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31. Oktober - Eine Extra Geschichte

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31. Oktober - Eine Extra Geschichte

Hallo zusammen,

hier kommt wie angekündigt die Extrageschichte. Diese ist im Rahmen eines Projektes von Animexx entstanden.

Ich habe mich entschlossen, eine meiner Geschichten zu verlängern und hoffentlich ein paar Fragen zu klären.

Der Leichenraub

Die Hände in den Taschen seines Mantels vergraben, stand Detective Inspector Alfred Hillinghead neben dem Grab und sah hinein.

Es war das vierte Grab in nur zwei Nächten. Dies war nicht das erste Mal, dass Gräber geplündert wurden. Aber noch nie hatte ein Dieb, es so offensichtlich zurückgelassen.

In den meisten Fällen wurde der Diebstahl nicht einmal bemerkt.

„Was denkst du?“ Henry Ashe trat zu ihm, die Kamera in der Hand. „Ich weiß es nicht“, gab Alfred zurück.

Er sah sich um, aber die Constables achteten nicht weiter auf sie.

„Wie bist du durch die Absperrung gekommen?“, fragte Alfred.

Der junge, blonde Mann drehte den Kopf und Alfreds Magen begann zu flattern. Sein blondes Wunder, wie er ihn gerne nannte, konnte mit einem einzigen Blick seine Gedanken beeinflussen. Alfred sah nur ihn und es störte ihn wenig; dabei waren sie an einem Tatort und nicht alleine.

„Ich sagte, ich mache Bilder für euch. Das hat er mir abgekauft.“ Unschuldig zuckte er mit den Schultern und Alfred seufzte. Was hatte er auch anderes erwartet?

„Dann solltest du das tun. Wir brauchen Antworten.“ Alfred sammelte sich und ging um das Grab herum.

„Das kann kein normaler Dieb gewesen sein. Die Leiche lag hier seit acht Jahren, die war nicht mehr frisch. Damit kann er sie nicht verkaufen.“

Leichenraub war immer noch ein großes Problem in dieser Stadt. Die meisten Kinder in der Unterschicht starben vor ihrem ersten Lebensjahr. Wenn es überlebte, lebte es in Hunger, Armut und Krankheit und ging elend zugrunde.

Henry biss sich auf die Lippen, denn er wusste nur zu genau, woran sein Freund gerade dachte. Um sich abzulenken, machte er Bilder.

Dieser Ort war denkbar schlecht geeignet für diese Art von Gefühlen.

„Das ist sehr eigenartig.“ Henry setzte die Kamera ab und blickte ihn an. „Hast du etwas gefunden?“

Neugierig sah er auf die Stelle, auf die Alfred deutete. Fast schien es, als habe dort jemand mit der Hand gegraben und das nicht von außen. Wie konnte das sein? War ihr Dieb ein Spinner?

Alfred sah sich um, als er Schritte hörte.

„Was will der Schmierfink hier, Hillinghead?“, knurrte Inspector Webster.

„Er macht Bilder für uns“, erklärte Alfred so ruhig wie möglich. Sein Kollege schien wenig angetan von der Idee. „Wir haben selber Fotografen. Der nutzt diese Bilder doch nur für seine Zwecke.“ Webster kniff die Augen zusammen. Es war kein Geheimnis, dass er Henry nicht mochte und ihn am liebsten wegsperren wollte. Da war er nicht der einzige Beamte. Denn Henry war unter ihnen bekannt, zumal er Männer mochte.

Wäre Alfred nicht, so hätte man ihn nie herkommen lassen.

„Seine Aufnahmen sind detaillierter als die unserer Fotografen. Er hat eine ruhige Hand“, gab Alfred zurück.

Webster kniff verärgert die Augen zusammen. „Entfernen Sie ihn. Ist eines der Bilder heute Abend in der Zeitung, ist er fällig, und ich sorge dafür, dass er in New Gate landet.“

Henry ließ langsam die Kamera sinken. Der Kerl war ein Arsch und sprach, als wäre er nicht da.

„Sicher. Ein Bild möchte ich noch machen lassen.“ Alfred zwang sich zur Ruhe und deutete auf eine Stelle neben dem Grabstein. Henry kam dem Wunsch nach und schoss das Bild. Dann ließ er die Kamera sinken.

„Ich kümmere mich um den Fall“, brummte Webster. „Die Bilder will ich haben“, setzte er noch hinzu.

