13. Oktober - Du riechst nach Regen und Kaminfeuer
13. Oktober - Du riechst nach Regen und Kaminfeuer
Hallo zusammen,
hier die nächste Geschichte:
Datum: 13.10.2026
Fandom: Knightfall
Stichwort: Du riechst nach Regen und Kaminfeuer
Der Herbst war über das Land hereingebrochen, und das Wetter hatte sich in den letzten Tagen drastisch verändert. Die Nächte waren kalt geworden, und der erste Frost würde sicherlich nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Der Wind zerrte an dem Gebäude, als Landry du Lauzon die Halle betrat. Kurz sah er sich um, doch keiner seiner Brüder nahm Notiz von ihm, was ihm mehr als recht war.
Eigentlich hätte er zuerst seinem Komtur Bericht erstatten müssen. Er war zurück von seinem Auftrag und hatte diesen erfolgreich beendet. Doch im Augenblick ärgerte er sich noch immer darüber, dass er ohne seinen Freund Tankred de Hauteville unterwegs gewesen war.
Normalerweise übernahmen sie schwierige Aufträge gemeinsam. So war es für sie beide sicherer. Doch seit ihr Komtur Godwin Mowbray von ihnen beiden wusste, war es schwieriger geworden, gemeinsame Zeit zu verbringen.
Für Godwin war ihre Beziehung zu einer Sünde geworden. Ein Mann sollte nicht bei einem anderen Mann liegen. Für ihn war es jedoch noch schlimmer, weil er Landry wie einen Sohn betrachtete. Dieses Geheimnis, seine Gefühle für Tankred, durfte niemals ans Licht kommen.
Denn das wäre das Ende für sie alle.
Die Kirche duldete gleichgeschlechtliche Liebe nicht – und schon gar nicht unter ihren Tempelrittern. Trotzdem konnte Landry nicht anders. Er liebte seinen Partner über alles.
Vielleicht war genau, dass der Grund, warum er zuerst seine eigenen Räume aufsuchte. Als Vertreter des Komturs stand ihm ein eigenes Zimmer zu.
Da Tankred nicht bei den anderen war, würde er seinen Partner sicher dort finden.
Wie von selbst führten ihn seine Füße dorthin. Leise klopfte er an.
Es dauerte nur wenige Herzschläge, bis sich die Tür einen Spaltbreit öffnete und Tankred ihm entgegenblickte.
Sofort hellten sich die Züge des älteren Mannes auf, und er öffnete die Tür weiter.
»Du bist wieder da. Und dir scheint es gut zu gehen.«
Landry wusste, dass dies keine wirkliche Frage war. Tankreds Augen huschten über seinen Körper, während er das Zimmer betrat.
»Ja, mir geht es gut. Du musst dir keine Sorgen machen. Allerdings fand ich es nicht gut, dass unser Komtur mich allein losgeschickt hat. Zusammen wäre es für uns beide viel sicherer gewesen.«
Sein Freund nickte und setzte sich auf das Bett. Sein Blick blieb auf Landry gerichtet, der noch immer in dem kleinen Zimmer stand, das nur von einer einzelnen Kerze und dem Feuer im Kamin erhellt wurde.
»Du riechst nach Regen und Kaminfeuer«, meinte Tankred.
Nun musste Landry lachen und kam ebenfalls näher. Die Handschuhe hatte er bereits abgelegt, und nun folgte auch das Obergewand.
Auch wenn das Wetter draußen alles andere als freundlich war, herrschte in diesem Zimmer angenehme Wärme. Im Kamin brannte ein munteres Feuer.
»Draußen regnet es schon wieder, und ich bin durch die Halle gegangen, auf der Suche nach dir«, antwortete Landry.
Sie lächelten einander an, und Tankred rückte ein Stück zur Seite, als sein Freund sich neben ihn setzte.
»War die Reise gefährlich?«, wollte er wissen.
»Nicht gefährlicher als alles andere. Aber ich möchte nicht wieder ohne dich losziehen müssen. Das werde ich Godwin auch sagen.«
Tankred seufzte leise. Diese Diskussion führten sie schließlich nicht zum ersten Mal.
Er wusste nur zu gut, wohin das wieder führen würde, und er hatte keine Lust, darüber nachzudenken.
»Das ist mir sehr wohl bewusst. Aber du weißt auch, dass wir auf seine Gunst angewiesen sind. Wenn er jemandem von uns erzählt, werden wir beide auf dem Scheiterhaufen sterben. Und diesen Tod möchte ich nicht erleben.«
Er machte eine kurze Pause.
»Wenn wir beide sterben, dann nur auf dem Schlachtfeld.«
Das letzte Wort war kaum mehr als ein Flüstern.
Landry biss die Zähne zusammen. Er hasste es, wenn sein Partner so darüber sprach.
Natürlich wollte keiner von ihnen den Feuertod sterben. Aber sie wussten beide, dass es jederzeit geschehen konnte, wenn sie nicht vorsichtig waren.
»Ich will mich jetzt nicht darüber streiten«, sagte Landry schließlich. »Ich bin froh, dass ich zurück bin, bevor das Unwetter draußen losbricht. Können wir die Zeit, die wir haben, nicht einfach genießen?«
Fragend sah er seinen Freund an.
Tankred schmunzelte.
»Sicher können wir das. Wenn du die Tür versperrst.«
Ohne Widerworte stand Landry auf und ging hinüber zur Tür. Er schob den Riegel vor und kehrte anschließend zu seinem Freund zurück.
»Möchtest du nicht nachsehen, ob ich nicht doch verletzt bin?«
Beiden war klar, dass diese Worte auch ernst gemeint sein konnten.
Aber diesmal lag nur Schalk in Landrys Stimme.
Und Tankred wäre nicht Tankred gewesen, wenn er darauf nicht eingegangen wäre.
Schließlich mussten sie jeden einzelnen Augenblick genießen, den sie gemeinsam hatten.
Draußen peitschte der Regen gegen die Fenster.
Drinnen knisterte das Feuer.
Und für eine Weile gab es nur sie beide.
ENDE