Tag 6: Ogre (= Oger)
Tag 6: Ogre (= Oger)
Tag 6: Ogre
Anmerkung: Tja, was fängt man mit so einem Wort an. Ich gebe ja zu, dass ich schon ein wenig auf die Begriffe des nächsten Tages hinarbeite. Deshalb bot sich das jetzt auch so an. Auf jeden Fall geht es jetzt mal ein bisschen rund. Action muss ja auch mal sein!
* * *
Arcanicus duckte sich in deinem Behältnis, darauf hoffend, das in dem Gerangel zwischen seinen Freunden und der fremden Gruppe nicht irgendwer auf den Korb-Käfig trat, der ihm Schutz geben sollte, verfluchte wieder die Tatsache so klein zu sein und nichts tun zu können. Denn würde seine Magie überhaupt funktionieren, wenn er so klein war.
Seine Gedanken rasten und er fragte sich auch, was das ganze sollte. Denn ihm war ebenfalls nicht entgangen, wie eine der Frauen besonders interessiert zugehört hatte, als sich Alriko verplapperte und das Zepter erwähnte. Ganz offensichtlich war sie sehr daran interessiert – warum auch immer – schien mehr darüber zu wissen. Aber woher und warum?
Im nächsten Augenblick aber wurde er unterbrochen, denn er spürte, wie das Behältnis hoch gerissen wurde und hob abwehrend die Hände, das Schlimmste befürchtend. Doch es war glücklicherweise nur Heddy, die ihn aus dem Kampf heraus rettete und ein paar Schritte zurückwich. Sie stieg auf eine Wurzel, die hoch aus dem Boden ragte, heftig atmend und ihn besorgt betrachtend.
„Alles klar?“
„Soweit ja!“, entgegnete Arcanicus . „Ich wünschte ich könnte etwas tun…“
Immerhin hielten sich Alriko und Floralee bisher ganz wacker. Die Druidin hatte Ranken beschworen, die immerhin zwei der Fremden an Bäume gefesselt und damit etwas beschäftigt hielten, während der Krieger auf den Rest eindrosch, aber das würde mit Sicherheit nicht auf Dauer ausreichen.
„Und warum versuchst du es nicht mal?“, keuchte Heddy. „Wenn du klein bist, muss das ja nicht heißen, dass es deine Magie auch nicht ist!“, stellte sie fest. „Schau dir Kobolde und Flügelfeen an!“
Da hatte sie irgendwie recht, aber in seinem Frust hatte er auch nicht so wirklich daran gedacht, das war eine der ersten Regeln, die er in der Akademie gelernt hatte. Bei der Zauberkunst kam es in erster Linie auf das Können und die Konzentration an und nur in zweiter Linie auf das Körperliche.
Arcanicus nickte zustimmend und überlegte deshalb hastig und mit neuer Entschlossenheit, wie er seinen Freunden beistehen konnte.
„Halt mich etwas höher!“, raunte der dann der Halblingsfrau zu. „Ich muss mehr von dem Kampfgeschehen sehen können!“
„Moment, ich klettere noch was höher.“
Und kaum war das geschehen, sondierte der Magier kurz die Lage, holte tief Luft und beschwor einen Zauber, der ihn selbst nicht viel Kraft kostete, aber Energie aus der Umgebung zog, so dass sich einige Blätter in seiner Nähe verfärbten. Es mochte vielleicht nicht dafür ausreichen, jemanden zu töten, aber vielleicht genug ablenken, damit Alriko ihn oder die niederhauen konnte.
Er bedachte eine der Frauen mit den Geschossen, nämlich genau die Diebin, die den Kampf erst ausgelöst hatte, denn durch die magische Sicht, die mit dem Zauber kam, fiel ihm etwas ganz entscheidendes auf – etwas stimmte nicht mit ihren Proportionen … und da war ein seltsamer Schimmer um sie herum, der immer wieder aufblitzte.
Und richtig … waren die ersten überraschten und schmerzerfüllten Schreie noch die einer menschlichen Frau, so wurden die mit einem Mal knurrender und zorniger. Auch die Gestalt veränderte sich.
Die langen Haare fielen ebenso wie die Menschenkleider und die Haut der Frau von ihr ab. Aus der schönen Hülle erwuchs ein grünhäutiges Monster mit ledriger Haut, einem hässlichen Gesicht mit wulstiger Stirn und breiten Lippen, dessen Mund sich jetzt öffnete und kräftige Zähne enthüllten, die auch Menschenknochen zerbeißen konnten.
Für einen Moment erstarb der Kampf. Alle starrten entsetzt auf das Wesen, auf dessen Haut sich nun glühende Tattoos manifestierten, überall dort, wo sie nicht von zottigem Fell überdeckt waren.
„Oh so ein Mist, das ist ja ein Oger!“, japste Heddy. „Der wird uns alle fressen.
„Noch schlimmer. Das ist sogar ein Oger-Magier!“, fügte Arcanicus mit zynischer Stimme hinzu. „Und ich habe eine dunkle Ahnung, was er er will. Aber dazu später … Nur so viel: Das Zepter darf er nicht kriegen!“
[Weiter an Tag 7]