Wütend ballte Alfred die Hände zu Fäusten. Was erdreistete sich dieser Mann? Sein Blick wandert zu Henry und dieser schüttelte unmerklich den Kopf.

Webster rief nach einem Constable und Alfred wandte sich ab. So schnell würde er nicht aufgeben.

Dank Henry würde er gute Bilder haben, denn gelogen war es nicht. Dessen Bilder waren gut und eine große Hilfe für ihn.

Zusammen mit Henry verließ er kurz darauf den Friedhof. „Willst du dich aus dem Fall zurückziehen?“, fragte Henry.

„Nein, das werde ich nicht. Ich dachte, du hilfst mir und wir finden gemeinsam den Dieb“, gab er zurück.

„Na klar, ich bin dabei. Aber es gibt zu viele Friedhöfe. Wir müssen erst herausfinden, was der Dieb sucht, um herauszufinden, wo er wieder zuschlägt.“

Henry klemmte sich die Kamera unter den Arm und ging etwas zu dicht bei Alfred.

Dieser hätte ihn gerne berührt, aber das war nun einmal unmöglich.

„Du hättest zur Polizei gehen sollen.“ Sie sahen sich an und diese wunderschönen blauen Augen leuchteten schelmisch. „Vielleicht. Aber ich habe da eine Idee, wie wir die Wartezeit wegen der Bilder überbrücken können.“

Dass dies nichts mit dem Fall zu tun hatte, war beiden klar, aber Alfred nahm diesen Vorschlag gerne an. Vor allem als sich Henry über die Lippen leckte. Da konnte die Wartezeit gerne länger dauern.

Trotz dessen war ihm der Fall wichtig. Vor allem als Henry ihm die Bilder vorlegte.

„Schau dir das mal an. Was denkst du, ist das? Ich habe so etwas auch noch nie gesehen“, meinte Henry.

Er trank einen Schluck Tee und verzog das Gesicht, denn dieser war mittlerweile kalt geworden.

Alfred setzte seine Brille auf und besah sich das Bild genauer.

Zuerst sah er gar nichts, bis ihm der Schatten auffiel.

„Wir müssen herausfinden, was geschehen ist. Der Name der Toten war Emilia Dorset. Sie ist samt Sarg verschwunden. Das kann doch alles kein Zufall sein, oder? Zumal die Leiche nicht frisch war“, wundert er sich.

Das gab ihm ein Rätsel auf, denn es ergab wenig Sinn.

„Ich höre mich einmal um. So ein Fall erregt Aufmerksamkeit. Nicht nur bei der Zeitung. Es wird sicher jemand etwas wissen“, gab Henry zurück.

„Gut, aber sei auf der Hut.“ Alfred holte tief Luft. Es war ihm nicht recht, Henry mit in einen Fall hinzuziehen.

„Danke.“ Der junge Mann grinste. „Es wird dann auf jeden Fall meine Story.“

Etwas anderes hatte Alfred auch nicht erwartet. Es war aber besser, es erschien im Starr als in einem anderen Schmierblatt.

„Natürlich. Aber nur, wenn wir damit nicht zu viel Staub aufwirbeln.“

Henry nickte zustimmend, denn das war nicht das erste Mal.

Wie sich herausstellte, war es nicht einfach, jemanden zu finden, der über den Leichenraub etwas wusste.

Die Polizei tappte im Dunkeln und auch über Henrys Kontakte war es schwierig. Gehört hatten sie alle davon, aber niemand wollte damit etwas zu tun haben.

„Es ist Grabschändung“, sagte ein Mann und spuckte aus. „Morgen ist Samhain. Vielleicht hat er die Leichen geholt.“ Schnell machte er ein Bannzeichen gegen das Böse vor der Brust.

„Samhain? Du glaubst, dass der Gott aufersteht?“, fragte Henry nach.

Sein Kontakt, Malcolm, schnalzte mit der Zunge. „Wer klaut sonst alte Leichen?“

Das war in der Tat die Frage, auf die er keine Antwort hatte.

„Wir brauchen eine Gemeinsamkeit. Wo könnte es wieder passieren? Was denkst du?“

Malcolm spuckte erneut aus. „Rede mit Nathaniel. Der steht auf das Okkulte.“

Henry tippte sich an den Hut zum Dank und ließ Malcolm stehen.

