05. Oktober – Drachen steigen lassen
05. Oktober – Drachen steigen lassen
Hallo zusammen,
hier die nächste Geschichte:
Datum: 05.10.2026
Fandom: Wednesday
Stichwort: Drachen steigen lassen
Sie hasste diese Schule. Anders konnte man es nicht nennen.
Wie kamen die Lehrer nur auf so eine blöde Idee? Gab es denn keine anderen Dinge, die wichtiger und vor allem spannender waren? Wo blieb hier die Magie?
Trotz all dieser Gedanken war Wednesday keine Aufregung anzusehen.
Ganz im Gegensatz zu Enid, die aufgeregt in ihrem Zimmer auf und ab hüpfte.
„Es ist Herbst. Dann muss man so etwas tun“, verkündete sie.
Ein Schreiben lag vor ihr auf dem Schreibtisch. Darauf stand: „Entwerft und baut einen Drachen, der mindestens fünf Minuten in der Luft bleibt.“
Natürlich hatte Enid die Aufgabe gefallen.
Voller Freude begann sie, die Farben auszusuchen.
„Kannst du so eine Konstruktion bauen, dass er auch in der Luft bleibt?“, fragte Enid.
Wednesday sah sie an, als hätte Enid sie gerade gebeten, sie in einen Wurm zu verwandeln.
„Natürlich“, gab sie zurück.
Sie hatte sich darüber sogar schon Gedanken gemacht. Auch wenn sie noch immer nicht besonders begeistert von diesem Projekt war.
„Perfekt! Ich kümmere mich um die Farben.“
Enid klatschte in die Hände und machte sich ans Werk. Sie holte eine Kiste mit bunten Stiften und Farben hervor. Dazu kamen noch ein paar kleine Puschel.
Vielleicht konnte sie ihn wie ein Einhorn bemalen?
Ihr schwirrten tausend Gedanken durch den Kopf.
Es dauerte auch gar nicht lange, bis Wednesday eine doch recht passable Konstruktion fertiggestellt hatte.
„So, jetzt bin ich dran“, verkündete Enid und machte sich ans Werk.
Sie hatte bereits so viele Ideen, dass sie noch gar nicht wusste, wie sie alle umsetzen sollte.
Wednesday schüttelte den Kopf und setzte sich auf ihr Bett.
Sofort kam eiskaltes Händchen zu ihr und legte sich auf ihre Schulter.
Wednesday sah zu ihm.
Händchen deutete auf Enid und anschließend auf den Drachen.
Wednesday schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Händchen bewegte sich empört.
„Wednesday! Es soll ein bisschen Spaß machen“, flötete Enid.
„Wir wurden nicht beauftragt, Spaß zu haben. Wir sollen einen Drachen bauen“, gab Wednesday zurück.
Enid stemmte die Hände in die Hüften.
„Und was ist daran falsch, wenn er hübsch aussieht?“
Wednesday betrachtete den Drachen.
Inzwischen war er mit violetten und schwarzen Mustern versehen. An den Seiten klebten kleine silberne Sterne, und Enid hatte tatsächlich zwei flauschige Puschel an seinem Schweif befestigt.
Wednesday schwieg.
„Du findest ihn schön“, stellte Enid triumphierend fest.
„Das habe ich nicht gesagt.“ Wednesday verschränkte die Arme vor der Brust.
„Aber du hast auch nicht gesagt, dass er hässlich ist.“
Wednesday verengte die Augen.
„Enid.“
„Ja?“ Die Freundin sah sie offen an.
„Wenn du noch ein weiteres Wort sagst, werde ich dafür sorgen, dass dieser Drache niemals den Boden verlässt.“
Enid grinste.
„Du findest ihn schön.“
Wednesday griff nach einem Kissen. Enid quietschte vor Vergnügen und duckte sich. Händchen hüpfte begeistert in die Luft.
Am späten Nachmittag gingen sie nach draußen. Das Wetter war perfekt, um den Drachen zu testen. Die Sonne schien, und ein kräftiger Wind wehte aus nördlicher Richtung.
Enid war dick eingepackt und hatte sich zusätzlich einen bunten Schal um den Hals geschlungen.
„Dann wollen wir mal. Hoffentlich fliegt er auch“, sagte sie.
„Sicher wird er das“, gab Wednesday zurück.
Während Wednesday die Schnur festhielt, rannte Enid los. Der bunte Schal und die Schnur mit den Puscheln flatterten im Wind.
Dann begann der Drachen zu ziehen und durch die Luft zu gleiten.
Wednesday gab ihm immer wieder Schnur und schließlich konnte auch Enid loslassen. Der Drache schwebte einige Meter über dem Boden.
Enid betrachtete ihn voller Stolz.
„Siehst du? Wir sind ein gutes Team.“
„Das ist eine voreilige Schlussfolgerung“, antwortete Wednesday gelassen.
Enid warf ihrer Freundin einen amüsierten Blick zu.
Und da war es.
Nur ganz kurz.
Ein kleines Lächeln lag auf Wednesdays Gesicht.
Enid sagte nichts.
Sie wusste es besser.
Manchmal musste man Wednesday Addams einfach ihren kleinen Sieg lassen.
Und der bunte Drache tanzte weiter über ihnen im Herbstwind.
ENDE