„Du kommst sowieso zurück."
„Du kommst sowieso zurück."
Noahs Sicht
„Er wird wach..."
Meine Augenlider fühlten sich schwer an, mein Mund war trocken. Scheiße...
Ich spürte warme Finger die vorsichtig über meine Stirn striffen. Die Stimme kam mir bekannt vor...
Ich öffnete langsam die Augen und verzog das Gesicht. Ughh so hell...
Caramelfarbenen Augen musterten mich verträumt. „Da bist du ja wieder Oruki."
Lloyd drängte sich neben Zen der ein Stück zurück wich.
„Was...?", krächzte ich, die Stimme trocken.
Zen kicherte. „Du bist ein Wolfwandler und ein besonderer dazu. Du trägst wirklich das Mal..."
Er musterte mich bewundernd und lächelte sanft. „Aber irgendwie konnte ich mir das schon denken."
Ich sah unsicher zu Lloyd, spürte wie meine Augenlieder wieder zufielen...
...
Ich schreckte hoch. Verdammt! Bilder vom Ritual zuckten durch meinen Verstand wie ein dunkler Nachhall...
Ein...Bett? Und ein Zimmer? Wo...?
Ich setzte mich langsam auf und spürte den Holzboden unter meinen nackten Füßen.
Zögernd sah ich mich um. Bett, ein Fenster, ein Kleiderschrank... und eine Tür.
Ich stand vorsichtig auf und spürte wie meine Beine wackelten. Oh Gott...so wackelig hatte ich mich das letzte Mal nach meiner OP gefühlt...
Ich trat langsam durch die Tür raus.
Lloyd drehte sich überrascht um und starrte mich an wie ich im Türrahmen lehnte.
„Du bist wach!"
Er trat sofort an meine Seite und musterte mich sanft. Ich verzog überrascht das Gesicht als etwas reagierte....in mir reagierte...weil er...näher kam?
Lloyd sah meinem Blick und sein Ausdruck wurde besorgt. „Uhm...sorry..."
Ich schüttelte leicht den Kopf und stolperte ein paar Schritte weiter. Oh Gott.... ich nehme zurück was ich in der Zelle gesagt hatte: Das fühlte sich wie der größte Kater aller Zeiten an!
Lloyd schmunzelte. „Dein Ernst? Du vergleichst das mit einem Kater?"
„Was hast du gesagt?",fragte ich fassungslos.
„O-ob du das mit einem Kater vergleichst...?"
„Ich hab das nicht gesagt nur..."
„gedacht...", murmelte Lloyd. „Ja ich...setz dich und ich erkläre es dir."
Lloyd führte mich sanft zum Sofa und ich warf ihm immer mal wieder einen genervten Blick zu, der so viel bedeutete wie 'nimm deine Hand von meinem Rücken' doch er ignorierte es entweder oder sah es wirklich nicht.
Ich ließ mich auf das Sofa fallen und Lloyd setzte sich mit etwas Abstand zu mir ebenfalls.
„Uhm....das Ritual.", flüsterte Lloyd und sah auf den Boden.
„War nervig und hat meinen Rücken gekillt, und?"
„Noah das war nicht einfach irgendwas...Zen hat bei mir von einer Bindung geredet die sie gefestigt hätten. Eine Bindung... zwischen uns..."
Ich starrte ihn an und spürte Panik in mir aufsteigen. „Nein! Das...das stimmt nicht!", fauchte ich, sprang auf und stolperte rückwärts von ihm weg.
Lloyd seufzte und musterte mich besorgt. „Ich versteh das dich das stresst, aber du solltest dich set..."
Er kam langsam auf mich zu und ich wich nach hinten aus. „Nein! Komm mir nicht näher! Ich will davon nichts hören! Du lügst!"
Sein Blick wanderte unsicher zwischen mir und zum Boden hin und her. „Noah... ich...du hast es doch selbst auch gespürt..."
Ich knurrte. „Nein! Das war nur ein Zufall! Du willst mich bloß verarschen!"
„Beruhig dich Wirbelwind. Du tust dir selbst keinen Gefa..."
„Ich tu mir keinen Gefallen?! Du bist viel zu ruhig! Hast du was damit zu tun?! Habt ihr das zusammen geplant?!"