Mit dem Okkulten hatte er Henry auf eine Idee gebracht, denn daran hatte er noch gar nicht gedacht. Vor allem, da Samhain war. Das Fest wurde immer beliebter und sogar die Königin feierte es.

Was war, wenn es da einen Zusammenhang gab? Zuerst musste er mit Nathaniel sprechen.

Seitdem er vor ein paar Monaten seinen Bruder verloren hatte, ging es ihm nicht gut. Er hatte sich stark verändert und war davon besessen, seinen Bruder wiederzusehen.

Soweit Henry wusste, hatte er schon öfters an einer spiritistischen Sitzung, einer Séance, teilgenommen. Ob er dabei wirklich mit seinem Bruder sprach, konnte niemand sagen.

Henry selber hielt wenig bis gar nichts davon. Die Toten waren tot und man sollte sie ruhen lassen, so zumindest seine Meinung.

Sein Weg führte ihn zur Whitechapel Bell Foundry, denn dort arbeitete Nathaniel.

Zu seinem Glück war er auch da.

„Hallo Nathaniel, wie geht es dir? Erinnerst du dich an mich? Ich bin es, Henry Ash.“

Er winkte ihm freundlich zu und Nathaniel legte sein Werkzeug zur Seite.

Im Gegensatz zu Henry stand er nicht auf Männer, aber auf Alkohol und leichte Mädchen, zumindest vor dem Tod seines Bruders.

„Hallo Henry, ja ich weiß wer du bist. Was willst du?“ Ein Hauch Verärgerung huschte über dessen Gesicht.

Er war dünner geworden und sein Gesicht wirkte eingefallen. Henry lächelte freundlich, denn er wollte ihn nicht verärgern.

„Hast du von dem Leichenraub gehört? Es gab mehrere in den letzten Tagen. Alles alte Gräber. Die Leichen sind samt der Särge verschwunden. Ich hörte, du interessierst dich für Okkultes. Könnte es damit zusammenhängen?“

Es waren riskante Worte, das war Henry klar, aber er musste es wissen. Etwas sagte ihm, dass ihnen die Zeit davon lief.

Nathaniel blickte ihn an, als hätte er den Verstand verloren.

„Denkst du, ich war es?“

Sofort schüttelte Henry den Kopf. „Natürlich nicht. Ich will aber diese Story und suche nach Informationen“, wiegelte er ab.

Eine Weile schwieg Nathaniel. Nur der Lärm um sie war zu hören.

„Es gibt viele Gerüchte. Man hört die Leute reden. Sie alle haben Angst, weil morgen auch Samhain ist.“ Nathaniel seufzte.

„Ich glaube an Geister und Dämonen. An ein Leben danach und daran, dass ich Augustus wiedersehen werde. Mein Bruder ist noch da und wartet auf mich.“ Er legte den Kopf schief und schien nachzudenken oder auch nach seinem Bruder zu suchen. So recht konnte Henry es nicht benennen.

„Es wurden auf sechs der sieben Friedhöfe Leichen gestohlen. Es fehlt nur noch einer davon. Ob das Sinn ergibt oder nicht, weiß ich nicht. Jetzt muss ich weiterarbeiten.“

Damit wandte sich Nathaniel um und ließ Henry verwundert stehen.

Diese Informationen musste er erst mal verdauen. Zumal er nicht daran gedacht hatte.

Die Glorreichen Sieben oder auch die Magnificent Seven waren bekannt. Es gab noch mehr kleinere Friedhöfe für die schnell wachsende Stadt, aber diese waren zum Teil recht neu angelegt und gewaltig.

Jetzt musste er mit Alfred sprechen.

Sein Freund saß an seinem Schreibtisch und studierte eine Akte. Überrascht blickte Alfred auf, denn er hatte nicht damit gerechnet, dass Henry zu ihm kam. Beide wussten, wie gefährlich es war, wenn der Journalist sich hier auf der Wache blicken ließ.

„Was machst du hier?“, fragte Alfred und sah sich um. Zu seinem Glück war Webster nicht da.

„Ich habe Informationen. Wir müssen heute Abend auf den Friedhof. Welche der Glorreichen Sieben wurde noch nicht bestohlen?“

Ohne diese Worte zu hinterfragen, schnappte sich Alfred die Akten.

