14. Oktober - Monster
14. Oktober - Monster
Hallo zusammen,
hier die Geschichte von heute:
Datum: 14.10.2025
Fandom: The Village - Dorf der Geister
Stichwort: Monster
Unruhig warf sich Dr. Gautham Subramanian hin und her. Er hatte wieder diesen Traum. Den Traum aus der Zeit von Kattiyal hatte er in letzter Zeit recht oft. Er träumte von den Monstern, dem Sterben und den Schmerzen. Dem ganzen Blut und den Toten.
Das Schlimmste waren aber die Monster, auch wenn es in Wahrheit Menschen waren. Sie hatten jedoch nichts Menschliches mehr an sich. Das Leben, dieser Ort, hatte sie verändert und wohl auch verflucht. Er zuckte zusammen, als er das viele Blut sah.
„Wach auf, du bist in Sicherheit. Ich bin bei dir.“ Die leise Stimme drang langsam durch seinen Traum. Gautham blinzelte in die Dunkelheit und spürte eine Bewegung neben sich. „Ich bin da“, sagte Farhan. „Atme. Ganz ruhig. Es ist alles gut. Konzentriere dich auf meine Stimme.“
Sein wunderschöner Söldner Farhan Hameed war bei ihm. Er wachte über ihn. „Ich bin wach“, antwortete Gautham leise.
„Ich hatte schon Sorge um dich“, flüsterte Farhan. Besorgt musterte er den Arzt, der sich in seinen Armen so drehte, dass er ihn ansehen konnte. „Ich hatte wieder diesen Traum“, murmelte Gautham.
„Ich weiß und es macht mir Sorgen“, gab Farhan zurück.
„Da waren diese Monster. Ich sah das Blut und den abgetrennten Arm und den zerteilten Leib.“
Gautham verstummte und atmete tief den Duft seines Freundes ein. An diesem schrecklichen Ort hatte er alles verloren und doch seine große Liebe gefunden.
Kattiyal hatte ihm seine Frau und eine Tochter genommen. Ihr Verlust wog schwer auf seinen Schultern.
„Es ist nicht deine Schuld“, raunte Farhan. Der Söldner strich ihm über den Rücken und zog ihn noch etwas näher an sich heran, bis ihre Stirnen sich berührten.
Auch er hatte seine Tochter verloren, aber nicht in Kattiyal, sondern viel früher. Sie war entführt und erdrosselt worden.
„Das weiß ich. Aber es fühlt sich manchmal so an. Wären wir nicht dort langgefahren, dann wären wir ...“ Es brauchte nichts darüber nachzudenken und zu grübeln. Es änderte nichts.
„Aber dann wären wir uns nie begegnet“, fügte er noch hinzu.
Farhan lächelte sanft und Gautham spürte die Bewegung an seinen Lippen. Sie beruhigte ihn und tat ihm gut.
Dieser Mann war wie ein Güterzug in sein Leben gerauscht, und dafür war er dankbar. Er hatte ihn gerettet und zurückgebracht. Ohne Farhan wäre auch er gestorben.
Zwar hatte er sich scheiden lassen wollen, nun jedoch war er frei. Dennoch blieben der Vorwurf und die Sorge. Ohne den Wunsch nach einer Scheidung wäre sie dort langgefahren.
Es würde immer ein Monster geben. Vielleicht nicht unter dem Bett, aber es war da. Die Monster würden ihn nicht loslassen, aber er war nicht alleine. Er würde nie wieder alleine sein. Dankbar klammerte er sich an Farhan und sie atmeteten eine Weile zusammen.
„Du musst schlafen. Deine Patienten brauchen dich“, sagte Farhan.
Vor zwei Wochen hatte er seine Praxis bezogen, die sehr gut lief. Seine Patienten waren gute Menschen und er liebte seinen Beruf. Zudem vertrauten sie ihm, dem Arzt, und er war nicht bereit, sie zu enttäuschen.
Als Arzt konnte er anderen helfen und das war gut. Gab es seinem Leben doch einen Sinn.
„Du aber auch. Du brauchst genauso deine Ruhe. Fehler können dir auch das Leben kosten.“ Daran mochte Gautham gar nicht erst denken. Am liebsten sähe er es, wenn Farhan in den Innendienst ginge, aber damit wäre er nicht glücklich. Sein Freund gehörte auf die Straße.
Farhan hatte seinen Job als Söldner gekündigt und war zur Polizei gegangen. Seine Referenzen sprachen für ihn und wie Gautham erwartet hatte, hatte man ihm einen guten Posten angeboten.
Vielleicht durften sie nun doch leben – gemeinsam.
Er hoffte es sehr, denn nichts anderes wünschte er sich. Ein Leben, ohne die Schatten und die Monster aus Kattiyal.
„Komm wieder her.“ Damit zog Farhan ihn noch näher und wickelte sich um ihn. Es war warm in ihrem Schlafzimmer, und unter normalen Umständen hätte Farhan nicht in dieser Hitze schlafen können, aber für Gautham tat er es gerne. Sein Freund schmiegte sich an ihn und schloss die Augen, spürte dabei den Herzschlag des anderen.
Bald kam der Schlaf zurück.
ENDE