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30. Oktober - Original zu Samhain

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30. Oktober - Original zu Samhain

Hallo zusammen,

hier die Geschichte von heute:

Datum: 30.10.2025

Fandom: Original

Stichwort: Die Anderswelt

Nervös knetete Martin seine Finger. Er konnte es immer noch nicht glauben, dass heute Nacht endlich Halloween oder besser Samhain war. Diese Nacht war etwas ganz Besonderes und er würde seinen Freund endlich wiedersehen.

Schon gestern war er nach Schottland gekommen und hatte sich hier ein kleines Zimmer genommen. Das Zimmer war nichts Besonderes, aber das zählte auch nicht. Immerhin hatte Martin nicht vor, hierzubleiben.

Unruhig ging er spazieren und konnte es kaum erwarten, bis endlich die Sonne unterging, denn dann würde er den größten Schritt in seinem Leben wagen.

Vor einem Jahr hatte er ihn kennengelernt – den Werdrachen Drake. Ein Mann, ein Wesen, welches es gar nicht geben sollte.

Dank Drake glaubte er nun auch an die andere Seite bzw. an die Anderswelt. Die Welt der keltischen Götter und Mythen.

Heute Nacht würde es endlich so weit sein und sie würden einander wiedersehen.

Er hoffte aus tiefster Seele, dass Drake ihn genauso vermisst hatte und ihn mit offenen Armen empfing.

Es mochte albern sein, sein Leben und seine Hoffnungen auf einen Mann zu stützen, den er vor einem Jahr eine einzige Nacht gesehen hatte. Aber Martin hatte gewusst, dass er es war und immer sein würde.

Es mochte albern sein. Er war extra nach Fairy Glen, auf die Isle of Skye gekommen, um Drake wiederzusehen.

Der Wind frischte auf und brachte Kälte mit sich. Martin wickelte sich enger in seine Jacke und verdrängte jeden Gedanken von Angst.

Links neben ihm wuchsen mehrere Weißdornbüsche, und er wusste, dass diese für die vielen Einheimischen wichtig waren. Auch heute glaubte man noch daran, dass man Stofffetzen daran binden konnte und die Feen einem dann einen Wunsch erfüllten.

Am liebsten hätte er es selber getan, denn er wünschte sich nichts anderes, als Drake endlich wiederzusehen.

Ein Hauch von Angst war immer noch da, dass der andere vielleicht gar nicht erschien oder es sich anders überlegt hatte. Immerhin war ein ganzes Jahr vergangen, in dem Martin seine Angelegenheiten so weit wie möglich geregelt hatte.

Denn eines war für ihn klar: Würde Drake ihn abholen, so würde er für immer bei ihm bleiben und nie wieder in die Welt der Menschen zurückkehren. Dies war ein großer Schritt und der musste sorgfältig durchdacht sein.

Noch einmal atmete er tief durch und schob die Hände in die Taschen. Seine Gedanken würden ihn nicht weiterbringen, das war ihm klar.

Jetzt konnte er nichts anderes tun, als auf den Sonnenuntergang zu warten.

Als es dann endlich soweit war, machte er sich auf in den Wald. Die Stelle hatte er bereits am Tag ausgekundschaftet und wusste, wo er hintreten musste.

Der Sid, der Feenhügel, war gut verborgen, denn nicht jeder Mensch sollte schließlich darüber stolpern.

In der Nacht zu Samhain waren die Wände der Welten dünn, und sowohl die Menschen konnten in die Anderswelt gelangen als auch die Wesen aus der Anderswelt in die Menschenwelt.

Aufgeregt zupfte Martin an seiner Kleidung herum und fragte sich zum millionsten Male, ob der Werdrache wirklich erscheinen würde.

Vielleicht war es auch nur ein dummer Spaß gewesen und er hatte Freude daran, Menschen zu ärgern.

Allerdings hoffte Martin das nicht.

Die Isle of Skye war ein wunderschöner Ort. Die Landschaft mit den bizarren Hügeln war unbeschreiblich.

Kein Wunder, dass die Feen hier lebten, auch wenn er selber noch nicht ganz daran glauben konnte. In dem letzten Jahr hatte er sehr viel darüber gelesen, aber niemand hatte ihm sagen können, ob es Realität war.

Erneut warf er einen Blick auf die Uhr und fragte sich, ob Drake wirklich erscheinen würde. Die Zeit zog sich quälend langsam dahin und seine Hoffnungen schmolzen mit jeder Sekunde. Dann plötzlich begann die Luft zu flimmern und wie aus dem Nichts erschien ein groß gewachsener Mann mit schwarzen Haaren und einem langen roten Mantel.

„Ich hatte so sehr gehofft, dass du kommst.“ Diese Stimme jagte Martin einen regelrechten Schauer über den Rücken.

Unfähig, sich zu bewegen, stand er einfach nur da und starrte ihn an.

„Ich musste herkommen“, hauchte er schließlich.

Ein Licht flammte auf und hüllte Drake regelrecht darin ein. Es war nicht unangenehm und es machte Martin auch keine Angst, aber damit konnte er den anderen besser sehen.

„Wirst du denn hierbleiben?“ Nur eine einzelne Frage, auf die es nur eine Antwort gab.

„Wenn du es wirklich möchtest, so würde ich bei dir bleiben und ein Leben an deiner Seite führen.“

Er hatte immer noch Angst. Angst davor, aus diesem Traum zu erwachen oder dass Drake einfach gehen würde. Vielleicht hatte er sich auch in etwas verrannt und der andere wollte ihn gar nicht. Vielleicht, so glaubte Martin, war es doch ein Fehler, hierherzukommen.

„Es ist kein Fehler. Ich bin froh, dass du hier bist. Ich hatte Angst, du hättest deine Meinung geändert. Ein Jahr ist bei euch Menschen eine lange Zeit.“

Damit trat Drake zu ihm und nahm dessen Hände in seine.

„Meine Gefühle für dich haben sich nicht geändert. Ich werde dir die Anderswelt zeigen und mein Leben mit dir teilen. Wenn du es wünschst, kannst du nächstes Jahr wieder zurück. Aber ich hoffe sehr, dass es dir bei mir gefällt und du nicht den Wunsch hast, zurückzukehren.“

Sie sahen sich in die Augen und Martin wusste, dass er darauf nur mit einem Ja antworten konnte. Immerhin hatte er das letzte Jahr an nichts anderes denken können.

„Dann wirst du mich ab jetzt an deiner Seite haben. Denn ich habe nicht vor, so schnell wiederzusehen.“

Drake lächelte und zog ihn an sich. Der Kuss, der folgte, war sanft, aber auch drängend. „Hab dich vermisst“, hauchte er.

„Und ich dich.“

Niemand konnte sagen, was die Zukunft bringen würde, aber für Martin stand fest, dass er auf jeden Fall bleiben würde.

Dann noch ein Jahr ohne den anderen wollte und konnte er nicht sein.

ENDE