04. Oktoker - Heimliche Begegnung
04. Oktoker - Heimliche Begegnung
Hallo zusammen,
hier die nächste Geschichte:
Datum: 04.10.2026
Fandom: Die Borgias
Stichwort: Heimliche Begegnung
Die Nacht hatte sich über Rom gesenkt, als ein Schatten durch die dunklen Straßen huschte. Die Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen. Seine Schritte waren eilig, doch er rannte nicht. Immer wieder blieb er stehen und sah sich verstohlen um, bevor er seinen Weg fortsetzte.
Sein Ziel war der Vatikan.
Micheletto Corella war auf der Suche nach Cesare Borgia.
Er war nicht nur dessen Auftragsmörder und Folterknecht, sondern auch sein Freund. Ihre Beziehung war jedoch etwas, von dem niemand erfahren durfte. Zu viel stand auf dem Spiel. Würde man entdecken, was sie wirklich füreinander empfanden, könnte es für beide das Ende bedeuten.
Micheletto schlüpfte durch einen schmalen Eingang und setzte seinen Weg fort. Er kannte jeden Gang, jeden Winkel und jeden Schatten innerhalb des Vatikans. Es war nicht das erste Mal, dass er sich heimlich hier bewegte.
Ohne von den anderen Dienern gesehen zu werden, huschte er die Treppe hinauf und betrat leise die Räume seines Dienstherrn.
Zu seiner Verwunderung waren diese jedoch leer.
Micheletto blieb stehen und sah sich um.
Der Raum lag beinahe vollständig im Dunkeln. Nur das Feuer im Kamin brannte munter und warf flackernde Schatten an die Wände. Auch in Rom hatte der Herbst Einzug gehalten, und die Nächte waren inzwischen empfindlich kalt geworden.
Micheletto zog die Kapuze zurück und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen.
Wo war Cesare?
Er hatte erwartet, ihn hier anzutreffen.
Nachdem er sich noch einmal vergewissert hatte, dass niemand in der Nähe war, machte er sich auf die Suche nach ihm.
Und obwohl Micheletto es niemals zugegeben hätte, verspürte er dabei einen Anflug von Sorge.
Verärgert biss er sich auf die Lippen und machte sich auf die Suche nach seinem Freund. Sicherlich hätte er auch einen der Diener fragen können, aber genau das wollte er nicht.
Der Flur war nur spärlich beleuchtet, und dennoch fand er sicher seinen Weg. Es dauerte nicht lange, bis er zu einem der Balkone gelangte.
Dort stand jemand.
Langsam schlich er näher und erkannte Cesare. Er lehnte am steinernen Geländer und blickte in die Herbstnacht. Der Geruch von Blumen lag in der Luft, vermischt mit dem Duft reifer Äpfel.
Michelettos Herz machte einen Satz und er trat nach draußen. Der Mann fuhr herum, und selbst im Licht des Mondes erkannte Micheletto das Lächeln.
„Euer Eminenz, ich bin zurück“, sagte er und kam näher.
Cesare streckte die Hand aus und berührte ihn sanft an der Wange.
„Ich habe auf dich gewartet“, gab er zurück.
Die andere Hand legte er auf Michelettos Brust.
„Warst du erfolgreich?“
Im Grunde hatte er es bereits gewusst, aber er musste ihn fragen.
„Natürlich.“
Mehr sagte Micheletto nicht, sondern sah ihm nur in die Augen.
Cesare schluckte. Er dachte nicht mehr an den Auftrag, sondern nur noch an den Mann, der direkt vor ihm stand.
„Wir sollten in meine Räume gehen“, raunte Cesare.
Seine Lippen kamen Michelettos viel zu nahe.
„Ja. Ich möchte dich spüren.“
Cesare erschauderte sichtlich und ließ sich nach drinnen ziehen.
Als sie wenig später in Cesares Schlafgemach zurückkehrten, blieb Micheletto unvermittelt stehen.
Cesare, der bereits an ihm vorbeigehen wollte, bemerkte es und wandte sich um.
„Was ist?“
Micheletto antwortete nicht.
Auf dem kleinen Tisch neben dem Bett stand eine Kerze. Ihre Flamme bewegte sich kaum merklich und warf einen warmen Schein über die dunklen Möbel.
Micheletto zog die Augenbrauen zusammen.
„Wer hat die Kerze angezündet?“
Cesare sah ihn an.
„Warst du es nicht?“
„Ich war die ganze Zeit bei dir.“
„Dann wohl ich.“
„Nein. Hier brannte vorher keine Kerze.“
Cesare trat näher und betrachtete die Kerze. Sein Gesicht wurde ernst.
„Dann haben wir ein Problem.“
Micheletto legte automatisch eine Hand an den Dolch unter seinem Mantel.
„Oder einen Besucher.“ Das war mehr als beunruhigend. Aber Micheletto würde alles tun, um Cesare zu beschützen.
ENDE