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30. Oktober - Original

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30. Oktober - Original

Hallo zusammen,

und weiter geht es mit dem 30. Oktober. Dies gehört heute nicht zu einer Serie, sondern ist ein Original basierend auf einer Gruselgeschichte aus London.

Viel Spaß.

30. Oktober

Serie: Original

Wort: Gruselgeschichte

Der Highgate Cemetery gehört zu den Magnificent Seven, einer Reihe von Friedhöfen, die innerhalb von zehn Jahren rund um London entstanden. Er wurde 1839 eröffnet und liegt im heutigen Stadtbezirk Camden der britischen Hauptstadt London.

Auf diesem Friedhof sind viele Exilanten begraben, zum Beispiel der deutsche Philosoph Karl Marx.

Heute jedoch ging es denn beiden jungen Männern nicht um irgendwelche berühmten Persönlichkeiten, die hier begraben lagen.

Der Highgate Friedhof war auch noch für etwas anderes bekannt. Schon seit langer Zeit sollte es hier spuken.

„Na los, lass uns gehen, das müssen wir uns unbedingt anschauen“, sagte James.

Sein Freund Reno verzog nur das Gesicht. Er hielt wenig bis gar nichts von ihrem heutigen nächtlichen Ausflug. Es gab bessere Dinge, als nachts im Dunkeln auf einem Friedhof herumzuschleichen.

„Du willst doch nur einen Geist sehen. Aber Schatz, du weißt genau, dass es keine Geister gibt“, hielt Reno dagegen.

James zuckte nur mit den Schultern und zwängte sich durch die Lücke im Tor. Über diesen Friedhof ragten sich wie auch über alle anderen sehr viele Geschichten und Legenden. Was sicherlich auch kein Wunder war. Schon seit fast 60 Jahren erzählte man sich, dass in wenigen Nächten im Monat eine Frau in einem langen weißen Kleid erschien und Blumen auf die Gräber legte. Viele hatten diese Frau schon gesehen, aber noch nie mit ihr gesprochen, niemand wusste, wer die Dame war.

Einige sprachen auch von einem Vampir, aber daran glaubten beide Männer gleich gar nicht. Die Nacht hatte sich über London gesenkt und nur wenige Laternen erhalten den alten Friedhof. Heute war dies ein Ort, an dem man wunderschön im Sonnenschein spazieren gehen konnte. Er war fast eine Art Park geworden. Dennoch gab es hier überwucherte Gräber, bröckelige Statuen und ein leichter Nebel zog vom Wasser her auf. Diese Kulisse bot der Fantasie die allergrößten Möglichkeiten und regte daher auch die Spuk und Geistergeschichten an.

„Komm schon, Schatz, wir müssen darüber da hinter. Zwischen der Allee soll der Geist der Frau gesehen worden sein“, erklärte James.

„Du erwartest doch jetzt aber nicht von mir, dass ich die ganze Nacht mit dir auf dem Friedhof verbringe? Es soll kalt werden heute Nacht und ich habe keine Lust, mir hier eine Lungenentzündung zu holen.“

James schwang die Taschenlampe und leuchtete seinem Freund ins Gesicht. „Jetzt hab dich doch nicht so, Schatz. Wir wollen doch heute Nacht auf Geisterjagd gehen. Ich habe mich schließlich schon überreden lassen, dass wir das nicht morgen zu Halloween machen. Dann würden wir sicherlich den Geist sehen.“

Reno verdrehte genervt die Augen und fragte sich, warum er überhaupt hier stand. Er hätte auch einfach zu Hause bleiben können und den Abend mit einem Film oder einem guten Buch verbringen können. Dazu ein Glas Wein und der Abend wäre perfekt gewesen. Aber da er ja seinen Freund nun einmal liebte, war er mit ihm auf den Friedhof gegangen.

Dieser Friedhof war riesig, da nahm er sich mit den anderen nicht viel.

Der Westteil war mit vielen Statuen und Skulpturen ein wundervoller Anblick – zumindest am Tag. Jetzt in der Nacht erschien alles sehr düster und man könnte das Gefühl haben, dass tatsächlich ein Geist auftauchte.

Es gab hier sogar eine Egyptian Avenue.

Diese ägyptische Straße wurde von einem Tor geschlossen gehalten. Zusammen mit James hatte er sich diese schon angeschaut. Jetzt im Dunkeln wollte er jedoch nicht dorthin.

James dagegen schien weniger Sorge oder Angst zu haben. Viel eher leuchtete er mit seiner Taschenlampe überallhin und erzählte von den Geistern. Reno hörte ihm dabei nur mit einem halben Ohr zu, denn wirklich interessieren tat es ihm nicht.

Als James für einen Moment schwieg, knackte irgendwo ein Ast. Reno stieß einen sehr unmännlichen Schrei aus und klammerte sich an seinen Freund. Schützend legte dieser einen Arm um ihn und zog seinen Freund ein bisschen näher an sich heran. Mit der Taschenlampe suchte er die Umgebung ab, konnte aber nichts erkennen.

„Lass uns nach Hause gehen. Ich möchte hier wirklich nicht sein, bitte James, lass uns gehen. Da ist mir ein Horrorfilm eindeutig lieber“, bettelte Reno.

„Wir gehen noch bis ans Ende der Allee und dann drehen wir wieder um. Ich glaube, das hat heute Nacht auch keinen Sinn.“ Irgendwo in der Nähe rief ein Käuzchen und etwas huschte durch die Hecke. Die beiden jungen Männer hörten die Blätter rascheln und Reno riss die Augen auf. Das hier gefiel ihm gar nicht.

Sehen konnte er nichts, aber irgendwie blieb dieses Gefühl, dass etwas in der Nähe war. Es sollte unmöglich sein, aber plötzlich fühlte es sich noch kälter an.

Ganz in der Nähe knackte wieder ein Zweig, und jetzt bekam es auch James mit der Angst zu tun. Er zog seinen Freund hinter sich und hob kampfbereit die Taschenlampe an. Kampflos würde er definitiv nicht aufgeben.

Der Nebel um sie herum nahm noch ein bisschen zu, bevor er sich plötzlich für ein paar Sekunden lichtete. Am anderen Ende der Allee stand eine Frau in einem weißen langen Kleid. Ihre schwarzen Haare umrahmten ein Gesicht, welches die beiden nicht erkennen konnten. Sie stand einfach nur da, bis der Nebel sie verschluckte.

Ohne ein Wort zu sagen, packte James seinen Freund an der Hand und hastete mit ihm zum Ausgang.

Die beiden rannten, als wäre der Teufel hinter ihnen her, denn mit einem Geist wollte sich keiner von beiden anlegen.

Erst als sie das Loch in der Mauer erreicht hatten und auf der anderen Seite standen, atmete beide tief durch. Hier gab es weder Nebel noch war es so  kalt wie hinter der Mauer.

Nur ein sanfter Wind wehte ihnen Blätter vor die Füße.

„Nach Hause“, drängte Reno.

„Auf jeden Fall. Ich habe die Nase voll von Geistern.“ Damit machten sie sich auf den Heimweg.

ENDE