31. Oktober - Ein Extra
31. Oktober - Ein Extra
Hallo zusammen,
hier kommt noch eine Geschichte zu Halloween. Sie enstand für das Projekt aus dem Forun: 6-6-6 Halloweenstories .
Lieben Dank an grober unfug für dieses tolle Projekt. Ich hatte viel Freude beim Schreiben.
Nächtlicher Ausflug
Immer wieder sah sich Tommy um und fragte sich, ob es eine gute Idee gewesen war. Der Wind pfiff um die Ecken und es war kalt.
„Lass uns nach Hause gehen. Wir machen es uns dort gemütlich“, bat er.
Sein Freund blieb unvermittelte stehen und sah ihn an. Sie waren jetzt ein gutes Jahr zusammen und glücklich miteinander, dennoch beäugte er seinen Freund jetzt skeptisch.
„Heute ist Halloween, Schatz. Ich habe extra ein Ouija Board besorgt. Wir werden jetzt einen Geist beschwören.“ Er trat näher zu Tommy. „Hab keine Angst, ich werde dich schon beschützen.“
Tommy schnaubte und funkelte ihn an. „Ich habe keine Angst.“ Das war gelogen und das wussten beide.
Sie waren auf dem Weg zur Johanniter-Heilstätte Sorge Ochsenberg zwischen Sorge und Hohegeiß im Harz. Das alte Sanatorium war früher eine Lungenheilstätte gewesen und angeblich sollte es dort spuken.
Da Thars auf eine Halloweenparty keine Lust gehabt hatte, war eine Geisterbeschwörung der bessere Plan. Später konnte sie es sich zu Hause gemütlich machen und ein Bier trinken. Im Moment stand Thars der Sinn nach anderen Dingen. „Na, wenn es denn unbedingt sein muss. Wir hätten auch zu Johnny gehen können.“
Erneut fragte sich Tommy, warum er das alles auf sich nahm, warum er hier stand, anstatt auf eine Halloweenparty zu gehen. Aber die Antwort war einfach – er liebte Thars.
Dieser küsste ihn auf die Lippen und flüsterte: „Ich werde dich schon dafür entlohnen.“ Tommy legte ihm eine Hand auf die Wange und leckte sich die Lippen. „Wehe, wenn nicht.“ Sie sahen sich noch einmal in die Augen und Tommy stibitzte sich noch einen Kuss.
Erst dann gingen sie weiter. Das Sanatorium lag dunkel vor ihnen und war von einem Zaun umsäumt. „Wir sollten vorsichtig sein, dass uns keine Streife erwischt“, sagte Thars. Er dirigierte seinen Freund über den Schotterweg und zu einer Lücke im Zaun.
Dort drängten sich beide hindurch. Aufmerksam sah sich Tommy um. Das hier war kein guter Ort. „Wollen wir nicht doch lieber nach Hause?“, fragte er.
„Ach komm schon. Das wird witzig“, hielt Thars dagegen.
Er reichte Tommy die Hand und dieser ergriff sie. Hand in Hand schlenderte sie zu dem Gebäude. „Wie sollen wir da hineinkommen?“
Vielleicht bestand ja doch die Chance, nach Hause zu gehen? Aber Thars grinste nur. „Ich habe einen Tipp von Ronny bekommen. Am Eingang zur Küche ist ein Fenster kaputt. Da kann man einsteigen.“
Tommy seufzte innerlich und begab sich in sein Schicksal. Geschmeidig drängte sich Thars durch das Fenster und öffnete seinem Freund die Tür.
Tommy ergriff dankbar dessen Hand und ließ sich ins Innere ziehen. Die Tasche mit den Kerzen und dem Ouija Board nahmen sie mit. Für den Fall, dass es länger dauern würde, hatte Tommy auch noch etwas zu trinken eingepackt, immerhin war Halloween.
Bewaffnet mit ihren Taschenlampen machten sie sich auf den Weg durch das Gebäude. Thars hatte schon eine Idee, wo sie die Sitzung abhalten konnten. Von seinem Kumpel wusste er, dass es auch einen zentralen Bereich gegeben hatte, der schön versteckt lag und man von außen die Kerzen oder das Licht nicht sehen konnte. Wie es schien, war dies ein zweiter Tagesraum für die jüngeren Bewohner gewesen.
Immer wieder sah sich Tommy um und erwartete, dass jeden Moment ein Monster aus den Schatten trat. Selbst mit ihren Taschenlampen konnten sie nicht viel erkennen. Die Dunkelheit war hier allgegenwärtig und schien sie regelrecht zu erdrücken.
Am liebsten hätte er Thars gesagt, dass er nach Hause wollte, aber ihm war auch klar, dass dies nichts bringen würde. Dennoch zog er fester an der Hand seines Freundes und klammerte sich damit schon fast an ihn.
Thars sah ihn überrascht an, sagte aber nichts.
Wie es schien waren sie die einzigen ungebetenen Gäste in der Heilanstalt, worüber beide auch froh waren.
„Wo willst du denn noch hin? Können wir dieses Ritual nicht hier vollziehen? Ich möchte gerne nach Hause“, quengelte Tommy.
„Da vorne rechts muss der Tagesraum sein. Wenn wir diese nicht finden, dann gehen wir eben wieder nach Hause“, gab Thars zurück.
Erneut wollte Tommy protestieren, aber dann erreichten sie tatsächlich den Tagesraum.
Dort suchten sie sich einen halbwegs sauberen Platz und breiteten die Decke auf dem Boden aus.
Danach legte Thars Ouija Board genau in die Mitte der Decke. Erst danach stellte er die Kerzen ringsherum auf, sodass jede in eine Himmelsrichtung zeigte.
