03. Oktober - Bodies
03. Oktober - Bodies
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03. Oktober
Serie: Bodies - Alfred und Henry
Wort: Atemwölkchen
Es war kalt geworden in London. Die Menschen eilten dick eingepackt umher oder verkrochen sich in ihre Wohnungen, wenn sie das Glück hatten, eine zu besitzen.
Dennoch war das Elend auf der Straße schrecklich und kaum zu ertragen, dabei sollte er es gewohnt sein. Es fiel Alfred Hillinghead jeden Tag schwer, zur Arbeit zu gehen und die armen Seelen zu erblicken, die kein Dach über dem Kopf hatten. Viele Menschen litten an Hunger und Krankheit. Es gab zu wenige Wohnungen und zu wenig Arbeit und zu viele Menschen in London.
Die letzten Nächte lagen bereits unter dem Gefrierpunkt, und dabei hatte der Winter noch nicht einmal begonnen.
Wahrscheinlich würden ihn wieder mehrere Berichte über erfrorene Leichen im Büro erwarten, dabei wünschte er sich nicht sehnlichster als zurück zu seinem Freund Henry.
Der Gedanke daran mochte lächerlich und albern sein und Alfred schnaubte. Sein Atem bildet dabei kleine Wölkchen vor seinem Mund, und er zog den Mantel fest um sich.
Alles wäre schöner als bei diesem Wetter draußen herumzulaufen, aber er musste zur Arbeit - genau wie sein Freund.
Seit einigen Wochen war er mit dem Journalisten Henry Ashe zusammen.
Seine Liebe zu dem jungen Mann durfte in ihrer Welt nicht sein. Sie war verboten und wenn sie erwischt wurden, wartete der Tod auf sie beide oder den Arbeitslader.
Unwillig schüttelte sich Alfred und verdrängte jeden Gedanken daran.
Im Büro erwartete ihn viel Arbeit. Es hatte einige Schlägereien in der Nacht gegeben und nun gab es acht Leichen, dazu mehrere Verletzte.
Seufzend machte sich Alfred an die Arbeit.
Am späten Nachmittag traf er sich mit Henry, um über den Fall zu sprechen. Sein kleines blondes Wunder, wie er ihn gerne nannte, kannte jemanden, der dabei gewesen war.
„Denkst du, er redet mit uns?“, fragte er.
Henry schenkte ihm ein Lächeln. „Wenn du ihm etwas zu trinken spendierst und seinen Namen heraushältst, dann sicherlich.“
Nur recht ungern wollte er darauf antworten. Aber was tat man nicht alles für einen Fall und eben auch für seinen Freund? Denn für ihn sprang eine gute Geschichte dabei heraus.
Henrys Atem bildete kleine weiße Wölkchen vor seinem Gesicht. „Zu Hause wärme ich dich auf“, raunte er.
Der Journalist stockte und grinste zufrieden. „Mit dem größten Vergnügen.“
ENDE