Tag 10: Mystical (= geheimnisvoll, mystisch)
Tag 10: Mystical (= geheimnisvoll, mystisch)
Tag 10: Mystical (= geheimnisvoll, mystisch)
Anmerkung: Und wieder ein kleiner Rücksprung zu unseren Helden unter der Erde. Es passiert nicht viel, aber sie erhalten ein paar bedeutsame Informationen. Immerhin. Vielleicht bringt sie das jetzt auch endlich ein großes Stück weiter. Vom wem sie die bekommen? Lest selbst!
* * *
Das winzige Kätzchen in Heddys Händen maunze protestierend und versuchte sich zu befreien. Gut, dass die Halblingsfrau beide Hände frei hatte und es dadurch so festhalten konnte, dass es sich nicht in ihrer Kleidung oder in ihr selbst verbiss.
„Was machen wir den jetzt nur damit?“, fragte sie hilflos und auch Arcanicus seufzte.
„Ich wünschte, ich könnte dir diese Frage beantworten, auch wenn ich froh bin, dass das Zepter uns diesmal gerettet hat“, meinte er. „Auch wenn wir dadurch immer noch nicht wissen, was es mit dem Ding auf sich hat. Und warum es von dem Oger von solchem Interesse ist. Vorher hat es doch auch die ganze Zeit in diesem Tempel herum gelegen.“
„Genau das ist der Grund … wisperte es auf einmal von allen Seiten. Heddy quietschte, als sich eine der Wurzeln in der Erde über ihr bewegte und zu einer hölzernen Frau formte, nicht viel größer als der geschrumpfte Magier, der trotz der Überraschung das Magielicht aufrecht erhielt. „Ich bin „Willa vom Wurzelvolk. Und ich beobachte euch schon eine ganze Weile. Andere haben ein Auge auf eure Freunde und sie werden vielleicht eingreifen …“
Der Magier nickte. „Ich habe von euch gehört und gelesen, auch Floralee hat mir von euch erzählt. Das Wurzelvolk gehört zu den Urgeistern des Elements Erde. Es ist uns deshalb eine große Ehre, dich kennenzulernen, Willa!“, sagte er höflich. „Und verzeiht, den Schaden, den wir angerichtet haben.“
„Nun …“ Das Wurzelweib musterte ihn ausdruckslos, aber ihre Stimme klang weiter sanft. „Dich trifft keine Schuld, denn du bist ja auch von den dunklen Kräften betroffen. Aber du …“ Sie hob mahnend einen Finger. „Du solltest nicht so achtlos mit dem Zepter umgehen!“
Heddy schluckte und grinste verlegen, sagte „Au!“ als sie das Kätzchen in den Finger kniff. „Tut mir ja auch leid! Ich habe ja nicht gedacht, dass es so schnell zum Leben erwachen würde. Und eben, das war nur Selbstschutz, wir wollten nicht gefressen werden.“
„Nun … dennoch ist es ärgerlich, das du einem weiteren Wesen geschadet hast.“ Das Wurzelweib blieb weiterhin ernst.
„Weißt du denn, was es mit dem Artefakt auf sich hat? Wenn die Frage erlaubt ist“, frage Arcanicus dann ruhig. „Du scheinst es ja irgendwie zu kennen.“
„Nicht ich, aber wir vom Wurzelvolk teilen alle Erinnerungen, auch die derer, die vor uns da waren. Ja, deshalb erinnern wir uns an die Armee der Oger und den dunklen Magier an ihrer Seite. Sie wollten uns und das Bauwerk der Menschen vernichten, um dieses Gebiet an sich zu reißen und mit ihren üblen Kräften zu verderben, damit ihr dunkler Herr hier wandeln und seine Herrschaft erweitern konnte…“
„Ggorw…“, entfuhr es Arcanicus, doch das Wurzelweib unterbrach ihn mit einer barschen Geste und scharfen Stimme: „Sprich seinen Namen nicht aus!“
„Verzeih …“ Arcanicus holte tief Luft. „Dann gehörte das Zepter also diesem Magier!“
„Ja. Und er richtete damit sehr viel Schaden an, so dass die Bäume Tränen weinten und unsere Ahnen sich vor Schmerzen wanden. Meine Muhme weiß heute noch davon zu berichten, deshalb hat sie mich geschickt.“
„Wie kam es, dass der Typ dann im Tempel unter einer Säule begraben lag?“, warf Heddy ein. „Ich habe das Ding da aus seinen Skeletthänden gerissen? Und kann es noch mehr, als zu verkleinern?“
Das Wurzelweib sah von einem zum anderen. „In den kundigen Händen kann es so viel mehr, das hat meine Muhme durch die Zweige in den Bäumen sehen können.“ Es überlegte. „Aber ihr solltet nicht weiter in mich drängen, das könnte sie erzürnen. Es ist nicht an euch, seine Macht zu entfesseln, denn das Zepter könnte nur noch mehr zerstören.“
„Dann habe ich nur noch eine Frage, die das Gegenteil bewirken soll. Gibt es denn einen Weg, den Zauber umzukehren, und mich wie auch die Raubkatze wieder groß zu machen, damit das Unrecht wieder aufgehoben wird?“, fragte Arcanicus. „Und wenn ja, wo könnten wir die Hilfe finden?“
Es raunte und raschelte um sie herum. Dann beugte sich das Wurzelweib zu ihnen hin. „Da müsst ihr wohl schon die Herrin fragen, die damals gegen die Dunklen kämpfte. Sie wird auch wissen, was mit dem Zepter geschehen soll.“ Sie überlegte einen Moment. „Ihr findet sie dort bei den Hohen Steinen jenseits des hölzernen Herzens, wenn ihr offenen Herzens seit!“
„Das ist schon einmal ein Anfang und hilft uns sicher weiter!“, Arcanicus lächelte dankbar, auch wenn es in seinem Inneren nicht viel besser als zuvor aussah.
So mystisch und geheimnisvoll die Begegnung auch sein mochte, er konnte sie allerdings nicht wirklich genießen. Denn sie hatten zwar ein paar gute Hnweise bekommen, das machte das Zepter aber noch gefährlicher als es schon war. Aber welchen andere Möglichkeit hatten im Moment überhaupt? Und was war mit Floralee und Alriko. Lebten sie wirklich noch?
Fragen über Fragen … doch Antworten würden sie nicht erhalten, denn mit einem Mal zog sich das Wesen zurück und wurde wieder zu einem Teil des Wurzelwerks
Damit waren sie erneut allein, sah man einmal von dem maunzenden Kätzchen ab, dass sich aber langsam scheinbar in sein Schicksal zu ergeben schien.
Er atmete ein und wieder aus.
Es stimmte nicht ganz, was er fühlte, denn eines war anders als zuvor. Ein würziger Duft erfüllte die Höhle, ein feines Schimmern war im Licht der Magie zu sehen.
Und dann spürte er es:
Neben einem Strohhalm, an den sie sich klammern konnten, einem Funken der Hoffnung, erfüllt ihn auch wieder neue Kraft. Eine mystische Energie, die ihn berührte und durchflutete. Eine Gabe der uralten Geschöpfe, die sich eben manifestiert hatten. Aber noch, das wusste er, war die Zeit nicht gekommen, sie zu nutzen …