„Weißt du denn, was du da tust? Ich möchte nicht, dass wir einen bösen oder rachsüchtigen Geist herbeirufen“, meinte Tommy.
Sein Freund zuckte nur gelassen mit den Schultern und zündete die Kerzen an.
„Ja, sicher weiß ich das. Ich habe mir vorher im Internet mehrere Videos dazu angeschaut und weiß auch, was wir sagen müssen. Er schwieg kurz und deutete dann auf die andere Seite. „Setz dich darüber und dann legst du den Finger auf das Glas.“
Mit klopfendem Herzen folgte Tommy der Anweisung. Das Glas fühlte sich unter seinen Fingern richtig kalt an.
„Ich bin in unserem heutigen Fall das Medium und werde die Frage an den Geist stellen. Es dürfen für den Anfang nur JA oder NEIN Fragen sein“, erklärte Thars.
Tommy nickte und hoffte, dass es schnell wieder vorbei war.
Thars versuchte sich gerade hinzusetzen und schloss die Augen. „Ich grüße dich, Geist. Bitte gib uns ein Zeichen, wenn du bei uns hier im Raum bist. Wir möchten nur mit einem freundlichen Geist sprechen und etwas über unsere Zukunft erfahren.“
Das war in der Tat nicht einmal gelogen.
Zuerst geschah natürlich gar nichts und das Glas rührte sich nicht von der Stelle. Thars wiederholte seine Worte an den Geist erneut und wartete gespannt, was als Nächstes geschah.
Die Kerzen begannen zu flackern, und Tommy zuckte erschrocken zurück. „Nicht den Finger vom Glas nehmen“, mahnte sein Freund.
Nur widerwillig beugte sich Tommy nach vorne und hätte fast aufgeschrien, als sich das Glas auf einmal bewegte.
„Haha Schatz, sehr witzig. Bitte lass das, ich finde das echt unheimlich.“
Es war ihm dabei egal, ob er schwach klang, aber Tommy mochte das im Moment gar nicht. „Das bin ich aber nicht. Ich habe das Glas nicht bewegt“, antwortete Thars.
Tommy fixierte ihn über das Brett hinweg und wollte seinen Finger vom Glas lösen – da bewegte es sich erneut.
Atemlos sahen die beiden Männer zu und Thars sprach die Buchstaben mit. „Wer stört meine Ruhe?“
Verdattert sah Thars seinen Freund an. „Das ist ja cool“, freute sich Thars. Tommy sah alles andere als erfreut an.
„Wir möchten dir einige Fragen stellen. Wer bist du?“
Erneute bewegte sich das Glas über das Brett. Gespannt sah Thars zu und war begeistert. Das hier war wirklich super. Dann gab es also doch Geister und sie sprachen mit einem.
„DISTOLAS“, buchstabierte Thars.
„Bist du hier gestorben?“ Zuerst geschah gar nichts und Thars befürchtete schon, der Geist sei verschwunden. Dann rückte das Glas jedoch über das Ouija-Brett. Erneut buchstabierte Thars.
„Ich bin kein Geist, ich bin ein Dämon.“ Tommy erstarrte und hob einen Finger, aber Thars drückte ihn nieder.
„Bist du ein böser Dämon?“
„Nein.“
Erleichtert atmeten beide auf. Aber das Wesen konnte ja auch lügen, oder?
„Lass uns aufhören. Ich finde das nicht mehr witzig. Du hattest deinen Spaß“, meinte Tommy.
„Nur noch ein paar Fragen. Es kann doch nicht schaden und er tut uns ja nichts.“ Noch war Thars nicht bereit, aufzugeben. Das hier machte ihm zu viel Spaß. Es gab also wirklich Geister und Dämonen.
„Also gut. Sind hier schlimme Dinge passiert?“
Erneut rückte das Glas. „Nein. Ach schade, aber es ist wohl so auch besser. Wo kommst du her?“
Tommy verdrehte die Augen und seufzte, als sich das Glas in Bewegung setzte. „Aus dem dritten Kreis der Hölle.“
Fragend sah er Tommy an, dieser zuckte jedoch nur mit den Schultern. „Was ist der dritte Kreis der Hölle?“ Jetzt war er doch neugierig.
„Der Kreis der Völlerei.“
Das klang schon interessant. „Lass uns endlich aufhören. Es reicht für heute“, bat Tommy.
„Eine letzte Frage an dich, Dämon, werden Tommy und ich zusammenbleiben?“ Sein Freund verdrehte erneut die Augen, sagte aber nichts.
Wieder bewegte sich das Glas und rutschte zu JA.
„Na, das sind gute Nachrichten. Dann lieber Dämon, vielen Dank, auch für deine Zeit und die Antworten. Du musst dich auch bedanken, Schatz.“
Tommy rückte etwas näher und blickte auf das Brett. „Vielen Dank, Dämon. Auf Wiedersehen.“
Damit ließen sie das Glas los und plötzlich fühlte er sich leichter, als wäre etwas Schweres von ihm abgefallen.
Es wurde auch wärmer, auch wenn das gar nicht sein konnte.
„Jetzt gehen wir nach Hause“, verkündete Thars. Er reichte seinem Freund die Hand. „Dass du nach solchen Dingen fragst, ach Thars.“ Tommy küsste ihn sanft auf die Lippen.
„Danke.“
Thars grinste und zog ihn näher. „Lass uns unser eigenes Halloween feiern.“ Das klang gut und Tommy war nur zu gerne bereit dafür.
ENDE
Vorgaben:
4- Freundlicher Dämon (Wesen)
3- Verlassenes Sanatorium/Krankenhaus (Ort)
1- Ouija Board (Gegenstand)