„Zuerst war es , Kensal Green , dann Tower Hamlets, West Norwood, Tower Hamlets, Highgate, Brompton und Abney Park. Es fehlt Nunhead“, stellte er fest.

„Gut, dann gehen wir dorthin.“

Henry wollte noch mehr sagen, aber Stimmen wurden laut. Eilig duckte er sich, denn es war schlecht, wenn man ihn schon wieder hier bei Alfred erwischte. Es gab einige Kollegen, die es mehr oder weniger akzeptierten, aber für die meisten war Henry ein Schmierfink und Journalisten waren ungern gesehen. Zudem hatte der junge Mann eben einen sehr zweifelhaften Ruf.

Alfred sah einige Constables vorbeigehen und gab Henry schließlich ein Zeichen, dass er gehen konnte.

Den Rest würden sie später besprechen.

Es war schon lange dunkel und die Nacht hatte sich kalt über London gelegt, als sie durch das Tor von Nunhead schlüpften.

Unterwegs hatte Henry ihm erzählt, wer ihm den Tipp gegeben hatte. Alfred war sich nicht sicher, ob er diesem Mann trauen konnte, kannte er ihn doch nicht einmal.

Aber welche andere Wahl blieb ihnen schon? Er brauchte Erfolge, und das vor allem schnell. Am besten gleich noch mit einem Täter. Wobei er sich ernsthaft fragte, ob das Ganze wirklich mit einem okkulten Hintergrund zusammenhing.

Solche Dinge sprossen zurzeit wie Pilze aus dem Boden und verbreiteten sich vor allem in der gehobenen Gesellschaft wie ein Lauffeuer.

Es war zur Mode geworden, die Geister zu befragen, was das Leben für die Lebenden brachte. Wirklich verstehen tat er es nicht, denn was konnte ein Geist ihm schon sagen? Woher sollte ein Geist seine Zukunft kennen?

Das waren einfach zu viele Dinge, die für ihn bis jetzt keinen Sinn ergaben.

Aber er wusste auch, dass die Reichen einfach zu viel Zeit hatten und dies wohl einfach nur zur Zerstreuung nutzten.

Der Nunhead Friedhof war groß und bereits recht voll. Dabei gab es ihn erst seit 1840.

Aber das war eben das Problem ihrer Stadt. Es gab zu viele Menschen und damit auch unweigerlich zu viel Tote.

So recht wusste er gar nicht, wo sie beginnen sollten zu suchen.

Auf eine Laterne hatten sie verzichtet, denn sie wollten nicht auffallen. Alfred wusste nur zu gut, dass es hier auch Nachtwächter gab.

Nur der Mond und die Sterne spendeten ihnen ein wenig Licht.

Die Nacht war wirklich bitterkalt und er rieb seine Finger aneinander, um sie zu wärmen.

Bevor sie hergekommen waren hatte Alfred noch einmal die Akten studiert, denn er hoffte immer noch einen Zusammenhang zu finden. Aber den gab es nicht. Von Reich bis Arm war alles vertreten.

Es war unmöglich zu sagen in welcher Ecke das Friedhofes ihr die erneut Zuschlag. So blieb ihnen nichts anderes übrig als die gegen systematisch abzusuchen.

Was sich leider als recht schwierig herausstellte, da sie nur zu zweit waren. Allerdings hatte Alfred Webster nichts davon sagen wollen, denn dann hätte er Henrys Einmischung in den Fall erklären müssen und das konnte er nicht.

Die Zeit schritt unerbittlich voran und irgendwann hörten sie die Kirchturmuhr Mitternacht schlagen. Da sie bis jetzt auch noch nicht wussten, um welche Zeit die Räuber zuschlugen, konnten sie nichts anderes tun als abwarten und die Augen offenhalten.

Henry kickte einen Stein aus dem Weg und wünschte sich in seine Wohnung. Mittlerweile war ihm auch kalt und er spürte seine Füße kaum noch.

Gerade als er mit Alfred darüber sprechen wollte, hörten sie ein leises Schaben.

Jemand fluchte und etwas ging gedämpft zu Boden.

Alfred gab ihm ein Zeichen und sie schlichen näher.

Neben einem Mausoleum standen zwei Schemen. Eine kleine Blendlaterne stand neben ihnen.

Die Gestalten waren mit Schaufeln und einem Sack bewaffnet, und einer hatte begonnen, das Grab auszuheben.

