Tag 18: Flightless (= flugunfähig)
Tag 18: Flightless (= flugunfähig)
Tag 18: Flightless (= flugunfähig)
Anmerkung: Es passte jetzt gerade so schön ins Bild und ergänzt die Geschichte ganz nett. Mal sehen, wie sich das alles dann weiter entwickeln wird. Auf jeden Fall war das wieder ein sehr netter Teil für mich zu schreiben.
Viel Spaß beim Lesen!
* * *
Floralee und auch Heddy waren zunächst entsetzt über die kaltblütige Handlungsweise von Arcanicus, während Alriko lachte und in die Hände klatschte, weil er das recht passend fand und vermutlich nicht anders gehandelt hätte.
Die Wildelfe aber schnaubte, angewidert von dem Verhalten der Männer und eilte an ihnen vorbei, um sich über das erschöpfte Wesen zu beugen, dass immer noch mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Boden lag. Mit ungewöhnlicher Sanftheit ließ sie ihre Hände über das Geschöpf gleiten, ohne ihm dabei weh zu tun.
Besorgt näherte sich nun auch Floralee, die sich inzwischen wieder gefangen hatte. Sie achtete nicht weiter auf die Leiche des Schwarzgnoms und kauerte sich stattdessen neben die Wildelfe, die sie ansah. „Kannst du ihr helfen Ihre Flügel sind verletzt. Sie wird nie mehr fliegen können?
„Ich will sehen, was ich tun kann.“ Floralee betrachtete das Geschöpf genauer. Zart, zerbrechlich mit feinen, jetzt nicht mehr glänzenden sondern eher blassen und matten Federn lag es am Boden und versuchte gar nicht erst, sich aufzurappeln.
„Das ist ja ein Sonnenvogel!“ Sie gehörten zu den seltensten Zauberwesen der Welt, geschaffen aus dem Licht der Sonne und dem Wehen des Windes. Ganz selten waren im Hochsommer die Gelegenheiten, an denen neue entstehen konnten. Und es war der Erste, den sie in ihrem Leben überhaupt zu Gesicht bekam.
Das rührte die Druidin fast zu Tränen. Wie konnte sie ihm nur helfen? So schwach und vor allem flugunfähig zu bleiben, das würde den Tod für das Wesen bedeuten, und das durfte nicht sein. Denn Sonnenvögel waren auch Boten der Hoffnung und des Lebens und der Verlust von schon einem von ihnen war fatal …
Also muss ich ihm einen Funken meiner Lebenskraft schenken, s chlussfolgerte die Druidin. Nichts anderes wird ihm helfen … Sie lächelte in sich gekehrt. Aber sie hatte sich in ihrem Herzen bereits entschieden. Dem Sonnenvogel ein paar Monate oder ein Jahr ihres Lebens zu schenken, war kein hoher Preis, denn sie wusste ja ohnehin nicht, wie lange sie auf dieser Welt bleiben würde, ehe die Erde sie wieder zu sich rief.
Also ging sie in sich und beschwor die Essenz ihrer Seele herauf. Als sie ihre Fingerspitzen ausstreckte, um dem Sonnenvogel einen Funken zu geben, legte Rrr-Chrri die Hand auf ihre. Für einen Moment trafen sich ihre Blicke.
Unter Floralees Fingern regte sich der Sonnenvogel, als die ersten Funken wie kleine Sterne auf ihn übersprangen. Mit einem Mal nahm das matte Gefieder des Wesens wieder eine leuchtende Farbe an, schillerte wie das Sonnenlicht. Es kam auf die Beine, schüttelte sich und flatterte, um die Flügel auszutesten.
Für einen Moment sah es zu den beiden Frauen hin. Leuchtende Augen, in den Farben des Regenbogens schillernd, musterten sie. Dann erhob es sich in die Lüfte und kreiste über ihnen – schöner und größer als zuvor. Ein süßer, überirdischer Gesang erklang, als sich der Sonnenvogel hinweg hob und im Himmel verschwand.
Eine angenehme, wohlige Wärme erfüllte die Druidin. Wie auch die Gewissheit, dass sie einen neuen Freund gewonnen hatte, der auf sonderbare Weise für immer mir ihr verbunden sein würde. Und mit der Wildelfe, die nun nicht mehr ganz so feindselig und misstrauisch wirkte, aber erst einmal nichts zu ihr sagte. Warum auch, sie brauchten zwischen sich keine Worte mehr.
Um sie herum kehrte auch wieder das Leben in die Landschaft zurück. Vögel begannen zu zwitschern und ein Hase hoppelte aus seiner Deckung.
Wenn es denn nur so einfach wäre, das Böse zu besiegen. Floralee erhob sich wieder und drehte sich zum Rest der Gefährten, die den Schwarzgnom mit ein paar Steinen bedeckt hatten. „Na ja, wir wollen ja nicht, dass sich irgend ein Tier an ihm den Magen verdirbt!“, meinte Alriko.