Tag 22: Beacon (= Leuchtfeuer)
Tag 22: Beacon (= Leuchtfeuer)
Tag 22: Beacon (= Leuchtfeuer)
Anmerkung: Normalerweise sieht ein Leuchtfeuer ja anders aus, aber in diesem Teil passte es wesentlich besser. Und so sieht das dann auch aus. Na ja, jedenfalls kommt die Bande voran. Und ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.
* * *
Der nächste Morgen empfing sie mit trübem Wetter und dichtem Nebel, aber immerhin hatte es irgendwann in der Mitte der Nacht schon aufgehört zu regnen. Immerhin versanken sie jetzt nicht im Schlamm, mussten nur immer und immer wieder Pfützen ausweichen, die sich in Senken und Löchern angesammelt hatten.
Sie schritten eher schweigend voran, drückte das Wetter doch auf auf ihr Gemüt, zudem lag etwas in der Luft, was sie zunächst nicht wirklich deuten konnte, aber es machte das Atmen zunehmend schwer. Immerhin wussten sie durch einen Richtstein an einer Kreuzung zweier Pfade, dass sie auf dem richtigen Weg waren. In anderen Zeiten hätten sie vermutlich am Abend die auf den Markierungen angegebene Stadt erreicht, aber heute…
Deutlicher werdender Brandgeruch gab ihnen eine Ahnung, die von einer lichten Anhöhe aus dann endlich zur Gewissheit wurde. Der Nebel war besonders dicht an dieser Stelle, aber das lag wohl an dem immens großen Feuer das sie von hier aus sehen konnten.
„Sehen“ war übertrieben, denn das sah eher aus wie ein Leuchtfeuer im Küstendunst, nur viel, viel viel größer und im Gegensatz dazu zerstörerischer. Schwefelig gelb leuchtete es durch die Nebelsuppe. Der Gestank war unerträglich. Und bedrückend zugleich.
„Das ist doch die große Stadt an der Küste, in die wir eigentlich nach dem Abstecher in den Tempel hatten gehen wollen, oder?“, fragte Floralee. „Gut dass wir damals die anderen getroffen haben, die uns warnen konnten, sonst wären wir …“ Sie hielt inne.
„Ja, das ist sie. Oder besser … ist sie gewesen.“ Arcanicus nickte. „Wenn ich das richtig deute, dann steht sie vollständig in Flammen und wird bis auf die Grundmauern niederbrennen.“ Er hielt kurz inne, sein Gesicht wurde düster. „Sie ist wohl den Invasoren in die Hände gefallen, und die haben kurzen Prozess gemacht. Na ja, ich hoffe, meine Schwestern, die dort das Kontor leiteten, haben es noch rechtzeitig raus geschafft.“
Heddy berührte ihn am Arm. „Na, so ein bisschen machst du dir doch auch Sorgen um deine Familie, oder? Aber ich verstehe das …“
Der Magier seufzte schwer. „Gerade diese beiden waren mir nicht nur beim Alter am nächsten, wir haben uns auch immer besonders gut verstanden. Sie waren … die besten …“ Er verstummte wieder und starrte eine Weile auf die brennende Stadt, dankbar darüber, das wirklich nicht viel zu sehen war. Und fühlte zudem eine tiefe Traurigkeit in sich aufsteigen, denn immerhin hatte letzte Nacht einiges aufgewühlt in ihm.
Nach einem Augenblick des Schweigens gab er sich einen Ruck. Es half nichts, sich Gedanken über etwas zu machen, auf das es keine Antworten geben konnte. Außerdem hatten sie eine wichtige Mission, die mehr zählte.
„Wir sollten weitergehen. Von hier aus können wir auch nichts unternehmen!“, sagte er dann schroff, wenn auch mehr zu sich selbst.
Die Wildelfe stimmte ihm mit einem Fauchen zu. „Es ist nicht mehrrr weit!“, erklärte sie. „Dann verrrlassen wir diesen Menschenweg. Und gehen tieferrr hinein in die Wildnis!“
Keiner erhob Widerspruch. Es erleichterte sie eher, das die Luft bald wieder atembarer und der Brandgeruch durch den feuchter und modriger Erde ersetzt wurde. Tatsächlich erreichten sie schon bald eine Stelle, an der Rrr-Chrri zwischen die Bäume trat und sie zu sich winkte. „Jetzt achtet auf jeden eurrrerrr Schrrritte!“
Das hatte auch seinen Grund, denn mehr als einmal kamen sie ins Stolpern, waren doch nicht jede Wurzel oder alle Steine unter Laub und Pflanzen gut zu erkennen. Allein die Wildelfe bewegte sich leichtfüßig wie eine Katze über den Grund.
Doch das war nur der Anfang. Denn auch das Dickicht nahm gehörig zu. Und schon bald trat das ein, was sich schon abgezeichnet hatte. Der Weg mochte für Heddy aufgrund ihrer Größe und Rrr-Chrri wegen ihrer Geschicklichkeit weiterhin begehbar sein, aber die Menschen gerieten mehr und mehr in Schwierigkeiten, blieben sie doch immer wieder in Dornen und an Kletten hängen …