„Hol den Nachtwächter und dann die Constables. Sie sollen kommen. Los geh schon“, drängte Alfred.

Henry wollte protestieren und seinen Freund nicht mit diesen Verrückten hierlassen. Das es keine Dämonen waren, war ihm klar, aber welcher Mensch tat so etwas?

„Jetzt, Henry.“

Dieser drückte seine Hand und rannte zum Tor.

Alfred sah ihnen noch eine Weile zu und zählte dabei bis 50. Seine nicht mehr kalten Finger umklammerten den Schlagstock. Eine Waffe hatte er nicht dabei und er ärgerte sich bereits jetzt darüber. Hätte er doch nur eingesteckt.

Die beiden Männer schienen allein. Immer wieder sahen sie sich um. Sie waren schnell und gründlich, wie er mit Bedauern feststellte.

Er hoffte nur, dass Henry bald zurückkam.

Als er hörte, wie die Schaufel auf Holz stieß, wusste er, das er keine Zeit mehr hatte. Er schlich näher, umschlang den Schlagstock fester und rief: „Polizei. Keine Bewegung. Sie sind festgenommen.“

Die beiden Kerle fuhren herum. Der, der nicht im Loch stand, hob seinen Spaten wie eine Waffe.

„Niemals“, knurrte er.

„Meine Kollegen haben euch umzingelt. Ergebt euch, dann reden wir darüber.“ Alfred machte einen Schritt nach vorn und schwang seinen Schlagstock.

Der Mann lachte. „Ein Bulle, wie süß. Verschwinde, oder deine Kollegen finden dich in dem Loch“, zischte er.

Mutig machte Alfred noch einen Schritt. Dabei schlug ihm das Herz bis zum Hals.

„Warum die Toten? Was wollt ihr damit? Das sind keine frischen Leichen mehr“, fragte er.

Der Mann in dem Loch stieß erneut zu und das Holz splitterte.

„Wir sind keine Leichendiebe. Also zumindest nicht so.“ Er spuckte aus und sein Kumpel, der auf der Erde stand, machte ein Zeichen gegen das Böse.

„Unser Auftraggber will verwesene Leichen. Braucht sie für ein Ritual.“

Es klang abwertend und Alfred verstand nur Bahnhof.

„Welches Ritual?“ Gespannt wartete er und lauschte in die Nacht. Waren das Schritte?

„Irgendwas Okkultes“, brummte der in dem Loch. „Genug gefragt. John mach ihn platt.“

Damit wandte er sich wieder dem Sarg zu.

John kam auf ihn zu und seine gelben Zähne glänzten im Licht der Laterne.

Alfred machte einen Schritt zurück und war erleichtert, als er endlich die Pfeifen seiner Contables hörte.

Stimmen und Rufe wurden laut und dann rannten mehrere Männer auf sie zu.

John und sein Kumpan erstarrten, bevor sie eilig die Beine in die Hand nahmen, aber nicht weit kamen, denn die Constables versperrten ihnen den Weg.

Ein heftiges Gerangel entstand, an dem sich Alfred nicht beteiligte. Er suchte nach Henry, der sich jedoch im Hintergrund hielt.

Webster kam auf ihn zu und stemmte die Hände in die Hüften.

„Was soll das Hillinghead?“, donnerte er.

„Das saind die Leichendiebe. Sie haben es gestanden. Auch dass sie für jemanden arbeiten. Jemand Großes, nehme ich an.“

Mit erhobenem Kopf stand Alfred da und funkelte seinen Kollegen an. Sie waren von gleichem Rang und er würde sich nichts sagen lassen.

Ohne Henry hätte er die Diebe zudem nicht gefunden.

„Nehmt sie mit. Wir müssen sie befragen.“ Webster funkelte ihn an und ließ sich zu einem schmalen Lächeln herab. Einen Dank würde es nicht geben, aber das war Alfred auch egal.

Er wollte es nur verstehen.

Wie sich herausstellte, arbeiteten die Männer für Sir Julian Harker, dem niemand eine Frage dazu stellen durfte, denn der Mann stand über allem.

Die Diebe sollten gehängt werden, aber der wahre Schuldige blieb davon unberührt. So war es immer. Die Reichen kamen damit davon und sie würden nie erfahren, was der Mann geplant hatte.

Zumindest Henry hatte einen Artikel schreiben können, der für genug Wirbel und Aufmerksamkeit sorgte.

ENDE