08. Oktober - Dunkelheit
08. Oktober - Dunkelheit
Hallo zusammen,
hier die Geschichte von heute:
Datum: 08.10.2025
Fandom: Domina (Serie)
Stichwort: Dunkelheit
Wenn Livia Drusilla etwas hasste, dann war es die Dunkelheit. Früher hatte sie sich in der Dunkelheit sicher und geborgen gefühlt, aber da lebte auch noch ihr Vater.
Dieser war schon vor vielen Jahren verstorben und ruhte in den Schatten. Wenn sie starb, würde sie ihn wiedersehen.
Sie war die dritte Ehefrau des Gaius Octavius, besser bekannt als der römische Kaiser Augustus.
Ihre Ehe war als ein Zweckbündnis gedacht gewesen. Immerhin hatte sie einen Namen und er suchte eine starke Frau.
Mittlerweile jedoch musste Livia zugeben, dass sie sich in Gaius verliebt hatte, und umgekehrt schien es genauso zu sein.
Ja, man ehrte sie auf eine Weise, die andere römische Frauen nicht kennenlernen durften.
Eine Frau hatte das zu tun, was ihr Mann ihr sagte, da machte es auch keinen Unterschied, mit welchem noblen Namen man geboren worden war.
Man tat, was andere wollten. Sie jedoch nur ein wenig anders. Liviah atte es geschafft, ihren Kopf durchzusetzen und einen der mächtigsten Männer in Rom zu heiraten.
Sollte Gaius sterben, nun, dann sähe die Welt auf jeden Fall anders aus und sie wollte nicht darüber nachdenken.
Der Herbst hatte sich über die Stadt gelegt und es war kalt geworden in der Metropole, die fast täglich weiter wuchs.
Die Tage waren kürzer und die Nächte länger, die immer mehr Dunkelheit brachten.
In manchen Nächten hatte Livia das Gefühl, dass irgendetwas in den Schatten flüsterte. Es konnte Einbildung sein oder auch nur einer der Diener.
Die wahrscheinlichste Erklärung war jedoch, dass irgendjemand versuchte, ihr etwas anzutun. Am ersten wohl ihre Schwägerin Octavia.
Diese ging immer noch davon aus, dass Sie Livia ihren Sohn, Marcus Claudius Marcellus
getötet hätte. Ganz falsch lag Octavia mit diesem Gedanken allerdings nicht. Es hatte schon immer Reibereien zwischen den beiden Schwägerinnen gegeben, aber mit dem Tod von Marcellos hatte es ein neues Tief erreicht.
„Was machst du hier im Dunkeln?“
Erschrocken zuckte Livia zusammen und erhob sich hastig von der Liege vor dem Fenster. Von dort hatte man einen wunderbaren Blick über den Garten.
Es mochte sicherlich nicht sinnvoll sein, vor einem Fenster zu sitzen, aber sie genoss den Ausblick zu den Sternen.
In der Tür stand Gaius mit einer Kerze in der Hand. „Habe ich dich etwa erschreckt, meine Liebe?“, neckte er sie, wusste er doch genau, dass sie keine Schwäche akzeptieren wollte.
Wie nicht anders zu erwarten, verschränkte Livia die Arme vor der Brust und fixierte ihn. Viel sah sie jedoch nicht, da es noch zu dunkel war.
Gauis entzündete mehrere Kerzen in ihrem Schlafzimmer und setzte sich auf das Bett.
„Redest du jetzt gar nicht mehr mit mir? Dann setz dich wenigstens zu mir.“
Seine Frau biss die Zähne zusammen und tat, wie ihr geheißen. Es war nicht ratsam, den Augustus zu verärgern, und das wusste sie aus eigener Erfahrung sehr gut.
„Ich war nur in Gedanken, und nein, du hast mich nicht erschreckt“, gab sie großspurig zurück.
Er hatte den Anstand, nicht zu lachen, sondern sah sie an.
„Du bist immer noch wunderschön“, raunte er.
Überrascht hob sie eine Augenbraue. Sie hatte seine Affäre mit der Sklavin Gemina noch nicht vergessen, auch wenn sie ihm deswegen nicht mehr böse war.
„Bleibst du dann heute Nacht bei mir?“ Sie sah Gaius in die Augen und ärgerte sich über die Schwäche in ihrer Stimme.
„Wenn du es dir wünschst, dann ja.“ Er nahm ihre Hand in seine und strich über ihre Finger.
„Das wünsche ich mir und lass die Kerzen brennen. Ich hasse die Dunkelheit.“
Damit schmiegte sie sich an und wusste, dass die Stimmen, das Flüstern aufhören würde. Er war hier und sie brauchte seine Nähe wie die Luft zum Atmen.
ENDE