09. Oktober - Nebel verschluckt den Weg
09. Oktober - Nebel verschluckt den Weg
Hallo zusammen,
hier die nächste Geschichte:
Datum: 09.10.2026
Fandom: King and Conqueror
Stichwort: Nebel verschluckt den Weg
Der Tag dämmerte nur langsam herauf. Seit Tagen war es bereits recht kalt, und man konnte den Herbst deutlich spüren.
Früher hätte man gesagt, die Frostgötter erwachten zum Leben und überzogen das Land mit Kälte. Heute jedoch wusste man, dass es sich um den Wechsel der Jahreszeiten handelte.
Auch wenn Harold Godwinson sich an diesem Wetter wenig störte, wäre es ihm lieber gewesen, sie hätten immer noch Sommer. Der Herbst war eine schöne Zeit, brachte aber leider auch viel Arbeit mit sich.
Auch jetzt war er bereits auf dem Weg zu einem nahegelegenen Feld, um sich dort mit seinen Landsleuten zu treffen und die Ernte einzubringen. Es würde wohl noch ein paar Tage dauern bis sie damit fertig waren. Aber die Scheunen und Keller waren bereits gut gefüllt.
Wahrscheinlich hätte er das gar nicht tun müssen, denn er war kein Bauer. Immerhin war er der Sohn des angelsächsischen Earls Godwin Wulfnothson von Wessex. Nach Ansicht mancher Männer seines Standes hätte er sich für solche Arbeiten viel zu schade sein müssen.
Doch als gutes Vorbild für sein Volk machte er sich ebenfalls auf den Weg, um bei der Ernte zu helfen. Denn wenn sie nicht alle mit anpackten, würde es im Winter wenig zu essen geben.
Dichter Nebel lag über dem Wald und erschwerte ihm zudem die Sicht. Alle Geräusche wurden verschluckt.
Plötzlich scheute sein Pferd.
„Ruhig, ganz ruhig“, versuchte Harold, das Tier zu beruhigen.
Doch der Wallach tänzelte nur nervös von einer Seite zur anderen. Unsicher zupfte Harold an den Zügeln und sah sich um. Doch der dichte Nebel verschluckte den Weg und nahm ihm jede Sicht.
Innerlich schalt er sich einen Narren. Dies war der perfekte Angriffspunkt für den Feind. Jeder könnte ihn nun überwältigen, denn er würde den Angreifer nicht einmal kommen sehen.
Im Gebüsch knackte etwas und Harold zog sein Schwert.
„Wer ist da?“, verlangte er zu wissen.
Einige Herzschläge vergingen, aber nichts rührte sich.
Das Pferd tänzelte noch immer nervös und warf schließlich den Kopf zurück. Harold hatte Mühe, es zu beruhigen. Immer wieder sah er sich um, doch dank des dichten Nebels konnte er nichts erkennen.
Da bewegte sich etwas zwischen den Bäumen.
Harold spannte sich unwillkürlich an.
Ein Pferd kam langsam aus dem Nebel getrottet. Es war ein kräftiges Tier, doch es wirkte erschöpft. Schaum stand an seinem Maul, und an seiner Flanke klebte getrocknetes Blut.
Auf seinem Rücken konnte sich nur mit Mühe ein Mann halten. Seine Kleidung war zerrissen, und eine Hand presste sich gegen seine Seite.
Harold packte das Schwert fester – bis er den Reiter erkannte.
„William?“
Der Mann hob den Kopf. Schmerz verschleierte seine Augen.
„Was ist geschehen?“, fragte Harold.
„Angriff“, stöhnte William. Zu mehr war er nicht fähig, ihm fehlte schlichtweg die Kraft.
Gegen seinen Willen ritt Harold näher heran.
Jetzt wäre es ein Leichtes gewesen, den anderen zu töten.
William der Eroberer, der Herzog aus der Normandie.
Sie kannten einander. Vielleicht waren sie sogar so etwas wie Freunde, zumindest aber keine Feinde. Wenn er ihn jetzt und hier tötete, würde niemand etwas davon erfahren. Man könnte seinen Tod dem Angriff zuschreiben.
Doch Harold biss die Zähne zusammen.
Er würde keinen wehrlosen Menschen töten. Sei es nun auch der Feind.
Er lenkte sein Pferd neben Williams und nahm dessen Zügel.
Irgendwo im dichten Nebel krächzte ein Rabe.
„Ich kümmere mich um deine Wunden“, sagte er, nachdem er einen Blick auf das Blut geworfen hatte.
William keuchte und streckte die Hand aus.
„Danke.“ Mehr brachte er nicht heraus.
Harold sah ihn einen Moment lang an.
Vielleicht war es keine gute Entscheidung gewesen.
Aber nun war William ihm etwas schuldig.
Und vielleicht würde sich eines Tages herausstellen, dass diese Schuld wichtiger war, als Harold heute ahnen konnte.
Die Zeit würde es zeigen.
ENDE