Lloyd starrte mich an. „Willst du mich verarschen?! Denkst du ich will das?! Das Rudel hat gesagt die Bindung existiert seit unserer Wiedergeburt! Sie haben sie nur gefestigt!“
„Wiedergeburt? Gefestigt? Du laberst nur unverständliches Zeug!“
Ich drehte mich wütend um. „Ich geh jetzt einen Ausweg suchen! Damit wenigstens einer von uns etwas sinnvolles tut!"
Lloyd schnaubte und setzte sich wieder auf die Couch. „Mach das. Du kommst sowieso zurück."
„Werde ich nicht!",fauchte ich, rannte raus und schlug die Tür zu.
Es zog unangenehm in meiner Brust und ich ließ meinen Blick durch die...Höhle? wandern. Eine große Höhle... und zusätzlich zu unserer Hütte standen noch vier weitere. Am Ende der Höhle erkannte ich einen Gang und ich lief mit großen Schritten los.
Der Druck in meiner Brust wurde stärker und ich fluchte. Einbildung! Das war nur mein schlechtes Gewissen!
Ich kämpfte mich weiter doch jeder Schritt wurde schwerer, es zog stärker in meiner Brust.
Noch ein Schritt. Ich ging auf die Knie und knurrte. Was war das den für ne Scheiße?!
Ich sah zurück. Ich war höchstens 15 Meter von der Hütte weg. Es ist nur mein schlechtes Gewissen! Mehr nicht!
Ich krabbelte weiter, bis auch hier Stück für Stück meine Kraft mich verließ. Das gibt es doch nicht!
Nach fünf weiteren Metern des Krabbelns kroch ich schon nur noch und zog mich über den Boden während mein Herz raste, schmerzte und mich etwas zurück drängen wollte. Zurück zu Lloyd. Zurück zu seiner Nähe. Ughh! Reiß dich zusammen Noah!
In meiner Brust hatte sich unerträgliches ziehen und ein starker Druck breit gemacht. Meine Atmung war eher schnappend und zittrig.
Ich.muss.weiter...
Ich zog meinen Arm nach vorne und schob mich kraftlos ein Stück weiter. Meine Muskeln zitterten und ich spürte wie schwer mir die Atmung fiel...verdammt...
Hatte Lloyd Recht...? Nein! Ich war bloß noch wackelig von der Ohnmacht! Nichts weiter!
Verdammt. Das war wie bei einer Plank bei der man nach und nach an Kraft verlor, alles brannte, die Atmung schlimmer wurde, alles schmerzte...nur fühlte es sich an wie genau diese Art von Aufgeben des Körpers nur 10 mal schlimmer an...
Ich versuchte mich hochzustützen doch landete sofort wieder auf dem Boden.
Fuck...kurze Pause.
Es hämmerte in meiner Brust und ich keuchte. N-nein...
Ich schob meinen Arm mühevoll nach vorne. Zog mich vielleicht ein bis zwei Zentimeter weiter. Blieb erschöpft liegen.
Ich hatte keine Bindung zu diesem Vollidioten! Schwachsinn! Das waren...nur die Auswirkungen der Ohnmacht...
Ich zog weiter. Fuck...mein Herz... und meine Muskeln... und meine Brust... und eigentlich alles an mir...
Noch ein mini Stück. Diese verdammte Hütte lag vielleicht gerade mal 22 Meter hinter mir? Ich...muss weiter...
Meine Sicht verschwamm und ich blieb nach Luft schnappend liegen. Ich...bekam gerade alles andere als gut Luft...
Ugh...atme Noah...
Mein Körper konnte doch nicht hier versagen....
Ich weiß nicht wie lange ich hier lag, ob es ein paar Sekunden oder Minuten waren, doch dann hörte ich Schritte.
Ich sah schwach hoch, konnte nicht mal meinen Kopf anheben.
Lloyd kniete sich neben mich und grinste spöttisch. „Hm...sehr weit gekommen Wirbelwind. Was waren es? 23 Meter?"
„Fick dich...", brachte ich leise hervor.
„Hab ich gerade nicht vor."
Sein Blick glitt an mir entlang. „Hm...willst du nicht weiter nach einem Ausweg suchen?",spottete Lloyd und ich knurrte. „Ich hasse dich."
„Mhm.",brummte Lloyd und hob mich hoch. „Tu das."
Ich keuchte leise. Auch wenn ich es nicht zugeben wollte: Kaum war er da gewesen hatte der Druck nachgelassen,das ziehen ebenfalls und das Herzrasen war schwächer geworden und nur noch eine Folge der Erschöpfung.
