Augen begegneten seinem Blick, bittend. Dann hob Severus die Schultern. „Du willst wissen, ob es an deiner Mutter lag?“ Harry nickte schnell, ängstlich und doch so hoffnungsvoll. Er war ein solcher Idiot, aber er konnte einfach nicht anders! Würde er es merken, falls er angelogen wurde? Er glaubte schon. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Das war die alles entscheidende Frage.

Severus` Gesichtsausdruck veränderte sich, wurde eindringlich. „Es hatte nichts mit ihr zu tun!“ Sein Griff wurde noch ein wenig stärker, der Blick intensiver. „Ich wäre von selbst nie auf diese Idee gekommen, aber nach deinem -“ er stockte, die Stimme eine Spur weicher, „Kuss. Nun ja,“ ein Schulterzucken. „Du küsst verdammt gut! Das vergisst man nicht so schnell!“ Er lachte, wirkte etwas verlegen und warf sein Haar zurück. Für einen Moment meinte Harry einen viel jüngeren Mann vor sich zu sehen. „Es war nicht ganz korrekt von mir, dich zu reizen, damit du mich wieder küsst, aber was soll ich sagen -“ Er machte ein schuldbewusstes Gesicht. „Wie gesagt, es war ein wirklich guter, erster Kuss!“ Harry konnte ihn nur anstarren und wusste nicht, was er darauf erwidern sollte.

Ein lauter Alarmton ertönte. Beide Männer fuhren hoch. Der Ton verstärkte sich noch, nahm an Lautstärke zu und zerrte an den Nerven.

„Mist!“, fluchte Harry und in seiner Eile wäre er fast von der Brüstung gefallen. Fast. Severus starker Arm bewahrte ihn, dann kamen sie aber beide ins Wanken. Und kippten zur Seite, auf den sandigen Turmboden. Steinchen und Staub wirbelten auf. Der Alarm schrillte weiter, Harrys Gesicht brannte vom Sturz. Auch Severus hatte einige Schrammen abbekommen, aber dafür hatte er keine Zeit! Hektisch wühlte Harry in seiner Tasche.

„Was ist das!?“, schrie der andere, schützte seine Ohren mit den Händen und setzte sich ächzend auf, dann griff er nach Harrys Arm und zog ihn ebenfalls in eine sitzende Position. Dieser hatte endlich gefunden, wonach er gesucht hatte, öffnete mit ungeschickten Bewegungen die Phiole und hielt sie Severus vor die Nase.

„Trink das!“, befahl er, wartete nicht weiter und drückte es ihm an die Lippen.

Ein langer Blick aus dunklen Augen, eine Hand lag noch auf Harrys Schulter. Dann sah der andere auf die Phiole hinab. Noch eine Vertrauensfrage.

Severus trank.

Der Alarm verstummte.

***

Auch wenn Severus sich schlussendlich nicht umbringen wollte, ist dieser Zustand nicht auf die leichte Schulter zu nehmen! Solltet ihr selbst jemanden kennen, der sich mit ähnlichen Gedanken trägt oder es betrifft euch selbst, bitte sucht euch Hilfe! Es muss niemand von der Familie oder Freunden sein, wenn ihr es ihnen nicht anvertrauen könnt oder wollt. Es gibt Ärzte und Psycho-therapeuten, die eine Schweigepflicht haben. Ihr könnt euch ihnen anvertrauen. Oder ihr ruft bei einer der folgenden Nummern an, bzw wendet euch an eine dieser Seiten im Internet:

Nummer gegen Kummer: 116 111

https://www.nummergegenkummer.de

Telefonseelsorge: (0800) 111 0 111

Telefonseelsorge: (0800) 111 0 222

https://www.telefonseelsorge.de/

Deutsche Depressionshilfe: (0800) 33 44 533

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/

muslimische Seelsorge: (030) 443 50 98 21

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