LNCrawler

13. Oktober - Opfer

Mit Geschichten Durch Den Oktober — www.fanfiktion.de · All chapters

13. Oktober - Opfer

Hallo zusammen,

hier die Geschichte von heute:

Datum: 13.10.2025

Fandom: SAS

Stichwort:  Opfer

Die Waffe fühlte sich gut und richtig in seiner Hand an. Er würde sie alle töten und hoffen, dass es den Schmerz linderte. Es war ihm egal, dass die anderen Angst vor ihm hatten. Hier ging es nur um ihn und seinen Schmerz. Um den schmerzhaften Verlust, den er empfand.

Robert Blair Mayne, den alle nur Paddy nannten, krampfte eine Hand zur Faust. Am liebsten hätte er geschrien und getobt. Die Trauer um seinen Freund Eoin McGonigal fraß ihn auf.

Wenn er die Augen schloss, dachte er an Eoin, und wenn er schlief, dann träumte er von ihm. Wenn er seine Waffe lud, dann sah er sein Gesicht. Er brauchte ein Opfer, musste jeden töten oder mehrere.

Ob es die Leere in seinem Inneren wohl zum Schweigen bringen würde? Er glaubte nicht daran, aber er musste es zumindest versuchen. Was Eoin jetzt wohl von ihm denken würde? Natürlich war er ein Rüpel und ein Schläger. Dabei hatte er eine Karriere als Anwalt angestrebt. Außerdem war er Universitäts-Boxchampion und irischer Rugby-Nationalspieler. Das alles lag lange zurück. Der Krieg hatte ihn verändert, anders konnte man es nicht mehr sagen.

Das Einzige, was ihn am Leben erhalten hatte, war Eoin. Sein Freund und Geliebter. Ja, er hatte ihn geliebt und das tat er immer noch. Würde es denn jemals aufhören? Er glaubte nicht daran, und im Grunde war es auch egal. Vielleicht starb er in dieser Nacht, oder auch in der nächsten. Der Krieg war noch lange nicht vorbei und er würde nicht aufgeben.

Seine Finger verkrampften sich um den Abzug der Waffe, als er die anderen ansah. Sie alle warteten auf seinen Befehl. Aber konnte er das denn? Konnte er sie in den Tod führen? Würde sie ihm folgen? Was würde Eoin dazu sagen?

Fast war es ihm, als würde er ihn hören. Paddy senkte die Waffe ein paar Zentimeter und atmete tief durch.

Wenn er jetzt starb, würde er Eoin dann wiedersehen? Er hoffte es.

„Was sollen wir tun, Paddy? Es sind so viele“, flüsterte Mike Sadler. Er war ein guter Mann und Eoin hätte ihn sicher gemocht. Zuvor war er bei der Long Range Desert Group, bevor er zum SAS kam.

„Wir stürmen. Tötet sie alle“, antwortete Paddy.

Er grinste und wusste, dass er aussah wie der Teufel. Genau so fühlte er sich auf. „Für Eoin.“

Die Worte waren leise und nur Mike und Johnny Cooper hörten sie. Beide hielten die Luft an und Mike wollte ihn schon aufhalten, aber Paddy war schneller. Er stürmte nach vorn. Suchte sich ein Opfer und erwürgte es mit bloßen Händen. „Warte“, rief Johnny. Aber der andere Mann hörte nicht auf. Er rannte weiter, tötete den nächsten und den nächsten. Die kleine Schar aus Soldaten folgte ihm, und recht schnell hatten sie alle Wachen ausgeschaltet.

Schwitzend und blutbesudelt hob Paddy die Fäuste und jagte dann geduckt auf den Aufenthaltsraum der Deutschen zu.

Er riss die Tür auf und stürmte hinein. In jeder Hand eine Waffe, schoss er um sich. Spürte nicht, wie die Menschen zu Opfern seines Schmerzes wurden.

Sie starben und das alles für Eoin. Er brauchte Rache, auch wenn keiner der anwesenden Männer ihm Eoin genommen hatte.

Er musste töten, um zu vergessen, den Schmerz zu verdrängen. Nur am Rande nahm er sein Team wahr. Hörte, wie sie schossen, hörte die Schreie der überrumpelten sterben Männer, und es war ihm egal.

Er spürte nichts, rein gar nichts.

Mit einem Schrei sprang er über einen Stuhl und zielte. Hinter ihm schrie Mike etwas, aber das war ihm egal.

Sollte er sterben, dann war es ebenso.

Die Deutschen konnten ihn auch für einen Teufel halten. Womöglich war er das auch.

Die Schlacht, wenn man sie denn so nennen wollte, war schnell zu Ende.

Auf dem Boden lagen sterbende und tote Soldaten. Nur einen aus seinem Team hatte es leicht erwischt. Ihm selber war nichts geschehen.

Erschöpft sank Paddy zu Boden. Eine blutige Träne rann über seine Wange. Verzweifelt schloss er die Augen und murmelte nur einen Namen. „Eoin.“

Mike und Johnny traten zu ihm, wagten es aber nicht, ihn zu berühren.

Sie mussten mit Stirling reden. Das war ein echtes Selbstmordkommando und das war nicht gut. Dieser Wahnsinn würde sie alle noch töten, wenn es der Krieg nicht tat.

ENDE