Ein zufriedenes Gefühl breitete sich in mir aus, als er mich zurück trug. Ugh... ich sollte mich nicht über seine Nähe freuen...
Ich seufzte leise auf. „Du bist ein Arsch..."
„Und du ein sturer Idiot der nicht zuhören kann."
„Ich kann zuhören!", protestiertete ich schwach.
„Mhm.", machte er und ich schmeckte förmlich die Ironie.
Drinnen angekommen legte er mich aufs Sofa und warf mir eine Decke über.
Ich blieb einfach liegen. Meine Muskeln protestierten bei jeder kleinen Bewegung die ich tat. Okay wegrennen war keine Option... vielleicht... hatte er doch irgendwo ein kleines bisschen Recht?
Ich hasste diesen Gedanken zugeben zu müssen. Und ich hasste das selbstgefällige Grinsen mit dem er mich musterte, als er sich wieder neben die Couch stellte.
„Ich hab dir einen Kakao gemacht.", murmelte er und stellte die dampfende Tasse auf den kleinen Tisch neben dem Sofa.
„Weshalb?",fragte ich genervt. „Denk nicht das dich das irgendwie sympathischer wieder für mich macht."
Lloyd schnaubte. „Oh bin ich dem Kleinen nicht mehr sympathisch? Das interessiert mich nicht wirklich Noah."
Ich verzog das Gesicht und spürte wie sich mein Herz zusammen zog. Aua...?
„Also war alles nur gelogen?",fragte ich möglichst spöttisch obwohl er wahrscheinlich genau die Verletzheit hinter dem Satz hörte.
Lloyd schmunzelte und setzte sich langsam neben mich. „Nein. Schon vergessen? Ich spiele dir keine Zuneigung vor. Die war sehr echt."
„Warum bist du dann so...?",fragte ich leise und Lloyd musterte mich sanft. „Weil du gerade sehr aufgebracht bist und auch verletzend. Ich weiß das du das nicht böse meinst. Aber genauso wie du gerade etwas Abstand von mir möchtest, so denke ich das es mir gerade ebenfalls besser tut und wenn es auch nur für heute Abend ist. Morgen reden wir vernünftig weiter."
Ich grummelte. „Feigling."
Lloyd schnaubte. „Ich weiß nur wann ich Sachen Zeit geben muss im Gegensatz zu dir."
Er hob mich hoch und brachte mich sanft ins Schlafzimmer. Unser... Schlafzimmer?
„Gleich bekommst du noch deinen Kakao und dann ruhst du dich aus, denkst drüber nach und lässt die Bindung zu. Ändern kannst du es sowieso nicht."
„Wo schläfst du?", murmelte ich und gähnte.
„Couch. Ruf mich wenn du etwas brauchst."
Danach brachte er mir nur noch meine Tasse und verschwand aus dem Zimmer. Ich grummelte. Er hatte die Tür leicht offen gelassen damit ich ihn einfach rufen konnte. Hmm...
„Wie lange hab ich geschlafen?!",rief ich und ich hörte Lloyd zurück brüllen „Seit gestern Abend!"
Ich wollte mich hochquälen doch Lloyd stand schon im Türrahmen. „Weshalb?"
„Ich...mein Testogel..."
Lloyd musterte mich sanft und mein Herz schlug aufgeregt.
„Ich hab mich heute morgen drum gekümmert, hab es jetzt auf deinen Oberarm geschmiert."
Meine Augenbrauen wanderten ungläubig in die Höhe. „W-was aber...wie...warum...?"
Lloyd schmunzelte. „Ich hab dich gerne Wirbelwind. Du hast mir gesagt du musst es jeden Tag benutzen. Also hab ich mich eingelesen."
Ich schluckte. „Du hast..."
Lloyd seufzte. „Nicht zu viel und nicht zu wenig, auf deinen Oberarm und ich hab einen Handschuh getragen damit ich nicht ne extra Portion zu meinem eigenen kassiere."
Ich musterte ihn immer noch ungläubig und lächelte dann leicht. „Danke..."
„Kein Ding. Gute Nacht."
„Nacht...", murmelte ich und sah wie er sich Richtung Couch bewegte. Und egal ob die Bindung echt war oder nicht: gerade tat es mir weh das ich nicht in seiner Nähe war.
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Hiii,
Wieder ein neues Kapitel! Ich hoffe es hat euch gefallen und es geht euch gut!
Liebe Grüße!
Wolf